Gedanken zu Weihnachten 2008

Wieder einmal hat sich Jo Ratzinger, dieser Mensch, der sich „Benedict XVI“ nennen lässt und der sich allen Ernstes als Gottes Stellvertreter auf Erden betrachtet, zur Homosexualität geäußert. Wieder einmal belehrt er die Menschheit über dieses widernatürliches Dasein, das die „Zerstörung von Gottes Werk“ nach sich zieht. Milliarden von Menschen glauben diesen seinen Worten.

Ich bin wütend. Und ich habe Angst. Wenn Schwule und Lesben verfolgt, verhaftet und ermordet werden, so ist das nicht in erster Linie das Werk Rechtsradikaler, sondern insbesondere auch das der Katholischen Kirche. Ich halte diese – ebenso wie alle anderen radikalen Glaubensgemeinschaften – für sehr gefährlich, mindestens so gefährlich wie Neonazis, wobei mir durchaus bewusst ist, dass man mit solchen Vergleichen sehr vorsichtig sein muss.

Ich glaube an Gott, aus voller Überzeugung. Aber ich glaube nicht an den Unfug, den uns Ratzi & Co als Gottes Wille verkaufen wollen. Gott hat uns Menschen geschaffen, er wird seine Gründe gehabt haben, dass fünf bis zehn Prozent davon das eigene Geschlecht mehr lieben als das andere. Soviel ist sicher: Aussterben wird die Menschheit dadurch nicht.

Die Liebe eines Mannes zu einem Mann und einer Frau zu einer Frau ist genau so viel wert wie die zwischen Mann und Frau, und ich bin mir sicher, dass Gott der Herr das genau so sieht. Hoffen wir, dass die Vernunft siegt.

Ich wünsche allen hetero-, bi- und homosexuellen Menschen und allen dazwischen frohe Weihnachten!

Über das Rauchen

Ich weiß, angesichts der aktuellen Diskussion ist es vielleicht nicht gerade angebracht, aber ich stehe dazu: ich bin Raucher, und ich bin es gerne. Seit dem 2. Dezember 2007 genau genommen, wobei ich wohl einer der wenigen Menschen bin, die sich im Alter von 40 Jahren bewusst und ohne „Not“ dazu entschieden haben, in einem Alter, wo die meisten mehr oder weniger verzweifelt versuchen, es sich abzugewöhnen. Gut, ich rauche schon seit meinem 17. Lebensjahr Zigarillos, ab und zu, aus Gemütlichkeit, nicht auf Lunge, eine Schachtel hält meist einen Monat oder länger. Auch habe ich ich mir früher, als Schüler, schon ab und zu Zigaretten gekauft, weil die Zigarillos mein schmales Taschengeld-Budget doch sehr belasteten, aber auch die paffte ich nur aus Gründen der Gemütlichkeit, Lungenzüge waren mir suspekt.
Erst jetzt, 23 Jahre später, habe ich meine Liebe zum blauen Dunst entdeckt. Nicht viel, in der Regel eine Zigarette am Tag, nach Feierabend auf dem Weg zur Bahn. Die genieße ich so richtig. Manchmal am Wochenende auch mehr. Nicht, dass ich es müsste, es bereitet mir (noch?) keinerlei Schwierigkeiten, an einzelnen Tagen ganz auf den Glimmstengel zu verzichten. Ich kann auch (noch?) nicht nachvollziehen, warum so viele Raucher nach Stunden des Zwangs-Nichtrauchens unruhig werden, und warum sie oft ohne Rücksicht auf ihre nichtrauchenden Mitmenschen deren Luft verpesten müssen. All das muss ich (noch?) nicht: Ich rauche aus Genuss und wenn es die Situation ermöglicht, und – das halte ich für ganz wichtig – wenn ich niemanden damit belästige.
Sollte sich das jemals ändern, gewöhne ich es mir sofort wieder ab, versprochen!:yes:

Kurzgeschichte: Am Ende des Tages

Grau und scheinbar unbewegt erstreckt sich die Ostsee unterhalb des Fensters der weißen Villa; nur undeutlich ist am Horizont die Trennlinie zwischen dem Meer und dem Grau des Himmels auszumachen. Den ganzen Tag lang schon regnet es, zudem weht ein zwar leichter, jedoch eisig kalter Ostwind. Nur wenige Menschen spazieren heute dick vermummt die Strandpromenade und den kilometerlangen weißen Sandstrand entlang; fast menschenleer auch die Seebrücke, die unweit der Villa etwa hundert Meter weit ins Meer ragt. Im Sommer muss hier Hochbetrieb herrschen, doch jetzt ist eindeutig Nebensaison, worauf auch die zahlreichen Schilder „Zimmer frei“ in den Fenstern der Hotels, Pensionen und Ferienhäuser hindeuten.
Heinrich Kahmann sitzt in der rundum verglasten Veranda, die seinem erstaunlich großem Zimmer vorgelagert ist, deren Fenster sich bei schönem Wetter großflächig öffnen lassen, um der frischen Seeluft Einlass zu gewähren. Doch dazu besteht heute keine Veranlassung: Regentropfen perlen an der Scheibe herunter, und dass es jenseits der Fenster saukalt ist, das spürt Heinrich, auch ohne heute schon einen Fuß vor die Tür der Villa gesetzt zu haben. Er zündet sich eine Zigarette an, bereits die dritte seit dem Frühstück, von welchem er noch nicht lange zurückgekehrt ist, vielleicht eine knappe Stunde oder so. Frühstücksräume in Hotels und ähnlichen Häusern sind ihm verhasst, immer schon, vor allem wenn er alleine reist, was sein Job mit den vielen Geschäftsreisen immer wieder mit sich bringt. Aber das ist ja nun bald vorbei. Er mag es nicht, so kurz nach dem Aufwachen schon von fremden Menschen umgeben zu sein, mit ihnen Brötchen, Butter, Wurst und das immer und in ausnahmslos allen Hotels (warum nur?) lächerlich kleine Glas mit Fruchtsaft vom Büffet zu holen und dann, in der einen Hand den Teller und in der anderen das Säftlein, nach einem freien und möglichst frisch eingedeckten Tisch Ausschau zu halten, wo er in Ruhe und vor allem unbehelligt von irgendwelchen sinnlosen Gesprächen, die ihm ebendiese fremden Menschen aufzudrängen suchen, mit morgendlich-mäßigem Appetit sein Frühstück einnehmen kann, schweigend, umgeben vom geschäftigen Geklapper und Geplapper der Nachbartische. Die Strandvilla scheint nicht mal zur Hälfte belegt zu sein; im Frühstücksraum waren heute Morgen nur zwei ältere Ehepaare, ein alter Mann im schwarzen Anzug, dessen gesamte Aufmerksamkeit der Tageszeitung galt, und ein jüngeres Paar mit seinem missmutig dreinschauenden Sohn im Pubertätsalter. In dem Raum herrschte eine geradezu sakrale Stille, keiner sprach, keiner von ihnen suchte Kontakt zu einem der Nachbartische.
Heinrich ist froh, wieder hier oben in seinem Zimmer zu sein, alleine und ungestört. Genüsslich bläst er den Rauch in den Raum, wo er sich nach kurzer Zeit verliert. Im Frühstücksraum ist Rauchen nicht erwünscht, jedenfalls legen das die nicht vorhandenen Aschenbecher nahe. Ein tiefer Zug noch, dann drückt Heinrich die kaum mehr als halb aufgerauchte Zigarette neben ihren erloschenen Vorgängerinnen aus; ein dünner Rauchfaden steigt zunächst gerade, dann sich kräuselnd nach oben, ehe die Glut erstirbt.
Ein Seewind kommt auf, der die Regentropfen frontal gegen die Scheiben peitscht. Nur noch vereinzelte Menschen sind auf der Strandpromenade zu sehen, in diesem Moment gibt es wahrlich gemütlichere Orte. Umgeben von der wohligen Wärme seines Zimmers betrachtet Heinrich die winterlich-kalte Ungemütlichkeit jenseits des nur wenige Millimeter dicken Glases. Genau so hatte er sich das vorgestellt, als er diese Reise plante. Er zündet sich eine neue Zigarette an. Ich sollte nicht so viel rauchen, denkt er. Aber was spielt das jetzt noch für eine Rolle …
Damals, vor sechs Jahren, rauchte er noch nicht. Sie waren nicht weit von hier untergebracht, er und Matthias, im Vier-Sterne-Hotel „Seestern“. Ihren dritten Jahrestag feierten sie dort, im Hotelrestaurant, was nicht gerade billig war, aber wer schaute zu einem solchen Anlass schon auf den Cent, zumal sie es sich ohne Probleme leisten konnten. Auf die ewige Liebe stießen sie an, zumindest aber, unausgesprochen, darauf, dass sie noch viele gemeinsame Jahrestage feiern würden. Doch bereits wenig später ahnte Heinrich, dass nicht mehr gar so viele gemeinsame Jahre zu erwarten wären. Dabei gab es keinerlei äußere Anzeichen, die diese Vermutung bestätigt hätten; beide erfreuten sich bester Gesundheit, und ihre Beziehung stand im Lichte einer geradezu bilderbuchhaften Harmonie. Und doch war plötzlich, gleichsam über Nacht, diese einerseits vage und andererseits erschreckend konkrete Erkenntnis da, dass er, Heinrich, nicht mehr lange zu leben habe, konkret noch sechs Jahre; das hieß, im Jahre Zweitausendsechs, im Alter von gerade mal vierundvierzig Jahren würde für Heinrich das Licht ausgehen. Über den genauen Zeitpunkt sowie die Ursache seines Ablebens schwieg sich die Erkenntnis aus, somit blieb offen, ob er durch einen Unfall, eine Krankheit oder gar eine Gewalttat aus dieser Welt scheiden wird. Auch die Herkunft dieser Ahnung blieb im Dunkeln; weder war ihr ein finsterer Traum noch eine mysteriöse Begegnung vorausgegangen. Auf beides hätte Heinrich ohnehin nichts gegeben; seit jeher ist er ein Mensch, der nicht an Zeichen und Prophezeiungen aller Art glaubt, der die Dinge stets nüchtern-analytisch betrachtet. Auch den Glauben an Gott hat er bereits kurz nach dem Kindergartenalter verloren, sehr zum Leidwesen seiner Eltern, die ihn gerne im Sinne christlich-moralischer Grundsätze erziehen wollten. Aber die leben ohnehin in einer anderen Welt, einer Welt, zu der Heinrich keinen Zugang findet und ihn auch nicht sucht. Seit er sie darüber in Kenntnis gesetzt hat, dass er mit Matthias zusammen lebt und sie von ihm keine Enkelkinder erwarten können, haben sie sich völlig von ihm zurückgezogen. Gut, ein Stück weit ist es auch er, der sich von ihnen zurückgezogen hat und ihnen niemals eine Chance gegeben hat, ihn und seine Welt zu verstehen. Doch so lange jedes Mal, wenn er mit seiner Mutter telefoniert, was selten genug vorkommt (mit seinem Vater hat er seit Jahren kein Wort mehr gesprochen, weil diese Gespräche stets nach kurzer Zeit zu einem heftigen Streit ausarteten), dieser unausgesprochene Vorwurf anklingt, sieht er keinen Grund, daran etwas zu ändern. Dabei macht er ihnen keinen Vorwurf; aus ihrer Sicht der Welt können sie wohl nicht anders. Das einzige, was Heinrich seinen Eltern seit frühester Kindheit vorwirft, ist die Auswahl seines Vornamens. Nur weil sein Großvater, der Vater seines Vaters so hieß! Wie er diesen Namen hasste: Die anderen Jungs in seiner Klasse hießen Markus, Stefan, Jens, Jörg, Frank, Michael, Torsten, Thomas, Christian, Philipp; keiner jedoch August, Gustav, Herrmann, Walter, Oskar, Günther (wie sein Vater) – oder eben Heinrich. Keiner außer ihm jedenfalls. Wie peinlich war es ihm jedes Mal, wenn der Lehrer ihn aufrief, oder wenn er sich irgendwo vorstellen musste. Stets fühlte er sich viel älter, als er tatsächlich war, was in einem krassen Gegensatz stand zu seinem Äußeren: Während seine männlichen Mitschüler nach und nach in den Stimmbruch kamen und ihnen, wie Heinrich neidvoll beim Umkleiden für den Sportunterricht sah, Haare in verschiedenen Körperregionen wuchsen, blieb seine Stimme noch lange Zeit piepsig und die Körperregionen kindlich-kahl. Noch heute blickt er – jetzt nicht ohne eine gewisse Selbstzufriedenheit, so ändern sich die Bewertungen – in das Spiegelbild eines jungen Mannes, dessen Alter zumeist auf Anfang bis Mitte Dreißig geschätzt wird. Schon oft wurden sie gefragt, wer von Ihnen der jüngere sei: Er, Heinrich, oder Matthias, sein fast fünf Jahre jüngerer Freund.
Wie mag es Matthias jetzt gehen, ist er glücklich? Heinrich hat länger nichts von ihm gehört. Matthias die große Liebe seines Lebens. Nie zuvor hat er einen Menschen dermaßen geliebt, und er weiß, nie wieder würde er einen Menschen so lieben. Aber dazu bleibt ihm ja auch keine Zeit mehr. Ihr gemeinsamer Traum, irgendwann zusammen ein kleines Haus auf dem Land zu kaufen, wo sie zusammen alt werden können, ist ausgeträumt, wobei es für Heinrich allein schon am Altwerden scheitert, ob mit oder ohne Matthias. Durch die regentropfenbehängte Scheibe blickt er auf die weite Ostsee, deren einheitliches Grau von einzelnen weißen Gischtkronen getupft ist. Der Wind ist stärker geworden und weht hörbar in Böen um die Villa, deren weiß gestrichene und reichlich mit filigranen Holzschnitzereien versehenen Holzbalken, die die Balkons und Veranden einfassen, ab und zu unter der Windlast knacken, ohne den geringsten Anlass zur Sorge um die Standfestigkeit des Hauses, das in seiner mehr als hundertjährigen Geschichte schon ganz anderen Stürmen standgehalten hat. Was für ein wunderbarer Tag zum Sterben, denkt Heinrich und zieht genüsslich an der Zigarette, deren Glut daraufhin hell aufleuchtet. Wenn er nur wüsste woran … Abgesehen von einer leichten Erkältung, die in dieser Jahreszeit ja nichts Besonderes ist, fühlt er sich bestens. Vielleicht breitet sich ja auch seit Längerem, bislang unbemerkt und ungestört, ein Gehirntumor aus, der bereits ein Stadium erreicht hat, das jede Operation in die Zwecklosigkeit verweist. Waren da nicht neulich diese schrecklichen Kopfschmerzen? Gut, da hatte er tags zuvor eine ganze Flasche Whisky alleine geleert, weil er keine Lust hatte, seinen vierundvierzigsten Geburtstag mit irgendjemandem zu feiern. Niemanden hören und sehen wollte er, nicht einmal Matthias. Keine Glückwünsche, das Mobiltelefon war ausgeschaltet (wie fast immer), ans Telefon ging er nicht, und zu Besuch kam niemand. Wozu auch noch Glückwünsche entgegennehmen, es war schließlich sein letzter Geburtstag, und das ist auch gut so. Als die Erkenntnis seines nahenden Endes über ihn kam, damals vor nunmehr sechs Jahren, reagierte er keineswegs schockiert, sondern er nahm es mit einer Leichtigkeit hin, die ihn selbst erstaunte. Gut, sechs Jahre, die vor einem liegen, erscheinen lang; wenn man denselben Zeitraum jedoch rückblickend betrachtet, so sind sechs Jahre erschreckend kurz. Doch nahm Heinrichs Gelassenheit über sein näher kommendes Ende nicht ab, je mehr die ihm noch verbleibende Zeit hienieden auch zusammenschmolz: fünf, vier, drei, zwei Jahre, ein Jahr, dann eine ihm unbekannte Anzahl von Monaten, Wochen, Tagen, Stunden …
Den letzten Jahreswechsel feierte er noch mit Matthias und ein paar Freunden in ungetrübter Ausgelassenheit. Immerhin, so viel hatte ihm die Erkenntnis verraten, dass er seinen vierundvierzigsten Geburtstag noch erleben würde, und der war ja erst im September, mithin blieben ihm mindestens noch neun Monate und ein paar Tage; selbst dieser Zeitraum erscheint lang, wenn er vor einem liegt. Sind seitdem wirklich schon elf Monate vergangen, seit sie, wie immer zu Silvester, um die schon traditionelle Feuerzangenbowle herum saßen, einschließlich dem berühmten gleichnamigen Film mit Heinz Rühmann? Unglaublich. Auch jetzt, da der finale Termin fällig, wenn nicht überfällig ist, empfindet Heinrich nicht die Spur von so etwas wie Todesangst. In den zurückliegenden sechs Jahren hat er eine geradezu erstaunliche Nüchternheit in Bezug auf den Tod, insbesondere seinen eigenen, entwickelt. Die Erkenntnis über den nahenden Tod von Matthias hätte ihn, wenn es sie denn gäbe, ungleich schmerzlicher getroffen. Irgendwann ist jeder einmal dran, warum nicht schon jetzt mit Vierundvierzig? Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören. In der Tat empfindet Heinrich seit längerem eine gewisse Lebensmüdigkeit, allerdings in äußerst positivem Sinne. Sein Leben ist bislang sehr geradlinig mit steigender Tendenz verlaufen, mal abgesehen von seinem Verhältnis zu den Eltern; nie gab es irgendwelche Schicksalsschläge, die ihn zurückgeworfen hätten. Und so ist die Bilanz seines Lebens durchaus sehenswert: Er ist gesund, zumindest fühlt er sich so; er hat eine gut bezahlten Job, den er dazu nicht ungern ausübt und der es ihm ermöglicht, sein Dasein in zwar nicht luxuriösen, jedenfalls aber äußerst zufrieden stellenden wirtschaftlichen Verhältnissen zu fristen; er wohn in einer schönen Wohnung in einer wunderbaren Stadt; er hat gute Freunde, zwar nicht viele, aber immerhin welche, auf die er sich verlassen kann. Und – das wichtigste von allen – in Matthias hat er die Liebe seines Lebens gefunden. Mit anderen Worten, er hat allen Grund, wunschlos glücklich zu sein. Jedenfalls kann er sich nichts vorstellen, auch nicht ein Lottogewinn, wenn er denn Lotto spielte, das ihn langfristig glücklicher machen würde. Aber ist es nicht geradezu fatal, wunschlos glücklich zu sein? Auf was soll man sich noch freuen, wenn nichts besser werden kann? Schlimmer noch: Wenn nichts besser werden kann, dann kann es doch nur schlechter werden! Wenn auch nicht sofort, so doch ganz sicher irgendwann. Und genau das ist es, wovor Heinrich, der, dessen Leben sich bislang nur, ungetrübt durch irgendwelche Schicksalsschläge, positiv entwickelt hat, Angst hat. Wie soll er, ungeübt im Umgang mit negativen Ereignissen, damit klarkommen, wenn sich die Entwicklung eines Tages, und der Tag würde unweigerlich kommen, umkehrt? Ist es da nicht viel besser, jetzt, da alles um ihn so gut bestellt ist, aus der Zeit zu gehen? Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören, in dieser abgegriffenen Floskel steckt doch eine Menge Wahrheit.
Der Regen hat nachgelassen, daher beschließt Heinrich, die warme Behaglichkeit seines gemütlichen Zimmers zu verlassen, sich im Ort eine Tageszeitung zu kaufen und diese im Café am anderen Ende der Strandpromenade in Ruhe zu lesen. Heftiger eisiger Wind umweht ihn, als er die Strandvilla verlässt und auf die nahezu menschenleere Promenade tritt; trotz der dicken Winterjacke ist im kalt. Dennoch nimmt er nicht den direkten Weg zum Zeitungsladen im Ort, sondern er schlendert die Promenade entlang, die aufgewühlte Ostsee zu seiner Rechten. Damals, Ende August vor sechs Jahren, war es warm, die See lag ruhig unter einem strahlend blauen Himmel, auf dem der Promenade vorgelagerten fast weißen Sandstrand standen Strandkörbe in einer in einer unendlich erscheinenden Anzahl, aus dem Wasser lugten zahlreiche Köpfe badender Urlauber, Kinder kreischten vergnügt. Und doch fühlt sich Heinrich hier heute, da er fast alleine ist, nicht weniger wohl. Er betritt die menschenleere Seebrücke, die ins Meer ragt und an deren Pfählen sich einige Meter unter ihm die Wellen weiß schäumend und mit rhythmischem, nicht enden wollendem Rauschen brechen, so dass die Luft erfüllt ist von einem salzigen Niesel, eine vage Andeutung von Naturgewalt, die Heinrich in wohligen Schauer versetzt und ihn die Kälte augenblicklich vergessen lässt. Trotz heftiger Windböen, die ihn immer wieder fast von den Füßen reißen, geht er weiter bis zum Ende der Seebrücke, wo sie sich zu einer Aussichtsplattform verbreitert, an der Stirnfront ein fest installiertes Fernrohr, das, heute arbeitslos, nach Münzeinwurf für einige Minuten einen näheren Blick auf das gegenüberliegende Ufer der Bucht und die Weite der Ostsee ermöglicht. Immer wieder schießen Gischtwolken hoch und erfüllen die Luft mit Wasser, Salz und Rauschen. Heinrich dreht sich um und blickt zurück in die Richtung, aus der er gekommen ist, das Ufer, an dem sich die Villen und Hotels, zumeist in der für diese Gegend typischen weißen Bäderarchitektur gehalten, wie eine Perlenkette aufreihen. Bei einigen von ihnen blättert, aus der Nähe betrachtet, die weiße Farbe ein wenig ab, was ihnen jedoch eher den Anschein einer gewissen Patina und weniger den des Verfalles verleiht. Doch von hier, aus der Ferne der Seebrückenspitze, wirken sie alle gleich adrett und einladend. Davor der menschenleere helle Sandstrand, der sich kilometerweit nach rechts erstreckt. Links, auf einer kleinen Anhöhe, der alte Leuchtturm, der während der dunklen Stunden, vielleicht auch nur noch für die Touristen, Heinrich weiß es nicht, seinen Lichtkegel im gleich bleibenden Rhythmus über die schwarze See streichen lässt. Heinrich dreht sich wieder um, lehnt sich auf das Geländer, das die Spitze der Seebrücke umschließt, und blickt nach unten auf das schäumende Wasser. Nur noch ein Schritt, ein kleiner Sprung, und er hätte der Vorahnung genüge getan. Niemand würde es heute bemerken, man würde ihn vielleicht erst Tage später finden, wenn die Wellen seinen Körper an den Strand getragen hätten, wie einen unzeitigen Badegast. Wie lange würde es wohl dauern, bis der Tod eintritt, vielleicht drei Minuten, vielleicht fünfzehn, bis die eisige Kälte des Wassers dem Körper das Leben entzogen hätte? Keine angenehme Vorstellung, womöglich minutenlang im Eiswasser darauf zu warten, dass das Bewusstsein erlischt. Zudem ist Heinrich ein ausgezeichneter Schwimmer, was der Sache vermutlich nicht gerade dienlich ist. Nein, das ist keine Idee, die weiter zu verfolgen ist. Schon oft hat Heinrich darüber nachgedacht, wie er es anstellen würde, sich das Leben zu nehmen, wenn es denn erforderlich würde, einfach so darüber nachgedacht, ohne konkreten Anlass und erst recht ohne konkrete Absicht. Eine abschließende Antwort hat er bis jetzt nicht gefunden, denn zwei Kriterien müssten die Umstände seines Suizides erfüllen: Es dürft nicht zu qualvoll für ihn sein, womit der Tod durch Ertrinken, Ersticken, Erfrieren und Verbrennen schon einmal ausscheidet; und es dürften keine weiteren unbeteiligten Personen mit hineingezogen werden, der Lokführer, dem er vor den Zug springt, oder der Spaziergänger, der ihn im Wald an einem Baum baumelnd findet. Da bleibt dann nicht mehr viel, gar nicht so einfach, für alle Beteiligten einigermaßen angenehm zu sterben …
Durchgefroren verlässt Heinrich den ungemütlichen Ort und die düsteren Gedankengänge, über die umtoste Seebrücke zurück in Richtung Strand und Stadt, um sich endlich eine Zeitung zu kaufen. Die launige, in mecklenburgischem Dialekt vorgetragene Bemerkung des Zeitungsverkäufers über das ungemütliche Wetter quittiert er wortlos mit einem freundlichen Lächeln. Eine Viertelstunde später sitzt er im Café, an einem kleinen Tisch direkt am Fenster mit Blick auf die See, über der dunkle Wolken aus Richtung Westen aufziehen, vor sich einen dampfenden Grog mit einem robusten Mischverhältnis Rum – Heißwasser, der die Lebensgeister langsam wieder erweckt, welche Heinrich vor weniger als einer halben Stunde noch, jedenfalls theoretisch, der Ostsee zu übergeben überlegte. Er studiert die Todesanzeigen in der Zeitung mit einer besonderen Aufmerksamkeit, die er hierbei schon seit Längerem an den Tag legt. Vor allem interessiert er sich für die Geburtsdaten, begleitet von einer unerklärlichen Zufriedenheit, wenn einer der Schwarzgerahmten in Heinrichs Alter oder gar jünger war, so als ob diese an sich bedauernswerte Tatsache direkt zu ihm spräche: Siehst du, die Einschläge kommen näher, bald steht dein Name auch hier, oder als ob es einer Rechtfertigung bedurfte, bereits in seinem Alter das Zeitliche zu segnen. Da, wieder einer: ein junger Mann, geboren 1969, plötzlich und unerwartet … aus unserer Mitte gerissen. Heinrich lässt mit einem kaum merklichen Lächeln die Zeitung sinken und schaut auf das unsterbliche Meer, jedenfalls aus der Sicht eines begrenzten Menschenlebens. Wie wird seine eigene Todesanzeige wohl aussehen? Wird es überhaupt eine geben, wenn ja, wer wird sie formulieren und in die Zeitung setzen? Seine Eltern („… für uns unfassbar …“)? Matthias („… in Liebe …“?)? Seine Freunde („… du fehlst uns…“)? Seine Firma („… haben wir einen wertvollen Mitarbeiter verloren …“)? Wirklich schade, dass er sie nicht selbst lesen können wird.
Nach einem weiteren Grog hat Heinrich die Zeitung durch. Da er müde wird, entschließt er sich, zurück in seine Villa zu gehen und sich etwas hinzulegen. Er muss an Matthias denken, als er auf dem Bett liegt, über sich die stuckverzierte Zimmerdecke. Er fehlt ihm sehr, der Mann, die Liebe seines (voraussichtlich nicht mehr allzu langen) Lebens. Drei Monate ist es her, seit er ihn verloren, kampflos aufgegeben, oder sozusagen umständehalber in gute Hände abgegeben hat. Ja, wenn es sich nicht um Matthias sondern um ein Haustier, einen Hund vielleicht, handeln würde, wäre diese Formulierung wohl die zutreffendste. Es begann ganz harmlos: In ihrer Lieblingskneipe kamen sie mit Ottmar ins Gespräch, aus einer zunächst oberflächlichen Unterhaltung wurde bald heftiges Flirten, zunächst scheinbar zufällige Berührungen, die im Laufe des Abends immer häufiger und immer absichtlicher wurden, später, nach mehreren gemeinsamen Bieren, war allen dreien klar, dass man sich nicht nur sympathisch fand und dass man die Nacht zusammen verbringen würde, und das nicht Bier trinkend. Es war nicht das erste Mal, dass Heinrich und Matthias einen Dritten mit zu sich nahmen. Da er anschließend keine Möglichkeit mehr hatte, nach Hause zu fahren, blieb Ottmar über Nacht, nicht auf dem Gästesofa, sondern in ihrem Bett, zwischen ihnen. Am nächsten Morgen wurde Heinrich bereits früh geweckt, dadurch, dass sich seine beiden Bettgenossen schon wieder miteinander beschäftigten. Als morgendlicher Muffel bezüglich derartiger körperlicher Betätigungen verzichtete er drauf, mitzuspielen und ließ die beiden machen. Wie Heinrich später beim gemeinsamen Frühstück bemerkte, verstanden sich sein Matthias und dieser Ottmar offenbar auch auf einer anderen Ebene sehr gut. Gewiss, ihr Gast war schon sehr attraktiv, keine dreißig Jahre alt, schlank, sympathisch, witzig und in speziellen Dingen nicht unbegabt. Doch hätte Heinrich nichts dagegen gehabt, wenn er vor dem Frühstück verschwunden wäre; das ungestörte Frühstück am Sonntag mit Matthias war ihm heilig. Doch der schien gar nicht daran zu denken, vielmehr schwatzten die beiden angeregt miteinander, Heinrich kam kaum dazwischen. Plötzlich war er der Dritte, hatte er den Eindruck. Dieser Eindruck verstärkte ich in den folgenden Tagen: Ottmar rief fast täglich an. Während es zwischen Heinrich und ihm immer nur zu einem Austausch von Höflichkeiten kam, was innerhalb weiniger Minuten erledigt war und dann in beidseitiger Sprachlosigkeit mündete, konnte Ottmar mit Matthias kleine Ewigkeiten, für Heinrich gefühlte Stunden lang plaudern, wobei Matthias einen Tonfall bekam, der in Heinrichs Ohren sehr intim, zu intim klang. Spätestens jetzt wäre es an der Zeit gewesen, die Zügel ein wenig anzuziehen, doch Heinrich kam ein anderer Gedanke: Kam es nicht geradezu einer günstigen Fügung des Schicksals gleich, dass Ottmar jetzt in ihr Leben trat, da Heinrich nicht mehr lange für Matthias da sein konnte? War er nicht genau der richtige, der Matthias auffangen, seinen Kummer mildern konnte, wenn er, Heinrich, nicht mehr da war? Aber reichte es aus, so lange zu warten? Bis zu Heinrichs Abgang konnte noch einiges geschehen, Ottmar konnte inzwischen einen anderen kennenlernen, so dass Matthias dann doch alleine da steht. Nein, die Sache duldete keinen Aufschub, Heinrich musste die Übergabe sofort in die Wege leiten, so schmerzlich das auch war, aber für Matthias war es das Beste, und nur darum ging es, schließlich liebte er ihn über alles. Genau darin lag die Schwierigkeit seines Vorhabens: Wie trennt man sich von dem Menschen, den man liebt, und das möglichst ohne Drama? Am besten, indem man die Trennungsabsicht bei dem anderen weckt. Die Voraussetzungen hierfür waren nicht schlecht: Dass Matthias für Ottmar mehr empfand als Sympathie und Freundschaft, war offensichtlich; klar war auch, dass sie regelmäßig Sex miteinander hatten, ohne Heinrich. Heinrich ertrug es, obwohl er hätte schreien können: die täglichen Telefongespräche, manchmal auch mehrere an einem Tag, bei denen Heinrich, um Matthias´ liebevoll säuselnde Stimme nicht ertragen zu müssen, stets den Raum verließ, am liebsten fortgelaufen wäre, aus der Wohnung, aus der Stadt; die Erwähnung Ottmars in jedem zweiten Satz, den Matthias von sich gab; die Nächte, in denen Matthias erst spät nach Hause kam, was keiner Erklärung bedurfte. All das nahm Heinrich fragen- und widerspruchslos hin, auch wenn es ihn innerlich fast zerriss. Als Matthias eines Abends sagte: „Wir müssen mal miteinander reden“, da wusste Heinrich, sein Plan war aufgegangen, die Übergabe vollzogen. Kurz darauf buchte er eine Woche Ostsee, für eine Person …
Heinrich schreckt hoch, irgendetwas hat ihn aufgeweckt. Auf die Ellenbogen aufgestützt, horcht er. Es ist dunkler geworden im Zimmer, offenbar hat die Abenddämmerung bereits eingesetzt, wie spät ist es eigentlich? Das Wetter scheint sich beruhigt zu haben, kein Wind mehr weht um das Haus, kein Regen peitscht gegen die Fenster. Wie lange mag er geschlafen haben? Als er zu seiner Armbanduhr greifen will, die auf dem Nachttisch liegt, ein erneutes zaghaftes Klopfen an der Zimmertür, so als ob der Klopfende auf keine Fall stören wolle, ihm jedoch bewusst ist, dass er genau dieses tut. Mit einer Mischung aus Verärgerung und Neugierde erhebt sich Heinrich vom Bett, schließt die Tür auf und öffnet sie. Er wähnt sich noch im Traum des soeben abgebrochenen Nachmittagsschlummers, doch er ist wach, daran besteht kein Zweifel, vielleicht sogar so wach wie schon lange nicht mehr: Vor ihm steht, mit feuchten Augen lächelnd, Matthias. Als sie sich wortlos, noch im Türrahmen, in den Armen liegen, weiß Heinrich, dass er nicht sterben wird. Noch nicht.

Da bin ich…

So, nun habe ich also auch ein Blog, weil man das heute haben muss. Glaube ich. Habe ich gehört/gelesen/… Es soll Leute geben, die schreiben ein Blog in der Hoffnung, dass es möglichst viele lesen und sie vielleicht sogar ihre mehr oder weniger geistreichen Kommentare abgeben. Mir ist es vollkommen egal, ob das hier irgendjemand liest, ich schreibe das nur für mich. Kommentare? Bitte, wenn Sie es nicht lassen können, schreiben Sie; auch das ist mir ziemlich egal. Meine intimsten Gedanken werde ich hier sicher nicht zum Ausdruck bringen, die bleiben meinem Tagebuch vorbehalten (ja, so ein richtiges Buch mit Seiten aus Papier, in das man mit einem Stift schreibt, die älteren unter Ihnen kennen so etwas vielleicht noch).

Warum ich dann überhaupt hier bin, fragen Sie? Nun: Es ist schlicht und einfach meine Freude am Schreiben. Und ich werde versuchen, das hier regelmäßig zu tun. Über was? Weiß ich noch nicht. Über den Alltag vielleicht. Vielleicht auch Geschichten, die ich irgendwo gehört oder mir selbst ausgedacht habe.

Ich beginne heute mit einer Art persönlicher Vorstellung. Um es nicht zu langweilig werden zu lassen (für den unwahrscheinlichen Fall, dass es doch einer liest), beschränke ich mich auf zwei Listen: 1.) Dinge die ich mag, und 2.) Dinge, die ich nicht mag. Diese Listen bilden natürlich nur den momentanen Stand ab und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit; zudem kann und möchte ich nicht ausschließen, dass ich etwas, das ich heute nicht mag, morgen durchaus positiv bewerte. Für manches, z. B rasierte Männerbeine, kann ich das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausschließen, bei anderem bin ich mir da nicht so sicher.

Hier also die Listen.

1.) Ich mag:
– Freitagabend. Gibt es einen schöneren Moment? Die Arbeitswoche ist überstanden, das Wochenende liegt vor mir, der nächste Montag ist noch fern.
– Lesen. Obwohl ich zu so genannter „großer Literatur“ (wer entscheidet eigentlich, was sich so nennen darf?) oft nicht den rechten Zugang finde, halte ich „Der Tod in Venedig“ von Thomas Mann für das schönste, was je geschrieben wurde.
– Schreiben. Leider komme ich nur noch selten dazu, weil ich diesbezüglich in der letzten Zeit sehr undiszipliniert bin.
– Pornos gucken. Nicht jeden Tag, aber ab und zu schon. Ich stehe dazu, und ich finde das in keiner Weise verwerflicher als Krimis anzuschauen. Das muss mir ohnehin mal jemand erklären: Wieso darf bereits im Vorabendprogramm gezeigt werden, wie sich Leute gegenseitig umbringen, während für die Betrachtung der natürlichsten (und angeblich schönsten) Sache der Welt ein Mindestalter von achtzehn Jahren erforderlich ist? Durch welches von beiden wird unsere Jugend wohl mehr auf die schiefe Bahn gebracht?
– Singen. Mit rund zwanzig Leuten auf einer Bühne zu stehen und Teil einer Harmonie zu sein, ist einfach ein geiles Gefühl!
– Laufen. Der Schulsport hatte mir seinerzeit jegliche Freude an sportlicher Betätigung genommen. Erst rund zehn Jahre später habe ich wieder damit begonnen, jetzt laufe ich, wenn mir nichts dazwischen kommt, zwei mal in der Woche am Rhein entlang, am liebsten alleine (das hat etwas meditatives für mich) und gerne bei Regen
– Die Eisenbahn, in erster Linie als Hobby. Seit frühester Kindheit üben Dampflokomotiven eine große Faszination auf mich aus. Auch als Reisemittel bevorzuge ich sie (gibt es etwas schöneres, als mit dem Zug am Rhein entlang zu fahren?), wenngleich ich in der letzten Zeit mit der Zuverlässigkeit der Bahn sehr unzufrieden bin; eher werde ich den Eindruck nicht los, dass die Bahn es auch ohne Lokführersteik nicht schafft, ihren Betrieb im Griff zu haben. Ich finde, dass die Deutsche Bahn schon lange einen bedeutenden Sprachpreis verdient hat für die verbale Hohlraumversiegelung „Wegen Verzögerungen im Betriebsablauf…“!
– Haare an den Beinen, auf der Brust und unter den Armen. Ich werde nie verstehen, wie und warum man diesen mit einer Klinge zu Leibe rückt!
– Dummes Zeug reden, jedenfalls ab und zu mit Leuten, die auf meiner Wellenlänge liegen. Das schöne ist, ab sofort kann ich (hier) auch dummes Zeug schreiben, und das ganz alleine!
– Den Frühling: Der viel zu lange und kalte Winter ist endlich überwunden und die vormals trist-graue Welt wird wieder grün und bunt. Herrlich: blühende Fliederbüsche, Kastanien und leuchtend gelbe Rapsfelder!
– Den Sommer: Allein schon wegen der optischen Reize all überall.
– Den Herbst. Durch sein wunderbares Farbenspiel und eine unbeschreibliche Stimmung tröstet er mich darüber hinweg, dass der Sommer vorbei ist.
– Den Winter? Siehe Liste 2.
– Gran Canaria. Hier ist (fast) immer Sommer mit all seinen optischen und sonstigen positiven Begleiterscheinungen. Ich glaube, die Menschheit spaltet sich in zwei Hälften: Die einen lieben es und kommen immer wieder, die anderen waren einmal da und nie wieder.
– Den Rhein. Mein Lieblingsplatz: Das Rheinufer vor Bonn-Oberkassel. Hier kann ich stundenlang im Schatten der hohen Bäume liegen und mir die Schiffe anschauen. Natürlich nur im Sommer.
– Loriot. Für fast jede Lebenslage gibt es ein passendes Zitat. Man merkt schnell, wer ein Kenner ist. Ob Evelyn jetzt wohl mit Heinz Erhardt zusammen arbeitet?
– Berlin. In jeder Hinsicht eine geile Stadt! Muss ich unbedingt bald mal wieder hin.
– Bonn. Hier lebe ich, nachdem ich meiner ostwestfälischen Heimat den Rücken gekehrt habe. Eine Rückkehr erscheint mir undenkbar, geradezu absurd.
– Die Simpsons. So herrlich anti-amerikanisch!
– Lange schlafen. Vor neun Uhr aufzustehen ist eindeutig wider meine Natur. Leider fragt da keiner nach.
– Jägermeister. Eiskalt und pur, alles andere ist unakzeptable Panscherei. Den mochte ich schon, als er noch als Opa-Likör galt und es keinen „Jägermeister-Shop“ und ähnlichen Promotion-Quatsch gab. Wer kennt noch die Werbung „Ich trinke Jägermeister, weil…“? Niemand. Stattdessen kennt jeder die schwachsinnig schwätzenden Hirschköpfe an der Wand. Cool…!
– Maibock. Schmeckt harmlos, ist er aber nicht.
– Oasis: In meine Augen die beste Band aller Zeiten. Ja ich weiß, andere waren/sind auch ganz gut.
– Heinz Erhard. Für mich der größte nach Loriot.
– Eugen Roth. Sein Gedicht „Der Zahnarzt“ (das nicht, wie sonst bei ihm üblich, mit „Ein Mensch…“ beginnt), ist das einzige Gedicht, das ich in der Schule auswendig lernen musste und das ich bis heute rezitieren kann.
– Klassische Musik, insbesondere die Sinfonien von Anton Bruckner. Der erste Teil der Neunten erzeugt bei mir immer noch eine Gänsehaut.
– Altoids Pfefferminzbonbons. Die kennen nur Faber, der echte Fahnder (Gott habe ihn selig) und ich.
– Hermann Hoffmann. Die wenigsten werden sich an ihn erinnern. Seine „Kleine Dachkammermusik“ mit der herrlich schräg geflöteten Eröffnungsmusik war ein wichtiger Begleiter meiner Jugendzeit. Die Herren Schräuble und De Vries waren für mich echte Helden!

2.) Ich mag nicht:
– Montagmorgen. Falls ich es jemals erwägen sollte, mir das Leben zu nehmen, dann wird es bestimmt an einem Montagmorgen geschehen.
– Unpünktlichkeit. Sowohl bei mir als auch erst recht bei anderen. Ich betrachte als einen Ausdruck geringer Wertschätzung, andere unnötig warten zu lassen.
– Gespräche über Autos, Fußball oder Kinder. Warum begreift Ihr es nicht: Es interessiert mich nicht!!!
– Klugscheißer. Vor allem Leute, die zu allem und jedem einen „schlauen“ Kommentar abgeben und die glauben, mir Fragen beantworten zu müssen, die ich nie gestellt habe.
– Auto fahren. Die aktuelle Tempolimit-Diskussion geht mir völlig am A… vorbei.
– Unnötige Anglizismen. Wenn mein Gesprächspartner ein „Okay…“ einfließen lässt, dieses schreckliche mit angehobener Stimmmodulation auf der zweiten Silbe, erfahre ich echte körperliche Schmerzen!
– Diese Band, die ständig unter anderen Namen auftritt: July, Wir sind Helden, Silbermond…
– Leute, die mich volllabern und nicht merken, dass ich schon längst nicht mehr zuhöre.
– Unnötige Telefongespräche. In dieser Hinsicht bin ich noch Ostwestfale, kein Rheinländer
– SMS-hin-und-her-Geschicke. Manchmal ist ein Anruf einfach effektiver!
– In der Freizeit über die Arbeit reden. Habt ihr sonst nichts im Leben?
– Küsschen-links-Küsschen-rechts zur Begrüßung. Einfach unnötig und aufgesetzt!
– Bekehrungsversuche aller Art. Ich glaube, ich bin alt genug, um zu wissen, was gut für mich ist und was nicht.
– Kaugummi-Kauer. Meint ihr wirklich, das sieht cool aus?
– Den Winter. Viel zu kalt und viel zu lang. In den Skiurlaub zu fahren erscheint mir absurd.
– „Gesundheit“-Sager. Lasst mich doch einfach in Ruhe niesen, ist doch nix schlimmes!

So weit für heute. Die Listen werden bei Bedarf fortgeschrieben.