Am Sonntag, 8. September, habe ich wieder das große Vergnügen, lesend bei den TapetenPoeten teilnehmen zu dürfen. Falls Sie dann zufällig in der Nähe sind, außerdem Zeit und Lust haben, dabei zu sein, würde ich mich sehr freuen. Einzelheiten in der offiziellen Einladung hier:
Liebe Freundin, lieber Freund der TapetenPoeten,
die Sauregurkenzeit neigt sich dem Ende zu und ich freue mich, die ersten TapetenPoeten nach der Sommerpause am 8. September anzukündigen. Und ich würde mich natürlich sehr freuen, Sie/dich bei der inzwischen 18. Auflage dieser schönen Lesebühne zu sehen.
Wir erwarten diesmal (in alphabetischer Reihenfolge):
Namiah Beatrix Bauer Endlich mal wieder ein Sachtext auf der Bühne der TapetenPoeten. In ihrer Eigenbeschreibung sagt die Autorin Goodbye zu Krise, Hitzewallungen und Sexflaute und präsentiert ihr neues Buch über die Wechseljahre.
Carsten Kubicki Der Bonner Flaneur ostwestfälischer Herkunft beobachtet seine Umgebung mit sehr genauem Blick und pointiert das Alltägliche und vermeintlich Nebensächliche mit einer sprachlichen Präzision und Leichtigkeit, dass es nur eine Wonne ist.
Andrea Trude Sie ist so vielseitig, dass es vermutlich einfacher ist, zu sagen, was die Rechtsanwältin, Autorin und Schauspielerin nicht ist. Lassen wir uns überraschen von dem, was sie uns bei den TapetenPoeten konkret vortragen wird.
Manfred Rothengatter Er hat erst spät mit dem Verfassen seiner komischen Gedichte begonnen. Das ist einerseits schade, andererseits ist es gut, dass er überhaupt damit angefangen hat. Denn bei ihm stimmt das Maß, kein Reim holpert und obendrein ist es sehr vergnüglich, ihm zuzuhören.
Auf einen Blick:
Sonntag, 08. September 2024 TapetenPoeten die 18. Auflage
Beginn 17:00 Uhr Einlass ab 16:30 Uhr
Eintritt 10.- € an der Tageskasse Reservierungenüber info@tapetenpoeten.de (Karten müssen bis 10 Minuten vor Beginn abgeholt werden. Andernfalls verfällt die Reservierung.)
in der Atelierbühne Auguststr. 18 53229 Bonn-Beuel (in der Tapetenfabrik, Aufgang letzte Tür VOR der Einfahrt zur Sportfabrik)
Montag: Wie vergangene Woche beklagt begann die Woche mit einem halben Tag Heimbüro, heute auf dem Balkon, wo es vormittags noch ungewohnt kühl war, was ein Jäckchen erforderte. Trotz Abneigung gegen diese Art zu arbeiten und den Wochentag überhaupt war ich erstaunlich produktiv: Drei Aufgaben in der Liste konnten abgehakt, eine in den Zustand W (wartet auf Reaktion) versetzt werden.
Am frühen Nachmittag wurde ich abgeholt, nach dreieinhalb Stunden erreichten wir die Region Hannover, wo wir bis übermorgen tagen. Wir wären noch früher angekommen, läge das Hotel in Laatzen nicht inmitten einer großräumig abgesperrten Baustelle, die dem Navigationssystem unbekannt ist. Im Übrigen ist es nicht sehr idyllisch gelegen, aber wir sind ja nicht zum Vergnügen hier, jedenfalls nicht nur. Wobei es auf der Terrasse der Bar gut auszuhalten ist.
Fensterblick auf Laatzen (Teilansicht)
Abends aßen wir beim örtlichen Griechen, der laut Kollegin nur mittelmäßige Bewertungen im Netz hat. Ich achte nie auf so etwas, weil ich Meinungen Fremder grundsätzlich mit Skepsis begegne. In diesem Fall zu recht, es war alles sehr zufriedenstellend, daher von mir fünf Sterne. Vielleicht bin ich auch zu genügsam.
Als großer Freund des kleinen Gepäcks auf Reisen komme ich üblicherweise mit einer kleinen Reisetasche aus, während andere großräumige Koffer durch die Gegend rollen. Beim Packen überlege ich genau, was und wieviel ich für den Reisezeitraum benötige. Ungünstig nur, wenn ich bereits am ersten Abend beim Essen das Polohemd bekleckere. Vielleicht sollte ich doch etwas großzügiger planen.
Dienstag: Meine grundsätzlich Abneigung gegen Hotelfrühstücke überwindend begab ich mich morgens runter in den Saal, der schon reichlich besucht war. Wie überhaupt das Hotel in Ordnung ist, abgesehen von wieder mal fehlenden Jackenhaken im Zimmer (warum nur sparen die so häufig daran?), macht auch das Frühstücksbüffet einen guten Eindruck, einschließlich ausreichender Saftgläsergröße. Für mich allerdings überwiegend nur zur Ansicht, da ich am frühen Morgen keinen Appetit habe auf Brötchen, Rührei, Speck, Würste und was sie sich sonst so auf die Teller laden. Ich begnügte mich mit einem Croissant, zwei Tassen Kaffee, zwei Gläsern Saft und der Beobachtung das Treibens. Als die ersten Kollegen in Sprechlaune eintrafen, war ich fertig und zog mich ins Zimmer zurück, ehe wir zur Veranstaltung in unserer Betriebsstätte in Pattensen fuhren.
Dort wurde es ein angenehmer Tag mit erfreulichen Begegnungen. Besonders gefreut habe ich mich über das Wiedersehen mit einer mittlerweile dort arbeitenden Kollegin, mit der ich vor einunddreißig Jahren die Ausbildung gemacht habe und die ich lange nicht gesehen habe. Dass wir uns sofort wiedererkannt haben, spricht für einen zufriedenstellenden Erhaltungszustand auf beiden Seiten.
Mittwoch: Nach erfreulichem Verlauf auch des zweiten Tagungstages, inklusive einer interessanten Betriebsbesichtigung, verließen wir Pattensen am Nachmittag in Richtung Berlin, wo wir nach knapp drei Stunden Fahrt ankamen, zumal der gaspedalführende Kollege diesbezüglich nicht von übermäßiger Zimperlichkeit geplagt wird. Ich war wieder dankbar, hinten sitzen zu dürfen.
Morgen und übermorgen dann in Schönefeld die gleiche Veranstaltung wie gestern und heute in Pattensen, nur mit anderem Publikum. Icke freu mir, wa.
Gefreut habe ich mich auch, nachdem ich es im Duden nachgeschlagen habe, über das in einer Mail gelesene Wort „disjunkt“, mit dessen Gebrauch man hierfür empfängliche Kreise gewiss beeindrucken kann.
Zum Abendessen begaben wir uns in die „Kantine Kolonie Platanenblick“, eine im besten Sinne einfache Gaststätte in einer Kleingartenkolonie am Rande von Berlin-Neukölln, vom Hotel aus zu Fuß in einer halben Stunde zu erreichen, unter anderem durch eine idyllische Siedlung. Das Lokal bietet gute Küche (bis zwanzig Uhr, wir hatten mit unserer Ankunft um zehn vor acht Glück), großen, für mich etwas zu großen Portionen (vielleicht habe ich mittlerweile das Seniorentelleralter erreicht), Berliner Herzlichkeit, man wird sofort geduzt, auch im Seniorentelleralter, das alles zu sehr günstigen Preisen. Auch hier von mir fünf Sterne. In Reiseführern würde dazu wohl „Geheimtipp“ stehen, nun auch in diesem Blog, wobei es aufgrund dessen überschaubarer Reichweite ein solcher bleibt. Bezahlt haben wir disjunkt, um das Wort auch mal anzuwenden.
Siedlungsidyll in der Straße 181Ebendort, aber das sehen Sie ja selbst
Vermutlich kein Geheimtipp, weil Sie das längst wissen: Viele Hotels haben hinter der Zimmertür einen Einsteckschlitz für die Zimmerkarte. Erst nach deren Einstecken fließt Strom sowohl aus den Steckdosen als auch durch die Leuchtmittel. Das ist praktisch im Sinne eines sparsamen Stromverbrauchs, indes ärgerlich, wenn man während des Abendessens ein Telefon laden muss. Das Gute: Strom fließt nicht nur mit Einstecken der Zimmerkarte, das funktioniert auch mit jeder beliebigen anderen Karte. Ein guter Grund, nicht alle Karten statt aus Plastik nur noch virtuell auf dem Datengerät mit sich zu tragen. Erst recht, wenn der Akku leer ist.
Das muss doch jemand merken. Oder der erste Satz richtet sich an das Kind, das ins WLAN gefunden hat, der zweite an die Eltern, die nun ihre Ruhe haben, weil das Blag zockt.
Donnerstag: Der erste Tag der zweiten Tagung verlief in guter Stimmung und ohne bloggenswerte Ereignisse. Einer der Teilnehmer hat gewisse Ähnlichkeit mit dem Sänger Mark Foster. Das brachte ihm unverschuldet Minuspunkte ein, da ich Mark Foster nicht sonderlich mag, weder optisch noch akustisch.
Die etwas knappe Zeit zwischen Veranstaltungsende und Abendessen nutzte ich für einen Spaziergang durch die an Pittoresken eher arme Umgebung in Sicht- und Hörweite des Flughafens BER.
Dorfteich in Alt-SchönefeldBahnhof Schönefeld
Im vorletzten Jahr waren wir schon einmal dort, wie hier nachzulesen ist. Die damals angetroffenen Flamingos sind inzwischen leider ausgeflogen, ihr Teich mit Schilf weitgehend zugewachsen.
Jetzt entschuldigen Sie mich bitte, das Abendprogramm ruft.
Freitag: Auch der zweite und somit für diese Woche letzte Tagungstag verlief gut, nicht zuletzt dank verantwortungsvollem Roséverzehr am Vorabend.
Falls es Sie interessiert, was wir da machen, ohne allzu sehr ins Detail zu gehen: Unser Team ist fachlich verantwortlich für eine IT-Anwendung, die zweimal jährlich ein neues Release erfährt. Vor der deutschlandweiten Umstellung gibt es vier jeweils zweitägige regionale Veranstaltungen, in denen wir die Anwender über die Neuerungen informieren. In dieser Woche gab es deren gleich zwei, zwei weitere folgen in der kommenden und übernächsten Woche, dann sind wir damit erstmal wieder durch, bis zum nächsten Release. Somit wissen sie das nun auch.
Ich mache das durchaus gerne, auch wenn die persönliche Freizeit stets knapp bemessen ist. Die Leserückstände in den Blogs holte ich während der Rückfahrt nach, da war wieder einiges aufgelaufen, unter anderem diese Betrachtungen von Frau Anje über das Ende, die ich unter ständigem zustimmenden Nicken las. Lesenswert auch der darin verlinkte SZ-Artikel, falls Sie offen sind für dieses Thema, das (zum Glück) uns alle irgendwann (be)trifft.
Beim Heben des Blicks vernahm ich zwischen Magdeburg und Helmstedt ein Lavendelfeld. Vielleicht war es auch ein anderes violett blühendes Landwirtschaftserzeugnis, es ging sehr schnell. Irgendwo las ich neulich über Lavendelanbau in einem östlichen Bundesland, meine jedoch, das wäre in Mecklenburg-Vorpommern gewesen und nicht in Sachsen-Anhalt.
Beim Überholen anderer Fahrzeuge – wir überholten viele Fahrzeuge, wurden unsererseits nur selten überholt, wie erwähnt ist der Kollege ein Freund des flinken Reifens – staunte ich über die hohe Anzahl von Fahrern, die während der Fahrt in verschiedenen Weisen mit ihren Datengeräten beschäftigt waren.
Samstag: Als Ausgleich für die tagungsbedingt in dieser Woche weitgehend ausgefallenen Fußwege besuchte ich heute nach längerer Zeit mal wieder den Flohmarkt im Rheinauenpark, versehen mit dem Auftrag des Geliebten, einen Weinkühler aus Ton zu kaufen. Den fand ich schon kurz nach Ankunft und erstand ihn für wenig Geld. Das war wohl Käuferglück, es war augenscheinlich das einzige Exemplar seiner Art auf dem ganzen Markt, und der ist wirklich groß. Nicht alles gehört dabei dorthin, wie das große Verkaufszelt für Tee, eine Pflanzenhandlung oder mehrere Honiganbieter, aber das hat mich nicht gestört. Vielmehr staune ich über die Motivation vor allem der privaten Verkäufer, bereits am frühen Morgen mit hohem Aufwand ihr Verkaufsgut in den Park zu schaffen, den Stand aufzubauen, an einem heißen Tag wie heute stundenlang dahinter zu verharren und anschließend den größten Teil der Gegenstände wieder nach Hause zu transportieren, bis zum nächsten Mal. Was treibt die dazu an? Viel gekauft wurde nach meiner Beobachtung nicht. Als Besucher und mit anschließender Einkehr auf ein Getränk im Rheinauen-Biergarten hingegen gefiel es mir ganz gut. Deshalb: Vielen Dank für Ihre Mühen, ich komme gerne gelegentlich wieder.
Teilweise erschien das Verkaufsangebot fragwürdigHeiß
Sonntag: Der Tag war anders geplant. Nach dem Frühstück wollte ich mit der Bahn zur Modelleisenbahnbörse (was nichts anderes ist als ein thematisch eingeschränkter Flohmarkt) in den Stadtteil Duisdorf fahren, danach als Sonntagsspaziergang zu Fuß zurück. Auf dem Weg zum Bahnhof wollte ich drei am Vorabend angefallene Weinflaschen trotz Sonntagsverbots in den Glascontainer meines Vertrauens einwerfen. Nach Rückkehr ein Glas auf dem Weinfest in der Bonner Innenstadt.
Und so war es: Der Glascontainer war überfüllt. Statt die drei Flaschen, wie Zahlreiche vor mir, einfach davor abzustellen, behielt ich sie im Rucksack in der Hoffnung auf eine andere Entsorgungsmöglichkeit.
Immerhin einigermaßen sauber nach Braun-, Weiß- und Grünglas getrennt
Die Bahn nach Duisdorf fuhr pünktlich, das ist zu loben. Bei Ankunft an der Halle, in der die Börse laut meinem Kalender stattfindenden sollte, war klar: Der Kalender hatte gelogen. Das war überhaupt nicht schlimm, ohnehin hatte ich wenig Hoffnung, dort etwas zu finden, was meine Sammlung vervollständigt. (Falls Sie einen oceanblau-beigen Triebzug der Baureihe 634 vom Hersteller BEMO in Baugröße H0 gerne loswerden möchten, kontaktieren Sie mich bitte.) Zudem lag der Schwerpunkt, wie jeden Sonntag, auf dem Spaziergang, insbesondere nach dieser eher bewegungsarmen Woche, siehe oben. Immerhin wurde ich in aufnahmefähigen Altglascontainern vor der Halle meine Flaschen los.
Rückweg durch das Messdorfer FeldAuch wenn ich mich wiederhole: Was soll aus dem Kind mal werden?
Beim Weinfest traf ich einen lieben Vereinskameraden, deshalb blieb es nicht bei wie geplant einem Glas, was die Niederschrift dieser Tagesnotiz ein wenig erschwerte.
Gelesen am Bonner Hauptbahnhof: „Bionade – weil ehrlich gut“. Werbesprüche aus der Hölle.
Gehört: „Das Ei fällt nicht weit weg vom Huhn.“ Dem ist nicht zu widersprechen.
Montag: Zu den regelmäßigen Gewohnheiten gehört es, nach dem Mittagessen den Pressespiegel zu sichten. Darin heute: »Mitarbeiterin packt aus – Kunden irritiert: „Hä?“« – Eine Artikelüberschrift des Qualitätsmediums Der Westen online.
Nach einem unhektischen Arbeitstag mit dank mehrerer Besprechungen viel Zeit zum aus dem Fenster Schauen erforderte das Ehrenamt meine Anwesenheit in Bad Godesberg. Da die Arbeitsstelle auf halber Strecke liegt, verzichtete ich auf die vorherige Fahrt nach Hause. Stattdessen überbrückte ich die Zeit bis zum vereinbarten Treffen auf der Terrasse einer Gaststätte am Rheinufer, wo ich wegen erheblicher Hitze und einem Anflug von Vernunft folgend Apfelschorle statt des üblichen Bieres bestellte. Die Radfahrt nach Bad Godesberg fühlte sich an, als strampelte ich einem riesigen Föhn auf mittlerer Wärmestufe entgegen.
Zurück geriet ich in Ausläufer des unangekündigten und einzigen Regenschauers weit und breit. Der brachte willkommene Feuchte auf Hemd und Hose, jedoch nicht die Spur von Abkühlung.
(WetterOnline)Abendglas während der Erstellung vorstehender Notizen. Man muss es mit der Vernunft nicht gleich am Wochenbeginn übertreiben.
Dienstag: Auch für heute war erhebliche Sommerglut angekündigt. Bereits morgens auf dem Fußweg in die Werktätigkeit wählte ich möglichst schattige Pfade. Im Büro blieben die temperaturbedingten Gänsehautmomente aus, andere ohnehin. Obwohl auf der Südseite des gläsernen Turmes gelegen, ist es meistens auch ohne klassische Klimaanlage dank einem ausgeklügelten System von Luftströmungen und Wasserkühlung angenehm temperiert. Dennoch war ich heute dankbar für den Standventilator, den ein Vorbewohner zurückgelassen hat.
Weg ins Werk
Nachmittags trafen die angekündigten Regenfälle mit Gewitter ein und lenkten meine Aufmerksamkeit ab von einer Besprechung, der ich mit mäßigem Interesse lauschte. Bis eine sagte „Vielleicht kann Carsten sagen, ob das so ist.“ Mit meiner rheinisch-ausweichenden Antwort „Normal ja“ waren die Teilnehmer zufrieden, ich konnte mich weiter der Wetterbeobachtung widmen.
Laut Epubli-Abrechnung hat im Juli jemand das Buch gekauft. Ich bedanke mich herzlich und wünsche viel Vergnügen.
Mittwoch: Heute war es deutlich weniger heiß. Unverändert hitzig dagegen weiterhin die allgemeine Aufregung über fest verbundene Schraubverschlüsse an Einwegflaschen und Getränkepackungen, die Tageszeitung widmet dem Thema gar eine Glosse auf der ersten Seite. Meine Güte, die stellen sich aber auch an, ich verstehe die Empörung nicht. Weder stört mich die angebundene Kappe in praktisch-ästhetischer Hinsicht, noch erschwert sie es mir nennenswert, Milch in den Kaffee zu gießen oder Wasser aus der Flasche zu trinken.
Die nachlassende Außentemperatur findet auch Ausdruck im aktuellen Galeria-Prospekt, wo die ersten Daunenjacken und -westen angeboten werden. Bald müssten auch wieder die ersten Spekulatius, Lebkuchen und Dominosteine in den Läden ausliegen, was die Traditionsempörten vermutlich schon sehnlich erwarten. Und Nougat-Marzipan-Baumstämme, auf die ich mich ohne jede Empörung freue.
Im Briefkasten lag heute der Änderungsvertrag des Arbeitgebers meine neue künftige Arbeitszeit betreffend, den ich sogleich mit Vergnügen unterschrieb. Damit ich mich schonmal an Viertagewochen gewöhne, habe ich für morgen den nächsten freien Inseltag gebucht.
Das Laufen am Abend war heute trotz gemäßigter Temperatur sehr anstrengend, ich beendete es nach Erreichen der per Selbstverpflichtung definierten Mindeststrecke. Daran änderte auch nichts die Musikbegleitung, deren Fehlen ich kürzlich noch als ungelöstes Problem schilderte. Die Lösung ist einfach: Versuchsweise verstaute ich das Telefon in der Tasche der Laufhose, wo es wesentlich weniger störte als befürchtet. Manchmal muss man einfach mal machen.
Donnerstag: Inseltag. Die Idee, mich wegen der Wärme lieber an den Rhein zu legen, verwarf ich zugunsten einer Wanderung auf den Rodderberg südlich von Bonn. Der liegt etwa zwanzig Kilometer von der Haustür entfernt, daher war keine Anreise mit öffentlichen oder privaten Verkehrsmitteln erforderlich. Nach einem kleinen Frühstück im französischen Café in der Innenstadt machte ich mich auf. Da der Weg zu großen Teilen durch den Wald führte, waren Sonne und Wärme kein Problem, nur ein paar Abschnitte zwischendurch und die letzten Kilometer vor dem Ziel waren etwas anstrengend, da unbeschattet.
Während des Anstiegs auf den Venusberg waren mehrere umgestürzte Bäume zu übersteigen und unterkriechen; vor allem letztes für einen in Limbo ungeübten Siebenundfünzigjährigen mit Rückenproblemen kein Vergnügen.
Auch heute staunte ich wieder, wie viele Menschen diesseits des Rentenalters mit Donnerstagesfreizeit es augenscheinlich gibt. Mitten im Wald saß ein junger Mann auf der Bank und spielte auf einer Mundharmonika „Yesterday“ von den Beatles, nicht perfekt, aber recht anrührend.
Kleines Glück am Wegesrand: Was kann besser schmecken als eine Pflaume frisch vom Baume?
Merke: Wanderer, wenn dir das Schicksal Brombeeren reicht, dann iss Brombeeren.
Etwa fünf Stunden nach Abmarsch erreichte ich das Ausflugslokal am Rolandsbogen mit Blick auf das Rheintal, wo die Mühen mit Currywurst an Pommes und bayrischem Bier belohnt wurden. Passend zog schattenspendende Bewölkung auf.
Zurück ging es mit der Bahn ab Rolandseck. Am gleichnamigen Bahnhaltepunkt, wo stündlich zwei Züge halten, fragte ich mich, welche betriebswirtschaftlichen Erwägungen der Entscheidung zugrunde liegen, für die Reisenden auf dem Bahnsteig genau zwei Sitzplätze bereitzustellen, zumal im ehemaligen Bahnhofsgebäude das Arp-Museum residiert, das auch von älterem Publikum besucht wird. Plus eine Streugutkiste, auf der ich während vorstehender Überlegung saß.
Sehen Sie:
Hinweg durch die SüdstadtFür Frau Lotelta: Auch auf dem Venusberg wachsen StechpalmenImmer wieder erfreulich, wenn das Offensichtliche per Schild bestätigt wirdStadtteil Heiderhof: Plötzlich und unerwartet Wohnblocks am WaldrandRodderberg-Gipfel mit Siebengebirge im HintergrundAuch ein Gipfelbuch gibt es daBlick in Richtung Bonn mit Rhein und Mutterhaus (Suchbild)Ausblick von der Restaurant-Terrasse Richtung SüdenDer RolandsbogenUnterhalb des Rolandsbogens ein Denkmal zu Ehren von Ferdinand Freiligrath. Laut Beschilderung war er nicht nur maßgeblich am Wiederaufbau des Bogens beteiligt, von ihm stammt auch der Satz „Wir sind das Volk“, der 1989 in der DDR beliebt war und der heute von sogenannten Spaziergängern und anderen zweifelhaften Charakteren missbraucht wird..Verfall in Rolandseck
Bemerkenswert: Im Gegensatz zur letzten Wanderung trug ich dieses Mal nicht einen einzigen Insektenstich davon.
Freitag: Spontan ging ich heute zu Fuß ins Werk, gleichsam als Ersatz für den freien Tag gestern, obwohl gestern genug Gehgelegenheit bestand. Künftig werde ich öfter freitags statt donnerstags zu Fuß gehen, wenn ich am Donnerstag frei habe, um auf meine zwei Fußmärsche wöchentlich zu kommen, die sind mir, nun ja: wichtig. Ob ich dadurch auf zehntausend Schritte komme weiß ich nicht und es ist mir auch egal. Mir ist es ein Rätsel, warum so viele Leute Wert legen auf diese tägliche Schrittzahl. Ich nutze nicht mal ein Gerät, um die Zahl meiner Schritte zu ermitteln.
Dass das heute nur eine mäßig gute Idee war, fiel mir erst unterwegs ein. Zum einen hatte ich am späten Nachmittag einen Gesundheitstermin, der zeitige Rückkehr erforderte, zum anderen musste ich heute ausnahmsweise den Rechner mit nach Hause nehmen, da ich kommenden Montag aus Geschäftsreisegründen mittags zu Hause abgeholt werde. Somit muss ich mich bis mittags ins von mir höchst ungeliebte Heimbüro begeben, weil es vom Gesamtablauf her praktischer ist als erst ins Büro zu fahren und mich von dort abholen zu lassen. Manchmal lässt es sich nicht vermeiden. Somit wäre das Fahrrad heute die bessere Wahl gewesen, stattdessen fuhr ich rechnerbepackt mit der Bahn zurück. Einfach mal machen ist eben doch nicht immer die beste Wahl.
Samstag: In der Tageszeitung heute mehrere Leserbriefe mit Schraubverschlussempörung (siehe Mittwoch) und andere zur Anfang der Woche von der FDP geäußerten Forderung, die Städte müssten autofreundlicher werden. (Wirklich Anfang dieser Woche, nicht 1964.) Allesamt äußern sie sich sehr kritisch dazu, was mein Weltbild etwas gerade rückt, vernimmt man doch sonst in dieser Stadt immer wieder Empörung, wenn für die Anpflanzung neuer Bäume ein paar Parkplätze wegfallen.
Nach dem Frühstück und der Zeitungslektüre verband ich den samstäglichen Altglasgang mit einem Spaziergang durch die Nordstadt, trotz merklicher Abkühlung durch Regen in der vergangenen Nacht und dichter Bewölkung war es in kurzen Hosen gut auszuhalten. Auf dem Weg ging ich an einem großen Reklamebildschirm vorbei, darauf zu lesen: „Feier den Sommer mit einem Zero Waste Picknick“. Dass wir nicht nur durch Werbung ständig mit lächerlichen Anglizismen belästigt werden ist kaum noch der Notiz wert. Allerdings sollten auch Angehörige der Höllenzunft Werbetexter zumindest Grundzüge korrekter Grammatik beherrschen.
Rheinblick mit Bewölkung
Immer weniger zu Fuß gehen müssen nach meiner Beobachtung Hunde. In letzter Zeit sind zunehmend Hundebesitzer zu sehen, die ihre Lieblinge statt an der Leine (wenn überhaupt) in einer Art Kinderwagen, Fahrradanhänger oder gar eigens dafür angefertigten Rucksäcken transportieren. Die können unmöglich alle gehbehindert sein.
Sonntag: In der Sonntagszeitung las ich das Wort „Hypergraphie“, es bezeichnet einen übersteigerten Drang zum Schreiben. Was es alles gibt.
In derselben Zeitung schreibt Rainer Hank über Titel:
Bei uns in Berlin haben wir zwei Vizekanzler, wobei nur einer den Titel offiziell trägt. Der Senior Vice Chancellor heißt Robert Habeck. Der Associate Vice Chancellor heißt Christian Lindner. Dass die beiden wichtig sind, sieht man daran, dass sie sich streiten.
(Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)
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Kommen Sie gut durch die Woche, möglichst ohne Streit.
Montag: Über den Tag ist hier alles Wesentliche notiert.
Nachtrag: Augen auf beim Fremdwortgebrauch, auch und gerade als Sprachpingel. Die Verwechslung von Rezension und Rezession ist äußerst peinlich für den Schreiber, birgt indes eine gewisse Komik für den kundigen Leser. Herzlichen Dank dem anonymen Hinweisgeber.
Dienstag: Morgens fuhr im Aufzug ein jüngerer Kollege mit mir, der vor mir aussteigen würde. Während er mit dem Datengerät beschäftigt war, befiel mich der Gedanke: Gleich sagt er ciao. Ich wurde nicht enttäuscht.
Weg ins Werk
Wie vor einiger Zeit schon berichtet, kann man bei uns das sogenannte ortsflexible Arbeiten vereinbaren, wenn man es möchte (ich möchte es nicht). Dann darf man mehrere Tage in der Woche zu Hause arbeiten, verzichtet dafür auf einen festen Schreibtisch im Werk. Das führt dazu, dass manchmal, wie heute, in den Nebenbüros Leute sitzen, die ich noch nie gesehen habe und schon gar nicht weiß, was sie dort tun. Aber das kann ich von mir selbst auch nicht immer so genau sagen.
Ich schrieb es schon mehrfach, wiederhole es aus gegebenem Anlass gerne: Das Glück der Welt liegt manchmal in einer Portion Erbseneintopf mit Wursteinlage. Heute Mittag in der Kantine.
Eher gering dagegen der Nährwert von Medaillen. Was ist nochmal der Grund dafür, dass Olympia-Sieger dennoch immer wieder darauf beißen?
Aller guten Dinge sind drei. Heute vor zehn Jahren kam es zu einer Begegnung, von der wohl keiner der Beteiligten gedacht hätte, dass sie bis heute nachwirkt und hier der Erwähnung würdig ist.
Im Laufe des Tages kam mir das Gespräch im Radio mit Bernd Stelter in Erinnerung, das ich am Sonntag während der Rückfahrt aus Bielefeld hörte. Dort sagte er sinngemäß: Wenn ein kleines Kind so richtig verdreht ist und herumschreit, denkt man: Vielleicht ist er müde, vielleicht zahnt er, vielleicht hat er etwas Kacke in der Hose. Genau das sollte man denken, wenn man das nächste Mal von einem mehr oder weniger Erwachsenen angebölkt wird: Vielleicht hat er Kacke in der Hose. Das ist wirklich sehr klug und hat mir heute geholfen. (Ich schreibe nicht, wann und zu welchem Anlass.)
Mittwoch: „Wir sind manchmal ein bisschen blessed“ sagte einer in der Besprechung. Es ergab in dem Zusammenhang keinerlei erkennbaren Sinn, klingt aber für derlei Empfängliche großartig. In derselben Runde fiel innerhalb einer Stunde achtmal das Wort challengen.
Was es alles gibt: Mittags gab es Kotelett ohne Knochen.
Ich las mal von PHS bzw. PCS, Post Holiday/Christmas Syndrom, die tiefe Unlust, nach dem Urlaub bzw. Weihnachten die Arbeit wieder aufzunehmen. An mir selbst beobachte ich zunehmend ein PLS, Post Lunch Syndrom. (Sie dürfen gerne raten, wann diese Notiz entstand.)
Danke liebe Medien, auch der Letzte dürfte inzwischen mitbekommen haben, dass Twitter nun X heißt oder, wie ihr nicht ermüdet es zu erklären, X vormals Twitter.
Donnerstag: Was es alles gibt, Teil 2: heute überraschte die Kantine mit Hüftsteak vom Bio-Hähnchen.
Verrückte Welt: Woanders kommen sie vor Hunger nicht in den Schlaf, wir kaufen fünflagiges Toilettenpapier De Luxe.
Das ist mal eine Geschichte: Der katalanische Separatistenführer Puigdemont hält in Barcelona vor Tausenden eine Rede und verschwindet spurlos, ehe die Polizei ihn verhaften kann. Das war nicht Puigdemont, das war Fantomas. Ooooh!
Freitag: Herren der Generation meines Vaters und meiner Onkel trugen gerne Slipper. In den letzten Tagen sah ich mehrfach junge Männer in diesem zweifelhaften Schuhwerk, bevorzugt ohne Socken. Eine zufällige Häufung oder ein neuer Modetrend? Wenn letzteres, wie konnte es dazu kommen? Gerne hochgezogene weiße Sportsocken, meinethalben auch in Sandalen, aber doch keine Slipper!
Es ist ein natürlicher Reflex. So wie andere zwanghaft „Gesundheit“ rufen, sobald jemand in Hörweite niest, muss ich, wenn ein testosterongelenktes Kraftfahrzeug an mir vorbeiknallt, „Fahr zur Hölle du A …“ rufen oder wenigstens denken.
Samstag: Da der Wochenendeinstieg am Vorabend mit dem üblichen einleitendem Balkon-Cremant, Gaststättenbesuch und abschließendem Abendglas wiederum auf dem Balkon im Rahmen geblieben war, war am Morgen die postalkoholische Todessehnsucht nur von kurzer Dauer. Nach dem nicht sehr späten Frühstück und Auslesen der Tageszeitung verband ich den samstagsüblichen Gang zum Altglascontainer mit einem Besuch der örtlichen Buchhandlung, wo ich Karten erstand für die Lesung des Bloggerkollegen Thomas R. am 31. August gleich in der Nachbarschaft. Ich bin gespannt und freue mich darauf.
Sonntag: Die üblichen Sonntäglichkeiten mit Ausschlafen, Balkonfrühstück, Zeitungslektüre, Spaziergang und Blogslesen im Lieblingsbiergarten. Dem allgemeinen Gejammer über die derzeitige Sommerhitze schließe ich mich nicht an, verspüre gleichwohl eine leichte Vorfreude auf den nahenden Herbst.
Die Bemühungen der Stadt Bonn, Auto- und Radfahrer zu versöhnen, wirken genau so: bemüht
Heute ist der fünfte August, am Fünften eines jeden Monats ruft die geschätzte Mitbloggerin Frau Brüllen zur Pflege der Tagebuchblogkultur auf. Hierzu schreibt der geneigte Teilnehmer einen Aufsatz zum Thema „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“, kurz #WMDEDGT, und verlinkt ihn hier.
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– Heute versuchsweise in neuem Format –
Geschlafen: Grundsätzlich gut, unterbrochen von Schnarchgeräuschen und daraus resultierenden Unmutsäußerungen.
Geträumt: Nach einer kollegialen Zusammenkunft hatte ich Schwierigkeiten, zurück zum Hotel zu finden. Erschwerend kam hinzu, dass ich mit nichts außer einem T-Shirt bekleidet war, das ich aus Verhüllungsgründen so weit es ging herunterzog. Übrigens nicht zum ersten Mal, manchmal fehlt auch das T-Shirt. Traumdeuter und -innen dürfen das gerne interpretieren.
Gelesen: Neben dem üblichen geschäftlichen Kram die Tageszeitung, im SPIEGEL und die abonnierten Blogs. Wie ich aus der Zeitung erfuhr, wird Helene Fischer heute vierzig. Auch wenn sie es nicht liest, meine Gratulation. Zum SPIEGEL siehe unten.
Geschrieben: Ein paar geschäftliche Mails, eine kurze eBay-Bewertung zu einer Lieferung (siehe unten), was ins Tagebuch, diesen Blogeintrag (logisch).
Gedacht: Ich sollte mir bald mal überlegen, was ich am 8. September bei den TapetenPoeten vorlesen werde.
Gelacht: Über einen bereits am späteren Freitagabend gehörten und notierten Dialog, den ich erst heute wieder las. Der ging so: „Was hatten Adam und Eva noch mal gegessen?“ – „Ne Schlange haben die gebraten.“ – „Nee, das war ein anderes Gemüse.“
Über einen Satz im SPIEGEL über Unterleibsspielzeug: „Weltweit mehr als zehn Millionen Mal. So viele »Womanizer« sind verkauft. Ein eingeführtes Produkt.“
Gewundert: Eine Frage, die mich immer wieder beschäftigt: Wie schaffen es andere Blogger, täglich einen langen, lesenswerten Artikel zu verfassen, außerdem Filme/Serien zu schauen und so viele Bücher zu lesen? Woher nehmen sie die Zeit? Schlafen die nicht?
Gegessen/getrunken: Kaffee und Wasser, mittags Bratwurst mit Wirsing und Bratkartoffeln, zum Dessert Vanillecreme mit Butterkeksbröseln darauf und Rhabarbermus darunter. Abends Laugengebäck mit Rosé. Zum Abschluss Underberg.
Gehört: Morgens im Radio „Sun Of Jamaica“ von Goombay Dance Band, das mich danach noch einige Zeit ohrwurmend begleitete. Als es Ende der Siebziger herauskam, war es ein großer Hit, wir kauften sogar die Single, möglicherweise habe ich sie noch. Heute frage ich mich: Wie konnte das sein? Wenn Sie es nicht kennen, haben Sie nichts verpasst und ich empfehle nicht, danach zu recherchieren, aus akustischen wie optischen Gründen.
Gewesen: Beim Friseur um die Ecke, der nur kurz „Wie immer?“ fragte und mir danach weitgehend schweigend in weniger als einer Viertelstunde zu meiner vollen Zufriedenheit die Haare schnitt.
Gefreut: Über eine Lieferung mit Kindheitserinnerungen.
Wagen 778 der Stadtwerke Bielefeld, mit dem ich vermutlich des öfteren zur Schule fuhr, im Maßstab 1 zu 87
Geärgert: Heute über nichts und niemanden, was nicht heißt, ich wäre mit allem und jedem einverstanden gewesen. Aber man muss sich ja nicht immer gleich ärgern. Auch hege ich die Hoffnung, meinerseits niemanden geärgert zu haben.