Abgeschrieben: Über was bloggen wir?

Vor einer Woche war ich auf dem Treffen der Bonner Ironblogger, um das Geld anderer Leute zu versaufen, ich berichtete schon. Dort war des öfteren die Frage zu hören: „Und über was bloggst du so?“ Gute Frage, die ich für mich nicht beantworten kann. Weder Mode, Technik- und Internetzeugs, Musik, Sport, Politik, Weltgeschehen, Fotografie, noch Essen und Trinken, meine Familie oder was man sonst noch alles thematisieren kann ist mein Schwerpunkt. Ja, über all das schreibe ich auch, wenn mir gerade was dazu einfällt. Alltägliches und ausgedachtes halt. Eine sehr originelle Antwort fand Stefan: „Ich blogge nicht.“ Tut er zum Glück aber doch, nämlich genau zur oben gestellten Frage. Mit seiner freundlichen Erlaubnis gebe ich den Text hier wieder:

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»Und, über was bloggst du so?«

Die Frage, über was ich blogge, wird mir bei exakt einem sozialen Ereignis gestellt: Wenn die Ironblogger sich treffen. Auch vergangene Woche wieder, mehrfach am Abend. Das Gespräch läuft ungefähr so:

»Und, über was bloggst du so?«
»Ich blogge gar nicht.«
»Hahaha, du bist also zufällig hier und isst einfach auf unsere Kosten mit? Sehr gut!«

Einige Zeit später, meistens dann, wenn das unangenehme Schweigen einsetzt, wird der zweite Versuch gestartet, um das Gespräch aufrechtzuerhalten. Denn meine erste Antwort war ja ganz offensichtlich nur ein Scherz! Bloggt nicht, ist aber auf einem Ironblogger-Treffen. Hahaha, Spaßvogel!

»Jetzt mal ehrlich, über was bloggst du denn jetzt?«
»Ich blogge nicht!«
»???«

Und das macht das unangenehme Schweigen oft noch unangenehmer ? wobei ich das gar nicht schlimm finde, denn wenn man sich beim Blind Date auf einem Ironblogger-Treffen das erste Mal unterhält, hat man vielleicht nicht direkt diesen Zugang zueinander. Da entstehen Gesprächslücken. Gar nicht schlimm.

Dennoch zur Erläuterung: Ich habe wirklich nicht das Gefühl, dass ich blogge. (Ich höre den Chor im Hintergrund: »Wir auch nicht!«) Schon gar nicht über etwas. Und noch weniger so, dass ich benennen könnte, über was genau ich blogge. Stattdessen diszipliniert mich das Ironblogger-Ding einfach dazu, regelmäßig einen Text zu verfassen. Thema offen, Länge offen, Stil offen, Tiefe offen, Zeitpunkt offen, Ergebnis offen. Dieses Blogdings hier, und deshalb heißt es auch so, ist einfach nur der Ort, an dem ich diese Schreibtherapie verfolge; insbesondere, weil ich meine Schreibe bekanntermaßen nicht mag und der Hoffnung bin, dass sich durch die Regelmäßigkeit daran etwas ändert, möglichst zum Besseren. Deshalb: Ich blogge nicht. Ich therapiere hier. Mich.

Davon abgesehen finde ich die Frage als Gesprächseinstieg, zumal auf einem Ironblogger-Treffen, schon so ein bisschen bescheuert. Klar, wir haben alle diese eine Gemeinsamkeit, deshalb sind wir ja vor Ort. Aber man kann doch über das Essen reden oder was man am Tag so erlebt hat oder was jemand sonst so beruflich oder privat macht. Mit diesen Zusatzinformationen geht man anschließend nach Hause und liest im besten Fall das Blogdings der (neuen) Gesprächspartner mit ganz anderen Augen und mit einer neuen inneren Stimme. Darum geht es doch: Den Menschen ein bisschen besser kennenzulernen, dessen Texte man ? ab dann ? regelmäßig liest. Oder auch nicht. Aber wenn das Menschliche passt, ist es auch egal, über was die- oder derjenige bloggt. Und fragen muss ich danach schon gar nicht, ich kann es einfach lesen.

Quelle: http://hinterlektuelles.wordpress.com/2014/10/06/und-uber-was-bloggst-du-so/

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Dem ist meinerseits nicht viel hinzuzufügen. Doch, vielleicht eins noch: Sollte ich erklären, was mich zum Bloggen antreibt, so könnte ich es nicht genau sagen. Klar, die pure Freude am Schreiben, vielleicht auch, wie bei Stefan, gewisse therapeutische Motive. Ich kann nur mit großer Sicherheit sagen, was es nicht ist: das Verlangen nach Klicks und „Likes“, zumal Blog.de sowas gar nicht anbietet; verhallt ein von mir für gelungen gehaltener Text (das kommt vor) ohne jegliche Reaktion im virtuellen Raum, so beugt mich nicht der Gram, mein Kopfkissen bleibt in der Nacht vor Tränen verschont. Na gut, über einen Kommentar freue ich mich schon. Oder wenn jemand, wie auf dem Ironbloggertreffen geschehen, zu mir sagt: „Ich lese dein Blog wirklich gerne.“ Das geht dann runter wie Oktoberfestbier.

Über schiefe Bilder

Neulich war zu vernehmen, dass Peter Maffay einen höheren runden Geburtstag zu feiern wusste, wie hoch genau, erinnere ich mich nicht, siebzig oder achtzig vielleicht, es erscheint mir nicht sehr wichtig, zumal Tonträger Peter Maffays keinerlei raumeinnehmenden Platz in unserem Wohnzimmerregal für sich beanspruchen. Gut, die Single Es war Sommer hätte ich durchaus gerne, Sie wissen schon: „Ich war sechszehn – und sie einunddreißig…“ Woran ich mich jedoch erinnere, ist das althergebrachte und auch in diesem Zusammenhang wieder herangezogene Bild, Herr Maffay sei noch immer „fit wie ein Turnschuh“.

Ob das gut oder schlecht für ihn ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Zunächst stellt sich die Frage: gibt es das überhaupt noch, Turnschuhe? Turnschuhe waren früher das, was man morgens in einen von Mutti selbstgenähten Stoffbeutel packte und mit zur Schule nahm, um darin später zusammen mit den anderen Kindern zu erniedrigenden Ballspielen wie Völkerball oder Turnübungen gezwungen zu werden; noch heute befällt mich beim Anblick von Turnhallen und Sportplätzen ein tiefes Unbehagen, woran sich wohl bis zum hoffentlich noch fernen Ende meiner Tage nichts mehr ändern wird. Auch Turnschuhminister gab es schon, wobei sich deren Kompetenzbereich – so fern dieser Begriff in diesem Zusammenhang angezeigt ist – nicht zwingend auf den Schulsport oder überhaupt irgendeine Art körperlicher Aktivität erstreckte.

Betritt man heute ein Sportfachgeschäft, so trifft man dort auf Sneaker, Lifestyleschuhe (ein Wort zum Grausen) sowie spezielle Schuhe für alle möglichen Arten sportlicher Betätigung: Laufen, Tennis, Fußball, Skateboardfliegen, Basketball, Poolbillard, Schach, Angeln und Halma. Fragte man den jungen, äußerlich durchtrainiert wirkenden Fachverkäufer jedoch nach Turnschuhen, könnte man sich seines mitleidig-irritierten Blickes gewiss sein, eine unschöne Situation für beide Seiten, daher fragt man besser nicht.

Ein Turnschuh, so es ihn also noch gibt, kann alles mögliche sein: alt wie Peter Maffay oder neu wie das iPhone 6. Hell wie eine verbotene 100-Watt-Glühbirne oder dunkel wie der Montagmorgen. Leicht wie Chucks oder schwer wie diese Klumpschuhe, die alberne Jugendliche mit noch viel alberneren Mützen vor einiger Zeit gerne trugen. Mühelos ließen sich zahlreiche weitere Eigenschaftspaare finden, die dem Leser erspart seien. Eines jedoch kann ein Turnschuh mit Sicherheit nicht sein: fit. Ohne dieses Wort im Duden, im Oxford Dictionary oder wo auch immer nachgeschlagen zu haben, bedeutet es in etwa so viel wie gesund, körperlich und geistig aktiv und belastbar, alles in allem Eigenschaften, welche Herrn Maffay zu wünschen sind, die auf einen Schuh zu übertragen indes nur schwerlich in Übereinstimmung mit meinem Vorstellungsvermögen zu bringen sind, was an dessen Eingeschränktheit liegen mag. Körperlich und geistig aktive Fußbekleidung käme mir jedenfalls nicht ins Haus.

Wenn ich lese, Peter Maffay sei „fit wie ein Turnschuh“, so erscheint vor meinem geistigen Auge ein alter, ausgetretener Adidas-Schuh mit Löchern an der Seite und abgelöster Sohle, bei dem die rissige Außenhaut großflächig abblättert und dem ein unangenehmer Geruch entströmt. Wahrlich kein Kompliment.

Journalisten bedienen sich ja gerne altausgetretener, schiefer Bilder. Hat mal wieder ein Sturm gewütet, so ließ er Bäume umknicken „wie Streichhölzer“. Das möchte ich gerne mal sehen: jemand versucht, sich im Angesicht einer Windhose eine Zigarette anzünden, und *knacks* muss er sein Vorhaben auf windstillere Zeit verschieben, weil sein Zündholz durch aufgebrachte Luftbewegung zerbrochen wurde.

Immer wieder hört man Menschen klagen, sie „leiden wie ein Hund“. Diese Klage kann man getrost als Jammern auf höchstem Niveau abtun. Schauen Sie sich die Hunde in Ihrer Umgebung an, leiden die? Im Gegenteil, sie werden verhätschelt wie Blagen und bekommen ein Leckerchen verabreicht, wenn sie ihr Geschäft brav auf dem Gehweg oder in anderer Leute Vorgärten erledigt haben. Die einzigen Hunde, deren Leid ich vorbehaltlos anerkenne, sind Möpse, zum einen weil sie konstuktionsbedingt mit ständigen Atembeschwerden zu kämpfen haben und zum anderen, weil sie so unglaublich scheiße aussehen. Vermutlich bedingt das eine hier das andere: offenbarte mir mein Spiegelbild so ein Mopsgesicht, bliebe mir auch die Luft weg. Möglicherweise entgeht die Rasse nur deshalb dem Schamestod, weil ihre Angehörigen selten ihres Antlitzes angesichtig werden, sind doch die meisten Spiegel weit über Mopsniveau angebracht. Ja, wenn irgendwer Grund zur Klage hat, dann Möpse. Dagegen erscheint fit wie ein Turnschuh als ein vergleichsweise erträgliches Schicksal.

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(Quelle: Welt Kompakt)

Müssen müssen – über die Ästhetik stiller Orte

Die Ästhetik von Toiletten wird in deutschen Feuilletons nur unzureichend gewürdigt, dienen sie doch der Befriedigung eines Bedürfnisses, dem sich auch im einundzwanzigsten Jahrhundert kein Mensch entziehen kann, trotz bisweilen auftretender unangenehmer Begleiterscheinungen wie mangelhafter Handtrocknungsmöglichkeit oder missmutig dreinblickender Damen neben einem Münzteller. Immerhin verbringen wir nicht wenig Lebenszeit mit der Betrachtung von Kacheln, während wir farbige Duftsteine, aufgemalte Fliegen oder kleine Fußballtore bewässern. Gelegentlich dienen Toiletten auch als Rückzugsort zur Linderung weitergehenden zwischenmenschlichen Drängens, was hier jedoch nicht weiter ausgeführt werden soll.

Die nachfolgenden Bilder entstanden gestern Abend im Meyer´s zu Bonn-Poppelsdorf anlässlich des dritten Treffens der Bonner Ironblogger. Einer der eisernen Schreiber ist Christian, der in seinem Blog Fokus Lokus der medialen Vernachlässigung dieser wichtigen Orte ein Ende setzt und dessen Hinweise für die Anfertigung von WC-Bildern hier streng beachtet wurden.

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Parasiten

„Toxoplasma gondii ist ein einzelliger Parasit, dem Katzen als Wirtstiere dienen. Springt er auf Mäuse über, zeigen diese ein seltsames Verhalten, das sie zur leichten Katzenbeute macht. Jetzt gibt es alarmierende Hinweise, dass er auch beim Menschen in das Verhalten eingreift.“

So die Zeitschrift PSYCHOLOGIE HEUTE, Ausgabe September 2014.

Im weiteren Verlauf des Artikels erfährt der Leser, dass Ratten und Mäuse, welche den Katzen aus Gründen der Art- und Gesunderhaltung normalerweise eher reserviert gegenüberstehen, plötzlich Gefallen an deren Ausscheidungen finden, sobald der Parasit Besitz von ihnen ergriffen hat. Die Maus kriecht also, vom Verlangen nach Katzenpisse getrieben, aus dem Loch, und – zack – bekommt sie die bekrallte Pfote zu schmecken. Seien wir dankbar, dass diese Zusammenhänge bei der Schaffung der beliebten Zeichentrickserie Tom & Jerry offenbar noch unbekannt waren.

Man schätzt, jeder dritte Mensch sei mit dem Einzeller infiziert, so die Zeitschrift. Die meisten merken nichts davon, nach bisherigen Erkenntnis stellte die Taxoplamose allenfalls eine echte Gefahr für immungeschwächte oder schwangere Menschen sowie Transplationspatienten dar. Inzwischen wird jedoch vermutet, der Parasit beeinflusse auch das menschliche Gehirn, ähnlich wie bei Ratten und Mäusen, nur dass der infizierte Mensch nicht plötzlich über neue Verwendungsmöglichkeiten des Katzenkloinhaltes nachdenkt. Stattdessen lassen sich wohl Fälle von Schizophrenie, Zwangsneurosen, bipolare Störungen bis hin zu Suizid auf Taxoplamose zurück führen, besonders der Zusammenhang zur Schizophrenie sei gut belegt. *

Dabei erscheint der Zusammenhang mit Zwangsneurosen viel offensichtlicher, diesen Aspekt vernachlässigt der Artikel meines Erachtens in unzulässiger Weise: So ist doch endlich die Ursache gefunden, warum so viele Menschen ihre Hauskatze mit einem Kind verwechseln und sie entsprechend behandeln, warum man als unbeteiligter ständig ein Smartphone mit einem Katzenbild vor die Nase gehalten bekommt und warum das Internet verseucht ist mit Katzenbabyfilmchen.

Eine Impfung gegen Taxoplamose gibt es bislang nicht. Zur Vermeidung einer Infektion empfiehlt das Robert-Koch-Institut, Katzenfleisch vor dem Verzehr gut durchzubraten, den Kontakt zu infizierten Tieren zu meiden und die Nähe zu einschlägig auffälligen Menschen auf das unvermeidlich notwendige Maß zu beschränken.

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* Es liegt mir fern, mich hier am Schicksal Betroffener zu belustigen.

Vom Zauber der seitlichen Dranvorbeischreibens – Herzlichen Glückwunsch, Max Goldt!

Lieber Max Goldt,

am Montagabend erfuhr ich aus der Tageszeitung, dass Sie an ebendiesem Tage Geburtstag hatten. Leider lähmten Müdigkeit und Zeitmangel meine Schreiblust, daher stelle ich mich erst heute in die Reihe der ungehörten Gratulanten an uns rufe „Herzlichen Glückwunsch“!

Für mich gehören Sie zu den ganz großen Schreibern, wobei ich nicht weiß, ob Sie diese Bezeichnung nicht als Beleidigung empfänden, so Sie diese Zeilen lesen würden, was so wahrscheinlich ist wie die Landung einer A 380 in Kassel-Calden. Wie Max Goldt schreibt, schreibt nur Max Goldt, dabei ist es zumeist schwierig, das zentrale Thema eines Textes zu benennen, vielmehr sind Sie ein Meister des Abschweifens, kommen „von Hölzken auf Stöcksken“, wie man so sagt, wo ich wech… – Verzeihung: herkomme.

Ich gestehe: gerne könnte ich so schreiben wie Sie, sehe in Ihnen so etwas wie ein Vorbild. Bevor man mich nun zu recht der lächerlichen Vermessenheit bezichtigt – eine Diesellok von Märklin oder Fleischmann in Baugröße HO *1 hat auch eine entsprechende Lokomotive der Deutschen Bundesbahn zum Vorbild, welche sie, so sie sich zufällig auf demselben Gleis begegneten, mit einem Geräusch zermalmen würde, das maximal an das Knacksen einer versehentlich zertretenen Schnecke erinnerte. Daher bin ich mir meiner eigenen Minitrixhaftigkeit *2 sehr wohl bewusst und finde das auch gar nicht schlimm.

„Wieder so ein untalentiertes Fröschchen, das glaubt, durch ungelenke Wortverschraubungen etwas in die Welt setzen zu müssen, was es für Kunst hält“, mögen Sie vielleicht denken, vielleicht gar einen unfreundlichen – und 220mal *3 treffender formulierten Text dazu verfassen. Das tun Sie natürlich nicht, denn Sie haben weitaus besseres zu tun, zudem, wie oben bereits ausgeführt, landen in Kassel-Calden kaum Flugzeuge. Und doch wäre das mein schönster Lohn.

Lieber Max Goldt, bitte machen Sie weiter, schreiben Sie noch viele Texte, die mir morgens die Stadtbahnfahrt zum Büro wesentlich erträglicher machen!

In ergebener Bewunderung
Ihr Stancer

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*1 HO = Maßstab 1:87 gemäß Norm Europäischer Modelleisenbahnen (NEM), die gibt es wirklich
*2 Minitrix = Spur N = Maßstab 1:160 gemäß NEM
*3 Spur Z = Maßstab 1:220, bekannt als Märklin Miniclub