Schmerzwach: Manic Mondays

Und hier wieder wieder ein Text, den ich mit freundlicher Genehmigung von Jannis aus seinem Blog „Schmerzwach“ übernommen habe und in dem ich mich in weiten Teilen wieder finde. Er thematisiert die ewig gültige Gleichung Montag + Arbeit = Leiden. Am besten gefällt mir der Satz „Doch Bürojobs müssen wohl so sein. Absurd. Sinnloses Aneinandervorbeiarbeiten. Inkompetenz. Unnötiges Tun, damit es überhaupt etwas zu tun gibt.“ Wie oft denke ich den, nicht nur montags…

Quelle: http://schmerzwach.blogspot.com/2010/04/manic-mondays.html

Manic Mondays

Manchmal gehe ich ja arbeiten… eher gezwungenermaßen… und montags, ja, manic mondays, ganz übel, ist die Motivation besonders gering! Aber die Leute, ja, die Gesellschaft, sagt: Der Mensch muss arbeiten gehen. Geld verdienen, eigenhändig, und das Ding mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen ist ja noch nicht durch. Schade, dabei wäre das ja die Lösung. Die Lösung für all meine Probleme! Denn: Ich möchte ja nur lesen, schreiben, lesen, schreibe, Filme anschauen, lesen, schreiben und Filme anschauen. Naja, manchmal möchte ich auch zu Lesungen und in Ausstellungen gehen. Das gehört mit dazu. Aber nein, ich muss jeden Morgen, naja, fast jeden – ich arbeite ja Teilzeit – in die Pampa fahren, in der Nachbarschaft sind die Müllverbrennungsanlage, eine Glaserei und – nicht zu vergessen – Hildes Imbiss. Jaja, und nicht zu vergessen, wir als dachlose haben trotzdem gute Laune, denn wir sind voll die lustige Gang bei der Arbeit. Ein bisschen stören diese Einwürfe von so einer Chefin mit autistischem Führungsstil, und, naja, Kooperationspartner sind auch nicht immer willens, das zu tun, was wir von ihnen möchten, aber was solls – das alles wird nur als absurdes Theater betrachtet, vorübergehend, wie so ein lästiger Virus, unabänderlich, aber auch egal. Denn wir lassen uns nicht entmutigen. Arbeit ist ja auch nicht alles. Aber schon doof, dass so viel Zeit drauf geht. Und wenn einem Autisten den letzten Nerv mit dämlichen Einwürfen rauben. So vieles könnte einfacher sein. Doch Bürojobs müssen wohl so sein. Absurd. Sinnloses Aneinandervorbeiarbeiten. Inkompetenz. Unnötiges Tun, damit es überhaupt etwas zu tun gibt. Spooky. Groovy – wenn man sich davon abgrenzen kann, und trotzdem Spaß hat. Allerdings an diesen manic mondays ist alles zu viel, irgendwie.

Auf ein neues!

Bilanz des heutigen ersten Arbeitstages im neuen Jahr:

– 12 mal „frohes neues Jahr“ oder ähnliches schriftlich empfangen,
– 9 mal „alles Gute für 2011“ schriftlich versendet,
– 18 mal „Frohes neues Jahr“ gehört und sinngemäß erwidert,
– 16 mal „Frohes neues Jahr“ als erster gesagt und erwidert bekommen,
– 7 mal „Frohes Neues“ gehört und sinngemäß erwidert,
– 0 mal „Frohes Neues“ gesagt, und
– 0 mal „…gehabt zu haben“ gehört oder gelesen, immerhin.

In diesem Sinne: Alles Gute, auf ein Neues!

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Nachtag 22:25 Uhr:
Der erste Tag ohne Alkohol seit Monaten, der dritte Tag ohne Twitter, und wie es aussieht, werde ich ihn überleben. Demnächst dann mal ein Tag ohne zu rauchen…

Ein alter Hut

Modebewusstsein ist sicherlich kein Attribut, welches zur Kennzeichnung meiner Person besonders geeignet wäre. Dennoch gibt es ein Kleidungsstück, dessen Außermodekommen ich zutiefst bedaure: der Hut. Schaut man sich alte Filme oder Bilder an, so erkennt man, Mann ging nicht ohne Hut vor die Tür, niemals. Auch mein Großvater väterlicherseits war noch ein Hutträger alter Schule, der letzte mir bekannte.

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(Ja, auch ich durfte damals eine Kopfbedeckung tragen, wie sie sehen, doch was ist das für ein Käppchen im Vergleich zum Hut meines Opas?)

Vielleicht kehrt der Hut als alltäglicher und massentauglicher Ausstattungsgegenstand des Mannes ja irgendwann wieder zurück, aber bis dahin, fürchte ich, wird wohl noch viel Zeit vergehen, so viel, dass ich es nicht mehr erleben werde.

„Hey Carsten“, mögen Sie mir jetzt zurufen, „trag doch einen Hut*, machen doch inzwischen wieder viele!“ – Ja, stimmt, in den letzten Jahren scheint der Hut in der Tat eine gewisse Renaissance zu erfahren, hier und da taucht er immer öfter zwischen Baseballkappen und Barhäuptern auf. Aber mal ehrlich: wer trägt heutzutage Hüte? Jungs unter zwanzig, die cool sein wollen oder Männer, die in gewisser Weise, sagen wir mal, speziell sind, nicht jedoch der durchschnittliche Arbeitnehmer auf dem Weg ins oder aus dem Büro. (Unser Nachbar, deutlich über zwanzig, trägt ebenfalls gerne Hüte, was das vorgesagte eindrucksvoll unterstreicht.) Weder bin ich unter zwanzig, noch möchte ich cool sein, und speziell schon gar nicht. Trüge ich also tagtäglich diese schmerzlich vermisste Kopfbedeckung, könnte ich mir der mitleidigen Blicke meiner Kollegen und sonstiger Mitmenschen sicher sein.

Vor zwei Jahren im Frankreichurlaub habe ich es dennoch getan und mir auf dem Markt einen schönen Strohhut gekauft. Den trage ich ich seitdem. Wenn ich wieder in Frankreich im Urlaub bin.

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Aber meine Zeit wird kommen, bis dahin: hüten Sie sich!

—–
* bzw. „zieh doch einen Hut an“, falls Sie Rheinländer sind

Schmerzwach: Soundtrack of my Life

In seinem „Schmerzwach“-Blog fordert Jannis hier dazu auf, unter der Überschrift „Soundtrack of my Life“ dreißig Lieder aus bestimmten Kategorien zu benennen, die für einen selbst bedeutend waren und sind. Gute Idee, dachte ich mir, als ich es las, machst du später mal. Nun habe ich es doch sofort gemacht. Hier also mein

Soundtrack of my Life:

1. Ein Lied, das dich glücklich macht
> Night and Day, selbst gesungen zusammen mit den Kölner SPITZbuben, meinem Chor. Das ist pures Glück!

2. Ein Lied, bei dem du tanzen musst
> Shout von Tears For Fears

3. Ein Lied, bei dem du melancholisch wirst
> Sometimes Love Just Ain’t Enough von Patty Smyth. Weckt Erinnerungen an eine Zeit, als ich unglücklich verliebt war.

4. Ein Lied, das dich an eine schöne Situation erinnert
> Siehe Nr. 7.

5. Ein Lied, das dich an deine Kindheit erinnert
> A Glas Of Champagne von Sailor. Sailor waren damals die größten für mich, heute kennt die keiner mehr.

6. Ein Lied, bei dem du an deine große Liebe denkst
> The Power Of Love von Frankie Goes To Hollywood. Dabei denke ich sofort an Patrick B., meine erste wirklich große und schmerzhafte Liebe. Damals wusste ich noch nicht, dass ich verliebt war, das hat es nicht besser gemacht.

7. Ein Lied, das in einer dir peinlichen Situation lief
> Something Stupid von Robbie Williams. Es war das Lied unseres Hochzeitstanzes, bei dem wir uns ziemlich ungeschickt anstellten.

8. Dein Lieblingslied aus den 80ern
> True Faith von New Order, für mich immer noch der größte Hit aller Zeiten.

9. Dein Lieblingslied aus den 90ern
> Don’t Look Back In Anger von Oasis

10. Dein Lieblingslied aus den 00ern
> The Turning von Oasis

11. Ein Lied, das zu deinem Charakter passt
> Nineteen Forever von Joe Jackson. Es geht ums Nicht-erwachsen-werden-wollen.

12. Dein Lieblingsmusikvideo
> I Can’t Dance von Genesis. Werde nie vergessen, wie wir es in der Kneipe in Dieburg nach reichlich Bier nachspielten.

13. Ein Lied, das du gerne nachts hörst
> keins, nachts schlafe ich ganz gerne, ohne Musik.

14. Ein Lied, das dich morgens gerne wecken darf
> Morgens geweckt zu werden ist immer grausam, auch wenn es ein Lied ist.

15. Dein Klingelton am Telefon
> Keins; ich hasse Lieder als Handyklingelton, eine Zumutung, vor allem wenn der Idiot nicht dran geht!

16. Ein Lied, das dich mit einem guten Freund verbindet
> Turn To Stone, aber auch fast alles andere von ELO; erinnert mich an wunderschöne Zeiten mit Uwe damals.

17. Ein Lied, das für dich Lebensmut bedeutet
Kann denn Liebe Sünde sein

18. Das ultimative Partylied für dich
> siehe Nr. 8

19. Das ultimative Herzschmerzlied
> Damned I Wished I Was Your Lover von Sophie B. Hawkins. Selbes Herzleid wie bei Nr. 3.

20. Das schönste Duett
> Broken Strings von James Morrison und Nelly Furtado. Ohne besonderen Grund, einfach nur schön.

21. Das Lied, das dich am meisten nervt
> alles von Jan Delay und Xavier Naidoo!

22. Der schönste Song aus einem Film
> L’Homme de Suez, Titelmusik des Dreiteilers „Der Mann von Suez“, der in den 80ern im Fernsehen lief.

23. Dein Lieblings-Klassiker (wahlweise Oper, Klassik oder Musical)
> Der 1. Satz aus Bruckners 9. Sinfonie. Immer noch Gänsehaut, vor allem live in einem Konzert.

24. Ein Lied, das du bei einer Prüfung (z.B. Abi) als Motto hattest
> Dazu fällt mir nichts ein.

25. Ein Lied deines Lieblingssängers
> Love Kills von Freddy Mercury

26. Ein Lied deiner Lieblingssängerin
> Habe ich keine.

27. Ein Lied deiner Lieblingsband
> Force Of Nature von… na, raten Sie es? richtig: Oasis

28. Ein Lied für die verrückten Momente im Leben
> Bei den Fickpartys läuft meist irgend ein Techno-Zeugs, Titel kenne ich nicht und interessieren mich dann meistens auch nicht.

29. Ein Lied, das bei deiner Geburtstags-Überraschungsparty läuft
> woher soll ich das wissen? Dann ist es ja keine Überraschung mehr!

30. Ein Lied, das bei deiner Beerdigung gespielt werden soll
> siehe Nr. 1. Nur halt nicht mehr selbst gesungen.

Schuhe aus!

Passend zu meinem Eintrag „Problemzonen“ entdeckte ich heute im KulturSPIEGEL folgenden Artikel, der mir voll und ganz aus der Seele spricht:

Gäste aus ihren Schuhen zwingen

Von Sander, Daniel

Es gibt viele Möglichkeiten, seine eigene Party zu ruinieren. Schlechtes Essen, alkoholfreies Bier, „Bravo“-Hits statt echtem DJ, einzige Raucherzone vor der Haustür neun Stockwerke tiefer. Es reicht aber auch ein Satz: „Könntet ihr bitte die Schuhe ausziehen?“ Die meisten werden sagen: „Klar, kein Problem“. Und denken: „Wie komme ich so schnell wie möglich wieder hier weg?“ Kein Mensch tanzt in Socken – die womöglich sogar Löcher haben – und auch nicht in Pantoffeln, wenn Sie vermeintlich ausgefuchsterweise welche bereitgestellt haben sollten. Die Einzigen, die Verständnis haben könnten, sind die, die selbst unter keinen Umständen Schuhe in der Wohnung dulden. Diese Leute haben Sie aber gar nicht eingeladen, weil sie zu langweilig sind.

Ja, es gibt Gründe für eine No-Shoe-Policy: Jede Sohle an Ihrer Türschwelle könnte noch vor einer Minute in einen dampfenden Hundehaufen getreten sein. Schneematsch ist der meist siegreiche Feind von jeder Art Teppich. Stöckelschuhe auf Holzfußboden zerstören neben Letzterem auch das Verhältnis zum Nachbarn aus der Etage drunter. Den kann man aber einfach einladen. Gegen alles andere helfen Mopp und Staubsauger (aber um Himmels willen erst, wenn die Gäste weg sind!), auch Fußmatten können viel ausrichten. Letztlich gilt: lieber Dreck am Boden als die Stimmung. Das gilt auch für das Abendessen zu viert, wenn Sie nicht gerade die engsten Freunde da haben, mit denen man am Ende eh auf der Couch fernsieht. Sie möchten aber nicht ernsthaft Ihre Chefin bitten, sich ihrer neuen Louboutins zu entledigen, ohne die das ganze Outfit nichts wert wäre. Möchten Sie doch? Tun Sie sich einen Gefallen und versuchen es das nächste Mal mit einer Pyjama-Party.

Dem habe ich nichts hinzu zu fügen.
Quelle:
http://www.spiegel.de/spiegel/kulturspiegel/d-76014548.html