Woche 37/2024: Fahrplanabweichungen, Frohlocken und Fischstäbchen

Montag: Nachdem es am vergangenen Wochenende noch richtig heiß war, scheint nun der Herbst eingetroffen zu sein mit Regenschauern und deutlich gefallenen Temperaturen, in den von mir regelmäßig gelesenen Blogs vielfach bejubelt. Obwohl großer Herbstfreund, halte ich mich mit Frohlocken noch zurück. Erstmals nach längerer Zeit verließ ich morgens das Haus in Jacke und kehrte auch darin zurück. Der Anblick noch erstaunlich vieler kurzer Hosen, dem ich sonst durchaus zugetan bin, ließ mich frösteln. Vielleicht weigern sich deren Träger konsequent, vor dem kalendarischen Herbstanfang ins lange Beinkleid zu wechseln, so wie andere nicht vor Oktober die Heizung in Betrieb nehmen, egal wie kalt es ist.

Da es morgens regnete und für den Tag weitere Schauer zu erwarten waren, nahm ich die Bahn. „Es kommt zu Fahrplanabweichungen und Verspätungen“ verkündete die elektrische Anzeige an der Haltestelle. Ich freute mich über das Wort „Fahrplanabweichungen“ und nahm den Hinweis ansonsten mit der gebotenen Gelassenheit zur Kenntnis. Ins Büro kam ich früh genug.

Dorten viel spontan aufkommender Kleinkram, der mich in seiner Summe ganz gut beschäftigte.

Laut interner Mitteilung heißt die Kopierstelle im Mutterhaus nun Print Center Campus. Das wurde aber auch Zeit.

Nach nicht übertrieben spätem Arbeitsende hatte ich einen Friseurtermin. Eigentlich hatte ich den schon am Samstag gehabt, aufgrund eines Missverständnisses war ich jedoch zu spät erschienen, deshalb ein neuer Termin heute. Vorbei die Zeiten, da Friseure montags geschlossen haben. Ich habe das nie verstanden, andererseits hat es mich auch nicht gestört, das war eben so. Ohnehin neigte und neige ich nicht oder vielleicht zu wenig dazu, gegebene Dinge zu hinterfragen, vielleicht verdanke ich dieser Haltung aber auch einen Zuwachs an Zufriedenheit, während andere sich grämen.

Während der Niederschrift höre ich durch die geöffnete Balkontür den Regen auf die Markise prasseln, derweil der Geliebte Tee kocht. Das kann nicht mehr lange dauern mit dem Frohlocken.

Das war jetzt ganz schön viel Text für einen recht ereignislosen Tag.

Dienstag: Im Gegensatz zu gestern stockte heute die Schreibinspiration etwas. Das ist nicht schlimm, wer soll und will das auch immer alles lesen, nicht wahr. Ein fast ganz normaler Dienstag mit Fußmarsch ins Werk und zurück, wobei der Rückweg nicht mit einer gastronomischen Einkehr verbunden wurde. Zum einen lud das zwar trockene, doch kühle Wetter nicht zu einem Freiluftbier (immer wieder erstaunlich, welche Wörter von der Rechtschreibkorrektur nicht beanstandet werden) ein, zudem hatte ich einen ersten Anprobetermin beim Schuhmacher, wo ich vor mehreren Wochen einem spontanen Entschluss folgend Maßschuhe in Auftrag gegeben habe. Dazu vielleicht demnächst mehr.

Weg ins Werk
Das kann ja mal passieren.

Erstmals seit Wochen wurde das Abendessen, gemäß einer alten Familientradition dienstags Döner, am Küchentisch statt auf dem Balkon eingenommen, als Begleitgetränk Tee statt Wein. Willkommen im Herbst.

Mittwoch: Erstmals in dieser Woche mit dem Fahrrad ins Werk. Pünktlich zur Abfahrt hörte der Regen auf, nachdem es die Nacht durchgeregnet hatte, so dass die vorsichtshalber übergezogene Regenjacke nicht erforderlich war. Manchmal ist es fast etwas unheimlich, wie es sich fügt.

Mittags in der Kantine gab es Fischstäbchen, die habe ich ewig nicht gegessen. Sie schmeckten gut, so wie ich sie in Erinnerung hatte, alles andere wäre ja auch bedenklich. Zufällig sah ich gerade gestern Werbung eines Herstellers dieses Produkts, worin das „Frosta-Reinheitsgebot“ angepriesen wurde, am Ende hieß es „Frosta ist für alle da“, in womöglich unbewusster Anlehnung an die frühere Bac-Reklame, die Älteren erinnern sich vielleicht, „Ach Kinder … mein Bac, dein Bac – Bac ist für uns alle da!“ Eher ein Grund, auf den Verzehr von Fischstäbchen zu verzichten.

GLS brachte eine Sendung, darin ein Buch, eine Anthologie, zu der ich vor vielen Jahren, als ich noch gerne über Liebe und Triebe schrieb, einen Text beigetragen hatte und die nun, unter neuem Verlag und neuem Titel, wieder aufgelegt wurde. Kommt auf den wachsenden Stapel der ungelesenen Bücher.

Falls es Sie interessiert: erschienen im MAIN Verlag, ISBN 978-3-95949-735-0, 14€. Ich erhalte kein Honorar, was Sie nicht davon abhalten soll, es zu kaufen.
Ich brauche einfach mehr Zeit

Der Liebste hat Grillzubehör gekauft.

Von Profis für Profis

Beim Laufen abends merkte ich die dreiwöchige Unterbrechung wegen der Tagungs-Tournee, es lief sich sehr schwerfällig trotz idealer Lauftemperatur und ausgewählter Musikbegleitung im Takt der Schritte, was mich normalerweise beflügelt. Daher nur die kurze Strecke. Ab sofort wieder regelmäßig, immer schön in Bewegung bleiben, gerade im Alter.

Ansonsten Vorfreude auf den freien Tag morgen.

Donnerstag: Gelobt sei die Teilzeit. Den ersten „planfreien“ Tag nutzte ich für eine Wanderung über die vierte Etappe des Natursteigs Sieg von Merten bis Eitorf. Das Wetter war mir wohlgesinnt, um die fünfzehn Grad, meistens sonnig und trocken, erst bei Ankunft in Eitorf leichter Regen. Pünktlich um elf Uhr und mitten im Grünen plärrte das Datengerät los anlässlich des Warntages, kurz darauf heulten aus den Tälern rundherum die Sirenen hoch. Bis heute empfinde ich das Geräusch als gruselig, vor allem den auf- und abschwellenden Ton für Luftalarm. Wenn mir als in Friedenszeiten Aufgewachsener das schon so geht, was müssen dann erst diejenigen empfinden, die das noch als Ernstfall erlebt haben?

Die Strecke ist angenehm zu gehen und nicht sehr anstrengend, die Kennzeichnung gut, nur an wenigen Stellen musste ich in die App schauen, um die richtige Abzweigung zu nehmen. Die Bäume stehen noch in sattem Grün, abgesehen von den zahlreichen Fichtenleichen, die kahl in die Höhe ragen, dennoch lag bereits der würzige Hauch des Herbstes in der Luft. Immer wieder spürte ich unsichtbare Fäden des Altweibersommers (darf man das noch schreiben?) im Gesicht. Nur einmal begegnete mir ein anderer Wanderer. Insgesamt war es wieder beglückend.

Bereits kurz vor vierzehn Uhr erreichte ich das Ziel, Eitorf. Da es, wie oben erwähnt, regnete und zudem zehn Minuten später eine Bahn fuhr, suchte ich gar nicht erst nach einer geeigneten Gaststätte für das Wanderabschlussgetränk (hier schlägt die Rechtschreibprüfung an) und nahm stattdessen die Bahn zurück. Erst nach Rückkehr in Bonn erfolgte die Belohnung für die Mühen mit Oktoberfestbier und Fleischpflanzerln (für Außerbayrische: Frikadellen, Buletten) im bayrischen Brauhaus. Am Nebentisch zwei Herren, die offenbar schon länger dort verweilten. Als ein dritter dazukam, fiel der Satz: „Setz dich, wir sind gerade von swinging states auf Swingerclub gekommen.“

Hier ein paar Eindrücke des Tages:

Für die Sammlung (Merten)
Moosbetrachtungen I
Talblick
Stechpalme für Frau Lotelta
Rastplatzlyrik
Moosbetrachtungen II
Totes Holz
Moosbetrachtungen III
Käfer laben sich an einer Nacktschnecke. Vielleicht für Gartenfreunde eine Alternative zu Schneckenkorn, wobei man nicht weiß, worüber sie sich hermachen, wenn sie mit den Schnecken fertig sind.
Die Sieg in Eitorf

„PFERDE WETTEN“ steht in großen Buchstaben auf einem Schaufenster in der Bonner Innenstadt. Offen bleibt, um was die Gäule wetten.

Laut Zeitungsbericht haben über vierzig Prozent der elf- bis siebzehnjährigen schon mal einen Porno gesehen, oh Zeiten, oh Sitten! – Aha. Wo ist das Problem? Vermutlich haben über achtzig Prozent aus derselben Altersgruppe schon Tatort gesehen, wo Mord und Totschlag im Mittelpunkt stehen. Darüber wird nie berichtet. Warum auch.

Freitag: Heute ist Freitag, der dreizehnte. Wenn Sie das beunruhigt, sind Sie Paraskavedekatriaphobiker, falls Sie das noch nicht wussten. Sonst auch.

Mein Tag begann mit diesem Lied morgens im Radio, das, da wiederhole ich mich, meine Laune stets zu heben vermag, und das mich als angenehmer Ohrwurm durch den Werktag begleitete.

Beim Morgenkaffee das erste Mal gelacht:

Quelle: General-Anzeiger Bonn

Der Werktag verlief ohne nennenswerte Imponderabilien. In der Präsentation zu einer Besprechung stand „Scheiss Experience“, erst dachte ich, mich verlesen zu haben, doch das stand da wirklich. In derselben Runde sagte einer „Sonst bekommen wir ein Fuck up“. Dass die sich nicht schämen. Später, in einer anderen Besprechung, war „Das wäre ein kleiner Super-GAU“ zu hören; was so gesagt wird, wenn man nicht weiter nachdenkt.

Samstag: „… hat Wladimir Putin außerdem zwei Söhne aus seiner Partnerschaft mit der Rhythmischen Sportgymnastik-Olympiasiegerin Alina Kabajewa“, ist in der Zeitung zu lesen.

Vor Jahren, als ich noch regelmäßig den Radiosender 1live hörte (heute ertrage ich das Gelaber nicht mehr), lief dort täglich eine Juxserie, deren Titel mir entfallen ist. Ich erinnere mich nur noch an den in jeder Folge gesagten Satz „Du hast doofe Ohren“, am Ende explodierte immer eine Bombe. Wie ich darauf komme: In der Fußgängerzone sah ich einen, der offenbar früher diese riesigen Ösenringe in den Ohren getragen hatte. Nun nicht mehr, die großräumig durchlöcherten Ohrläppchen hingen schlaff herunter. Der hatte wahrlich doofe Ohren.

Sonntag: Der Sonntagsspaziergang fiel kurz aus, er führte in das Kult41, wo acht Autorinnen und ein Hobbyschreiber ihre selbstverfassten Texte für die „Bonntastik V“ vortrugen. Anschließend wurde ich für das Bürgerradio interviewt, das kommt auch nicht oft vor. Die vorgetragenen Texte und noch viel mehr gibt es auch als Buch, wenn Sie hier mal schauen möchten.

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Kommen Sie gut durch die Woche, lassen Sie sich nicht ärgern.

Werbung: Lesung „BonnTastik V“ am 15. September

Falls Sie am kommenden Sonntag in Bonn sind und noch nicht wissen, wie und wo Sie den Nachmittag verbringen sollen, kommen Sie doch zur Lesung „BonnTastik V“ im Kult41.

Aus der Mitteilung des BVjA:

BonnTastik, die Fünfte! Texte treffen Bilder – Bilder treffen Texte: Unter diesem Motto steht das gemeinsame Projekt des Künstlers Martin Welzel und der Regionalgruppe Bonn des Bundesverbandes junger Autoren und Autorinnen e.V. (BVjA). Die Autorinnen und Autoren aus Bonn und Umgebung ließen sich zum fünften Mal von Martin Welzels phantastischer Malerei inspirieren und umgekehrt. Die Ergebnisse der Fortsetzung dieses einzigartigen Projekts aus den Jahren 2018, 2019, 2022 und 2023 stellen der Künstler und die Autorinnen am Sonntag, den 15. September ab 16 Uhr bei der „BonnTastik“, einer Ausstellung mit Lesung vor. Gleichzeitig präsentieren Welzel und die Autorinnen die BonnTastik-Anthologie mit allen Bildern und Texten. Die BonnTastik entführt in fremde Welten. Karten für acht Euro bzw. vier Euro ermäßigt gibt es im Vorverkauf beim Kult41 sowie an der Abendkasse. 

Wann: Sonntag, 15. September 2024, 16 Uhr (Einlass ab 15 Uhr)

Wo: Kult41, Hochstadenring 41, 53119 Bonn

Wieviel: 8 bzw. 4 Euro (ermäßigt) 

Vielleicht sehen wir uns, es würde mich freuen.

Woche 36/2024: Tagung mit Seeblick

Montag: Laut Zeitungsbericht beklagt die Bonner CDU-Fraktion, dass die neuen Sitzbänke an der Poppelsdorfer Allee nicht zu den bisherigen passen. Ist es nicht herrlich, in einem Land zu leben, wo es derartige Probleme in die Tageszeitung schaffen?

Eher ein Contrablem: Die letzte Etappe der Tagungstournee führte nach Buch am Ammersee, wo der Arbeitgeber direkt am Seeufer eine Tagungsstätte mit eigenem Badesteg betreibt. Vormittags wurde ich zu Hause abgeholt, nachmittags kamen wir an. Nach Ankunft ging es auf den Steg, wo erste kühle Getränke gereicht wurden. Zwei, die im Gegensatz zu mir an Badebekleidung gedacht hatten, schwammen eine Runde, derweil ich mich damit begnügte, die Füße ins angenehm temperierte Wasser zu legen. Es gibt wahrlich Unangenehmeres.

Die Tagungsstätte, Seeseite
Innere und äußere Kühlung. Den eher störenden Ohrwurm, den der Name der Biermarke auslöste, nahm ich gerne in Kauf.
Abendblick beim Abendglas

Dienstag: Vormittags trafen nach und nach die Teilnehmer ein. Mit dem Programm waren wir am Nachmittag eine Stunde vor Plan durch, vielleicht weil es die Leute nach draußen zog anstatt durch das Äußern von Fragen und deren Beantwortung unnötig lange im Tagungsraum zu verbleiben. Wer wollte es ihnen verdenken.

Seeblick beim Frühstück, im Hintergrund Schondorf
Seeblick vom Steg

Anschließend unternahm ich einen Spaziergang am Seeufer entlang bis Breitbrunn, zurück durch die Fluren. Bei Rückkehr saßen die ersten Kollegen schon wieder mit Getränken auf dem Steg. Aus Höflichkeitsgründen trank ich eins mit, zog mich danach aus Sicherheitsgründen bis zum Abendessen in mein Zimmer zurück, wo diese Notiz entstand.

Seeuferweg, links der Ammersee (das müssen Sie mir jetzt glauben)
Bautätigkeit in Breitbrunn. Zu den schönsten Wörtern, die die deutsche Sprache hervorgebracht hat, zählt für mich „Doppelhaushälfte“. Aufgabe: Wie viele Häuser ergeben vier Doppelhaushäften?
Rückweg durch die Fluren

Der Tag endete gesellig.

Mittwoch: Auch heute endete das Programm gut eine Stunde vor Plan, deshalb machten wir uns direkt nach dem Mittagessen auf den Rückweg. Fast fiel der Abschied schwer, weil es ein wirklich schöner Ort ist, an dem eine Woche Urlaub zu verbringen kein völlig abwegiger Gedanke ist.

Während der Fahrt holte ich Leserückstände auf, unterbrochen von einem Schreckmoment, als kurz vor uns ein polnischer LKW ohne Rücksicht und offensichtlich ohne Hirn auf die linke Fahrspur wechselte, um seinerseits einen LKW zu überholen und dadurch unseren Fahrer zu einer dramatischen Bremsung zwang. Das war knapp und wir waren anschließend sehr wach.

Donnerstag: Heute ist der fünfte, deshalb ist alles Wesentliche zum Tage hier nachzulesen.

Freitag: Kurz nachdem ich morgens das Haus verlassen hatte, fand ich auf einer Rasenfläche am Ende der Straße etwa ein Dutzend verstreuter Briefe vor. Als bekennender Brieffreund schaute ich sie mir genauer an: Sie mussten schon länger dort gelegen haben, waren durchfeuchtet und kleine Nacktschnecken hatten sich ihrer bereits angenommen. Da sie alle an denselben Empfänger gerichtet waren, der in unmittelbarer Nähe wohnt, sammelte ich sie auf und warf sie in seinen äußerlich unbeschädigten Briefkasten ein. Wieder etwas, bei dem man sich fragt, wie es sich zugetragen haben mag.

Während des Aufsammelns der Briefe trat ich in einen Hundehaufen, was mich zu einem leisen Fluch veranlasste. Auf dem weiteren Fußweg ins Werk versuchte ich, die Schuhsohle mithilfe von Pfützen und Grasflächen am Rheinufer zu reinigen. Offenbar erfolgreich, nach Ankunft im Büro war nichts mehr zu riechen. Jedenfalls ließ sich die Kollegin am Schreibtisch gegenüber nichts anmerken.

Weg ins Werk. Es sieht deutlich kühler aus als es war.

Samstag: Vielleicht kennen Sie die Diskussion zwischen Loriots Knollennasen-Eheleuten über den Frühstücksei-Härtegrad. Ähnliches begab sich morgens auf unserem Balkon: „Willst du noch ein Brötchen?“ – „Ja.“ – „Mit Mohn oder ohne?“ – „Mit Sesam.“ – „Haben wir nicht.“ – „Warum fragst du dann?“

Aus der Tageszeitung: „Donald Trumps Verteidiger versuchten, den neuen Fahrplan für den historischen Strafprozess gegen den Ex-Präsidenten zu entgleisen, bevor die Bundesrichterin ihn verkündete.“

Gelesen im Kieselblog: »Wenn ich mal Chef bin, dann erstelle ich eine „Tu-Du!“-Liste.«

Abends besuchten der Liebste und ich nach ich weiß nicht wie vielen Jahren Pützchens Markt, die große Kirmes auf der anderen Rheinseite. Bei Ankunft war es noch nicht allzu voll, daher erträglich. Auf Anregung des Liebsten fuhren wir mit dem Riesenrad. Das war bemerkenswert, da er Höhe gegenüber üblicherweise eine gewisse Skepsis hegt. Mir hat es Spaß gemacht und er hat tapfer durchgehalten. Andere Fahrgeschäfte, in denen man mit hoher Geschwindigkeit umhergeschleudert wird oder im freien Fall zu Boden rast, betrachteten wir mit gewissem Schauder. So viel Geld könnte man mir nicht zahlen, dass ich da ohne Vollnarkose einsteigen würde. Später hatte es sich deutlich gefüllt, in Verbindung mit der kirmesüblichen Beschallung von allen Seiten wurde es etwas anstrengend. Somit ist mein Rummelbedarf erstmal wieder für einige Jahre gedeckt.

Vorher (Foto: der Liebste)
Währenddessen

Sonntag: Der Sonntagsspaziergang hatte heute ein konkretes Ziel, nämlich die Atelierbühne in Bonn-Beuel, wo ich als TapetenPoet wieder was vorlesen durfte. Es gab noch freie Plätze, doch waren mehr Zuhörer gekommen als ich wegen Pützchens Markt erwartet hätte. Dafür vielen Dank an das Publikum, die Mitlesenden und vor allem den Organisator. Ich komme gerne wieder.

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Kommen Sie gut durch die Woche.

#WMDEDGT im September: Nicht nachvollziehbar lustig

Heute ist der fünfte September, am Fünften eines jeden Monats ruft die geschätzte Mitbloggerin Frau Brüllen zur Pflege der Tagebuchblogkultur auf. Dann schreibt der geneigte Teilnehmer etwas zur Frage „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“, kurz #WMDEDGT, und verlinkt es hier.

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Geschlafen: Gut, einmal unterbrochen durch Schnarchaktivitäten von der Seite, jedoch nicht durch den Wecker, da ich am Vorabend nach zweitägiger Abwesenheit vergaß, ihn scharf zu stellen. Dennoch, vom Liebsten geweckt, zur gewohnten Zeit aufgestanden.

Geträumt: Die üblichen bunten Träumen, deren Inhalte nicht nachvollziehbar wiedergegeben werden können und auf die ich keineswegs verzichten möchte. Neulich sagte mir jemand, er würde nie träumen. Da entgeht ihm was.

Gedacht: Schon wieder Donnerstag, wie schön. Nächsten Donnerstag habe ich frei.

Gewundert: Unser Büroflur war heute für den Wochentag ungewöhnlich menschenleer, was mich keineswegs störte.

Gegessen: Mittags vegetarische Maultaschen, was laut Expertenmeinung Unsinn ist, weil dieses Gericht ursprünglich erfunden worden sein soll, um Fleischverzehr an dafür nicht zugelassen Tagen vor dem Auge Gottes zu verbergen. „Das ist so, als ob man sich vor dem Kontrolleur versteckt, obwohl man eine gültige Fahrkarte hat“, bemerkte einer.

Gelesen: Die Zeitung, Mails, ein Fachkonzept, den Pressespiegel, Blogs. Darin nichts, was hier zu zitieren wäre.

Geschrieben: Die üblichen Mails, diesen Blogeintrag, später was ins (Papier-)Tagebuch.

Gehört: „Das besprechen wir bilateral“ in einer Besprechung. Nicht neu, doch immer noch das Sprachgefühl verletzend.

Gelernt: Laut Wikipedia hat heute vor 125 Jahren eine gewisse Christine Hardt den Büstenhalter erfunden. Falls danach mal einer fragt.

Gefreut: Die bis 17:30 Uhr angesetzte Besprechung endete zehn Minuten früher, immerhin.

Geärgert: Nicht direkt geärgert, eher etwas peinlich berührt, nachdem ich bemerkt habe, dass einer der Tagungsteilnehmer, den ich mehrfach mit „Thorsten“ angesprochen hatte, Lutz heißt. Er hätte aber auch was sagen können.

Gelacht: Mehrfach, jeweils situativ und für Sie vermutlich nicht nachvollziehbar lustig.

Und sonst: Ich habe eine Einladung erhalten zur Teilnahme am „Atlas zur deutschen Alltagssprache (AdA)“. Wenn Sie auch interessiert sind, bitte hier entlang.

Woche 35/2024: Facebook-Geschwätz und komische Prosa

Montag: Meine vorläufig letzte Woche als Vollzeit-Arbeitskraft ist angebrochen. Das ist kein Grund, an fünf Tagen werktätig zu sein, am Donnerstag habe ich schon wieder frei.

Trotz schlecht durchschlafener Nacht war der Tag recht erträglich, im Büro kam ich mit der Aufarbeitung von in der vergangenen Woche aufgelaufenen Bearbeitungsrückständen gut voran, abends zierten mehrere Häkchen die Aufgabenliste.

Am Mittagstisch tauschten sich die Kollegen über ihre Brut aus. „Kinder geben ja so viel zurück“, wobei die Ironie in der Stimme des diesen Satz sprechenden Vaters nicht zu überhören war. Erneut dankte ich stumm kauend dem Universum, bei dem Thema weder mitreden zu können noch zu müssen.

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Erst am Freitag werde ich wieder im Büro sein, dazwischen liegen zwei Tage Tagung in Bad Breisig und, siehe oben, ein Urlaubstag, über dessen Gründe ich Sie zu gegebener Zeit in Kenntnis setzen werde.

Dienstag: Noch vor dem Aufstehen ließ eine Radiomeldung die Mundwinkel erheblich nach oben ausschlagen, wonach gerüchteweise die für mich größte Band aller Zeiten, Oasis, wieder gemeinsam auftreten will. Im Laufe des Morgens dann die offizielle Bestätigung, die zänkischen Gallagher-Brüder haben sich offenbar vertragen (oder brauchen Geld) und geben demnächst mehrere Konzerte. Seit sie sich vor fünfzehn Jahren trennten, habe ich die Hoffnung nie aufgegeben, diesen Tag noch zu erleben, ich freue mich sehr.

Weniger erfreulich nach Ankunft in Bad Breisig die Erkenntnis, dass ich zwar das Ladekabel für das iPad, nicht jedoch das für das iPhone eingesteckt hatte. Seit die unterschiedlich sind, jedenfalls bei der von mir verwendeten Gerätegeneration, ist das Leben nicht einfacher geworden. Doch konnte mir ein lieber Kollege aushelfen, Nachhausetelefonieren war zu jeder Zeit sichergestellt und für die Bevölkerung bestand keine Gefahr.

Bad Breisig. Finde den Fehler.
Blick aus dem Zimmerfenster. Das Hotel könnte hier und dort einen Pinselstrich vertragen, doch die Lage ist wunderbar.

Mittwoch: Kaum war ich aufgrund örtlicher Nähe des Tagungsortes bereits am frühen Nachmittag wieder zu Hause, musste ich bald wieder los, ein Stress ist das aber auch. Mir blieb nur Zeit, frische Socken und Schlüpfer einzupacken und kurz in die Zeitung und die Blogs zu schauen, dann machte ich mich auf nach Porz-Wahn, wohin zu einem kollegialen Sommerfest geladen wurde. Für die Hinfahrt nahm ich nicht die Stadtbahn bis Siegburg und ab da die S-Bahn, sondern die relativ neue Buslinie 117, die in Haustürnähe abfährt und nahe des Festlokals endet. Das dauert vermutlich etwas länger, erspart aber einen Umstieg. Von der Haltestelle erst ins Hotel, wo auf die Schnelle diese Notiz entstand, gleich weiter zur Feier. Da dort eine gewisse Feuchtfröhlichkeit nicht ganz auszuschließen ist, habe ich für morgen einen Tag Urlaub genommen. Somit wissen Sie das jetzt auch.

Donnerstag: Fröhlich war das Fest, die Feuchte und ihre Nachwirkungen hielten sich dank strenger Disziplin *räusper* im Rahmen. Daher wäre der Urlaubstag heute nicht zwingend erforderlich gewesen, andererseits störte er nicht das Wohlbefinden.

Nach Rückkehr aus Porz-Wahn (dieses Mal mit der Bahn) entschloss ich mich spontan zu einem Mittagessen in der Außengastronomie des Vertrauens, aus Vernunftgründen und wegen der Hitze mit alkoholfreiem Weizenbier. Danach suchte ich eine schattige Bank am Rhein auf, wo Leserückstände der vergangenen Tage aufgeholt und Textverarbeitung vorgenommen wurden. Nebenbei schaute ich auf Menschen im Vorbeigehen. Warum eigentlich kucken so viele junge Frauen derart genervt-unfroh in die Gegend?

Freitag: Der letzte Arbeitstag in Vollzeit geriet recht lang, da wegen der Abwesenheit an den Vortagen einiges aufzuarbeiten war. Aber das war in Ordnung. Jede Stunde zählt für künftige Frei-Tage.

Aus der Zeitung: „Die Clubs sind auf verschiedene Distrikte innerhalb von Deutschland aufgeteilt und werden auch von den jeweiligen Mitgliederinnen und Mitgliedern verwaltet.“ Das tut ein bisschen weh.

Bleiben wir bei der Zeitung: Offenbar begibt sich nun auch der Bonner General-Anzeiger auf das Niveau von Qualitätsmedien wie Der Westen online. So berichtet er heute von einem beschädigten Linienbus, der im Stadtteil Duisdorf an einem Bahnübergang gesichtet wurde. Der Bericht beginnt mit dem Zitieren mehrerer Kommentare und Mutmaßungen in einer örtlichen Facebook-Gruppe, einer will gar einen Brand des Busses wahrgenommen haben. Erst eine Anfrage der Zeitung bei den Stadtwerken ergab die wenig konkrete Auskunft, der Bus sei an einem Unfall beteiligt gewesen, bei dem niemand verletzt wurde, gebrannt hat er nicht. Fazit: fünf Spalten Bericht mit Bild des Bahnübergangs (ohne Bus), vier davon mit Facebook-Geschwätz, insgesamt mit einem Informationsgehalt, für den wenige Zeilen ausgereicht hätten. Man hätte auch ganz auf den Bericht verzichten können. Vielleicht mussten sie die Zeitung voll kriegen.

Aus einer Ankündigung für die Lesung der TapetenPoeten am 8. September: „Diesmal dabei: Carsten Kubicki, komische Prosa“ – ja, passt; muss ich mir merken, wenn mal jemand fragt, was ich so schreibe. Oder beruflich mache, da passt es meistens auch.

Samstag: In der Stadt sah ich beim planmäßigen Glasentsorgungsgang fröhlich gekleidete Menschen auf dem Weg zu Jeck im Sunnesching, einer sommerlichen Karnevalsveranstaltung im Rheinauenpark. Der strenggläubige Karnevalist mag dadurch in seinen närrischen Gefühlen verletzt sein, weil es Fastelovend nur zwischen dem elften Elften und Aschermittwoch geben darf. Doch gilt auch hier wie für Spekulatius im September: Niemand wird dazu gezwungen.

Abends waren wir bei der Lesung des Bloggerkollegen Satzverstand. Das war sehr unterhaltsam.

Sonntag: Heute ist der erste September. In den Blogs schaut man schon sehnsüchtig dem Herbst entgegen, wie ich während des in den Sonntagsspaziergang integrierten Biergartenbesuches las. Dabei ist heute bereits meteorologischer Herbstanfang. Dessen unbeeindruckt brannte die Sonne vom blauen Himmel und trieb die Thermometer auf über dreißig Grad, was mich nicht stört.

Der erste September ist für mich auch immer Dienstjubiläum, heute das achtunddreißigste, die Zeit rast. Ab heute gilt für mich außerdem die Fünfunddreißigstundenwoche mit einem freien Donnerstag in jeder zweiten Woche. Beziehungsweise de facto ab morgen. Die kommende Woche wird indes eine Fünftagewoche mit der vorläufig letzten Geschäftsreise von morgen bis Mittwoch, auf die ich mich – ohne jede Ironie – ein wenig freue.

Im Übrigen ein Sonntag wie nach Musterblatt A: katerfreies Erwachen, Frühstück mit den Lieben auf dem Balkon, Lesen der Sonntagszeitung (wo man im Feuilleton-Teil die Wiederbelebung von Oasis eher kritisch beurteilt), Spaziergang durch die Nordstadt und am Rhein, kühlende Stärkung im Lieblingsbiergarten. Alles in allem sehr zufriedenstellend.

Literatur am Wegesrand

Hier eine kleine Vorschau auf kommendes, auch wenn es noch etwas dauert.

Gunkl schrieb: „Venedig ist das Venedig Italiens. Manchmal isses so einfach.“

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Kommen Sie gut durch die Woche, lassen Sie sich nicht ärgern.