Woche 20/2024: Therapeutische Unterstromsetzung, Spätburgunder und Selbstbeherrschung

Montag: Der Tag bot Positives. Das Büro hatte ich für mich allein, auch sonst wurde ich weitgehend in Ruhe gelassen, in den Nebenbüros und auf dem Flur nur wenig Betrieb. Der Maileingang, per Teams in Wort und Schrift vorgetragene Anliegen und Besprechungen waren überschaubar. Dennoch war gut zu tun. Vormittags erschien ein Techniker und beseitigte das bei Einzug vor drei Wochen an die Haustechnik als störend gemeldete Brummen der Raumlüftung, mittlerweile hatte ich mich daran gewöhnt. Dennoch erfreulich, dass désormais brummfrei gelüftet wird.

Da meine neuen Mitesser wegen einer Besprechung erst verspätet zu Tisch gingen, nahm ich das Mittagessen allein zu mir, was mir durchaus gelegen kam. Anschließend erlaubte ich mir eine Runde durch den Park.

Das Wetter zeigte sich weiterhin vorsommerlich, die für den Abend angekündigten Regenfälle blieben aus. Nur kurz vor Mittag fiel ein kurzer, heftiger Schauer, der mich am Schreibtisch nicht weiter störte.

Die aktuelle PSYCHOLOGIE HEUTE wurde zugestellt, für mich zum letzten Mal, da ich das Abo nach etwa fünfundzwanzig Jahren gekündigt habe, um mehr Lesezeit für Bücher zu gewinnen. Auch stört mich, wie bereits dargelegt, die mittlerweile nicht nur dort praktizierte Form des Genderns, die mal die männliche, mal die weibliche Form verwendet. Ich bin kein Freund von Sternchen, Binnen-I und -Doppelpunkten, und das von manchen auch männlichen Schreibern mittlerweile verwendete generische Femininum erscheint mit ein wenig störrisch-albern, weil es das Grundproblem nicht löst. Doch dieses Durcheinander halte ich für die schlimmste Form.

Im Übrigen lag wieder eine leichte Montäglichkeit über dem Tag. Die geht vorüber, spätestens morgen.

(Dafür, dass mir zunächst für heute nicht viel eingefallen war, ist es doch recht umfangreich geworden.)

Dienstag: Bereits morgens beim Fußweg ins Werk war es ziemlich warm, ich beklage das nicht.

Ein Farbtupfer der Anmut am Wegesrand

Der Arbeitstag war, verglichen mit gestern, lebhaft: zu zweit im Büro, nebenan und auf dem Flur emsiges Treiben, Mittagessen in größerer Gruppe, auch das alles nicht zu beklagen. Ebenfalls nicht zu beklagen, immerhin werde ich gut dafür bezahlt, allenfalls anzumerken ist, dass ich relativ plötzlich in ein Projekt mit hoher Management Attention und sportlicher Zeitplanung involviert bin; ich nehme an, in nicht allzu ferner Zukunft, jedenfalls lange vor meinem Ruhestand, wird sich niemand mehr dafür interessieren. Wie auch immer – ich werde mein Möglichstes dazu beitragen, auf dass ein mögliches Scheitern nicht mir anzulasten ist.

Vormittags irritierte mich das Verschwinden einer wichtigen Outlook-Aufgabe, die ich regelmäßig fortschreibe, gleichsam als Journal für ein längerfristiges Vorhaben. Heute war sie plötzlich aus der Aufgabenliste verschwunden, weder hatte ich sie versehentlich gelöscht noch auf „erledigt“ gesetzt. Erst nach einiger Zeit fand ich sie im Online-Archiv, wohin sie wegen ihres Alters von zwei Jahren automatisch verschoben wurde. Immerhin beruhigend: Es geht nichts verloren, oder jedenfalls nur selten etwas.

Blogvorschlag des Tages: Ich möge meine fünf Lieblingsfrüchte auflisten. Nun denn: Kirsche, Mirabelle, Spätburgunder, Riesling und Grenache.

Mittwoch: In der Zeitung fand ich zwei bemerkenswerte Berufe: Feelgood-Managerin und Crossover-Performer. Ich habe keine Ahnung und will es auch gar nicht wissen, worin deren Tagwerk besteht, doch das lässt sich Außenstehenden über einen Senior Specialist, was auf meinen Visitenkarten stünde, wenn ich welche hätte, auch nicht immer ganz leicht erklären.

Ansonsten war der Tag recht angenehm. In zwei Angelegenheiten konnte ich wenigstens für mich etwas Struktur bringen, zudem wird sich voraussichtlich auch hier wieder der alte Grundsatz bestätigen, wonach nichts so heiß gegessen wie gekocht wird.

Wichtigste Tätigkeit des Tages: in Outlook eine Abwesenheitsmeldung für den morgigen Inseltag einzustellen.

Die für nachmittags angekündigten starken Regenfälle erwiesen sich als radfahrerverträglich, nach Rückkehr vom Werk musste nicht einmal die Hose getauscht werden.

Vielleicht bin ich mit den Jahren empfindlicher geworden, jedenfalls habe ich den Eindruck, die Leute werden immer lauter. Immer öfter nehme ich wahr, sei es im Werk oder auf der Straße, manchmal auch zu Hause, dass jemand meint, herumblöken zu müssen. Vielleicht irre ich mich auch.

Donnerstag: Ein freier Tag. Wegen ungünstiger Wetterprognose keine Wanderung, stattdessen morgens der lange fällige Termin beim Orthopäden. Seit Monaten* plagt mich zeitweise der untere Rücken mit Schmerz, vor allem nach längerem Liegen. Da ich sehr gerne lange liege, ein auf Dauer inakzeptabler Zustand. Gedacht hatte ich es mir so: Kurz nach neun verlasse ich das Haus, um halb zehn ist der Termin. Vorher nimmt die freundliche Arzthelferin (heißt das noch so?) meine Personalien auf, da ich neuer Patient in der Praxis bin, danach empfängt mich Herr Doktor, hört sich mein Leiden an, schaut, untersucht, verschreibt Tabletten, Salbe, vielleicht Massagen; am Ende mahnt er zu mehr (oder überhaupt) sportlicher Betätigung. Spätestens um halb elf ist alles erledigt, danach frühstücke ich gemütlich im Kaufhof-Restaurant.

*Aufgrund eines Verschreibers stand hier erst „Montagen“. Das ist eine interessante Variante, allerdings plagen mich montags zumeist andere, zusätzliche Unpässlichkeiten.

Und so war es wirklich: Man nahm meine Personalien auf, ich musste für alles Mögliche unterschreiben, sogar ein Foto von mir wollte man gerne haben für die Akten, letzteres freiwillig, wozu auch immer, aber von mir aus. Dann zu Herrn Doktor. Er hörte, schaute, untersuchte und befand: alles schief, krumm, fehlgestellt, verwachsen und verspannt, als sei ich der Glöckner vom Bonner Münster. Anschließend wurde ich geröntgt, hin und her gebogen, bis es mehrfach leicht knackte (aber nicht weh tat), akupunktiert, behämmert, mit Elektroden beklebt vermessen und unter Strom gesetzt; insgesamt dreimal durfte ich mich aus- und wieder ankleiden. Am Ende erhielt ich einen neuen Termin, weitere folgen, sowie eine Verschreibung zu zehn Gerätetherapien beim Physiotherapeuten meiner Wahl. Erst um halb zwölf verließ ich die Praxis. Da das Frühstücksbüffet im Kaufhof dann schließt, frühstückte ich vor einem Café auf dem Marktplatz.

Während der oben genannten therapeutischen Unterstromsetzung las ich den Anfang eines interessanten Zeitschriftenartikels. Wie die Autorin darin beklagt, genügt es heute nicht mehr, sich als lesbisch oder schwul zu bezeichnen, vielmehr muss man (m/w/d) queer sein. Als nur Lesbische oder Schwuler grenzt man andere aus, insbesondere Transsexuelle und Nonbinäre, somit gehört man zu den Bösen. Welch irre Zeiten. Hiermit sei erklärt: Ich bezeichne mich weiterhin (ungern zwar, weil es kein besseres Wort dafür gibt) als schwul, und es liegt mir fern, irgendwen wegen dessen, als was er/sie/es sich fühlt, auszugrenzen. Nicht einmal Heteros.

Freitag: Auch für heute waren wieder erhebliche Regenfälle angekündigt, deshalb war morgens die Stadtbahn das Verkehrsmittel der Wahl. Der Tag zeigte sich trübe, der Regen blieb – im Gegensatz zu südlicheren Regionen, die es heftig traf -, aus, das ermöglichte nachmittags einen außerplanmäßigen Fußmarsch nach Hause.

Viel heller wurde es nicht

Auch am Rheinufer jede Menge beschädigter und abgerissener Wahlplakate, was geht nur vor in den Leuten. Wobei, selbstverständlich ohne das gutzuheißen: Wofür braucht man überhaupt Wahlplakate? Glauben die Parteien wirklich, mit ihren austauschbaren, aussagefreien Phrasen könnten sie weitere Wähler gewinnen?

In der Innenstadt ging ich unter einem Baugerüst hindurch, daran ein Schild »Vorsicht Dacharbeiten«. Was will mir dieses Schild sagen? Durchgang nur mit Helm und auf eigene Gefahr, oder besser gar nicht?

Gunkl schreibt: »Da eine herkömmliche Bestattung eine Beerdigung ist, müßte ein Seemannsbegräbnis Bewässerung heißen. Naja, im Anlaßfall sollte man diese Überlegung aber eher für sich behalten.«

Wenn etwas gerade wunschgemäß funktioniert, heißt es oft „Das läuft wie geschmiert“ oder „wie ein Uhrwerk“, etwas überschwänglicher formuliert „geht es ab wie Schmidts Katze“, wer auch immer Schmidt ist. Etwas robuster formuliert man offenbar im Münsterland, wie bei Frau Anje zu lesen ist; dort heißt es: „… das läuft grade wie Rotz am Ärmel.“

Samstag: Als ich nachmittags im Hof Fahrradpflege betrieb, sah ich durch das Torgitter, wie vor dem Haus ein Auto abgestellt wurde, so dass sein Heck in unsere Einfahrt ragte. Die Beifahrerin hatte mich offenbar gesehen und fragte freundlich, ob es in Ordnung wäre, wenn sie kurz dort parkten. Ebenso freundlich verneinte ich mit dem Verweis darauf, dass dies nunmal eine Einfahrt sei, außerdem ohnehin absolutes Halteverbot. Das sah sie ein. Nicht so der Fahrer, der meinte, mich anpampen zu müssen, sinngemäß ob ich überhaupt Auto fahre und ich solle mich nicht so anstellen. Das veranlasste mich, zurückzupampen, worüber ich mich sogleich ärgerte, mehr als über den uneinsichtigen Fahrer; ich hasse es, in solchen Situationen die Selbstbeherrschung zu verlieren. Immerhin fruchtete es, man stieg wieder ein und fuhr ab, im Vorbeifahren winkte der Fahrer drohend und hupte zweimal. Ich antwortete mit Kusshand und lächelte zurück. Die Selbstbeherrschung war wiederhergestellt.

Der für die vergangenen Tage angekündigte und ausgebliebene heftige Regen fiel am Nachmittag.

Sonntag: Ich verschone Sie mit der alljährlichen Frage, was genau nochmal an Pfingsten passiert sein soll.

Ansonsten bei Sonnenschein die üblichen Sonntäglichkeiten: lange geschlafen, spätes Frühstück, Spaziergang, Sonntagszeitungslektüre auf dem Balkon.

Aus einer Pressemitteilung der Stadt Bonn: »Ziel ist es, die freie Kulturszene bei der Entwicklung von Projekten im Bereich der ökologischen Nachhaltigkeit zu unterstützen und die interkommunale Kooperation sowie den Aufbau nachhaltiger regionaler oder nationaler Netzwerke im Kulturbereich zu stärken.« Auch nach mehrmaligem Lesen will sich mir nicht erschließen, was genau unterstützt und gestärkt werden soll. Jedenfalls erinnert es an die Vereinssitzung in Loriots „Ödipussi“.

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, ich wünsche Ihnen eine angenehme Woche.

Woche 19/2024: Schmuck am Nachthemd und unnütze Kommata

Montag: Trotz trüber Regenkühle war ich in Anzuglaune. Das Problem: Erst beim Anziehen des Jacketts kurz vor Verlassen des Hauses bemerkte ich, dass es inzwischen merklich spannt, wenn ich die Knöpfe schließe. Daher blieben sie geöffnet und schweren Herzens beschloss ich, dass dies heute sein letzter Einsatz werden würde. Ich fürchte, vorstehendes gilt für die meisten Anzüge in meinem Schrank, die ich lange nicht trug. Ob ich in absehbarer Zeit einen neuen kaufen werde, ist fraglich, im Grunde genommen brauche ich keinen mehr, seit sich die Kleidungsgepflogenheiten im Werk deutlich gelockert haben, was einerseits nicht zu bedauern ist, andererseits doch, da ich ab und an sehr gerne einen Anzug trage.

Der Tag blieb trüb mit nahezu ununterbrochenem Regen; das Siebengebirge, auf das ich vom Büro aus schaue, lag in Wolken gehüllt. So ähnlich fühlte ich mich auch.

Aus einem Leserbrief über Auswüchse der Political Correctness: »Peinlich, dass den Moralaposteln und Gendersensiblen bislang entgangen ist, dass der allseits gebräuchliche Genderstern nicht wenige Menschen an unsere tiefbraune Vergangenheit erinnert.« Bei aller geteilten Skepsis zu diesem Thema: Das erscheint nun doch etwas weit hergeholt.

Dienstag: Statt Anzug- weiterhin Daunenjackenwetter. Morgens leichter Niesel, gerade so wenig, dass es sich nicht lohnte, den Faltregenschirm aus der Tasche zu holen. Der für nachmittags in Aussicht gestellte Sonnenschein zeigte sich nur kurz, ehe aus Nordosten erneut Gewölk mit Regen aufzog. Lichtblick am trüben Himmel war ein Luftschiff, das rheinaufwärts flog und mich kurz von der Werktätigkeit innehalten ließ.

Morgens. Die Rheinuferlinden wirken unvorteilhaft gerupft.
Ich wär‘ gerne mitgeflogen …
Es klärt sich auf zum Wolkenbruch

„Das ist Schmuck am Nachthemd“, hörte ich in einer Besprechung, was sinngemäß eine gewisse Überflüssigkeit zum Ausdruck bringen sollte; vielleicht kennen Sie diese Redewendung längst, mir war sie neu. Im Übrigen bin ich der Meinung, wenngleich ich, im Gegensatz zu meinem vergangenen Vater, derartiges nicht tragen würde, auch Nachtwäsche muss nicht zwingend grau-beige sein.

Mittwoch: Der zweiundzwanzigste Hochzeitstag heißt Bronzehochzeit. Dazu alles Liebe, mein Liebster, und danke, dass du es immer noch mit mir aushältst! – Offenbar hatten wir beide denselben Gedanken, abends kam es zum Austausch von Herzlichkeiten und Blumensträußen.

Vormittags geriet ich in einen intensiven Mailaustausch, weil ein Großkunde einen Wunsch geäußert hat. „Kann man nicht …“, „Man müsste doch …“, „Bis wann geht das …“ und so weiter. Als fachlich Verantwortlicher für das IT-System, das könnte und müsste, teilte ich der Runde mit, dass es dazu bereits lange eine Anforderung gibt auf der langen Liste unerfüllter Wünsche. Nun müsste sich nur noch einer finden, der es bezahlt, dann kann man auch. Ich fürchte nun, irgendwo wird das erforderliche Budget locker gemacht werden mit der Vorgabe der kurzfristigen Umsetzung und ohne Rücksicht auf die bestehende Planung. Dann wird es wieder unnötig hektisch.

Mittags im Park

Was ich in den letzten viereinhalb Jahren überhaupt nicht vermisste waren Aufzuggespräche, wie ich bemerkt, als ich nach der Mittagspause wieder hoch zum Büro fuhr.

Donnerstag: Schon wieder Feiertag, danke den Christen und Vätern, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Schnittmenge; wenn Sie in den Siebzigern Grundschüler waren, kennen Sie bestimmt noch die Mengenlehre, eigentlich ganz einfach, viele Eltern überforderte sie jedoch, was erst zu einem Skandal, dann zu ihrer Abschaffung führte. Ich schweife ab.

Eine Menge unterhaltsamer Texte gab es nachmittags bei der Bonntastik-Lesung im Stadtteil Niederholtorf zu hören. Sieben Autorinnen lasen ihre Werke vor, inspiriert durch Bilder eines Bonner Künstlers. Das ganze ist auch in Buchform erhältlich. Da sich das Wetter maimäßig-sonnig zeigte, verband ich den Hinweg mit einem längeren Spaziergang, der mich einigermaßen ins Schwitzen brachte, da Niederholtorf, anders als der Ortsname vermuten lässt, einige Meter höher liegt. Erfreulicherweise fand die Lesung in einer Gaststätte statt, wo des Anstiegs Mühe mit kühlendem Kristallweizen belohnt wurde.

Freitag: Büros und Kantine waren erwartbar leer, weil viele brückentäglich frei hatten, andere lieber zu Hause arbeiteten.

Mittags im Park sah ich mehrere Gänsefamilien mit Nachwuchs in unterschiedlichen Wachstumsstufen Gras zupfen; Schildkröten, die erheblich gewachsen sind, seit ich sie das letzte Mal in ihrer üblichen Teichecke sah, reckten die Köpfe in die Sonne. Nutrias sind keine mehr zu sehen, seit die Stadt sie abknallen letal entnehmen ließ, nur hier und da deutet noch eine zerwühlte Uferkante auf ihr Wirken hin.

Nach der Mittagspause machte ich erstmals von der Möglichkeit Gebrauch, die Schreibtischplatte elektrisch hochzufahren und stehend zu arbeiten*, was aufkommender Müdigkeit entgegen wirkt. Das sollte zur Gewohnheit werden.

*d.h. den Pressespiegel zu lesen wie jeden Tag nach dem Essen

Wie Mittwoch geahnt, wurde heute entschieden, die IT-Anforderung so bald wie möglich umzusetzen, auch das Geld steht bereit. Das ging nun doch überraschend schnell.

Kurt Kister über Sprache:

»Sprache entwickelt sich nicht, sie wird entwickelt. Menschen entwickeln Sprache, verändern sie. Diese Veränderungen der Sprache spiegeln meistens Veränderungen im Denken, häufiger noch im Fühlen der Menschen wider. Es sind nicht einmal die Menschen, die sprachliche Gewohnheiten verändern, sondern Milieus, Schichten oder Interessengruppen, die der Auffassung sind, dieser oder jener Sprachgebrauch entspreche nicht mehr der modernen Sicht der Wirklichkeit, jedenfalls der Wirklichkeit, so wie sie die Angehörigen der sprachverändernden Gruppe(n) wahrnehmen. Die Veränderung von Sprache ist oft auch ein Versuch, „Wirklichkeit“ zu verändern. Und um die aus subjektiven Motiven vorgenommene Veränderung nicht zuletzt gegenüber Skeptikern zu objektivieren, heißt es dann: Sprache entwickelt sich nun einmal.«

Zum Gesamttext hier entlang

Samstag: Mittags brachte ich fast alle Anzüge und mehrere Sakkos zu Oxfam, die gestern Abend nach Anprobe kurzentschlossen ausgemustert wurden. Alles, was am Bäuchlein spannte, flog raus. Mein Lieblingsanzug, den ich vor Jahren im Schaufenster sah und in den ich mich, trotz des nicht gerade günstigen Preises, spontan verliebte, sitzt erfreulicherweise noch immer ganz passabel, nur sehr ungern hätte ich auch ihn weggegeben.

»Wegen einer Störung, kommt es zurzeit zu Verspätungen«, ließ die Laufschrift an einer Straßenbahnhaltestelle die Fahrgäste wissen. Dieses unnütze Komma, nach Satzeinleitungen mit oder unmittelbar vor einer Präposition setzt sich immer mehr durch.

Sonntag: Der Sonntagsspaziergang führte heute wieder, bei bestem Sommerkurzehosenwetter, ans andere Rheinufer. Diese Strecke mag ich besonders, nach knapp einer halben Stunde Fußweg befindet man sich auf dem Land, wo Vogelgezwitscher das vorherrschende Geräusch ist. Heute wurde die Akustikidylle ein wenig getrübt durch ein Partyschiff, dass basswummernd den Rhein auf und ab fuhr.

Bitte denken Sie sich dazu das Lied „Polka, Polka, Polka“.

Die Sonntagszeitung stellt jede Woche im Feuilleton vier Fragen an jemanden aus der Kulturszene, heute den (mir unbekannten) Sänger Dagobert. Eine der Fragen lautet: »Was nervt Sie?« Aus der Antwort: »Schlimmer […] sind eigentlich nur Steinmännchen, die manchmal von bösartigen Wanderern an Flussufer oder Strände gebaut werden und deren einzige Bestimmung es ist, mich zu ärgern. Ihr Anblick löst in mir zuverlässig Aggression und Zerstörungswut aus.« Ähnlich geht es mir bei aus Fingern geformten Herzen, gestern Abend wieder zahlreich zu sehen bei der Übertragung des European Song Contest. Immerhin, der deutsche Beitrag lag verdientermaßen nicht auf dem letzten Platz. Warum die Schweiz gewonnen hat, erschließt sich mir allerdings nicht. Interessanter die Frage, ob der Finne wirklich ohne Hose aufgetreten ist.

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Kommen Sie gut durch die Woche, lassen Sie sich nicht nerven.

Woche 18/2024: Öler klingt wenig verkehrswerbend

Montag: Seit nunmehr einer Woche weilt der Liebste aus beruflichem Anlass in Atlanta. Mehrmals täglich telefonieren wir mit sechsstündigem Versatz und tauschen unsere Erlebnisse aus, wobei er mehr zu berichten hat, ich bin von Natur aus eher der Zuhörer beim Telefonieren. Anfangs rechnete ich immer, wie spät es bei ihm jetzt wäre, dabei ist es gerade als Besitzer einer Analoguhr ganz einfach: Man muss sich den kleinen Zeiger nur genau gegenüber vorstellen.

So langsam könnte er aber auch mal zurück kommen.

Dienstag: Zu Fuß ins Werk und zurück, es ist deutlich wärmer geworden. Bald Anzugwetter.

Das muss nun wirklich nicht sein

Im Rheinauenpark, in Sichtweite meines neuen Arbeitsplatzes mit Aussicht, wurden ein Riesenrad und weitere Fahrgerätschaften aufgebaut für das Spektakel Rhein in Flammen am Wochenende, wo Feuerwerk, Musik und Außengastronomie die Menschenmassen erfreuen werden. Wegen letzteren werden wir es auch in diesem Jahr wieder meiden. Auf dem Rhein sind, neben den ganzjährig üblichen Frachtschiffen, wieder mehr Hotelschiffe zu sehen, zudem die Ausflugsdampfer (freilich keine Dampfer mehr, aber Dieseler oder Öler klingt wenig verkehrswerbend) der Köln-Düsseldorfer und Bonner Personenschifffahrt bis Linz und zurück. Damit könnten wir auch mal wieder einen Ausflug machen, vielleicht kann ich meine Lieben dazu motivieren.

Auch die Rheinnixe wurde nochmals bewegt, sie liegt nun wieder vor Beuel und harrt dort ihrer ungewissen Zukunft entgegen.

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Auf dem Heimweg sah ich zwei junge Frauen auf zwei geschobenen Fahrrädern einen Maibaum transportieren; es ist ein Schaltjahr, da werden die Herren mit geschmücktem Totholz beglückt. Kurz darauf zwei junge Männer zu Fuß mit einem Bierkasten zwischen sich. Klare Aufgabenteilung.

Als ich mir im Außenbereich eines Lokals in der Fußgängerzone einen Feierabend-Maibock (ich schrieb erst Mailbock, interessante Variante) genehmigte, platzierte sich davor einer mit Klarinette, aus der er wenig hörenswerte Melodien hervorbrachte. Nach dem dritten oder vierten Lied ging er durch die Tische, um Kleingeld zu ernötigen. Ich gab ihm nichts. Dabei fühle ich mich immer ein wenig wie ein Arschloch, aber ich sehe es nicht ein, für etwas zu bezahlen, das ich nicht bestellt habe und das mir keinerlei Nutzen oder wenigstens Freude bringt.

Abends wurden der Geliebte und ich im Restaurant Zeuge einer Begebenheit: Eine mittelalte Frau kam herein und fragte die Kellnerin nach einem Telefon, bei ihrem eigenen wäre der Akku leer. Es wurde ihr gebracht, damit setzte sie sich an einen Tisch nahe unserem, breitete einen Notizblock und andere Sachen vor sich aus und begann zu telefonieren, ohne etwas zu bestellen. Nachdem sie mehrere Gespräche geführt hatte, auch auf Englisch, kam ein anderer Kellner und bat sie freundlich um Rückgabe des Telefons, da man es benötigte, außerdem bat er sie, zu gehen. Nach einigen unfreundlichen Worten gegen den Kellner verließ sie empört das Lokal. Ein Blick auf das Telefon ergab: Sie hatte nicht ein einziges Telefonat geführt.

Mittwoch: Wenn man es sich zur Aufgabe gemacht hat, täglich etwas ins Blog zu schreiben, ist es an manchen Tagen nicht einfach, was geeignetes zu finden. Nicht so am 1. Mai, an dem wie in jedem Jahr gilt: Es ist paradox, zugleich erfreulich, am Tag der Arbeit nicht zu arbeiten.

Dazu passend Balkonliegestuhlwetter. Im SPIEGEL las ich erstmals von einem Hohlraumforscher und freute mich ein weiteres Mal darüber, was es alles gibt.

Donnerstag: Nach Rückkehr des Liebsten am Vormittag ist die Welt wieder etwas mehr in Ordnung, jedenfalls der winzige Teil davon, den ich überblicke.

Der Tag war sonnig und warm, für den Abend waren starke Gewitter angekündigt. Die kamen auch, allerdings nicht hier in Bonn. Während des Fußweges nach Hause baute sich ringsherum dunkles Gewölk auf, Windböen wirbelten Staub und Abfälle auf und ließen die bunten Bänder in den gestern aufgestellten (in diesem Jahr nach meinem Eindruck wenigen) Maibäumen flattern, ab und an war in der Ferne ein Grollen zu vernehmen. Nach Rückkehr verzogen sich die Wolken zunächst, sogar die Sonne schien zwischendurch wieder. Erst jetzt am späteren Abend, zum Zeitpunkt der Niederschrift, regnet es dicke Tropfen, laut Vorhersage wird sich daran in den nächsten Stunden nicht viel ändern. Bestes Schlafwetter.

Gewölk über Köln

Aus einem Zeitungsbericht: »Auch die Frösche gaben am 1. Mai ein so lautes Konzert, dass Spaziergänger am Weiher anhielten und fotografierten.« Anscheinend Tonbilder, wieder so ein neumodischer Kram, der an mir vorbeigegangen sein muss.

Freitag: Der Regen hielt bis zum Mittag an, gegen Abend zeigte sich die Sonne. Im Gegensatz zu anderen Regionen, wo die Meteorologie gestern heftig tobte und schädigte, hatten wir mal wieder Glück.

Um halb vier nachmittags erreichte mich überraschend per Mail die Einladung zur Eigentümerversammlung eine halbe Stunde später. Kurz empörte ich mich über die Kurzfristigkeit, dann schaute ich in den privaten Maileingang, und siehe da: Bereits im März wurde fristgerecht eingeladen, ich hatte es versäumt, den Termin im Kalender einzutragen. Das ist mir völlig durchgegangen und angemessen peinlich. Nicht, dass mir Eigentümerversammlungen größeres Vergnügen bereiteten, doch das sollte nicht passieren.

Unterdessen berichtet die Zeitung über einen Amerikaner, dem sein Therapie-Aligator abhanden gekommen ist. Dagegen ist eine versäumte Eigentümerversammlung vergleichsweise unerheblich.

Samstag: Unerwartet humorlos reagierten laut Zeitungsbericht Angestellte der LVR-Klinik, die auch eine Psychiatrie betreibt, auf eine Werbeaktion ihres Arbeitgebers um neues Personal. Hierzu hatte die Klinik rosa und grüne Postkarten drucken und in Kneipen verteilen lassen mit der Aufschrift „Klapsenbeste“ (rosa) beziehungsweise „Klapsenbester“ (grün) auf der Vorderseite. Darauf muss man auch erstmal kommen.

Sonntag: Heute ist der Fünfte im Fünften, somit #WMDEDGT-Tag. Alles weitere hier.

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Kommen Sie gut durch die Woche, verlieren Sie nicht den Humor.

#WMDEDGT im Mai: Angenehmes Lungern

Heute ist der fünfte Mai, am Fünften eines jeden Monats ruft die geschätzte Mitbloggerin Frau Brüllen zur Pflege der Tagebuchblogkultur auf. Hierzu schreibt der geneigte Teilnehmer einen Aufsatz zum Thema „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“, kurz #WMDEDGT, und verlinkt ihn hier.

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Da die Weinbegleitung des Vorabends noch etwas nachwirkte, kamen wir erst spät aus den Betten. Folglich frühstückten wir auch recht spät, nicht auf dem Balkon, dafür war es noch etwas zu kühl. Anschließend unternahm ich den sonntagsüblichen Spaziergang, bei dem sich die Daunenjacke zeitweise als etwas zu warm erwies, indes nicht so warm, dass es eine erwägenswerte Option gewesen wäre, sie auszuziehen und zu tragen. Daunenjackengrenztemperatur.

Der Spaziergang führte durch die Innenstadt, wo auf dem Münsterplatz an diesem Wochenende ein Kunsthandwerkermarkt zu locken suchte. Ich ließ mich nicht locken, im Vorbeigehen sah ich nur die Bude einer Wahrsagerin, in des Wortes Sinne eine sehr spezielle Handwerkskunst. Weiter ging es durch die Poppelsdorfer Allee, wo die Kastanien in voller Blüte stehen, teilweise bedecken Blüten nach den Regenfällen der vergangenen Tage schon den Boden darunter. Für mich immer wieder eine der schönsten Zeiten des Jahres, insbesondere in Verbindung mit der Fliederblüte, die schon durch ist; wie so vieles in diesem Jahr war sie früher als sonst. Vielleicht bleibt das jetzt so, in wenigen Jahren blühen Raps und Flieder womöglich schon im Februar.

Poppelsdorfer Allee, Blickrichtung Innenstadt

Weiter ging es durch die Südstadt, wo mein Eindruck, in diesem Jahr wären weniger Maibäume als sonst aufgestellt, widerlegt wurde. In diesem Schaltjahr werden wieder die Jungs mit Liebesbekundungen bedacht, ich sah Bäume unter anderem für Lukas, Luca, Julian, Max, Hans, Tim und Jona:

Hier wurde das Prinzip „Liebe geht durch den Magen“ konsequent zu Ende gedacht.

Im Außenbereich eines Südstadt-Lokals hielt ich Einkehr auf ein Bier. Nebenbei las ich, was es Neues gab in den vor mir abonnierten Blogs, nebenbei fiel der Blick immer wieder auf den Bahnübergang in Sichtweite, dessen Schranken mehr geschlossen waren als geöffnet, machmal bis zu zehn Minuten und länger; wenn ein Zug durch war, blieben sie weitere Minuten lang geschlossen, bis aus der Gegen- oder derselben Richtung der nächste kam, ehe sich die Schranken für nur wenige Minuten hoben. Warum man es vor gut hundert Jahren in Bonn versäumte, wie in den meisten anderen größeren Städten die Bahn höher zu legen, weiß ich nicht. Vielleicht gab es damals schon Bürgerinitiativen dagegen.

Gegenüber an der Straßenecke saßen mehrere junge Leute auf dem Gehweg, teilweise der Schuhe entledigt. Vermutlich hatten sie zuvor bei einem Umzug geholfen, ein daneben stehender Lieferwagen mit offenen Heckklappen deutete darauf hin. Angenehmes Lungern auch auf der Hofgartenwiese, in den Straßencafés und Eisdielen der Innenstadt, wie ich auf dem weiteren Weg sah.

Nach Rückkehr gab auch ich mich dem Lungern hin und las die Sonntagszeitung, darin heute nichts Bemerkenswertes, was hier zu notieren oder zitieren wäre. Doch, vielleicht dieses: Im Wirtschaftsteil – warum ausgerechnet dort, weiß ich nicht – Betrachtungen zur Unsterblichkeit, in deren Verlauf der Verfasser zu der Erkenntnis gelangt, dass das keine wünschenswerte Option ist. Dem stimme ich völlig zu.

Tagesfrage des Bloganbieters: »Was sind deine Lieblingsmarken und warum?« Ich habe keine Lieblingsmarken. Wenn mich ein Produkt aufgrund von Design und Funktion anspricht, kaufe ich es, vorausgesetzt, es besteht akuter Bedarf danach. Beispiel Turnschuhe: Ich besitze Paare beider Marken aus Herzogenaurach, sowohl mit den drei Streifen als auch der Großkatze in Logo und Namen. Ich würde kein Produkt gegenüber einem anderen nur wegen seiner Marke bevorzugen. Umgekehrt gibt es schon Marken, die ich bewusst meide. Seitenbacher und Kitchimea würde ich, wie bereits kürzlich dargelegt, allein schon wegen ihrer nervenzerrenden Werbung nicht kaufen. Außerdem niemals einen Porsche, das hat andere Gründe.

Was heute sonst noch ansteht: ein Anruf der Mutter in Bielefeld und Abendessen, Reste vom Grillen gestern Abend. Ob mit Weinbegleitung, werden wir sehen. Grundsätzlich bereit dazu wäre ich wieder.

Woche 17/2024: Schöne Aussicht und ein Gang nach Auerberg

Montag: Reisen machen mich nervös, sogar wenn andere sie tun. Morgens reiste der Liebste in die USA nach Atlanta, wo er bis nächste Woche beruflich zu tun hat. Was mich daran nervös machte war nicht die Angst vor einem Flugzeugunglück (obwohl er mit einer Boeing-Maschine flog), sondern die Anreise zum Flughafen Frankfurt, erst mit der Stadtbahn nach Siegburg, dann weiter mit dem ICE. Aufgrund persönlicher Erfahrungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln fand ich meine Sorge begründet, zumal er die spätest mögliche Stadtbahnverbindung wählte. Doch es lief alles zur Zufriedenheit, er kam gut und pünktlich an.

Der erste Arbeitstag im Mutterhaus nach viereinhalb Jahren Auslagerung verlief zufriedenstellend und weitgehend ohne Montäglichkeit. Auch das Gewusel auf dem Flur und in den Nebenbüros – nebenan telefonierte einer zu etwa achtzig Prozent seiner Arbeitszeit – störte mich weniger als befürchtet.

Blick aus meinem Büro über den Rheinauenpark auf das Siebengebirge

Beim Ausräumen meiner Schreibtischschubladen vergangene Woche fand ich eine noch fast volle Schachtel Altoids-Pfefferminzbonbons. Das freute mich ganz besonders, zumal mir schon vor längerer Zeit die örtlich Bezugsquelle abhanden gekommen ist. Vermutlich könnte ich sie beim großen A bestellen, doch bestelle ich dort aus grundsätzlicher Abneigung nichts; wenn es etwas nur beim großen A gibt, dann gibt es das für mich eben nicht.

Falls Sie die irgendwo sehen sollten, wäre ich für einen Hinweis sehr dankbar.

Am Samstag hatte ich bei einem Hersteller von Modellautos per Kontaktformular wegen Ersatzteilen angefragt, nachdem bei einem Omnibusmodell durch Unachtsamkeit ein Rückspiegel abgefallen und vermutlich im Staubsauger verschwunden war. Heute kam per Mail die Antwort: Gerne schicke man mir die gewünschten Teile, gegen Zusendung von Briefmarken im Wert von sieben Euro. Bis in die Neunzigerjahre eine durchaus gängige Zahlungsmethode, heute mutet sie ein wenig extravagant an.

Dienstag: Nach eisiger Nacht war der Rhein morgens in Nebel gehüllt, während abseits davon blauer Himmel das Auge erfreute; aus der Kranichperspektive wird das recht beeindruckend gewesen sein, sofern Kraniche auf so etwas achten. Da ein vernebelter Rhein nicht sehr oft zu sehen ist, erlaube ich mir heute eine gewisse Bildlastigkeit.

Am Brassertufer
Blick auf Beuel, wenn es zu sehen wäre
Das übliche Wochenbild, ohne Hintergrund
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Der Bundesgalgen
Wie man sieht beziehungsweise nicht, war auch das Mutterhaus dicht umhüllt

Auf dem Rückweg stillte ich im Rheinpavillon spontane Lust auf ein Arbeitsendegetränk, wobei diese schon morgens auf dem Hinweg erwachte, als die Gaststätte noch geschlossen war. Zudem wäre es bedenklich, bereits vor acht Uhr Bier zu trinken. Währenddessen fuhr auf dem Rhein ein kleines Segelboot mit erheblicher Schräglage vorüber, mal neigte es sich nach Back-, mal nach Steuerbord, stets ausgeglichen durch die beiden Insassen, die sich auf der jeweils anderen Bordseite weit nach außen lehnten. Für mich wäre das nichts, schon gar nicht bei der derzeit herrschenden Kälte.

Luv oder Lee
Später kam eine alte Bekannte durch: Die Alisa, mit der wir im vergangenen Jahr auf dem Rhein kreuzfuhren

In der Fußgängerzone sah ich einen, der Passanten einen angeknitterten Pappbecher entgegen hielt und um Kleingeld anhielt. Kurz darauf begegnete mir ein anderer, ebenfalls mit einem Pappbecher in der Hand, nicht so knitterig wie der erste, gefüllt mit aufgecremtem Kaffee. Ich fragte mich, wie der wohl geschaut hätte, hätte ich dort Münzen eingeworfen.

Mittwoch: Wie ich erst nachmittags bemerkte, waren die beiden Umzugskartons aus dem alten Büro längst angeliefert, nur nicht wie darauf angegeben in mein neues Büro, sondern in einen Sammelraum den Gang runter, Servicewüste Deutschland. Egal, nach dem Auspacken und dekorativer Platzierung des Inhalts im Regal kommt eine gewisse Behaglichkeit auf, im Gegensatz zu den meisten anderen Büros ohne feste Bewohner.

Abends besuchte ich recht spontan eine Lesung, nachdem ich morgens durch die Zeitung darauf aufmerksam wurde. Sie fand statt in einer Kneipe unweit unserer Wohnung, die ich seit Jahren nicht mehr besucht hatte. Beim letzten Mal hieß sie noch anders und das Publikum war ein völlig anderes; soweit ich mich erinnere, hatten Damen keinen Zutritt. In den hinteren Räumen konnte Mann sich in einer Art und Weise vergnügen, die hier detailliert zu schildern womöglich gegen die Richtlinien des Bloganbieters verstößt.

Die Lesung (beziehungsweise der Poetry Slam, das Publikum stimmte per bei Gefallen hochgehaltener Fliegenklatsche ab), war unterhaltsam.

Auch die Fliesenbeschriftung über den Urinalen hat Niveau

Einer meiner Vorsätze lautet, nie wieder um die Wette zu lesen, nachdem ich bei einem ähnlichen Anlass vor Jahren grandios den letzten Platz belegt hatte. Dennoch habe ich mir heute einen Handzettel mit den nächsten Terminen und Kontaktdaten des Veranstalters eingesteckt, man soll niemals nie sagen.

Donnerstag: Aus terminlichen Gründen ließ es sich heute nicht vermeiden, die Kantine erst gegen zwölf aufzusuchen. Um diese Zeit ist der Andrang besonders groß, an manchen Tagen findet man dann kaum noch einen freien Platz. Ich hatte Glück und fand einen unbesetzten Zweiertisch, von wo aus ich gute Aussicht auf das hungrige Treiben hatte. Erkenntnis auch heute, wie kürzlich schon bemerkt: Das Platzproblem könnte deutlich gelindert werden, wenn die Leute nach dem Essen gehen würden, anstatt noch eine Viertelstunde und länger vor leer gegessenen Tellern sitzend zu quatschen.

Kennen Sie Gunkl? Sollten Sie. Er schreibt täglich tolle Sachen. Heute dieses:

Vermutlich bin ich nicht der erste, der sich überlegt, ob ein Feiertag fürs Universum, so er einmal eingeführt werden sollte, anders – jedenfalls glamouröser – benannt werden sollte als „Alltag“.

Tolles auch im General-Anzeiger:

Hier wäre wohl zunächst ein Kurs zu richtiges Schreiben angebracht.

Freitag: Resümee nach einer Woche Mutterhaus: Trotz permanentem Gemurmel aus den Nebenbüros fühle ich mich dort wieder wohl, die Sehnsucht zurück in die behagliche Ruhe des bisherigen Gebäudes ist gering. Die Aussicht auf das Siebengebirge entschädigt für vieles. Ein wenig gewöhnen muss ich mich noch daran, dass nebenan ständig die Kollegen wechseln. Ich bin einer der wenigen mit festem Arbeitsplatz, man kann sich das aussuchen: Entweder bis zu drei Tage in der Woche Heimbüro, dafür keinen festen Schreibtisch, oder jeden Tag ins Büro kommen. Da musste ich nicht lange überlegen. Auch der zweite Platz in meinem Büro ist flexibel belegt. In dieser Woche war nur zweimal wer da, beide waren sehr verträglich. Im Übrigen gilt, wie die geschätzte Mitbloggerin Frau Novemberregen schon vor einigen Wochen schrieb: Es ist ein Arbeitsplatz, keine Tagespflege.

Samstag: Der Frühling ist zurückgekehrt mit Sonnenschein und milder Luft. Das veranlasste mich am Nachmittag zu einem längeren Spaziergang nach Bonn-Auerberg. Nicht, weil das ein besonderes schöner Stadtteil wäre, eher im Gegenteil, die Auerberger mögen mir verzeihen, sondern weil mir wieder eingefallen war, vor längerer Zeit mal im Netz recherchiert zu haben, dass der dortige Rossmann Altoids-Bonbons im Sortiment hatte, siehe Montag. Leider nur hatte, jetzt hat er nicht mehr. Dafür immerhin ein ähnliches Produkt eines anderen Herstellers, ebenfalls in einer dekorativen Blechschachtel. Somit war der Gang nach Auerberg nicht vergeblich. Wobei ein Spaziergang ohnehin nie vergeblich ist, auch nicht nach Auerberg.

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Wahlkampf

Sonntag: Nach spätem Frühstück fuhr ich mit der Bahn nach Bonn-Duisdorf, um eine Modellbahnbörse zu besuchen. Damit war ich schnell durch, es war nichts Kauflust erregendes im Angebot, das ist nicht schlimm. Zurück ging es zu Fuß durch das Messdorfer Feld, damit war der Sonntagsspaziergang auch erledigt. Mehr gibt es über den Tag nicht zu berichten, das ist auch nicht schlimm.

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Kommen Sie gut durch die Woche.