Vom Zauber der seitlichen Dranvorbeischreibens – Herzlichen Glückwunsch, Max Goldt!

Lieber Max Goldt,

am Montagabend erfuhr ich aus der Tageszeitung, dass Sie an ebendiesem Tage Geburtstag hatten. Leider lähmten Müdigkeit und Zeitmangel meine Schreiblust, daher stelle ich mich erst heute in die Reihe der ungehörten Gratulanten an uns rufe „Herzlichen Glückwunsch“!

Für mich gehören Sie zu den ganz großen Schreibern, wobei ich nicht weiß, ob Sie diese Bezeichnung nicht als Beleidigung empfänden, so Sie diese Zeilen lesen würden, was so wahrscheinlich ist wie die Landung einer A 380 in Kassel-Calden. Wie Max Goldt schreibt, schreibt nur Max Goldt, dabei ist es zumeist schwierig, das zentrale Thema eines Textes zu benennen, vielmehr sind Sie ein Meister des Abschweifens, kommen „von Hölzken auf Stöcksken“, wie man so sagt, wo ich wech… – Verzeihung: herkomme.

Ich gestehe: gerne könnte ich so schreiben wie Sie, sehe in Ihnen so etwas wie ein Vorbild. Bevor man mich nun zu recht der lächerlichen Vermessenheit bezichtigt – eine Diesellok von Märklin oder Fleischmann in Baugröße HO *1 hat auch eine entsprechende Lokomotive der Deutschen Bundesbahn zum Vorbild, welche sie, so sie sich zufällig auf demselben Gleis begegneten, mit einem Geräusch zermalmen würde, das maximal an das Knacksen einer versehentlich zertretenen Schnecke erinnerte. Daher bin ich mir meiner eigenen Minitrixhaftigkeit *2 sehr wohl bewusst und finde das auch gar nicht schlimm.

„Wieder so ein untalentiertes Fröschchen, das glaubt, durch ungelenke Wortverschraubungen etwas in die Welt setzen zu müssen, was es für Kunst hält“, mögen Sie vielleicht denken, vielleicht gar einen unfreundlichen – und 220mal *3 treffender formulierten Text dazu verfassen. Das tun Sie natürlich nicht, denn Sie haben weitaus besseres zu tun, zudem, wie oben bereits ausgeführt, landen in Kassel-Calden kaum Flugzeuge. Und doch wäre das mein schönster Lohn.

Lieber Max Goldt, bitte machen Sie weiter, schreiben Sie noch viele Texte, die mir morgens die Stadtbahnfahrt zum Büro wesentlich erträglicher machen!

In ergebener Bewunderung
Ihr Stancer

——–

*1 HO = Maßstab 1:87 gemäß Norm Europäischer Modelleisenbahnen (NEM), die gibt es wirklich
*2 Minitrix = Spur N = Maßstab 1:160 gemäß NEM
*3 Spur Z = Maßstab 1:220, bekannt als Märklin Miniclub

2 Gedanken zu “Vom Zauber der seitlichen Dranvorbeischreibens – Herzlichen Glückwunsch, Max Goldt!

  1. Herzlichen Glückwunsch!
    Du formulierst treffend die Erfahrung jedes Hobby–Autors, der einem großen Vorbild nacheifert, ohne es jemals erreichen zu können. Allerdings bin ich der Meinung: Anstatt arrogant drüberzubrettern, sollten die Vorbilder eher dankbar sein, dass ihnen dieses Potenzial zuteil wurde und dass es Leser gibt, die von ihren Texten derart angesprochen sind, dass sie versuchen, sie schreibend nachzuahmen.

    Mein Ratschlag an dich wäre: Versuche nicht zu schreiben wie Max Goldt oder Jan Weiler (an den ich nitunter bei dir auch denken musste). Da kannst du eh nur verlieren. Ich habe beim Schreiben mit Martin Walser ebenfalls immer ein großes Vorbild vor Augen. Aber selbst der hat in seiner Anfangsphase wiederum versucht, Kafka zu imitieren, bis er sich emanzipiert hat.

    Ich bin der Meinung, Stancer muss schreiben wie Stancer, und nicht wie Max!

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  2. Vielen Dank!
    Du hast natürlich recht. Ich habe in letzter Zeit viel von Max Goldt gelesen, das färbt wohl etwas ab. Werde mich bemühen, künftig wieder etwas weniger verschwurbelt zu schreiben. Einfach wird das nicht, denn es macht riesigen Spaß!

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