Woche 2/2026: Kein Ernteglück in Erndtebrück

Montag: Da für den Nachmittag stärkerer Schneefall in Aussicht stand, verzichtete ich auch heute auf das Fahrrad und fuhr mit der Bahn in die neue Arbeitswoche. Eine gute Wahl, wie ich zwischen Ausstieg und Turm bemerkte, als mir eisiger Wind ins Gesicht blies. Macht sich da eine gewisse Verweichlichung bemerkbar?

Nach der Ruhe der vergangenen Woche kommt wieder Geschäftigkeit auf. Das erste Füll-„tatsächlich“ des Jahres hörte ich in einer Besprechung um 9:47 Uhr.

Wie versprochen begann es kurz vor Arbeitsende heftig zu schneien, die Wahl des Verkehrsmittels war die richtige Entscheidung. Nach Rückkehr fand ich im heimischen Briefkasten eine Postkarte aus Duisburg vor und freute mich, nicht nur über die Karte, sondern auch über die Tatsache, nicht in Dänemark zu wohnen, wo die Beförderung von Briefsendungen durch die Post seit diesem Jahr eingestellt ist. Zufällig habe ich gerade heute frische Briefmarken gekauft.

Anschließend suchte ich das Sportstudio auf. Ja, ich mache das immer noch, zweimal wöchentlich, Sie dürfen mich gerne loben. Gegen Ende meiner dritten und letzten Parcours-Runde wurde es relativ voll, innerhalb weniger Minuten trafen mehrere Personen ein, als wäre ein Bus vorgefahren. Vielleicht die guten Vorsätze für das neue Jahr.

Dienstag: Auf dem Fußweg ins Werk bei Schnee und Minusgraden staunte ich über die Läufer am Rheinufer, nicht nur über den einen in T-Shirt und kurzen Hosen, sondern vor allem, dass sie überhaupt liefen, es war stellenweise ziemlich rutschig.

Die Büros im Turm sind wieder bevölkert, die (nach-)weihnachtliche Ruhe endgültig vorüber. „Frohes neues Jahr, kann man wohl noch sagen.“ Ja, kann man. Muss man aber nicht.

Ab dem Mittag fiel Schnee

Auf dem Rückweg schaute ich, ob der Dreikönigsmarkt auf dem Remigiusplatz wirklich noch geöffnet war.

Ja, war er.

Aus der Zeitung:

WC im Keller (im benachbarten Migrapolis-Haus gibt es eine rollstuhlgerechte Toilette, die genutzt werden kann bei Anmeldung im Restaurant einen Tag zuvor).

Winter in Europa: Selbst Spanier frieren bei Minusgraden

(General-Anzeiger online)

Mittwoch: Mit der täglichen Blognotiz ist das so eine Sache. An manchen Tagen kommt die erste Inspiration schon mit den ersten Radionachrichten, an anderen fällt mir bis zum späteren Abend nichts Mitteilenswertes auf oder ein. So ein anderer Tag war heute. Ich könnte berichten über einen planmäßigen Zahnreinigungstermin morgens, erneut schneebedingte ÖPNV-Nutzung, Erbseneintopf zum Mittagessen, die unruhige Kollegin nebenan und den einen jungen Kollegen, der bei Begegnung auf dem Flur oder in der Kaffeeküche weiterhin nicht grüßt oder auch nur Notiz nimmt, weiteren Schneefall ab dem frühen Abend und ausgefallenen Sport, weil die Sportstätte krankheitsbedingt ab nachmittags schloss, doch möchte ich Sie damit nicht unnötig langweilen. (Kann man auch nötig langweilen?)

Den ausgefallenen Sport hole ich morgen nach (bzw. werde ich, wenn Sie es lesen, morgen nachgeholt haben), denn morgen habe ich frei und das Wetter soll ab mittags äußerst unwanderlich werden. Und den sozialinkompetenten Kollegen werde ich künftig konsequent ignorieren. Das wird ihn nicht interessieren, trotzdem.

Donnerstag: Seit gestern Abend haben die Stadtteile im Südwesten von Berlin wieder Strom, nachdem bereits am vergangenen Wochenende irgendwelche linken Vollidioten mutwillig eine Stromleitung zerstört hatten, um nach eigenem Bekenntnis den Wohlhabenden das Licht auszuknipsen oder wie auch immer sie zu schwadronieren beliebten. Wieder einmal wurde deutlich, wie sehr unser Wohlergehen im Zeitalter fortschreitender Elektrifizierung und Digitalisierung von einer zuverlässigen Stromversorgung abhängt und wie leicht sie anzugreifen ist, nicht nur durch linke oder rechte Spinner. Dafür weiß ich keine Lösung, fordere keineswegs die Rückkehr zu Pferdefuhrwerk, Dampfmaschine und Petroleumlampe. Doch eine gewisse Skepsis sei gestattet.

Keine neue Erkenntnis, dennoch der Notiz wert: Es bedarf keiner besonderen Aktivität wie Wandern, um einen freien Tag angenehm zu verbringen, ohne auch nur für einen Augenblick so etwas wie Langeweile zu empfinden. Vielmehr genügt länger schlafen, gemütliches Frühstück außer Haus, hier schauen, dort flanieren, etwas Sport, etwas Computer, etwas Sofa, und schon wird es wieder dunkel. Mehrerer Stunden im Büro bedarf es dazu nicht, des daraus resultierenden Lohnes freilich schon.

In Erndtebrück ist eine Cannabisplantage aufgeflogen, hieß es in den Radionachrichten. Alle Pflanzen fliegen hoch, kein Ernteglück in Erndtebrück.

Unterdessen erwartet Deutschland das Sturmtief Elli, das uns ab dem Abend mit Schnee und Eisglätte heimsuchen soll. Die Deutsche Bahn stellt vorsorglich teilweise den Betrieb ein. Auch wenn es ein Alter-weißer-Mann-Satz sein mag oder, wie der Hamburger Mitblogger es auszudrücken pflegt, Krückstockgefuchtel: Das hätte es bei der Deutschen Bundesbahn nicht gegeben, die fuhr so lange, bis nichts mehr ging. Und da ging einiges.

Bis zum späteren Abend brachte Miss Elli zumindest in Bonn vor allem Regen bei etwas milderer Temperatur.

Freitag: Nachmittags wurde in einer Besprechung ein neues Projekt vorgestellt, das Anfang 2027 abgeschlossen sein soll. Währenddessen erwischte ich mich im Hinblick auf die aktuelle Weltlage bei dem Gedanken: Wer weiß, was bis dahin ist. Ich sollte gelegentlich meinen Optimismus optimieren.

Was schön war: der Fußweg ins Werk morgens, kein Schneesturm, jedenfalls nicht hier, und Grünkohl abends auf der anderen Rheinseite.

Werbung mit unfreiwilliger Komik

Samstag: Mittags stand eine karnevalistische Vereinspflicht in Bad Godesberg-Pennenfeld an, wo unsere Garde einen Auftritt hatte und von uns Musikern begleitet wurde. Auf größeres Unverständnis einer nahestehenden Person stieß meine Wahl des Verkehrsmittels. Gewiss, mit dem Auto wäre ich schneller dort und wieder zurück gewesen, praktischer wäre es wegen der Uniform und der Trommel auch gewesen. Aber meine Abneigung gegen das Autofahren und die Aussicht auf einen Fußweg zwischen Stadtbahnhaltestelle und Veranstaltungsort, zudem die Möglichkeit, das Gelingen des Auftritts anschließend guten Gewissens mit einem Bier zu begießen, waren für mich die stärkeren Argumente.

Man muss nicht alles wissen, ich finde es überhaupt nicht schlimm, wenn eine zufällig aufgekommene Frage unbeantwortet bleibt und greife deswegen nicht sofort zum Datengerät, um das allwissende Netz zu befragen. Ähnlich sieht es Gunkl, der da schreibt:

Wenn ich einmal wissen will, ob es so ist, werde ich recherchieren, ob es ein Telephonzellenmuseum gibt. Bislang bin ich mit der Ungewißheit, was das angeht, einigermaßen zufrieden.

Sonntag: Um mir nicht die Stimmung zu trüben, mied ich bei der Lektüre der Sonntagszeitung alle Artikel, in denen es um Trump, seine Leute und Launen ging.

Die Nacht war sehr kalt, auch tagsüber blieb die Temperatur knapp unter dem Gefrierpunkt. Das hinderte mich nicht am sonntagsüblichen Spaziergang, heute wieder auf die andere Rheinseite durch die Auen vor Schwarzrheindorf. Dort war erhöhtes Spaziergängeraufkommen, mit und ohne Hunde; vermutlich lockte der weiterhin liegende Schnee die Leute nach draußen. Erneut wunderte ich mich über das Temperaturempfinden mancher Menschen, dieses Mal ein junger Radfahrer in sommerlich kurzen Hosen und T-Shirt. Ist das ein neuer Trend oder irgendeine Schellensch, die mal wieder an mir vorbeigegangen ist?

Zurück auf dieser Rheinseite, beobachtete ich unter der Nordbrücke eine Frau und ihren mutmaßlichen Sohn, die Sperrmüll aus dem Kofferraum ihres Autos holten und neben den dortigen Altglas- und Altkleidercontainern ablegten. Sollte ich sie ansprechen? Sie dabei filmen oder wenigstens fotografieren? Was hätte das gebracht, außer Ärger? Zumal der ganze Bereich um die Container und unter der Brücke ohnehin großflächig vermüllt ist, da kommt es auf die paar Sachen auch nicht an. Ja ich weiß, nichts zu tun ist da nicht richtig und ich ärgere mich auch etwas über meine fehlende Courage. Immerhin habe ich mir das Kfz-Kennzeichen notiert, vielleicht überlege ich es mir noch und melde es dem Ordnungsamt.

..
..

***

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche. Und bleiben Sie zuversichtlich.

Woche 25/2025: Möglichst im Schatten

Montag: Schon länger bemängele ich eine allgemein nachlassende Sorgfalt beim Verfassen von Schriftlichkeiten, hier und da merkte ich es bereits an. Heute in einer offiziellen Mitteilung an den Vertrieb: „Wir bitten für euer Verständnis.“ Fürbitte im harten Geschäftsleben ist mir bislang selten begegnet.

Ansonsten war der Start in die neue Arbeitswoche, schon wieder eine viertägige dank Feiertag, erträglich. Nur die Zahl der Besprechungen war etwas zu hoch, davon die erste bereits morgens um halb neun, somit deutlich vor meiner täglichen Buchstabenlieferung. Wenigstens blieben die meisten Kameras aus und ich hatte nur geringen Redeanteil. Währenddessen betrachtete ich in der Ferne die lange Warteschlange vor dem Konferenzzentrum, wo man sich dieser Tage wieder zu einer internationalen Klimakonferenz trifft. Und wieder frage ich mich, ob das dafür ausgestoßene CO2 in einem angemessenen Verhältnis zum zu erwartenden Ergebnis steht.

In einer anderen Besprechung nachmittags schweifte ich gerade gedanklich etwas ab, als ich plötzlich um meine Meinung gefragt wurde. Meine Antwort, nachdem ich das Mikrofon endlich eingeschaltet hatte, lautete sinngemäß „Ja, das kann man so machen.“ Hat hoffentlich keiner gemerkt.

Dienstag: Wenn ich wie heute zu Fuß ins Werk gehe, komme ich in der Innenstadt an einem äußerst hässlichen Haus vorbei. Gebaut wurde es mutmaßlich in den Siebzigerjahren, als ohnehin nicht sonderlich auf Ästhetik geachtet wurde oder man anders darauf schaute, jedenfalls ist mir aus dieser Epoche kein auch nur halbwegs ansehnliches Gebäude bekannt. Dieses Haus mit seiner zweifelhaften Ornamentik aus bräunlicher Metallverkleidung sticht besonders hervor. Im Erdgeschoss ist ein Friseursalon, die Etagen darüber werden von einer Leiharbeitsfirma genutzt. Ob es darüberhinaus weitere Nutzer, gar Bewohner gibt, weiß ich nicht, ist auch nicht wichtig. Weshalb ich es erwähne: An der Fassade ist eine Uhr angebracht. Diese steht schon seit Jahren, seit ich das Gebäude erstmals zur Kenntnis genommen habe, konstant auf halb eins. Als ob sie uns sagen wollte: Es ist nicht fünf vor zwölf, auch nicht fünf nach, sondern schon halb eins, und das seit Jahren. Also seht euch vor, noch fünf Minuten, und es ist um euch geschehen.

Es würde nicht verwundern, wenn es unter Denkmalschutz steht

Am Rheinufer sah ich zahlreiche Konferenzteilnehmer auf umweltfreundlichen Elektrorollern zum Konferenzzentrum rollern, in der Hoffnung, den nächsten Zeigersprung der Uhr aufzuhalten oder wenigstens verzögern zu können. Außerdem zwei mittelalte Läufer, die sich wegen der Wärme bereits am Morgen ihrer T-Shirts entledigt hatten. Auch kein sonderlich ästhetischer Anblick, aber sowas soll man ja nicht mehr sagen oder schreiben wegen Badischäiming.

Auch nicht gerade eine Schönheit

In der Kantine gab es Fairmasthuhn, demnach fair gemästet, welch Widerspruch in sich; dem Huhn gegenüber erscheint es nicht sonderlich fair. Den ersten Gedanken, ob es nicht Viermasthuhn heißen müsste, verwarf ich wieder. (Obwohl die Rechtschreibprüfung keine roten Strichelchen darunter macht.)

Wesentlich zufriedener als Fair- oder Viermasthühner wirkte diese Gänsegroßfamilie, die mir auf dem Rückweg begegnete.

Gans schön viele. Verzeihung.

Mittwoch: Außer dem von mir sehr geschätzten Erbseneintopf zum Mittag verlief der Büroaufenthalt ohne besondere Bemerknisse. Der Tag endete mit einer Geburtstagsfeier in einem Garten südlich von Bad Godesberg. Viel mehr ist danach nicht erinnerlich.

Den Herkulesstauden an den Gleisen wurde noch immer nicht der Garaus gemacht

Donnerstag: An Fronleichnam feiern die Katholiken, wenn ich es richtig verstehe, jedes Jahr muss ich es erneut nachlesen, die bleibende Gegenwart von Jesus Christus. Erfreulich, dass wir auch zweitausend Jahre später deswegen heute nicht ins Büro müssen, auch Unkathohlen nicht. Sofern man im richtigen Bundesland wohnt; in den anderen scheint Jesus nicht so gegenwärtig zu sein.

Den freien Tag nutzte ich nach spätem Frühstück mit den Lieben auf dem Balkon unter anderem für einen längeren Spaziergang durch Schwarzrheindorf und Beuel. Es war sehr warm, nur wenige Menschen zog es aus den Häusern, auf dem sonst stark befahrenen Rheindeich nur wenige Radfahrer. Vielleicht sind die auch alle weggefahren über das lange Wochenende und drängen sich jetzt an irgendwelchen Stränden. Da bleibe ich lieber zu Hause.

Dieser als Reihenhaus getarnte Trafoturm in Beuel war mir bislang entgangen.

Dort läuft die Klimaanlage auf Hochtouren, der Geliebte lässt darüber nicht mit sich reden. Dadurch ist es in der Wohnung kühl, für mein diesbezüglich etwas eigenartiges Empfinden, weswegen ich mir schon die Bezeichnung „fimschiges Weibchen“ gefallen lassen musste, zu kühl. Das treibt mich immer wieder zum Aufwärmen raus auf den Balkon, ehe es mir dort zu warm wird und ich wieder rein gehe, bis es zu kalt wird und ich wieder raus … siehe oben. Man macht was mit.

Auch Frau K. ist übers lange Wochenende weggefahren. In ihrem immer lesenswerten Landlebenblog schreibt sie wieder wunderbare Sätze wie diesen:

… Motorradfahrer brüllen sich über den ohrenbetäubenden Krach ihrer blubbernden Motorräder gegenseitig Unverständliches zu, bevor sie jaulend und heulend starten. Ich wundere mich, mit welcher Begeisterung und welchem Durchhaltevermögen Menschen laut sind – in einer ohnehin ja schon durchaus lauten Zeit. 

Freitag: Im Büro herrschte dank Brückentag der anderen die erwartete Ruhe mit nur wenigen Besprechungen und geringem Aufkommen an Anliegen in Wort und Schrift. Das motivierte mich zu einem zeitigen Verlassen der Arbeitsstätte mit Zwischenhalt zur inneren Kühlung auf dem Heimweg, da man bekanntlich nicht warten soll, bis der Durst sich meldet. Von der wesentlich jüngeren Ausschankkraft wurde ich geduzt, ich werte es positiv und fühle mich geschmeichelt.

Feierabend

Bei Gunkl las ich das wunderbare Wort „Bedeutungsüberschuß“ und nehme mir vor, es demnächst in werklichen Angelegenheiten mal anzuwenden.

Samstag: Heute ist kalendarischer Sommeranfang, nachdem das Wetter sich schon länger sommerlich geriert. Wie üblich verband ich die erforderliche Altglasentsorgung mit einem Spaziergang, stets möglichst im Schatten, durch die Nordstadt, an den Rhein und durch die Innenstadt. In letzterer ist an diesem Wochenende Straßenfest, dazu ist die Friedrichstraße auf voller Länge mit einem roten Teppich ausgelegt und für den Radverkehr gesperrt. Zusätzlich zur dort ohnehin zahlreich ansässigen Gastronomie werden alle paar Meter Speisen und Getränke zum örtlichen Verzehr angeboten, trotz Hitze waren die Plätze gut belegt. An einer Stelle mit Livemusik ging ich etwas schneller, da ich Livemusik außerhalb von Konzerten und Karnevalsveranstaltungen zumeist als lästig empfinde. Immerhin gelang es mir, den gastronomischen Verlockungen zu widerstehen und mich zurück in die klimatisierte Wohnung zu begeben, die mir heute, im Gegensatz zu Donnerstag, nicht zu kalt vorkommt.

Nordstadt, sommerlich

Zeit für eine weitere Frage. Da heute der 21. ist, nehme ich die doch gleich. Frage 21 lautet: „Ist es wichtig für dich, was andere von dir denken?“ Ja, grundsätzlich schon, jedenfalls bei Menschen, die mich kennen und die mir was bedeuten. Das halte ich auch für gut und richtig, denn Leute, denen das völlig egal ist, sind in der Regel die größten Arschlöcher, verzeihen Sie meine derbe Ausdrucksweise. Eine Folge daraus ist ein gesteigertes Harmoniebedürfnis und eine gewisse Konfliktscheu, was nicht immer gut ist, aber ich kann es nicht ändern.

„Bonn gewinnt“, mit dieser an ein in den Achtzigern beliebtes Spiel erinnernden Sentenz, bei dem es darum ging, als erster vier farbige Plastikplättchen in eine Reihe zu bringen, wirbt die amtierende Oberbürgermeisterin auf Plakaten um Wiederwahl bei den Kommunalwahlen im September. Offen bleibt dabei, was genau zu gewinnen ist und gegen wen. Vielleicht Bielefeld? Rätselhaft auch ein anderes Wahlplakat derselben Partei:

Macht für das Morgen? Was bedeutet das? Macht im Sinne von mächtig, oder macht mal?

Gelesen bei Herrn Buddenbohm und zustimmend vehement genickt:

Als älterer Mensch jedenfalls, wenn man aus der Perspektive eines Menschen auf Szenen und Geschehen oder überhaupt auf irgendwas sieht, der nicht mehr primär an Action und Erlebnis interessiert ist, sondern vielleicht allmählich etwas mehr an Ruhe und Kontemplation, ohne damit allzu ambitioniert klingen zu wollen, aus dieser Perspektive, so glaube ich, wirkt die damalige Zeit naheliegenderweise anziehend. […] Wahrscheinlich geht es nicht nur mir so. Wie bekanntlich alle Fragen, die mit „Bin ich eigentlich der oder die Einzige …“ beginnen, kategorisch verneint werden können.

Nein, Sie sind nicht der Einzige.

Sonntag: Auch heute war es sehr warm, wärmer noch als gestern, was selbstverständlich kein hinreichender Grund ist, auf den allsonntäglichen Spaziergang zu verzichten.

Ob DAS die Wähler überzeugt?
Wenig los an der Poppelsdorfer Allee, nicht nur dort

***

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche und den Sommer.

Redaktionsschluss: 18:30

Woche 14/2025: Was kommt da auf uns zu?

Montag: Die Uhrenumstellung wirkte sich nicht auffallend beschwerlich aus. Jedenfalls war ich nicht müder und lustloser als an anderen Montagen.

In den Büros auf dem Flur herrschte freitägliche Leere, aus der Ferne nur die Stimme einer Kollegin, die viel und laut telefoniert. Da die Chefs zu einer Tagung ausgeflogen sind, hielten die meisten Mitarbeiter Anwesenheit offenbar auch nicht für sinnvoll und erforderlich. Mir soll es recht sein. Im Übrigen schien es eine geheime Absprache zu geben, mich per Mail und Teams-Anruf mit möglichst seltsamen Anliegen zu belästigen.

Gelesen und zustimmend genickt – das e13-Blog über künstliche Intelligenz.

Dienstag: In der Kantine gab es Currywurst. Da mir die Warteschlange zu lang war, wählte ich stattdessen Röhrchennudeln mit Pesto, Ziegenkäse und Salat, auf die Walnüsse verzichtete ich. Und ich sah (bzw. schmeckte), dass es gut war.

Die Amerikanische Regierung fordert in diesen Tagen europäische Unternehmen schriftlich auf, alle Programme zur Förderung von Vielfalt und Gleichstellung einzustellen, ist zu lesen. Noch weisen sie die Forderung zurück, nur wie lange noch? Was kommt da auf uns zu?

Im Übrigen fiel ich heute auf keinen Aprilscherz herein. Vielleicht habe ich es auch nur nicht gemerkt.

Die schönste Magnolie der Stadt steht am Rheinufer

Mittwoch: Es muss kein schlechter Tag sein, dessen nicht nur kulinarischer Höhepunkt eine Portion Erbseneintopf zu Mittag ist.

Manche Autos, vor allem, aber nicht nur die protzig-mattlackierten Modelle, fallen durch ein besonders markantes, vermutlich künstlich erzeugtes Motorgeräusch auf, das entfernt wie das Brüllen einer Raubkatze klingt, was vielleicht genau die Absicht der Motorklangdesigner ist. Wenn ich so ein Fahrzeug höre und sehe, stellen sich spontan und ohne sexuellen Hintergrund Mutmaßungen über die Genitalgröße des Fahrers ein. Oder, wesentlich seltener, die Körbchengröße der Fahrerin.

Donnerstag: Zu Fuß ins Werk und zurück bei frühlingshafter Milde. Der Tag erstrahlte in Vorfreude auf das Feierabendbier auf dem Rückweg. Sie wurde erfüllt.

Erfüllung

Jedes Mal, wenn ich wen mit stetem Blick auf das Datengerät essen, gehen oder radeln sehe, glaube ich, der Veropferung der Menschheit beim Wachsen zuzuschauen. Über das Fernsehen sagte man einst Ähnliches. Nicht nur RTL beweist: Es stimmt.

Auch sonst ist die allgemeine Verblödung nicht zu übersehen
Frühling

Das Blättchen der Krankenkasse ist gekommen. Früher warf ich es ungelesen weg, heute blättere ich wenigstens einmal kurz durch. Vielleicht auch ein Zeichen des Älterwerdens.

Freitag: Es ist soweit, die Kirschbäume in der Inneren Nordstadt haben die meisten ihrer Blüten entfaltet, somit blüht uns an diesem Wochenende wieder ein erheblich Andrang.

Morgens war es noch leer
Nachmittags nicht mehr

Kein größerer Andrang hingegen heute auf dem Büroflur. Nur die markante Stimme der dauertelefonierenden Kollegin war aus der Ferne zu vernehmen. Spontaner Gedanke: Wenn ich die zu Hause hätte, würde ich mir eine Pistole besorgen. Ob ich damit sie oder lieber mich selbst erschießen würde, bleibt offen. Selbstverständlich nur ein theoretischer, sogleich wieder verworfener Gedanke.

Samstag: Morgens erreichte mich ein Hilferuf, ob ich morgen bei der Lesung der TapetenPoeten aushelfen könnte, da zwei Vortragende spontan abhanden gekommen sind. Das trifft sich doppelt gut: Zum einen wollte dort ohnehin als Zuhörer hin, zum anderen ist es mir stets ein besonderes Vergnügen.

Meine Erwartung größerer Menschenansammlungen in der Stadt wurde nicht nur erfüllt, sondern übertroffen. Nicht nur die Innere Nordstadt ist voller Kirschblütenkucker, auch in der Fußgängerzone kommt man kaum durch, wobei es eine geheime Absprache zu geben scheint, möglichst langsam zu gehen und oft stehen zu bleiben.

Die samstäglichen Be- und Entsorgungen verband ich mit einem längeren Spaziergang, der zufällig am Lieblingsbiergarten am Rheinufer vorbeiführte, der seit gestern geöffnet ist. Im Gegensatz zur Innenstadt herrschte dort noch nicht viel Betrieb, ich fand ausreichend Platz, um bei einer Halben die Blogs zu lesen.

Lieblingsbiergarten

Sonntag: Wenig überraschend war auch die Lesung nur schwach besucht; die Konkurrenz durch blühende Kirschen, Bonn-Marathon und sonniges, wenn auch deutlich kühleres Wetter war groß. Spaß gemacht hat es dennoch, gerne jederzeit wieder. Unter anderem las ich dies und das vor.

Zum guten Schluss: Erfreulich waren in dieser Woche Erbseneintopf ohne Gesprächseinlage, etwas Applaus und Vorfreude auf die kommende kleine Woche.

***

Ich wünsche Ihnen eine angenehme Woche mit genussvollen Momenten.

Woche 45/2024: Wählerwille, Waldeslust, Liberalenliquidierung und Grünkohl

Montag: Es ist deutlich kühler geworden, auf dem Fahrrad trug ich erstmals wieder Handschuhe und Helmunterziehmütze. Vormittags umhüllte Nebel die Umgebung, in mir sah es kaum anders aus, nicht nur in der ersten Tageshälfte. Gegen Mittag setzte sich die Sonne durch, sie ließ das verbliebene Herbstlaub im Rheinauenpark bunt leuchten, bitte denken Sie sich entsprechende Bilder. Wobei viele Bäume noch weitgehend grün sind, während andere das Laub bereits vollständig abgeworfen haben, auf dass es von städtischen Laubblas-Monstern mit Getöse zu langen Haufen zusammengepustet werde. Insofern weisen die Bäume Ähnlichkeit mit Männern auf: Die einen haben mit sechzig noch volles Haar, von einzelnen Silberfädchen durchzogen, andere sind mit vierzig schon kahl.

Zum Haareraufen auch, was nachmittags in einer Besprechung zu hören war: „… damit wir alle on the same page sind“ und „Wir sind hier in charge“ – Bei letzterem erlaubte ich mir, die liebe Kollegin nach der Bedeutung zu fragen. Die schlichte Antwort entlarvte die völlige Lächerlichkeit dieser aufgeblasenen Phrase.

Städtisches Laubblas-Monster (Archivbild)

Künstliche Intelligenz ist überwertet:

Wie viele mögen diesen Korrekturvorschlag ungefragt übernehmen?

Dienstag: In einer Remscheider Grundschule fällt für längere Zeit der Sportunterricht aus, weil die Turnhalle von Schimmel befallen ist, wurde morgens im Radio gemeldet. Als Schüler hätte mich diese Nachricht wohl in mehrtägige Jubelgesänge versetzt: „Hurra hurra die Halle fault!“

Diese Woche ist kleine Woche, das heißt, Donnerstag ist frei, hurra. Wegen günstiger Wetterprognose wird es wieder ein Wandertag, dieses Mal dank der neuen Schuhe voraussichtlich ohne Fußweh. Inzwischen habe ich mich auch für eine Tour aus der Geplant-Liste in der Wander-App entschieden, auf die ich mich freue. Sofern ich mich nicht noch umentscheide und mich auf und über eine andere freue.

*** Werbung ***

*** Ende Werbung ***

Mittwoch: Morgens lag ein zarter Nieselhauch in der Luft, bei Ankunft im Werk waren die Brillengläser mit Tröpfchen benetzt. Der den Niesel gebärende Nebel hielt sich den ganzen Tag, die Sonne zeigte sich nicht und es wurde nicht richtig hell. Wie es sich gehört für November. Auf meine persönliche Stimmung wirkte sich das kaum aus, die blieb ganztägig zufriedenstellend, vielleicht durch die Vorfreude auf den freien Tag morgen.

Wenig Grund zur Vorfreude bietet das Wahlergebnis in den USA. Sie haben es so gewollt, auch das ist Demokratie, selbst wenn sie damit womöglich bald abgeschafft wird. Vielleicht ist das aber auch eine etwas gewagte These. Darüberhinaus will ich den amerikanischen Wählerwillen nicht bewerten, das können und tun andere ausführlicher und kompetenter. Wie groß mag der wirtschaftliche Schaden sein, weil die Leute heute weltweit über Trump gesprochen haben, statt ihren Geschäften nachzugehen? Auch aus den Nebenbüros war diesbezügliches Geraune zu vernehmen.

Lichtblick des Tages trotz Dauerdunst und Nachrichtenlage: Mittags in der Kantine gab es Erbseneintopf. Erbseneintopf macht glücklich, den hätte ich am liebsten einmal wöchentlich, gerne auch abwechselnd mit Linsen und Grünkohl. Während des Essens fiel von einem Kollegen, der sich bisweilen für den Schnabel der Welt zu halten scheint, der Begriff „Siamesische Zwillinge“. Spontan kam mir der Gedanke, durch einen mehr als unglücklichen Umstand würde ich mit ebendiesem Kollegen siamesisch verschmelzen. Ohne ihm zu nahe treten zu wollen: eine Horrorvorstellung, nicht nur wegen der penetranten Parfümwolke, in die sich mein gedachter Zuwachs gerne hüllt.

Als wenn die US-Wahl nicht schon genug wäre: Abends beeindruckten mich die für ihn ungewohnt deutlichen Worte unseres Bundeskanzlers, mit denen er endlich den Lindner vom Hof gejagt hat. Derartige Deutlichkeit hätte man sich von ihm öfter gewünscht, nicht nur gegenüber der FDP.

Donnerstag: Volker Wissing will trotz Liberalenliqidierung weitermachen als Verkehrsminister, während die anderen FDP-Minister zurücktreten. Außerdem verlässt er die Partei. Vielleicht kommt er dadurch zur Vernunft? Könnte er dann nicht Tempo 130 auf Autobahnen einführen? Nur ein Gedankenspiel, so vernünftig wird er nun auch nicht werden.

Wie bereits angedeutet hatte ich heute frei. Den Inseltag nutzte ich für eine Wanderung durch die Wahner Heide, eines meiner liebsten Wandergebiete in näherer Umgebung mit vielfältiger Landschaft. Morgens spazierte ich zunächst über den Rhein nach Beuel, wo ich in einer Bäckerei frühstückte, danach weiter zum Beueler Bahnhof. Von dort brachte mich die Bahn (pünktlich, man muss es erwähnen) innerhalb weniger Minuten nach Troisdorf, dem Ausgangs- und Endpunkt der Wanderung. Sie führte im Uhrzeigersinn durch die südliche Heide mit Überquerung des Fliegen- und des Güldenbergs, wobei die Bezeichnung „Berg“ für diese leichten Erhebungen ein wenig übertrieben ist. Aus den geplanten knapp fünfzehn wurden gut neunzehn Kilometer, wegen bewusster Abweichung von der Planroute, einmal führte mich Komoot hinter die Fichte bzw. Buche, einmal verpasste ich eine Abzweigung. Alles überhaupt nicht schlimm, im Gegenteil, das Wanderglück war trotz durchgehendem Hochnebel ungetrübt. Auch die neuen Wanderschuhe bewährten sich bestens.

Nur akustisch wurde die Waldeslust leicht beschattet: Im östlichen Viertel durch das Brausen von der Autobahn 3, zudem durchgehend durch startende Flugzeuge vom nahen Flughafen Köln/Bonn, die deutlich zu hören, durch den Hochnebel indes nicht zu sehen waren; umgekehrt wäre es netter gewesen. Nach ziemlich genau vier Stunden war ich wieder in Troisdorf. Da dies nach meinem Empfinden, Troisdorfer mögen es mir verzeihen, kein Ort ist, wo man sich gerne unnötig lange aufhält, nahm ich das nächste öffentliche Verkehrsmittel nach Bonn, den Bus 551. Der braucht wesentlich länger als die Bahn, weil er sich durch zahlreiche enge Ortschaften zwängt, doch das störte nicht; ich saß im Warmen am Fenster und hatte was zu schauen. Nach Rückkehr in Bonn belohnte ich mich, Sie ahnen es vielleicht, mit Currywurst und bayrischem Hellbier.

Wenn Sie schauen möchten:

..
..
..
Stechpalme für Frau L
Die Wahner Heide ist auch ein Kriegsspielplatz
Heide, Herbstausführung
..
Ganzjährig schön: Birken
Aufstieg auf den Fliegenberg
Mehr Moos
Was für ein Pilz ist das?
Kartoffelbovist, wenn ich nicht irre
Buchen auf dem Güldenberg, wo ich vom Wege abkam
Wieder so ein Fall, bei dem man sich fragt, was die Geschichte dahinter ist
..
Leyenweiher

Freitag: Wikipedia setzt die richtigen Prioritäten. (Zur Sicherheit haben sie dazugeschrieben, dass sich das Bild auf die erste Meldung bezieht.)

Quelle: Hauptseite Wikipedia vom 8.11.2024

Wie ich bei der Rückfahrt vom Werk aus den Augenwinkeln sah, liegt die Rheinnixe, die ehemalige Personenfähre nach Beuel, wieder an ihrem Anlegeplatz auf der anderen Seite. Laut einem Zeitungsbericht bekam sie neue Fenster eingebaut, ihre künftige Verwendung ist weiterhin offen.

Abends aß ich den ersten Grünkohl der Saison, der traditionell im Winterhalbjahr gegessen wird, wohingegen Erbsensuppe zu jeder Jahreszeit zulässig ist. Erste Winteranmutung kam auf dem Weg zur Gaststätte beim Überqueren der Rheinbrücke auf, wo uns kalter Wind aus Süden mangels Handschuhen die Hände tief in die Hosentaschen versenken ließ.

Samstag: Nachtrag zu den Ausführungen vom 1. November: Donald Trump hat angekündigt, die USA (mal wieder) aus dem Pariser Klimaschutzabkommen herauszuführen. Das ist nicht sehr überraschend. Man könnte es als altersbedingte Minderleistung bewerten, doch es ist nicht auszuschließen, dass weitere Länder folgen werden.

Gedanke während der Morgentoilette: Viele Leute müssen aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen ihr Essen fotografieren, bevor sie es verspeisen. Alternativ könnte man doch auch im Bild festhalten, was am Ende herauskommt. Allerdings verwarf ich den Gedanken sogleich wieder.

Sonntag: Morgens waren die Augenbrauen zu stutzen, da eine baldige Verwechslung meiner Person mit Theo Waigel zu befürchten war, das will man ja nun wirklich nicht. Aus Erfahrung stellte ich die Schermaschine auf Stufe acht, aber ach, anscheinend setzte ich das Gerät nicht richtig an, dadurch sind die Brauen arg kurz geraten. Anscheinend ist das noch niemandem aufgefallen, man selbst ist ja oft der einzige, der so etwas wahrnimmt. Sie wachsen ja wieder nach.

Morgen ist der Elfte im Elften, somit offizieller Beginn der Karnevalssaison. Das hinderte die Jecken im Stadtteil Tannenbusch nicht daran, bereits heute ihre Sitzung abzuhalten. Unsere Gesellschaft war auch dabei, zugleich der erste öffentliche Auftritt der Session, es lief gut. Ob es Unglück bringt, vor dem Elften aufzutreten, oder man dafür später in der Kamellehölle schmort, weiß ich nicht.

Für die Lektüre der Sonntagszeitung blieb keine Zeit, da ich bereits eine Stunde nach Rückkehr vom Auftritt nach Beuel aufbrach zur Lesung der TapetenPoeten. Wegen Ausfalls einer Teilnehmerin war ich gestern angefragt worden, ob ich lesend aushelfen könnte. Da hilft man doch gerne.

..
Foto: Lothar Schiefer

***

Kommen Sie gut durch die Woche und, wenn Sie es mögen, in die neue Session. Alaaf! (Oder Helau oder was auch immer bei Ihnen zu diesem Anlass gerufen wird.)

Woche 32/2024: Zweifelhaftes Schuhwerk und leichte Vorfreude

Montag: Über den Tag ist hier alles Wesentliche notiert.

Nachtrag: Augen auf beim Fremdwortgebrauch, auch und gerade als Sprachpingel. Die Verwechslung von Rezension und Rezession ist äußerst peinlich für den Schreiber, birgt indes eine gewisse Komik für den kundigen Leser. Herzlichen Dank dem anonymen Hinweisgeber.

Dienstag: Morgens fuhr im Aufzug ein jüngerer Kollege mit mir, der vor mir aussteigen würde. Während er mit dem Datengerät beschäftigt war, befiel mich der Gedanke: Gleich sagt er ciao. Ich wurde nicht enttäuscht.

Weg ins Werk

Wie vor einiger Zeit schon berichtet, kann man bei uns das sogenannte ortsflexible Arbeiten vereinbaren, wenn man es möchte (ich möchte es nicht). Dann darf man mehrere Tage in der Woche zu Hause arbeiten, verzichtet dafür auf einen festen Schreibtisch im Werk. Das führt dazu, dass manchmal, wie heute, in den Nebenbüros Leute sitzen, die ich noch nie gesehen habe und schon gar nicht weiß, was sie dort tun. Aber das kann ich von mir selbst auch nicht immer so genau sagen.

Ich schrieb es schon mehrfach, wiederhole es aus gegebenem Anlass gerne: Das Glück der Welt liegt manchmal in einer Portion Erbseneintopf mit Wursteinlage. Heute Mittag in der Kantine.

Eher gering dagegen der Nährwert von Medaillen. Was ist nochmal der Grund dafür, dass Olympia-Sieger dennoch immer wieder darauf beißen?

Aller guten Dinge sind drei. Heute vor zehn Jahren kam es zu einer Begegnung, von der wohl keiner der Beteiligten gedacht hätte, dass sie bis heute nachwirkt und hier der Erwähnung würdig ist.

Im Laufe des Tages kam mir das Gespräch im Radio mit Bernd Stelter in Erinnerung, das ich am Sonntag während der Rückfahrt aus Bielefeld hörte. Dort sagte er sinngemäß: Wenn ein kleines Kind so richtig verdreht ist und herumschreit, denkt man: Vielleicht ist er müde, vielleicht zahnt er, vielleicht hat er etwas Kacke in der Hose. Genau das sollte man denken, wenn man das nächste Mal von einem mehr oder weniger Erwachsenen angebölkt wird: Vielleicht hat er Kacke in der Hose. Das ist wirklich sehr klug und hat mir heute geholfen. (Ich schreibe nicht, wann und zu welchem Anlass.)

Mittwoch: „Wir sind manchmal ein bisschen blessed“ sagte einer in der Besprechung. Es ergab in dem Zusammenhang keinerlei erkennbaren Sinn, klingt aber für derlei Empfängliche großartig. In derselben Runde fiel innerhalb einer Stunde achtmal das Wort challengen.

Was es alles gibt: Mittags gab es Kotelett ohne Knochen.

Ich las mal von PHS bzw. PCS, Post Holiday/Christmas Syndrom, die tiefe Unlust, nach dem Urlaub bzw. Weihnachten die Arbeit wieder aufzunehmen. An mir selbst beobachte ich zunehmend ein PLS, Post Lunch Syndrom. (Sie dürfen gerne raten, wann diese Notiz entstand.)

Danke liebe Medien, auch der Letzte dürfte inzwischen mitbekommen haben, dass Twitter nun X heißt oder, wie ihr nicht ermüdet es zu erklären, X vormals Twitter.

Donnerstag: Was es alles gibt, Teil 2: heute überraschte die Kantine mit Hüftsteak vom Bio-Hähnchen.

Verrückte Welt: Woanders kommen sie vor Hunger nicht in den Schlaf, wir kaufen fünflagiges Toilettenpapier De Luxe.

Das ist mal eine Geschichte: Der katalanische Separatistenführer Puigdemont hält in Barcelona vor Tausenden eine Rede und verschwindet spurlos, ehe die Polizei ihn verhaften kann. Das war nicht Puigdemont, das war Fantomas. Ooooh!

Freitag: Herren der Generation meines Vaters und meiner Onkel trugen gerne Slipper. In den letzten Tagen sah ich mehrfach junge Männer in diesem zweifelhaften Schuhwerk, bevorzugt ohne Socken. Eine zufällige Häufung oder ein neuer Modetrend? Wenn letzteres, wie konnte es dazu kommen? Gerne hochgezogene weiße Sportsocken, meinethalben auch in Sandalen, aber doch keine Slipper!

Es ist ein natürlicher Reflex. So wie andere zwanghaft „Gesundheit“ rufen, sobald jemand in Hörweite niest, muss ich, wenn ein testosterongelenktes Kraftfahrzeug an mir vorbeiknallt, „Fahr zur Hölle du A …“ rufen oder wenigstens denken.

Samstag: Da der Wochenendeinstieg am Vorabend mit dem üblichen einleitendem Balkon-Cremant, Gaststättenbesuch und abschließendem Abendglas wiederum auf dem Balkon im Rahmen geblieben war, war am Morgen die postalkoholische Todessehnsucht nur von kurzer Dauer. Nach dem nicht sehr späten Frühstück und Auslesen der Tageszeitung verband ich den samstagsüblichen Gang zum Altglascontainer mit einem Besuch der örtlichen Buchhandlung, wo ich Karten erstand für die Lesung des Bloggerkollegen Thomas R. am 31. August gleich in der Nachbarschaft. Ich bin gespannt und freue mich darauf.

Sonntag: Die üblichen Sonntäglichkeiten mit Ausschlafen, Balkonfrühstück, Zeitungslektüre, Spaziergang und Blogslesen im Lieblingsbiergarten. Dem allgemeinen Gejammer über die derzeitige Sommerhitze schließe ich mich nicht an, verspüre gleichwohl eine leichte Vorfreude auf den nahenden Herbst.

Die Bemühungen der Stadt Bonn, Auto- und Radfahrer zu versöhnen, wirken genau so: bemüht

***

Kommen Sie gut durch die Woche.