Ein alter Hut

Modebewusstsein ist sicherlich kein Attribut, welches zur Kennzeichnung meiner Person besonders geeignet wäre. Dennoch gibt es ein Kleidungsstück, dessen Außermodekommen ich zutiefst bedaure: der Hut. Schaut man sich alte Filme oder Bilder an, so erkennt man, Mann ging nicht ohne Hut vor die Tür, niemals. Auch mein Großvater väterlicherseits war noch ein Hutträger alter Schule, der letzte mir bekannte.

Alois002
(Ja, auch ich durfte damals eine Kopfbedeckung tragen, wie sie sehen, doch was ist das für ein Käppchen im Vergleich zum Hut meines Opas?)

Vielleicht kehrt der Hut als alltäglicher und massentauglicher Ausstattungsgegenstand des Mannes ja irgendwann wieder zurück, aber bis dahin, fürchte ich, wird wohl noch viel Zeit vergehen, so viel, dass ich es nicht mehr erleben werde.

„Hey Carsten“, mögen Sie mir jetzt zurufen, „trag doch einen Hut*, machen doch inzwischen wieder viele!“ – Ja, stimmt, in den letzten Jahren scheint der Hut in der Tat eine gewisse Renaissance zu erfahren, hier und da taucht er immer öfter zwischen Baseballkappen und Barhäuptern auf. Aber mal ehrlich: wer trägt heutzutage Hüte? Jungs unter zwanzig, die cool sein wollen oder Männer, die in gewisser Weise, sagen wir mal, speziell sind, nicht jedoch der durchschnittliche Arbeitnehmer auf dem Weg ins oder aus dem Büro. (Unser Nachbar, deutlich über zwanzig, trägt ebenfalls gerne Hüte, was das vorgesagte eindrucksvoll unterstreicht.) Weder bin ich unter zwanzig, noch möchte ich cool sein, und speziell schon gar nicht. Trüge ich also tagtäglich diese schmerzlich vermisste Kopfbedeckung, könnte ich mir der mitleidigen Blicke meiner Kollegen und sonstiger Mitmenschen sicher sein.

Vor zwei Jahren im Frankreichurlaub habe ich es dennoch getan und mir auf dem Markt einen schönen Strohhut gekauft. Den trage ich ich seitdem. Wenn ich wieder in Frankreich im Urlaub bin.

CmHut

Aber meine Zeit wird kommen, bis dahin: hüten Sie sich!

—–
* bzw. „zieh doch einen Hut an“, falls Sie Rheinländer sind

2 Gedanken zu “Ein alter Hut

  1. o.K. Der Post ist zwar schon etwas alt, dennoch möchte ich mich hier als Hutträger outen.
    Ich bin knapp über 40 und trage jeden Tag Hut, auch auf dem Weg ins und vom Büro.
    Angefangen hab´ich vor knapp 10 Jahren. Da ich damals im Publikumsverkehr gearbeitet habe, trug ich immer Anzug und Kravatte. Durch Umzug meines Arbeitgebers verbesserte sich nicht gerade die Parkplatzsituation, so dass längere Wege zu Fuß üblich wurden. Nun haben mir Frau und Kinder sprichwörtlich die Haare vom Kopf gefressen. Es sind zwar noch etliche da, aber die schneide ich ziemlich kurz (3mm). Somit wurde eine Kopfbedenkung einfach Pflicht. Zum Anzug passt aber nur ein Hut.
    Inzwischen trage ich immer Hut. Gut mit einigen dummen Kommentaren muss man leben. Aber es bringt auch Vorteile. Ich werde auch in der größten Menge immer gefunden.
    Allerdings lege ich beim Hut wert auf Qualität. So´n billiger H&M-Deckel kommt nicht auf meinen Kopf. Es muss Haarfilz sein und braucht auch eine richtige Krempe, also nicht so ein 5mm-Trilby. Im Sommer ziehe ich einen guten Panama vor.
    PS: Dein Strohhut steht Dir gut!

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