Schmerzwach: Telefonieren

Hier ein weiterer Text aus dem Blog „Schmerzwach“ von Jannis, mit dem er mir voll und ganz aus der Seele schreibt und ich frage mich, warum ich dieses Thema hier nicht längst aufgegriffen habe: Telefonieren. Ich gestehe, im Gegensatz zu den meisten Zeitgenossen hasse ich es, vor allem abends zu Hause nach einem langen Arbeitstag und erst recht mobil, wenn alle möglichen Leute mithören (müssen), z. B. in der Bahn.
Quelle: http://schmerzwach.blogspot.com/2010/09/telefonieren.html

Viele Vergnügen!

Telefonieren…

Ich hasse Telefonieren. Das traut man mir gar nicht zu. Man denkt, ey, der Alte ist so kommunikativ, so mitteilungsfreudig, so beredsam. Und der soll nicht telefonieren wollen und können?! Nein, das kann nicht sein. Doch es stimmt. Trotz all meiner Selbstbezogenheit, und beim Telefonieren ist man ja selbstbezogener als in anderen Kommunikationen, weil man das Gegenüber nicht sieht – wie kann das sein? Vielleicht ist es ja das, was mich verunsichert? Dass ich nicht weiß, welches Gesicht das Gegenüber macht? Oder habe ich die Angst, nicht alles das, was ich sagen möchte, sagen zu können? Ich könnte abgewürgt werden, bevor ich das Notwendige gesagt habe. Das kann beim Schreiben nicht passieren. Wer keinen Bock auf den Text hat, liest nicht mehr weiter. Ich kriege es ja nicht mit, kann mich der Illusion hingeben, dass jeder von Anfang bis zum Ende liest. 😉 Und bei einer Face-To-Face-Unterhaltung kann der andere steuern, oder man selbst steuert. Aber am Telefon? So oder so sieht man das Gesicht, das Verständnis oder Ärger, Freude oder Angepisstsein etc. zeigt. Beim Telefonieren ist andererseits das doch eigentlich auch ein Vorteil, nicht gesehen werden zu können. Man könnte sich Zettel zurecht legen, mehr oder weniger ablesen, was drauf steht. Einfacher geht es doch gar nicht. Und trotzdem habe ich Angst, und trotzdem schreibe ich zuerst drei Emails, bevor ich anrufe. Und je weniger ich eine Person kenne, desto weniger schaffe ich es mich zu überwinden, sie anzurufen. Etwas, das sonst gar nicht meine Schwäche ist. Es ist noch nicht einmal so, dass ich absoluten Blödsinn am Telefon rede. Aber die Nervosität. Diese schreckliche Nervosität. Wie häufig hatte ich nach den Telefonaten alle möglichen Informationen erhalten, aber nicht die, die ich benötigte. Oder wie oft hatte ich nach dem Telefonieren das Gefühl, dass die andere Person mich nun für beschränkt hält, obwohl das nur Einbildung war? Nicht einmal mit dem schönsten Mann der Welt kann ich wirklich telefonieren. Unser längstes Telefonat ging wohl fünf Minuten. Eine Freundin weigert sich fast schon, mich anzurufen, vor allem, wenn ich gerade bei der Arbeit bin. Weil… ich dann so anders bin, so merkwürdig bin, ja, fast schon hassenswert. Es macht keinen Spaß mit mir zu telefonieren. Sagen manche. Ich sei dann traurig oder abweisend oder depressiv. Es gibt Ausnahmen. Die Aversion hat sich in den letzten Jahren verstärkt, das heißt, die Leute, die mich schon lange kennen, können wohl meist noch normal mit mir telefonieren… Naja, das Telefonieren ist ja heutzutage auch nicht das wichigste Kommunikationsmittel, würde ich sagen. Man kann ja auch schreiben, so bleibt man auch Up to Date, zumindest bei mir. 😉

Problemzonen

Meine Nase passt Ihnen nicht? Meine Füße sollten Sie erstmal sehen! Ja, ich habe ein gestörtes Verhältnis zu Füßen, insbesondere zu meinen eigenen. Das hat weniger olfaktorische Gründe – die Schweißfüßigkeit habe ich glücklicherweise schon vor Jahren überwunden -, die Ursache ist vielmehr in ihrer Physiognomie zu finden. Schuld ist Oma.

Meine Großmutter mütterlicherseits war eine richtige Bilderbuch-Oma: das graue Haar am Hinterkopf zu einem Dutt gebunden, bekleidet zumeist mit einem Küchenkittel, ostpreußischer Akzent und immer liebenswürdig und freundlich zu uns Kindern. Ich liebte meine Oma.

Oma hatte nur einen Makel: schrecklich krumme Füße, dergestalt, dass sich der große Zeh stark nach innen, in Richtung der anderen Zehen bog und an der Innenseite jedes Fußes ein riesig-hässlicher Fußballen spitz hervorstand. Die medizinische Fachwelt hat auch einen Fachausdruck dafür: Hallux Valgus. Klingt irgendwie freundlich, fast lustig; Hallux Valgus könnte zum Beispiel auch eine Figur aus der Augsburger Puppenkiste heißen. Ich glaube, Oma machte sich nichts daraus, sie war keine Frau, die sich an solchen äußerlichen Unzulänglichkeiten gestört hätte.

Soweit, so gut. Leider hat Oma ihren Hallux Valgus an zahlreiche Nachkommen weiter vererbt; einige meiner Tanten, Cousins, Cousinen, mein Bruder und leider auch ich können unsere verwandtschaftlichen Beziehungen allein über unsere Füße problemlos glaubhaft machen.

Nun will ich nicht klagen, ich habe insofern Glück, als dass bei mir – im Gegensatz zu einigen Verwandten – keine schmerzhaften Beschwerden mit den Krummzinken einhergehen, auch sonst haben sie mir bislang keine messbaren Nachteile beschert. Sieht nur total scheiße aus, wer es nicht glaubt, siehe hier (Abbildung ähnlich).

Drei Anläufe habe ich bereits unternommen, diesen Makel beseitigen zu lassen, wozu leider eine Operation erforderlich ist, und davon rieten mir die Ärzte jedes Mal ab, mangels Beschwerden. Keine Beschwerden? Wenn die wüssten, wie ich leide, im Schwimmbad, in der Sauna, am Strand, oder wenn ich irgendwo zu Besuch bin und es heißt: bitte Schuhe aus.

So, nun kennen Sie meine Problemzonen. Ich werde niemals im Sommer unbeschwert mit Flip Flops durch die Stadt laufen können. Allerdings würde ich das auch nicht tun, wenn ich statt meiner Charakterfüße ganz normale hätte wie Sie und andere. Insofern habe ich Oma nichts vorzuwerfen.

Spam ist lustig.

Heute bekam ich folgende E-Mail:

Am 22.12.2010 um 08:00 schrieb Jochen Schmidt:

Hi Kubicki,

ich bins, Jochen – kannst Du Dich noch an mich erinnern?
Ich war der dicke kleine Junge, den alle geaergert haben.
Jetzt habe ich vorher ein Foto von Dir gesehen, Kubicki
und ich war erschrocken – Du hast auch schon zugenommen?

Jetzt kenne ich Dein Problem und wollte Dir auch mein
Geheimnis verraten – da ich heute sicher bin, dass das
Produkt auch genau tut was es verspricht: Fett verbrennen!

Fuer 2011 habe ich mir vorgenommen, noch mehr abzunehmen!

Hier ist die Webseite mit mehr Informationen:

http://www.nie-wieder-zu-dick…

Aber nur wenn Du es echt ernst meinst, Kubicki 😉

Guten Rutsch schon mal!

Gruss,
Jochen

Da ich, wie allgemein bekannt, ein höflicher Mensch bin, antwortete ich umgehend:

Hi Schmidt,

klar kann ich mich erinnern, schließlich war ich doch einer von denen, die dich besonders gerne und oft geärgert haben. Der kleine dicke hässliche Schmidt, das ist ja echt eine Überraschung… wie lange ist das jetzt her? Schön, dass du mich nach all den Jahren auf einem Bild wiedererkannt hast, auch wenn du darüber erschrocken warst. Wo hast du mein Bild gefunden?

Wie ist es dir inzwischen gegangen? Lass mich raten: noch immer bist du klein und dick, noch immer ärgern dich alle, und das treibt dich so sehr in die Verzweiflung, dass du dumme Werbe-E-Mails an wildfremde Menschen schreibst, stimmt’s?

Übrigens: mein Problem, so wie du es nennst, bewegt sich noch in erträglichen Grenzen. Gewiss, ein leichtes Bäuchlein kann man erkennen, wenn man ganz genau hin schaut, was in meinem Alter wohl auch erlaubt ist, dennoch gehört bei 1,83 Meter Körpergröße und 66 bis 68 Kilo, je nach Laune der Waage, Fettleibigkeit zurzeit nicht zu meinen vordringlichen Problemen. Sollte sich daran in absehbarer Zeit etwas ändern, komme ich auf dein „Geheimnis“ gerne zurück und mache es auch zu meinem, versprochen.

Bis dahin alles Gute beim Fett verbrennen!
Stancer

Er wird wohl nicht antworten.

Nachtrag 23.12.2010: Bitte beachten Sie den nachfolgenden Kommentar unten.

Schmerzwach: Pimmel zeigen

Hier nun wieder ein Text aus dem Blog von Jannis. Ich weiß nicht, wie viel davon Dichtung und wie viel Wahrheit ist, auf jeden Fall äußerst witzig. Viel Vergnügen!

Pimmel zeigen

Meine Mutter glaubt, dass ich verrückt bin. Verrückt. Ich weiß gar nicht, wie sie darauf kommt! Doch! Ich weiß es! Sie findet nicht gerade normal, dass ich….

…mit sechs eine ihrer Freundinnen auf den Mund küsste, als diese gerade ihre Kaffeetasse auf den Tisch gesetzt hatte. Meine Erzeugerin war zunächst perplex, entschuldigte sich dann tausend Mal für mein Verhalten, die Geküsste lachte und nahm mich in ihre Arme, allerdings entriss mich meine Alte daraus und brachte mich in mein Zimmer, während ich meiner Angebeteten einen Heiratsantrag zuschrie. Seitdem durfte ich an keinem der Kaffeekränzchen meiner Mutter teilnehmen.
…mit sieben jedem erzählte, dass ich nur noch ein halbes Jahr zu leben hätte, weil ich an einer unheilbaren Krankheit litte. Und mit jedem meine ich wirklich jeden. Wenn wir durch die Stadt bummelten, redete ich wildfremde Leute an, denen ich mein angebliches Todesschicksal aufzwang; meine Mutter schämte sich so sehr für mich, dass sie diese Ausflüge mit mir strich.
…mit neun behauptete, von Außerirdischen entführt worden zu sein, die mir ihr geheimes Wissen anvertraut hätten, damit ich die Welt retten könnte; ich gab ständig solche Weisheiten von mir wie: „Spucke drei Mal auf den Boden, bevor du durch ein Maisfeld gehst“ oder „Wer blaue Strümpfe trägt, sollte sich nicht darüber wundern, dass er beim Duschen nicht vollständig sauber wird“.
…mit elf nackt in unserem Reihenhausgarten lag, um mich zu sonnen. Die Nachbarn auf beiden Seiten schauten mich schräg an, schließlich war ich kein Kleinkind mehr, schon alt genug, um Scham zu besitzen. Als meine Mutter das sah, kam sie mit einer Badehose in den Händen aus dem Haus gerannt, die ich allerdings trotz ihrer Proteste und der von dem alten Knacker, der auf der rechten Seite neben uns wohnte, nicht anzog, stattdessen schlenderte ich frivol an unseren Zaun, der sehr niedrig war, stellte mich demonstrativ so davor, dass mein Pimmel über dem Zaun baumelte, steif wurde und ich onanierte auf das Grundstück des alten Sacks, der kurz vor dem Herzinfarkt stand, hechelte, schnaubte, meine Alte schmierte mir eine, zog mich ins Haus hinein; auch Sonnenbaden im Garten wurde mir verboten.
…mit zwölf in unseren Dorfpfarrer verliebt war, mit Freuden nicht nur jeden Sonntag in die Kirche ging, sondern in der ersten Reihe saß, diesen jungen Geistlichen anschmachtete, mich nach einer Predigt meldete und fragte, wie man Pfarrer werden könne. Erfreut sagte er mir es und bot mir an, mir nach dem Gottesdienst etwas über das Studium zu erzählen. Als wir in seinem Zimmer saßen, eröffnete ich ihm meine Liebe zu ihm, fragte ihn, ob ich ihn in vier oder fünf Jahren heiraten könne, das sei mein größter Wunsch. Erschrocken fragte er mich, ob ich ihn zum Narren halten wolle und ich sagte: „Nein, ich meine das wirklich so.“ Und danach meinte ich lässig: „Du kannst mir deinen Pimmel in meinen Popo stecken und ich mache das dann bei dir auch.“ Völlig errötet zerrte er mich sofort aus dem Zimmer, brachte mich nach Hause und erzählte meinen Eltern alles; ich durfte nie wieder in die Kirche mit.
…mit vierzehn mich angeblich umbringen wollte, was allerdings gar nicht der Wahrheit entspricht, da ich lediglich auf unserem Balkon im ersten Stock stand, weil ich darauf balancieren wollte. Ich meine, wenn ich mich selbst um die Ecke hätte bringen wollen, dann wäre ich doch von einem Hochhaus hinuntergestürzt.
…mit sechzehn meine Haare abrasiert habe, nur noch braune Gewänder anzog und den ganzen Tag vor mich hin meditierte; ich wollte ein perfekter Buddhist werden und das Nirwana so bald als möglich finden.
…mit achtzehn Jahren von einer Studienfahrt in London heimgeschickt wurde, weil ich meine Englisch-Lehrerin angeblich auf mieseste Weise sexuell belästigt hätte. Da war ich gerade dabei, Tim einen zu blasen, wir beide dementsprechend nackt und erregt, es klopft jemand an die Tür, ich sage: „Sind gerade voll beschäftigt.“ Die Antwort lautet: „Beeilt euch mal, wir müssen los, das Musical fängt gleich an, auf, eins, zwei, drei, macht mal.“ Ich sage: „Wenn Sie reinkommen, geht’s schneller.“ Während sie die Tür öffnet, ins Zimmer tritt, holt mir Tim einen runter und ich sage: „Wenn Sie mitmachen ist es noch geiler und erregender und ich komme schneller.“ Sie rannte schnurstracks aus dem Zimmer, verbannte mich am gleichen Abend zurück nach Deutschland.
…mit zwanzig vom Zivildienst suspendiert wurde, weil ich mir aus Versehen eine E in mein Maul stopfte, anstatt einer Kopfschmerztablette und dann hohldrehte, ich schob einen Behinderten im Rollstuhl, es ging ein wenig bergab und ich begann schneller zu werden, immer schneller, plötzlich rannte ich wie ein Irrer, konnte nicht mehr stoppen, was ja nicht so schlimm gewesen wäre, wenn mir die Rollstuhlgriffe nicht aus den Händen geglitten wären und der gute Behinderte schmerzhafterweise einen Crash mit einer Laterne gehabt hätte.
…mit zweiundzwanzig aus einem Seminar geflogen bin, weil ich – zugekifft wie ich war – von Peace, Love and Happiness träumend meine Professorin angelächelt und ihr gesagt hatte, dass sie Humanbiologie auch interessanter gestalten könnte, wir zwei könnten uns ja ausziehen und Sexualkunde plastisch darstellen, ich sei sowieso schon längst spitz auf sie.
…mit dreiundzwanzig als Stripper durch das Land zog, um mir mein Studium zu verdienen, allerdings nicht lange, denn ich ging meinen Chefs zu weit, was das Ausziehen und Erotisieren des Publikums betraf, ich zog zum Beispiel einmal einen Schwulen ganz aus, tanzte um ihn herum, er bekam einen Steifen, genauso wie ich, was sich durch meinen Slip abzeichnete, er zog ihn mir erregt herunter und begann meinen Pimmel zu lutschen, was die Veranstalter noch gestatteten, mich aber nie wieder irgendwo auftreten ließen. Doch ein Pornofilm-Produzent entdeckte mich bei dieser Gelegenheit und ich drehte einige Streifen, bis mich das annervte.

Tja, meine Mutter fände da sicherlich noch sehr viel mehr Gründe, die gegen meine Zurechnungsfähigkeit sprechen, aber wen interessiert das?

Quelle: http://schmerzwach.blogspot.com/2010/03/pimmel-zeigen.html

Abschalten

Es gab mal Zeiten, da verließ ich das Büro und hatte Feierabend. Daran hat sich – theoretisch – bis heute nicht viel geändert, noch immer bleiben das Laptop und das geschäftliche Handy grundsätzlich in der Firma, wenn ich gehe, im Gegensatz zu vielen anderen Kolleginnen und Kollegen, die das Gebäude abends völlig selbstverständlich mit Laptoptasche verlassen und die auf dem Weg zur Bahn noch einige geschäftliche Dinge regeln oder schon morgens in der Bahn den aufgeklappten Rechner auf dem Schoß haben und geschäftig in die Tasten hauen und damit in mir eine diffuse Mischung aus (wenig) Bewunderung, Bedauern und schlechtem Gewissen erzeugen.

Das meine ich nicht. Ich meine das, was ich abends im Kopf mit nach Hause nehme: die Gedanken an unerledigte Aufgaben, Termine, ungelöste Probleme, kritische Worte des Chefs manchmal, ein Gefühl der Unzulänglichkeit, die Frage, wie ich das alles schaffen soll, und die Frage, ob ich mit meinem Job wirklich am richtigen Platz bin; ja, die stelle ich mir in den letzten Tagen immer öfter. Morgens wache ich auf, Stunden vor dem Wecker, und sofort springt der Gedankenapparat an, der mich am Weiterschlafen hindert. Dabei mag ich meinen Job: die Aufgaben sind interessant, die Kollegen sehr nett, die Arbeitsbedingungen passen, und auch der Chef ist einer, mit dem man klar kommen kann; auch die Bezahlung ist keineswegs schlecht.

Vielleicht brauche ich Urlaub. Früher war Urlaub so: Ich arbeite meine Sachen so weit auf, erkläre meinem Vertreter, was während des Urlaubs aufschlagen könnte, dann bin ich für zwei oder drei Wochen weg, schalte ab, erhole mich, und nach dem Urlaub lege ich frisch gestärkt und voller Tatendrang wieder los; ich kann mich dunkel daran erinnern, mich gegen Ende des Urlaubs sogar wieder auf die Arbeit gefreut zu haben. – Heute ist das anders: Die Woche vor dem Urlaub ist reiner Stress, weil ich so viele unerledigte Dinge noch auf die Reihe bringen muss, Stress, den ich ohne den Urlaub nicht hätte. Manches schaffe ich, anderes jedoch nicht, und dieses Andere nehme ich mit, im Kopf. So verlasse ich am letzten Arbeitstag das Büro, spät und als letzter, mit dem Gefühl, etwas wesentliches nicht bedacht zu haben, etwas, das während meiner Abwesenheit eine kleine Katastrophe auslöst. Und dieser Gedanke ist nun mein Begleiter für die nächsten zwei oder drei Wochen, nicht ständig, aber doch immer wieder zwischendurch.

Erholung? Ja, doch, trotz allem stellen sich die Erholung und der nötige Abstand zur Arbeit irgendwann ein. Das hält ziemlich genau einen Tag, manchmal auch zwei oder gar drei nach dem Urlaub; auch wenn die vorgenannte Katastrophe nicht eingetreten ist, schmilzt die Erholung unter dem Druck mehrerer hundert unbeantworteter E-Mails dahin wie ein Stück Bratfett in der heißen Pfanne.

Müdigkeit ist mein ständiger Begleiter spätestens ab 14 Uhr eines jeden Arbeitstages, hinzu kommen zunehmende Antriebslosigkeit und Unzufriedenheit; abends in der Woche bin ich meistens nur noch platt und unwillens, irgendetwas produktives zu machen. Nur am Wochenende lebe ich auf, der Samstag ist mein Tag, Sonntagnachmittag geht es dann meistens schon wieder los, die ersten Gedanken kreisen um Montag, die neue Woche.

Jammern auf hohem Niveau – vielleicht. Aber es muss doch möglich sein, Abstand zu finden von dem ganzen, nicht nur am Samstag oder nach einer Woche Urlaub. Nur wie?