Woche 9/2025: Für etwas Punk ist es nie zu spät

Montag: Ohne Zweifel erleichtert moderne Technik die Bürokommunikation erheblich. Was jedoch meine Geduld regelmäßig erheblich strapaziert: Wenn man mich per Teams anruft, dann seinen Bildschirm teilt und erst dann anfängt, zu suchen, was man mir zeigen will. Allein dass auch das in die gut bezahlte Arbeitszeit fällt, hält mich zumeist von Unmutsäußerungen ab.

Vormittags entdeckte ich ein Problem, das nicht bedrohlich ist, weder sind Menschen noch Sachgüter in Gefahr, meinen Arbeitsplatz wird es mich voraussichtlich auch nicht kosten. Dennoch ist es lästig, ich weiß noch keine Lösung, und die muss in dieser Woche gefunden werden.

Zumal es eine sehr kurze Arbeitswoche wird, die wegen des bevorstehenden Karnevalsfinales bereits am Mittwoch eob endet. Hoffentlich. Vielleicht. Denn: Meine Lieben kränkeln, den einen plagt die Erkältung, den anderen malade Mandeln. Somit nur eine Frage der Zeit, bis es auch mich wieder erwischt. Erstes Hüsteln bricht sich schon Bahn.

Dank Herrn Tommi weiß ich jetzt, dass ich hier Thin Content produziere. Was das ist, beschreibt er (bzw. die künstliche Intelligenz) wie folgt:

„Thin Content“ bezeichnet Inhalte auf Blogs oder Websites, die nur wenig Mehrwert für die Leser bieten. Diese Inhalte sind oft zu kurz, oberflächlich oder generisch und bieten keine tiefergehenden Informationen, Analysen oder neue Perspektiven. Suchmaschinen wie Google bewerten solche Inhalte meist negativ, da sie den Nutzern keinen echten Nutzen bieten.

Das trifft es ziemlich genau. Schön, dass Sie hier dennoch lesen.

Dienstag: Die Nacht war unruhig, von der Seite kam immer wieder krankheitsbedingtes Husten, Röcheln und Stöhnen, das ist ausdrücklich kein Vorwurf. Während einer Wachphase schlichen sich Gedanken über das gestern erwähnte Büroproblem an, was zum Glück nur selten vorkommt. Immerhin brachten sie die Idee einer möglichen Lösung mit, über die ich wieder einschlief.

Den Fußweg ins Werk legte ich in Erwartung milder Luft ohne Schal und Handschuhe zurück, was sich als etwas voreilig-kühl erwies, doch ich ließ mir nichts anmerken, zumal die Rheinuferläufer schon wieder überwiegend in kurzen Hosen das wintermüde Auge erfreuen.

Morgens

Das Büroproblem ließ sich vormittags mit wenig Aufwand in kurzer Zeit lösen, was wieder zeigt: Wenn man nicht weiß, was zu tun ist, erstmal liegenlassen und nicht weiter darüber nachdenken; das Hirn (oder welches Organ auch immer) findet oft selbstständig den Weg. Ob es wirklich gelöst ist, zeigt sich erst kommende Woche. Wenn nicht, wird es auch dafür eine Lösung geben.

Nachmittags schlossen sich automatisch die Brandschutztüren auf der Etage, was auf einen Feueralarm hindeuten könnte. Das Gute: Der Alarm trat nicht ein. Das Schlechte: Immer wenn einer die Tür passierte, fiel sie anschließend mit lautem Donnern wieder zu.

Auf dem Rückweg überholte ich am Rheinufer ein älteres Paar, sie mit Rollator, er vorweg mit altersgerechter Schirmmütze. Erst im Vorbeigehen nahm ich die blauen Haare wahr, die unter der Mütze hervorschimmerten. Für etwas Punk ist es nie zu spät.

Aus der Zeitung:

(General-Anzeiger Bonn)

Der Tisch muss ganz schön groß sein.

Rätsel am Wegesrand (Kleiner Tipp: Name einer Hotelkette)

Mittwoch: Jemand unbekanntes schaffte es, mich in derselben Mail erst zu siezen, dann zu duzen. Offensichtlich hatte er sie vor dem Absenden nicht noch mal durchgelesen, bereits letzte Woche äußerte ich Missfallen gegen derlei Liederlichkeiten im Schriftlichen. Da auch das geäußerte Anliegen weitgehend unsinnig war, verzichtete ich auf eine Antwort.

Ansonsten freue ich mich nun auf und über fünf arbeitsfreie Tage. Abends wären wir in Kölsch- und Reibekuchenangelegenheiten bei der befreundeten Karnevalsgesellschaft gewesen, deren Zeughaus in naher Fußläufigkeit zu unserer Wohnung liegt. Da der Liebste weiterhin ein wenig kränkelt, blieben wir zu Hause. Das ist überhaupt nicht schlimm, ab morgen gibt es genug Alaaf.

Meine derzeitige Bettlektüre ist das wundervolle Buch „In einem Zug“ von Daniel Glattauer, das mir die liebe Freundin zum Geburtstag geschenkt hat. Ich empfehle es sehr, obwohl ich erst ungefähr ein Drittel davon gelesen habe. Es sind Sätze wie folgende über den Gebrauch von Datengeräten, die mich beim Lesen immer wieder lächeln lassen:

„Ja, die Handysucht hat etwas Anmutiges. Während uns vor Betrunkenen ekelt, uns Drogenjunkies leid tun und uns um Borderliner angst und bange wird, strahlen die Onliner, selbst deren hoffnungsloseste Fälle, stets friedlichen Gleichmut und ein harmonisches Einssein mit sich, der gerade angesagten Verschwörung und dem Warenkorb aus.“

Donnerstag: Heute war Weiberfastnacht (nicht, wie manche es nennen, Altweiberfastnacht, junge feiern auch), wie an diesem Tag üblich bereicherte unsere Karnevalsgesellschaft per Bustour mehrere Behördenfeiern und eine Sitzung mit unseren Auftritten. Meine Lieben nahmen nicht teil, da sie noch nicht völlig genesen sind und sich schonen wollen für den Godesberger Zoch am Sonntag. Da der erste Auftrittsort näher an unserer Wohnung lag als am Zeughaus, dem Ausgangspunkt der Tour, ging ich bei mildem Sonnenschein direkt dorthin. Mit meiner Uniform fiel ich kaum auf, da viele Menschen in der Stadt mehr oder weniger kostümiert waren zuzüglich denen, bei denen das stets unklar ist.

Mögliches Tagesmotto

Nach dem ersten Auftritt holten wir mit dem Bus unsere Junggardisten von der Schule ab, wo sie heute (in Uniform) eine Klausur schreiben mussten; laut Zeitungsbericht eine erzieherische Maßnahme, um die Jugendlichen an diesem Tag von frühzeitigem Alkoholverzehr abzulenken.

Nach dem letzten Auftritt fuhren wir zurück zum Zeughaus, wo der Abend gemeinsam ausklang und für mich nicht sehr spät und nur unwesentlich alkoholisiert endete. An der Bahnhaltestelle geriet ich anschließend in eine Situation: Während ich wartete, entstieg einer Bahn am Bahnsteig gegenüber ein augenscheinlich migrationshintergründiger Mann, daraufhin urinierte er deutlich schwankend in eine Ecke, während er Unverständliches brabbelte. Nachdem er fertig und (immerhin) untenrum wieder alles eingepackt war, entdeckte er mich. Vielleicht wegen der auffälligen Uniform, vielleicht, weil ich der einzige auf dem Bahnsteig war. Nun sprach er mich in unverständlicher Weise an, mit etwas Phantasie konnte man es wie „Warte, ich komme rüber“ deuten. Laut Anzeige noch fünf Minuten bis zur Ankunft meiner Bahn, das konnte er trotz vorübergehender Gehbehinderung locker schaffen. Und also wankte er zum Ende seiner Bahnsteigs, überquerte die Gleise, wechselte auf meinen und kam auf mich zu getorkelt. Noch vier Minuten. Ein Entkommen war nicht möglich, da der Bahnsteig nur über den einen Zu- bzw. Abgang verfügt. Als erstes hielt er mir die Faust hin, nicht als Drohung, sondern wie es sich während der Coronazeit als Handschlagsurrogat etabliert hat. Da ich an jeglicher Berührung mit dem Kerl uninteressiert war, ignorierte ich die Geste, was ihn offensichtlich aufbrachte, von nun an wurde ich in weiterhin unverständlichen Worten beschimpft. Ich möchte nicht ausschließen, dass er sich bemühte, deutsch zu sprechen, mit stark alkoholischem Dialekt, ab und zu erkannte ich ein Wort; wiederum mit Phantasie bezichtigte er mich womöglich der Fremdenfeindlichkeit. Die einfahrende Bahn brachte nicht die sofortige Erlösung, denn er stieg hinter mir ein (in dieselbe Richtung, aus der er kurz zuvor gekommen war), pöbelte in der Bahn herum, schaute und deutete dabei immer wieder vorwurfsvoll in meine Richtung. Alle anderen Fahrgäste gaben sich unbeteiligt, widmeten sich den Datengeräten. An der nächsten Haltestelle stieg er aus. Ich hatte nicht eine Sekunde daran gedacht, er könnte ein Messer zücken, darauf kam erst der Geliebte, als ich später zu Hause von dem Vorfall erzählte. Angst hatte ich nicht, empfand das ganze nur als überaus lästig.

Freitag: Aufgrund der Erfahrungen vergangener Jahre hatte ich für heute Urlaub genommen. Das wäre nicht nötig gewesen, dank umsichtiger Biereinnahme am Vorabend erwachte ich unverkatert und hätte problemlos ins Büro fahren können. Das weiß man vorher nie, doch es gibt keinen Grund, ohne Not einen gebuchten Urlaubstag nicht anzutreten. Der Plan für den Tag: eine Wanderung. Leider kündigte die Wetter-App ab dem Mittag länger anhaltenden Regen an, ungünstig zum Wandern. Um den Tag nicht gänzlich ungelüftet zu verbringen, beschloss ich nach dem Frühstück einen längeren Spaziergang zur Siegmündung, dort ist es recht idyllisch, nur, wie sich herausstellte, zurzeit stellenweise sehr matschig. Der Spaziergang wurde dann genauso lang wie die ursprünglich geplante Wanderung und die Schuhe mindestens so verschlammt. Etwas geregnet hat es zwischendurch auch, wenn auch nicht so viel wie erwartet. Auch das weiß man vorher nie.

Siegauen I
Siegauen II
Blick auf Graurheindorf gegenüber
Im Auenwald

Am frühen Abend half ich dem Liebsten, einen der Karnevalswagen für den Godesberger Zoch mit Kamelle zu beladen, auf dass meine Lieben am Sonntag was zu werfen haben, sofern sie wieder genesen sind, wovon nach jetzigem Stand auszugehen ist.

Samstag: Wesentliches Ereignis des Tages, also im Kleinen, nicht global gesehen, war die sogenannte Kamelleparty der Karnevalsgesellschaft im Zeughaus. Dabei wird niemand mir Naschwerk beworfen, vielmehr wird die erfolgreiche Beladung der Wagen mit selbigem für morgen gebührend begossen mit obergärigem Kölner Bier, dazu spielt das Musikcorps einige Lieder. In treuer Pflichterfüllung als Musiker nahm ich trommelnd und trinkend daran teil und blieb nicht allzu lange, da ich sonst womöglich nicht in der Lage gewesen wäre, diesen Wochenrückblick zu Ende zu bringen. Morgen werde ich voraussichtlich nicht dazu kommen, deshalb …

Sonntag: … erfolgt dieser Eintrag bereits am Samstag im Futur zwei. Wir werden unsonntäglich früh aufgestanden sein, da wir bereits morgens um viertel nach zehn gewaschen, rasiert und uniformiert in Bad Godesberg sein müssen. Nach dem großen Appell werden wir uns am Rathaussturm beteiligt haben, ehe mittags der Zoch beginnt, laut Prognose bei trockenem und mildem Wetter. Nach dem Zoch werden wir gemeinsam mit zwei anderen Gesellschaften im nicht einsturzgefährdeten Teil der Godesberger Stadthalle den Tag gefeiert haben.

Mögliche noch nicht vorhergesehene Erwähnenswertigkeiten reiche ich im Präteritum oder Plusquamperfekt nach.

Zum guten Schluss: Erfreulich in dieser Woche waren die Gewissheit, dass die FDP raus ist, ein gelöstes Büroproblem und viele Karnevalsfreuden.

***

Ich wünsche Ihnen eine angenehme Woche. Ab Dienstag kein Karneval mehr, versprochen. Alaaf!

Woche 8/2025: Der Ofen bleibt an

Montag: Über das Wochenende muss es einen Zeitsprung gegeben haben. Beim Verlassen des Hauses am Morgen war es deutlich heller als in der Vorwoche, auch die Rückfahrt erfolgte bei etwa gleichem Arbeitsende in vollem Tageslicht. Vielleicht ist das auch nur Einbildung.

Nicht ein- sondern pseudogebildet dieses: „Das ist semivorteilhaft“ sagte eine in der Besprechung. Vorteil einer Teamssitzung ohne Kamera: Man kann ungehemmt mit den Augen rollen.

Mehrfach augenrollend nahm ich auch das Benutzerhandbuch eines Softwarelieferanten zur Kenntnis wegen zahlreicher Rechtschreib- und Kommafehler. Wobei das keine Ausnahme ist, vielmehr beobachte ich in den letzten Jahren diesbezüglich eine zunehmende Nachlässigkeit, nicht nur in augenscheinlich rasch runtergetippten Mails, sondern auch in offiziellen Dokumenten. (Ja, dieses Blog ist auch nicht fehlerfrei, ich weiß. Aber wenigstens sind mir aufgedeckte Fehler hinterher angemessen peinlich.) Anscheinend ist korrekte Orthografie in Zeiten von künstlicher Intelligenz und natürlicher Inkompetenz nicht mehr so wichtig. Dieses Land hat andere Probleme, um diese in letzter Zeit gern genutzte Phrase auch mal anzubringen.

Selbst die Word-Rechtschreibkorrektur resigniert

Nicht immer glückt eine Phrase: „Das wird uns die Kohlen aus dem Feuer holen“ hörte ich in einer anderen Veranstaltung. Danach ist der Ofen folglich aus.

In einem Netzartikel über eine Blogger-Konferenz ist von „Teilgeber:innen“ die Rede. Ich glaube nicht, dass ich daran teilnehmen bzw. -geben möchte.

(Ganz schön viel für einen Montag.)

Dienstag: Entwarnung, der Ofen bleibt an: Laut einer neuen Umfrage halten nur noch 25% der Deutschen Klimaschutz für eines der wichtigsten Themen. Wenn das so weitergeht, hocken die Menschen in spätestens tausend Jahren wieder in den Bäumen. Sofern es sie dann noch gibt, Menschen und/oder Bäume.

Wo es gerade um Bäume geht: Diesen eher rätselhaften Aufkleber fand ich an einem Lampenpfahl vor.

Was will man dem Flaneur sagen?

Rätselhaft auch das Speisenangebot in der Kantine, wo es heute an der vegetarischen Theke, wenn man wollte, „Fries Reloaded mit gepickeltem Gemüse und veganem Gouda“ gab. Ich wollte lieber nicht.

Mittwoch: Eher zufällig nahm ich morgens an der Einmündung der Stockenstraße in die Adenauerallee den grüner Pfeil für Radfahrer wahr. Schon immer dachte ich, dass der dort sinnvoll wäre. Im Gegensatz zu den meisten anderen Radfahrern, für die er (nicht nur dort) virtuell schon immer da war, hielt ich stets brav an bei rotem Licht. Ich weiß nicht, wann das Zeichen angebracht wurde, das morgenmüde Auge nimmt sowas in der Dämmerung ja nicht sofort wahr, vielleicht wartete ich schon unnötiger Weise auf Grün und vergeudete damit wertvolle Lebens- und Arbeitszeit. Wie auch immer – jetzt ist er da. Erfreulich, wenn sich Dinge mal zum Guten entwickeln in diesen Zeiten.

„No risk no fun“ hörte ich wen sagen. Auch eine der eher dümmlichen Phrasen.

Der Satz des Tages kam von einer unternehmens- und offensichtlich rheinlandfremden Besprechungsteilnehmerin: „Ist das nicht bald bei Ihnen da wieder, wie nennt man das noch, wenn man sich verkleidet.“

Donnerstag: Kleine Woche, daher endete mit Büroschluss für mich diese Arbeitswoche. Morgen fahren die Lieben und ich aus karnevalistischen Gründen nach Stuttgart, wo wir auf Einladung einer befreundeten Gesellschaft bis Sonntag bleiben. Auch dort verkleidet man sich gelegentlich.

Freitag: In den Radionachrichten morgens wurde Donald Trump nicht erwähnt. Vielleicht war sein Wochensoll an Unfug erfüllt, nächste Woche geht es dann weiter. Dafür wurde gemeldet, dass nach dem aktuellen Temperaturanstieg in Ostwestfalen die Krötenwanderung begonnen hat. Die Lurche interessiert das alles nicht, sie machen und lieben sich weiter wie immer, unbeeindruckt vom großen, orangen Oberlurch.

Vorfrühling auch bei uns: Vor Abfahrt nach Stuttgart suchten wir zum Auswärts-Frühstück die Fußgängerzone auf, wo die außengastronomischen Angebote schon wieder gut angenommen wurden. Wir zogen es wegen Restkühle indessen vor, im Inneren des Lokals zu frühstücken.

„Gestalte mit uns Gesundheit!“ wirbt ein Sanitätshaus um neue Mitarbeiter. Immerhin nicht „Lass uns Gesundheit gemeinsam neu denken!“

Nach staureicher Fahrt erreichten wir am späten Nachmittag Stuttgart. Zunächst gab es ein Ankunftsgetränk mit einem ebenfalls bereits angereisten Vereinskameraden in der Hotelbar. Anschließend aßen wir Maultaschen und was mit Spätzle in einem Restaurant in fußläufiger Nähe. Der Abend endete wiederum in der Hotelbar, wo mich die Erinnerung verließ.

Auch das Maritim-Hotel in Stuttgart ist nicht in der Lage, seinen Gästen im Zimmer Jackenhaken zur Verfügung zu stellen. Dafür hat man einen schönen Ausblick aus dem Fenster.

Hotelfensterblick I
Hotelfensterblick II, vorne die Alte Reithalle, wo wir morgen auftreten werden

Samstag: Im Bad des Hotelzimmers fordert ein Aufkleber dazu auf, mit Wasser sparsam umzugehen. Dem ist nicht zu widerraten, doch scheitert es an moderner Technik: Die Dusche verfügt nicht über eine gewöhnliche Armatur mit Hähnen zum Drehen, vielmehr wird sie durch Berühren eines Sensors in Gang gesetzt und abgestellt. Die Ingangsetzung funktionierte, jedoch lässt sie sich, einmal laufend, nicht mehr absperren, so zart oder fest man auch den Sensor berührt. Erst nach gut einer Viertelstunde, wenn der Spiegel großflächig beschlagen ist, reißt der Strahl von selbst ab, danach lässt sie sich nicht mehr anschalten. Ein weiteres Beispiel dafür, dass Innovation nicht immer mit Verbesserung einhergeht.

Nach dem Frühstück mit wenig Appetit meinerseits, was zum einen am Vorabend, zum anderen an meiner Abneigung gegen große Hotelfrühstückssäle lag, gingen wir in die Stadt. Unter anderem besuchten wir die Markthalle, wo sich ein gewisses Frankreich-Gefühl einstellte. Vom Besuch der Weinbar nahmen wir zunächst Abstand.

Es ist deutlich wärmer geworden. Daher nahmen wir nach der Markthalle und einer Runde durch den Park in einer gut besuchten Außengastronomie am Schlossgarten Platz, mit Blick auf die zahlreich vorbeigehenden Menschen, was immer wieder erhebliches Vergnügen bereitet. Während ich eine Limonade bestellte, näherte sich der Geliebte mit einem Glas Sekt schon wieder Gehaltvollerem an.

Hausgemachte Limonade mit überflüssigem Trinkhalm und der unvermeidlichen Zierfrucht

Am späten Nachmittag traf der Rest der Karnevalsgesellschaft mit dem Bus ein. Zur Begrüßung wurde Kölsch gereicht, es schmeckte wieder.

Der Auftritt abends bei der Sitzung in der Alten Reithalle direkt neben dem Hotel verlief erfreulich, das anschließende Abendprogramm angenehm gemäßigt. Bei mir wirkte noch der Vorabend etwas nach, die Angereisten hatten während der Busfahrt schon ein wenig vorgebechert. Nach Rosenmontag sollte ich diesbezüglich vielleicht mal wieder einen Beschluss fassen. Weniger muss ja nicht gleich gar nichts bedeuten.

Für mich war es der zweite Stuttgart-Besuch in karnevalistischer Mission. Hätte man mich gefragt, wann der erste war, hätte ich bis gestern aus voller Überzeugung gesagt: vergangenes Jahr. Doch ein Mitjeck machte darauf aufmerksam, es war bereits 2023. Eine kurze Recherche in diesem Blog, auch für sowas ist es gut, ergab: Er hat recht. Ein weiterer Wie-die-Zeit-vergeht-Moment.

Sonntag: Aus oben genannten Gründen fiel für mich das Brausebad am Morgen aus; nachdem meine Lieben gereinigt waren, stellte die Dusche den Betrieb ein und ließ sich keinen weiteren Strahl entlocken, ich musste mit einer Haarwäsche am Waschbecken Vorlieb nehmen. Immer wieder erstaunlich: Man überlebt das, man beginnt auch nicht augenblicklich, unangenehm zu müffeln.

Nach dem Frühstück fuhren wir zurück nach Bonn. Die Sonne schien, die Autobahnen waren frei, ich konnte auf dem Rücksitz, im Auto stets mein Lieblingsplatz, einige Leserückstände aufholen. Am frühen Nachmittag trafen wir ein, so konnte ich noch einen Spaziergang machen. Der Frühling wirkt, oder wenigstens sein Vorbote: Über der Weststadt beobachtete ich eine Formation Kraniche in Richtung Norden ziehen. Auf den Balkonen leicht bekleidete Menschen, die baren Füße auf der Brüstung abgelegt, das Gesicht mit geschlossenen Augen der Sonne zugewandt. Auf der Wiese vor dem Poppelsdorfer Schloss lagen und saßen zahlreiche Studenten auf Decken. Während ich, nicht als einziger, noch die Winterjacke trug, immerhin mit geöffnetem Reißverschluss. Man weiß ja nie, was noch kommt.

Neubauten in der Südstadt

Apropos was noch kommt – Anmerkung zum Wahlausgang: Wir hatten die Wahl. Jetzt haben wir den Salat.

Zum guten Schluss: Erfreulich waren in dieser Woche die Frühlingsmilde, ausreichend große Saftgläser zum Hotelfrühstück und (vielleicht, zum Zeitpunkt der Niederschrift noch ungewiss) der Auszug der FDP aus dem Bundestag.

***

Ich wünsche Ihnen eine angenehme Woche. Bleiben Sie zuversichtlich, auch wenn es manchmal schwerfällt.

Woche 7/2025: Das wird schon

Montag: Am Wochenbeginn gab es wenig zu beklagen, was ja schon mal ganz gut ist. Wie erwartet zwickt es im unteren Rücken weiterhin, doch ist leichte Besserung zu spüren. So gelingt es fast schon wieder ohne Schmerzen, auf das Fahrrad zu steigen und hinterher wieder ab. Die Arbeitslust war steigerungsfähig, das wird schon, spätestens Donnerstag, sagt die Erfahrung. Immerhin endete der Arbeitstag mit einem kleinen kollegialen Umtrunk und Pizza zur Befeierung eines erfolgreichen Projekts. Zwar ist das noch nicht abgeschlossen, doch das wird schon, spätestens … mal sehen. Betrachten wir es als ein Reinfeiern. Außerdem soll man Feste feiern wie sie fallen; wer weiß, ob es demnächst noch was zu feiern gibt in diesen Zeiten, um auch mal in den allgemeinen Pessimismus einzustimmen.

Apropos demnächst: Die Medien widmen sich intensiv der Frage, ob Merz oder Scholz das Kanzlerkandidatenwettreden (ich finde den in diesem Zusammenhang üblichen Begriff Duell unangemessen) gestern Abend gewonnen hat. Wie nicht anders zu erwarten sieht jede der beiden Parteien ihren Vertreter als Sieger, die Kandidaten sich selbst sowieso, alles andere wäre verwunderlich. Ich verstehe nicht, weshalb darum soviel Gewese gemacht hat; das ist doch völlig unerheblich und es erscheint mir fragwürdig, daraus eine Wahlentscheidung abzuleiten.

Dienstag: Zu Fuß ins Werk, aus terminlichen Gründen mit der Bahn zurück, da am frühen Abend bereits die nächste kollegial-gastronomische Zusammenkunft anstand, ohne Zusammenhang zum gestrigen Umtrunk. Bitte denken sie nicht, das wäre ständig so, in dieser Woche waren es zufällig gleich zwei Treffen. Das Lokal war vollbesetzt, für einen normalen Dienstagabend erstaunlich. Spätestens als direkt neben uns ein Musiker mit elektrisch verstärkter Gitarre und Mundharmonika begann, Tischgespräche zu verunmöglichen, wurde es Zeit, zu gehen. Bevor er um Münzgeld anhaltend durch die Reihen ging, war ich weg. Meine bereits geäußerte Abneigung gegen derartige Livemusik wurde ein weiteres Mal bestätigt.

Weg ins Werk

Mittwoch: Der Arbeitstag war lang, aber nicht sehr arbeitsreich, da ich einen großen Teil davon mit vielen Leuten in einem Besprechungsraum verbrachte, zuhörte und aus dem Fenster schaute. Es liegt mir fern, das zu beklagen, es gibt unangenehmere Arten, sein Gehalt zu *räusper* verdienen. Bei den nur noch seltenen Präsenz-Besprechungen achte ich stets darauf, einen Platz mit Fensterblick zu haben, auch wenn es dort selten etwas Außergewöhnliches zu sehen gibt. Derweil wurde im Besprechungsraum nebenan zeitweise ungefähr im Zehnsekundentakt applaudiert. Was auch immer dort aufgeführt wurde, ohrenscheinlich war da mehr los als bei uns. Auch das keine Klage, eher im Gegenteil.

Etwas weniger applaudiert wird womöglich demnächst woanders: „Sparschock für Oper und Orchester“ übertitelt die Zeitung einen Artikel, weiterhin fallen die Wörter „massiv“ und „Paukenschlag“, letzteres in diesem Zusammenhang besonders originell. Darum geht es: Die Stadt Bonn muss sparen, deshalb hat sie angekündigt, den jährlichen Zuschuss für Kultur ab 2029 um gut fünf Millionen Euro zu kürzen. Wenn man bedenkt, dass allein für Oper und Theater im letzten Jahr fast 33,8 Millionen Euro ausgegeben wurden, schrumpft der massive Paukenschlag zu einer leisen Flatulenz, aber die riechen ja oft am übelsten.

Am Montag hatte ich die Fahrradwerkstatt per Mail um einen Termin für die jährliche Inspektion gebeten, in den Vorjahren wurde sie im Februar/März durchgeführt. Heute kam der Termin: Anfang Mai. Vermutlich leidet auch die Werkstatt unter Personalmangel, wie so viele.

Donnerstag: Im Briefkasten lagen heute die Briefwahl-Unterlagen für die Bundestagswahl. (Warum heißt das so? Worunter legt man die? – Ich schweife ab.) Wenn ich jetzt nur wüsste, wo ich die Kreuze machen soll. Und was nützt es, die Kreuze an der vermeintlich richtigen Stelle zu machen, wenn nachher über fünfzig Prozent der Wähler vielleicht das falsche ankreuzen? Das ist selbstverständlich kein Grund, nicht zu wählen.

Wenn Sie sich auch unsicher sind und dem Wahl-O-Mat nicht trauen, gibt es als Alternative den Real-O-Mat. Auf der Startseite heißt es: „Der Real-O-Mat schaut nicht auf die Wahlversprechen, sondern gleicht das tatsächliche Abstimmungsverhalten der Fraktionen und Gruppen zu aktuellen politischen Themen mit Ihrer persönlichen Position ab. Grundlage sind dabei Anträge und Gesetzentwürfe im Bundestag.“ Ich habe es ausprobiert und bin vom Ergebnis etwas überrascht, doch es erscheint mir akzeptabel.

Das Kreuz mit dem Kreuz. Meinem Rücken geht es übrigens viel besser, nur noch selten zwickt es, und dann im gewohnten Rahmen.

Morgens – das Siebengebirge lag ganztägig hinter Wolken

Freitag: Ein weiterer Tag in Trübnis ohne Schreibtisch-Aussicht auf das Siebengebirge. Erst nachmittags schimmerten die sieben Berge (ja ich weiß, es sind mehr) vage, mehr eine Ahnung denn Aussicht, durch den dichten Dunst. Immerhin beruhigend, sie sind noch da, nachdem sie zwei Tage lang verhüllt waren. Man muss ja mit allem rechnen in diesen Zeiten.

Leider muss ich mich von diesem Blick bald schon wieder verabschieden. Nicht, dass der Ruhestand nahte, dann begönne dieser Satz nicht mit „Leider“. Bereits Anfang März ziehe ich aus organisatorischen Gründen von der achtundzwanzigsten in die dreiundzwanzigste Etage, was nur räumlich ein Abstieg ist, ansonsten bleibt (fast) alles beim Alten. Dann sitze ich in der entgegengesetzten Ecke des Turms mit Blick auf die Stadt statt die Berge. Von mir aus, ich werde schließlich (meistens) nicht gut dafür bezahlt, aus dem Fenster zu schauen. Dennoch, ein wenig werde ich sie vermissen, auch das Morgenrot und die Sonnenaufgänge. Im künftigen Büro dann vielleicht Abendrot und Sonnenuntergänge, wenn ich lange genug bleibe.

Ansonsten herrschte die Trübnis nur draußen, innerlich ging die Wochenend-Sonne auf.

Ich konnte nicht anders

Samstag: „Geeignet sei das Motorschiff für ganzjährige Veranstaltungen wie Geburtstage, Hochzeiten, Firmenevents oder Weihnachtsfeiern“ steht in einem Zeitungsbericht über ein neues Ausflugsschiff auf dem Rhein. Eine ganzjährige Weihnachts- oder Firmenfeier erscheint mir wenig vergnüglich.

Vergnüglich dagegen der Besuch der Außenveranstaltung einer befreundeten Bonner Karnevalsgesellschaft auf dem Marktplatz, bei der wir seit geraumer Zeit Fördermitglied sind, was zum Tragen des Ordens und der Feldmütze (umgangssprachlich auch Schiffchen genannt) der Gesellschaft berechtigt. Wir fühlen uns gut aufgenommen. Neben Sekt und Kölsch war zur inneren Wärmung auch köstliche Erbsensuppe im Angebot.

Erbsensuppe macht glücklich (Foto: der Liebste)

Sehr vergnüglich auch der Abend: Unsere Karnevalsgesellschaft fuhr mit dem Bus zu einem Auftritt nach Herdorf im Westerwald. Vor Abfahrt kam es zum kleinen Eklat, weil der Busfahrer es versäumt hatte, Getränke für die lange Fahrt zu beschaffen. Der Mangel konnte rasch beim örtlichen Getränkehändler behoben werden, so dass die Anreise nicht allzu trocken geriet.

Vor und nach dem Auftritt verbrachten wir die Zeit in einer Gaststätte neben dem Festsaal. Dort durfte, wie generell in Rheinland-Pfalz, noch geraucht werden, wovon reichlich Gebrauch gemacht wurde. Ein wenig fühlte ich mich zurückversetzt in längst vergangene Zeiten, als in Kneipen und Restaurants mit großer Selbstverständlichkeit geraucht wurde. Obwohl seit inzwischen mehr als fünf Jahren Nichtraucher, hat es mich nicht gestört.

Ansonsten scheint das dort eine sehr hübsche Gegend zu sein; wegen Dunkelheit ließ sich das nur erahnen.

Sonntag: Wegen der Vorabendaktivität und später Rückkehr verzögerte sich der gewohnte Tagesablauf um gut eine Stunde.

Der Weinkritiker Stephan Reinhardt in der FAS:

Und es ist alles viel individualistischer geworden, jeder ist mehr oder weniger mit sich beschäftigt. Wenn eine Gruppe in der Wirtschaft sitzt, schaut jeder auf sein Telefon. Um dort was zu finden? Erlösung? Wir könnten uns alle ruhig mal wieder mehr Gelassenheit gönnen. Stattdessen feiern wir Leute, die es geschafft haben, ihr Kind nicht mehr betrunken in den Kindergarten zu fahren, und darüber ein Buch geschrieben haben. Wow.

Beim Spaziergang durch die Nordstadt erneut die Frage, die in letzter Zeit und voraussichtlich bis auf Weiteres in anderen Zusammenhängen häufig gestellt wird: Wie konnte es dazu kommen?

..

Zum guten Schluss: Erfreulich waren in dieser Woche das nachlassende Rückenleiden, die vom Saalpublikum in Herdorf entgegengebrachte Begeisterung für unseren Auftritt und getrüffeltes Rührei am Sonntagabend.

***

Ich wünsche Ihnen eine angenehme Woche möglichst ohne innere und äußere Trübnis. Bitte wählen Sie, aber darauf muss ich Sie ja nicht extra hinweisen, oder?

Eine Blogparade, eine Blogparade!

Frau Melli und Herr Tommi haben in ihrem Blog „Jansens Pott“ zu einer Blogparade über das Bloggen aufgerufen. Dem komme ich gerne nach.

Hier die Fragen und Antworten:

Warum hast Du ursprünglich mit dem Bloggen angefangen?

Warum – dazu kann ich nur Vermutungen anstellen. In den Achtzigern fing ich an, inspiriert durch Ephraim Kishon übrigens, Texte über Alltäglichkeiten zu schreiben. Die tippte ich dann mit der Schreibmaschine ab ohne genau zu wissen, was ich damit machen soll. Schon sehr bald hörte ich damit wieder auf, und diese wunderbare Beschäftigung schlief für lange Zeit ein. 2007 meldete ich mich bei Twitter an und begann wieder zu schreiben, wenn auch nur bis zu 140 Zeichen lange Textlein. Doch ich fand dort bald Anschluss, folgte und wurde verfolgt, entwickelte durchaus eine gewisse Sucht für dieses Medium. Über Twitter erfuhr ich erstmals von Blogs und der Möglichkeit, dort beliebig lange Texte ins Netz zu stellen. Die Idee gefiel mir, daher wurde ich 2009 Blogger. (Die alten Texte aus den Achtzigern habe ich auch noch.)

Welche Plattform nutzt Du für Deinen Blog und warum hast Du Dich dafür entschieden?

Wie die meisten nutze ich WordPress. Das war keine gezielte Entscheidung von mir. Vielmehr begann ich 2009 auf Blog.de, auch das war keine gezielte Entscheidung, sondern eher Zufall, weil ich keine Lust hatte, nach der besten Plattform zu recherchieren, daher nahm ich die erstbeste. Vor etwa zehn Jahren, wenn ich mich richtig erinnere, wurde Blog.de geschlossen und es gab dort eine Anleitung für einen Umzug nach WordPress. Das funktionierte gut, seitdem bin ich hier und zufrieden.

Hast Du schon auf anderen Plattformen gebloggt?

Ja, siehe vorherige Frage.

Wie schreibst Du Deine Blogposts? Nutzt Du ein lokales Bearbeitungstool oder eine Panel/Dashboard-Funktion Deines Blogs?

Die Tagesblöcke der Wochenrückblicke schreibe ich am jeweils angegebenen Tag direkt ins Blog, selten auch erst am Folgetag. Längere Aufsätze schreibe ich vor, entweder und am liebsten handschriftlich ins Notizbuch oder in Pages.

Wann fühlst Du Dich am meisten inspiriert zu schreiben?

Eine spezielle Zeit gibt es nicht. Meistens höre oder sehe ich etwas Blogabeles, bei Besprechungen, in der Zeitung, beim Gehen durch die Stadt. Das schreibe ich entweder direkt auf oder zunächst nur Stichwörter, formuliert wird dann später. Manchmal wache ich nachts auf und kann längere Zeit nicht wieder einschlafen. Dann kommen mir ab und zu Schreibideen und Formulierungen, die aus Bequemlichkeit und wegen Störung der Nachtruhe nicht sofort notiert werden. Wenn ich Glück habe, kann ich mich am nächsten Tag noch erinnern.

An manchen Tagen stockt die Inspiration etwas. Dann ist es anstrengend, etwas halbwegs vorzeigbares zu notieren.

Veröffentlichst Du Deine Texte sofort oder lässt Du sie erst eine Weile als Entwurf liegen?

Wie oben beschrieben entstehen die Wochenrückblicke durch tägliche Fortschreibung. Am späten Sonntagnachmittag ist Schlussredaktion für die Woche, veröffentlicht wird per Voreinstellung am Montagmorgen um halb sieben.

Längere Aufsätze, zu denen ich leider nur noch selten kommen, reifen in der Regel etwas länger, manchmal ein paar Wochen, ab und zu aber auch nur Stunden. Ich beneide einige Bloggerinnen und Blogger, die jeden Tag lange und dazu äußerst lesenswerte Texte veröffentlichen.

Über welche Themen schreibst Du generell?

Wie der Blogname schon sagt: Alltägliches und Ausgedachtes, wobei ersteres überwiegt; im Ausdenken fiktiver Geschichten bin ich nicht besonders gut. Lieblingsthemen sind schluderiger Sprachgebrauch, seltsame Verhaltensweisen, aber auch das anscheinend unausweichliche Bestreben der Menschheit, sich selbst auszulöschen.

Für wen schreibst Du?

Auch wenn das abgedroschen wirkt, weil das so ziemlich jede(r) schreibt, die/der diese Fragen beantwortet: vor allem für mich. Andererseits hat sich inzwischen eine regelmäßige Leserschaft angesammelt, über die ich mich sehr freue. Für die schreibe ich selbstverständlich auch und freue mich über Kommentare und Gefallensbekundungen, gerne auch Kritik, die allerdings selten ist. Ich habe eine sehr freundliche Leserschaft. (Die mir auch verzeiht, dass ich grundsätzlich aufs Gendern verzichte.)

Was ist Dein Lieblingsbeitrag auf Deinem Blog?

Einen absoluten Liebling habe ich nicht. Die, die mir recht gelungen erscheinen, habe ich in einem Buch herausgebracht. Ansonsten mag ich die Liste des Grauens sehr, die inzwischen weit über fünfhundert Einträge hat und weiter fortgesetzt wird.

Hast Du schon Blogpausen eingelegt oder Blogs ganz aufgegeben?

Wenn mehrwöchiges Nichtbloggen dazuzählt, ja. In der Anfangszeit war ich noch nicht sehr fleißig. Ansonsten nein und ich hoffe, noch lange weiterzubloggen. Einmal in der Woche mindestens, wozu ich mich als Ironblogger übrigens verpflichtet habe.

Was empfiehlst Du Menschen, die mit dem Bloggen anfangen wollen?

Nur keine Hemmungen. Und mit WordPress geht es auch für einen Technik-Laien wie mich ganz gut. Mit anderen vermutlich auch, die habe ich nur nie ausprobiert. Daher keine unbezahlte Werbung für WordPress. Apropos: Es lohnt sich, ein paar Euro jährlich auszugeben für ein werbefreies Blog, die Leser werden es danken.

Hast Du Zukunftspläne für Deinen Blog? Vielleicht ein Redesign, ein Wechsel der Plattform oder neue Features?

Wie schon geschrieben, noch möglichst lange weitermachen. Eine Designänderung oder ähnliches ist nicht geplant, außer vielleicht den Schlumpf mal durch etwas anderes zu ersetzen. Dazu habe ich noch keine Idee, Vorschläge sind willkommen.

Sehr gerne würde ich was Gemeinsames mit anderen Bloggerinnen und Bloggern machen. Eine Zeit lang gab es Blogtausche, das heißt, ausgewählte Texte von anderen übernahm ich in mein Blog, dafür veröffentlichten sie einen von mir in ihrem Blog. Ein konkretes gemeinsames Blogvorhaben mit einer von mir sehr geschätzten Bloggerin ist aus Zeitgründen bislang nicht zustande gekommen. Ich gebe die Hoffnung nicht auf. Aber das sollte man ohnehin nicht, nicht nur als Blogger.

Woche 6/2025: Besser nicht bestimmt bewegen

Montag: Die Woche begann kalt und nicht allzu montäglich. Mehr weiß ich über den Tag nicht zu berichten, immerhin auch nichts zu beklagen.

Übrigens ist heute laut kleiner kalender Tag der männlichen Körperpflege. Haben wir das auch hinter uns, meine Herren; ab morgen wieder unrasiert ins Büro. Dazu eine gar entzückende Illustration:

„Irgendwie geht mit dem Ding der Bart nicht ab. Und warum trage ich diese alberne Mütze auf dem Kopf?“

Dienstag: Der Tag begann mit einer Enttäuschung: Am Samstag habe ich mich in einem örtlichen Musikfachgeschäft spontanverliebt in eine Trommel, ein kleineres, transportfreundlicheres Modell im Vergleich zu dem Riesentrumm, das ich bislang zu den Aufritten schleppe. Die wollte ich mir heute zum Geburtstag schenken und beim Auftritt am Abend sogleich in Betrieb nehmen. Aber ach: Abweichend von der Anzeige im Netz hat das Geschäft montags und dienstags geschlossen.

Der freie Tag, aus gegebenem Anlass bereits heute statt Donnerstag, wurde dennoch angenehm. Nach dem verhinderten Trommelerwerb frühstückte ich im Kaufhof-Restaurant. Ich mag das Frühstück dort, weil man sich wie im Hotel soviel vom Büffet holt (und bezahlt), wie man voraussichtlich verzehrt, wohingegen die fertigen Frühstücksarrangements in Cafés oft so umfangreich sind, dass meistens etwas zurück geht, was nur schwer mit meiner Sozialisierung als Flüchtlingskind zu vereinbaren ist, ich schrieb es schon.

Nach dem Frühstück fuhr ich mit der Stadtbahn nach Oberdollendorf, von dort unternahm ich eine Rundwanderung durch das Siebengebirge, unter anderem über Stenzels- und Petersberg. Es war kalt, aber beglückend. Den Aufstieg auf den Petersberg schaffte ich schnauffrei, das tägliche Treppensteigen im Turm scheint Früchte zu tragen. Während es für die meisten Menschen völlig normal ist, telefoniere ich äußerst ungern in Öffentlichkeit, Wald und Flur. Dem kam die schwache Mobilfunkabdeckung in Teilen des Siebengebirges entgegen. Ansonsten war ich dankbar, dass die meisten Gratulationen per Kurz- oder WhatsApp-Nachricht eintrafen und das Telefon in der Tasche nur kurz aufzucken ließen, auf dass ich sie später beantworte.

Zurück in Bonn belohnte ich mich wie üblich mit Currywurst an Pommes. Dabei beantwortete ich mit letzter Akkukraft des Telefons die Gratulationsnachrichten. Offensichtlich war der Wandertag sehr anstrengend für das Gerät, im Gegensatz zum Nutzer.

Abends war ein Auftritt des Karnevalscorps in Bad Godesberg, für mich hoffentlich zum letzten Mal mit der sperrigen Trommel. Die neue kaufe ich morgen Abend, wenn sie dann noch da ist.

Der Tag in Bildern:

Bei Heisterbach
Stenzelsberg
Frostige Höhen
Stechpalme, gefrostet
Blick vom Petersberg auf Drachenfels, Schloss Drachenburg und Rhein
Für die Sammlung (Oberdollendorf)
Nur eine Zahl, leicht angerostet

Mittwoch: Im Gegensatz zu gestern war der Tag durchgehend dunstig-bewölkt, morgens mit leichtem Sprühregen. Im Büro war gut zu tun, an dem freien Tag hatten sich ungewöhnlich viele Mails angesammelt. Gut, ein größerer Anteil bestand aus Gratulationen, die zügig abgearbeitet waren. Der Arbeitstag endete mit einem sehr angenehmen Chefgespräch, meine Zielerreichung betreffend, außerdem muss er wie jedes Jahr eine Potentialeinschätzung zu meiner Karriereentwicklung abgeben. Auch in diesem Jahr schrieb er: »Wirkt bzgl. Veränderungen teilweise etwas gleichgültig«. Dem ist vollumfänglich zuzustimmen; maximal sieben Jahre vor dem Ruhestand tendiert mein Karrierestreben, bei weiterhin grundsätzlich positiver Motivation, gegen Null. Jeder weitere Karriereschritt wäre mit erheblicher Freizeiteinbuße verbunden, das muss nun wirklich nicht sein.

Abends kaufte ich wie geplant die kleinere Trommel und absolvierte mit ihr probeweise einen kleinen Parademarsch durch die Wohnung.

Die alte (links) und die neue Trommel

Donnerstag: „Vater Staat ist nicht dein Erziehungsberechtigter“ steht auf den Wahlplakaten der FDP. Und ich wünsche nicht, von Herrn Lindner geduzt zu werden.

„Es ist ja auch ein Haufen Code dahinter“, sagte eine in der Besprechung.

Die Schwäche, Gesichter zu erkennen, heißt Prosopagnosie. Ob bei mir eine leichte Variante vorliegt, weiß ich nicht, jedenfalls kommt es manchmal vor, dass ich zwei Menschen, die ich nur vom Sehen kenne, für einen halte. Sie müssen sich nicht besonders ähnlich sehen wie Zwillinge oder Geschwister, ich weiß auch nicht, aufgrund welcher Merkmale die Verwechslung beziehungsweise Verschmelzung entsteht. Solange, bis ich beide gleichzeitig sehe. Die Erkenntnis „Huch, das sind ja zwei“ ist jedesmal irritierend. Heute Mittag in der Kantine wieder.

Freitag: Während der Radfahrt zum Werk morgens erinnere mich ein länger nachwirkender Stich im unteren Rücken daran, dass Alter nicht nur eine unbedeutende Zahl ist.

Bei Ankunft ärgerte ich mich ein wenig über einen Kollegen. Dazu muss ich ein wenig ausholen: Bei den Aufzügen im Turm wählt man die Etage nicht innerhalb der Kabine, sondern an mehreren Displays im Eingangsbereich. Nach Auswahl des Stockwerks wird der zutreffende Aufzug angezeigt. Besagtem Kollegen wurde nun dieselbe Kabine wie mir zugewiesen, die er einige Sekunden vor mir betrat. Aus Egoismus oder Gedankenlosigkeit betätigte er den Tür-zu-Knopf, woraufhin sich die Türen schlossen und ich mit vermutlich tadelndem Blick davor stehen blieb. Das bemerkte der Kollege, immerhin, und streckte den Arm zwischen die noch nicht ganz geschlossenen Flügel, woraufhin sie sich wieder öffneten und ich eintreten konnte. Statt eines Wortes der Entschuldigung rühmte sich der Held, mir unter dem Risiko des Armverlustes den Einstieg ermöglicht zu haben. Da er in die Vorstandsetage fuhr, wie der Anzeige zu entnehmen war, sah ich von weiteren Beschimpfungen ab.

„Jede Treppenstufe bietet bis zu 4 Sekunden längere Lebenszeit“ las ich in einer Mitteilung. Wenn ich es schaffe, bis zum voraussichtlichen Ende meines aktiven Berufslebens einmal arbeitstäglich die Treppen statt des Aufzugs zu nehmen, könnte ich knapp zwanzig Tage herausholen.

Samstag: Im Rücken zwickt es bei bestimmten Bewegungen weiterhin, erfahrungsgemäß wird mich das noch einige Zeit begleiten. Das morgens angebrachte Wärmepflaster brachte nur wenig Linderung. Also besser nicht bestimmt bewegen. Das ist allerdings kein Grund, auf den Spaziergang zu verzichten.

Spaziergangsbild
Warnhinweis auf der Wärmepflasterpackung

Sonntag: Der Spaziergang führte unter anderem durch die Südstadt, wo die Schneeglöckchen blühen. Woanders wahrscheinlich auch, nur sah ich sie dort erstmals in diesem Jahr. Das milde, zeitweise sonnige Wetter lockte viele Spaziergänger aus den Häusern, vom derzeit allgegenwärtigen Pessimismus war nichts zu spüren.

Anlässlich eines Auftritts der Karnevalsgesellschaft am Abend kam die Trommel zu ihrem ersten öffentlichen Einsatz. Ich bin sehr zufrieden damit.

Zu guter letzt: Erfreulich in dieser Woche waren der Wandertag, die neue Trommel und das schöne Gefühl, wenn der Schmerz nachlässt.

***

Ich wünsche Ihnen eine angenehme, möglichst schmerz- und sorgenfreie Woche.