Abgeschrieben: Über Trolle

Der Bonner General-Anzeiger brachte heute auf Seite 1 einen wunderbaren Artikel über Internet-Trolle. Besonders schön ist der letzte Absatz.

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Trolle im Netz: Psychopathen und Sadisten

Von Delphine Sachsenröder

Der Troll von heute tapert nicht durch den Märchenwald, sondern treibt sein Unwesen im Internet. Längst haben übellaunige Computerfreaks den zotteligen Fabelwesen den Rang abgelaufen. Online-Trolle provozieren im Schatten der Anonymität mit Vorliebe Streit in Internet-Foren und nutzen Kommentar-Funktionen, um ihre giftigen Beiträge abzusondern. Sie freuen sich besonders, wenn ihnen arglose Nutzer auf den Leim gehen und ernsthaft antworten. Kurzum: Die Trolle sind wie schon im Märchen ein Ärgernis für die friedfertige Mehrheit der Menschen.

Kein Wunder, dass Forscher an kanadischen Universitäten jetzt herausgefunden haben, dass bei Internet-Trollen düstere Persönlichkeitsmerkmale besonders weit verbreitet sind. Unter den Trollen befänden sich überdurchschnittlich viele Sadisten, Narzissten und Psychopathen. Den Online-Störenfrieden fehle Empathie, so das Ergebnis einer Befragung von rund 1250 Internetnutzern. Sie ergötzten sich daran, Menschen im Netz zu manipulieren und ihnen zu schaden. Knapp sechs Prozent der Befragten gaben an, im Internet zu „trollen“. Vor allem unter den Computerfreaks, die besonders viel Zeit vor dem Bildschirm verbringen, fänden sich viele der Netz-Nervensägen mit sadistischer Ader. Gruselig.

Es bleibt die Frage, welchen Internet-Unsitten die Forscher sich als nächstes widmen könnten. Schließlich bietet die Online-Welt zahlreiche psychologisch auffällige Phänomene: Wer leitet seinen Freunden Kettenbriefe weiter? Ist eine Krankheit schuld daran, wenn Menschen über Facebook detailliert über ihren Fernsehabend oder das Mittagessen berichten? Welche Störung führt dazu, der Umwelt ungefragt seinen Punktestand bei seltsamen Online-Spielen mitzuteilen?

Hellaaf und Alau

Zum Karneval habe ich ein gespaltenes Verhältnis, was wohl in erster Linie in meinen ostwestfälischen Wurzeln begründet ist. Wobei auch wir Karneval feierten – im Kindergarten, in der Schule, natürlich mit Kostüm: als Pinguin, Seemann oder Eisenbahner. Karneval in Bielefeld war für mich in erster Linie der Rosenmontag; Weiberfastnacht (*1, Straßenkarneval und Sitzungen kannte ich nur aus dem Fernsehen. Mit Beginn des Berufslebens war es auch damit vorbei, der Rosenmontag war ein normaler Arbeitstag, und was darüber hinaus andere Jecken trieben, nahm ich entweder mit einem gewissen Befremden oder gar nicht zur Kenntnis.

Das änderte sich, nachdem ich nach Bonn gezogen war – hier im Rheinland konnte und kann man dem Karneval kaum entkommen, was für den gebürtigen Ostwestfalen zumindest gewöhnungsbedürftig ist: ab dem 11.11. begegnen einem immer wieder bunt uniformierte und kostümierte Menschen auf der Straße, aus einschlägigen Kneipen tönt jecke Musik, et Trömmelsche jeht hier und da. Der Höhepunkt des Wahnsinns dann in den Tagen ab Weiberfastnacht, wo auch im Büro nichts mehr läuft, jedenfalls nichts, was mit dem Kerngeschäft des Unternehmens zu tun hat, Rosenmontag oft regulär arbeitsfrei, ab Dienstag normalisiert sich die Lage langsam, und am Aschermittwoch ist alles vorbei. Dann fasten sie plötzlich.

Anfangs stand ich ratlos davor und fragte mich: was soll der Quatsch? Mich zu verkleiden empfand ich als ziemlich albern (*2, und kalendarisch verordneter Frohsinn erschien mir unecht, nicht ehrlich. Doch mittlerweile habe ich mich mit den rheinischen Gewohnheiten ganz gut arrangiert: Zu Weiberfastnacht krame ich ein paar Sachen aus dem Schrank, die ich sonst nicht im Büro tragen würde, eine Fliege, eine Weste, eine Mütze gehen immer, mit Schminke und Perücken habe ich hingegen so meine Schwierigkeiten, aber das kommt sicher noch. Ab zehn Uhr fällt der Stift, dann trifft man sich bei Bier und Berlinern mit den Kollegen des Geschäftsbereichs, später schaut man beim Marketingbereich vorbei, der traditionell gut feiern kann, schließlich runter in den Keller zur offiziellen Party, Leute treffen, quatschen, lachen, tanzen, singen und Kölsch trinken, bis nichts mehr reingeht.

Dieses Jahr habe ich es richtig lange ausgehalten. Während mir in anderen Jahren schon gegen 18 Uhr die Lichter ausgingen, hielt ich dieses Mal durch bis fast zum offiziellen Schluss kurz nach 21 Uhr. Dem kollegialen Ansinnen, jetzt noch durch die Kneipen zu ziehen, konnte ich mich zum Glück entziehen, vermutlich hätte ich es nicht überlebt; es ist auch so schon jedes Jahr eine erhebliche Herausforderung, unfallfrei mit der Stadtbahn nach Hause und schließlich ins Bett zu kommen. Freitag hatte ich frei, das ist sehr wichtig. Gegen 17 Uhr konnte ich endlich das Bett verlassen und die Aufnahme fester Nahrung versuchen, die Einnahme alkoholischer Getränke verbot sich hingegen, allein der Gedanke daran erregte Übelkeit.

Das ging erst Samstagabend wieder einigermaßen, als der Liebste darauf drängte, eine Runde durch die Altstadt zu machen. Angeblich hatte ich nach meiner Rückkehr am Donnerstagabend eine entsprechende Zusage gemacht, was ich mir einerseits nicht vorstellen, andererseits nicht restlos widerlegen konnte. Also nochmals, etwas widerwillig, die Fliege angelegt und die Mütze aufgesetzt. Wir begannen im Painless, wo das erste Kilkenny noch so gar nicht ablaufen wollte, setzten die Runde fort durch die UnFassBar, das Lichtblick, das Billabonn (wo es mir entschieden zu voll war), das Pawlow, wo man erfreulicherweise zu wirklich jeder Jahreszeit auch draußen sein Bier zu sich nehmen kann, außer vielleicht bei Windstärke ab zehn, Hagelschlag ab Taubeneigröße und Erdbeben ab Stärke sechs, schließlich noch einmal in die UnFassBar und ins Painless; inzwischen lief das Bier auch wieder ganz gut ab. Dennoch war ich froh, als wir wieder zu Hause waren und des Bettuches Wärme meinen geschundenen Körper umspielte.

Der Liebste, obgleich wie ich in Ostwestfalen aufgewachsen, hat ein gänzlich anderes Verhältnis zum Karneval – er liebt ihn. Er wurde in Bayern geboren und im Alter von zwei Jahren in des Kreises Lippe herbe Höhen umgesiedelt, vom geografisch-zeitlichen Mittelwert her möglicherweise direkt mit der Domplatte gleichzusetzen. Wenigstens ist er nicht der katholisch-absurden Idee des anschließenden Fastens zugeneigt.

Hier nun die Version 1 des Textes, wie ich ihn gestern vorbereitet habe in der Annahme, ihn heute genau so nach der Arbeit zu veröffentlichen:

Der Rosenmontag ist schon lange kein per se arbeitsfreier Tag mehr bei uns, daher war ich heute im Büro. Zwar führt der Bonner Zoch fast vor unserer Haustür lang, aber den erspare ich mir. In Gedrängel und Kälte zu stehen ist nicht so meins, spätestens nach dem zehnten Wagen empfinde ich es als langweilig, und das Bier will angesichts des folgenden Arbeitstags auch nicht so richtig schmecken. Der Liebste hingegen ist mitten dabei, erst Zoch, dann Straße und Kneipen. Und nun entschuldigen Sie mich bitte, ich muss mal nach ihm schauen gehen, nicht dass er unter die Räder gerät.

Und hier die Version 2, wie es wirklich war:

Der Rosenmontag ist schon lange kein per se arbeitsfreier Tag mehr bei uns, daher war ich heute im Büro. Zwar führt der Bonner Zoch fast vor unserer Haustür lang, aber den erspare ich mir. In Gedrängel und Kälte zu stehen ist nicht so meins, spätestens nach dem zehnten Wagen empfinde ich es als langweilig, und das Bier will angesichts des folgenden Arbeitstags auch nicht so richtig schmecken. Gegen 16 Uhr jedoch erreichte mich im Büro eine SMS des Liebsten: „Der H. ist auch da. Komm rüber.“ H. ist der Bruder unseres Nachbarn, ein sehr sympathischer Mensch, mit dem wir in Frankreich schon so manches Weinglas leerten. Also fuhr ich den Rechner runter und machte mich auf. Schnell umgezogen, einen Hut aufgesetzt und auf in die Breite Straße, wo der Zoch gerade durch war und das närrische Leben vor dem UnFassBar tobte. Es war zwar nicht ganz einfach, stundenlangen Feiervorsprung aufzuholen, aber nach ein paar Kölsch ging es. Und ja, es war richtig nett. Während ich diese Zeilen schreibe, liegt der Liebste bereits im Kölschkoma, kaum zu glauben, ich habe es länger ausgehalten. Und die Party ist noch lange nicht zu Ende.

Langsam, ganz langsam beginne ich, zu verstehen.

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*1) Das stimmt nicht ganz: In einigen ostwestfälischen Orten, wie zum Beispiel Schloß Holte-Stukenbrock, geht zu Weiberfastnacht richtig die Post ab.

*2) Auch das stimmt nicht ganz: Bei der Dampfkleinbahn und auf der Bühne verkleide ich mich gerne und bereitwillig, und ist nicht der Anzug im Büro auch eine Verkleidung?

Floskelunrat die 9.

Sprache entwickelt sich laufend weiter – nicht immer zum Guten, wie die nachfolgende Liste belegen soll. Seit der letzten Aktualisierung sind wieder einige neue und nicht ganz so neue Beispiele aus Besprechungen, Telefonkonferenzen und dem täglichen Wahnsinn auf meinem Zettelchen gelandet, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Die Neuzugänge finden Sie ab der laufenden Nummer 204.

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1.) „Okay…“ mit anhebender Stimmmodulation auf der zweiten Silbe. Mein absoluter Spitzenreiter.
1a) „Okodoki“ – die kleine, nicht minder schlimme Schwester von 1.)
2.) „Gesundheit!“ Verdammt, lasst mich doch einfach in Ruhe niesen!
3.) „Geht das zusammen oder getrennt?“
4.) „nicht wirklich“
5.) „Wir müssen die Leute mit ins Boot holen“
6.) „Wir müssen die Leute abholen“
7.) „Da bin ich ganz bei dir/Ihnen“
8.) Ganz neu und ganz schlimm: „Da bin ich fine mit“ (oder „fein“?)
9.) „Gerne!“ als Antwort auf „Danke“
10.) der Klassiker: „Mahlzeit!“
11.) „Da sind wir gut unterwegs“
12.) „Da sind wir gut aufgestellt“
13.) „Kein Thema!“
14.) „Herausforderung“ statt einfach „Problem“…
15.) „Hallo…??“ statt „Hä?“ (was zugegebenermaßen auch nicht schöner ist)
16.) „Ich freue mich auf…“ im Zusammenhang mit geschäftlichen Terminen/Angelegenheiten/was auch immer. Das glaubt ihr doch selbst nicht!
17.) „So was von [beliebiges Adjektiv|“
18.) „Ich sag mal…“
19.) „Na Urlauber…?“ am ersten Tag nach dem Urlaub. Als wenn es nicht so schon schlimm genug wäre, wieder arbeiten zu müssen!
20.) „Das geht g a r nicht!“ Wirklich nicht.
21.) „Wie [beliebiges Adjektiv, zumeist jedoch ‚geil‘] ist d a s denn??“
22.) „Am Ende des Tages…“
23.) „Das macht Sinn“
24.) „Super-GAU“, genau so unsinnig wie „das einzigste“
25.) „Quantensprung“. Ich nehme an, 95% derjenigen, die das Wort benutzen, kennen dessen eigentliche Bedeutung nicht.
26.) „mit Migrationshintergrund“ trieft nur so vor politischer Korrektheit.
27.) „Du, damit habe ich kein Problem.“ Da schwingt stets genau das Gegenteil mit.
28.) „wünsche … gehabt zu haben!“
29.) „Wer mich kennt, weiß, dass ich [blablabla]…“ Gerne von Vorständen und ähnlich „wichtigen“ Personen genutzt
30.) „Da müssen wir jetzt Gas geben“
31.) „Das habe ich auf dem Schirm“
32.) „spannend“ im Zusammenhang mit irgendwelchen halbwichtigen geschäftlichen Angelegenheiten
33.) „Ich bin im Moment lost“
34.) „An der Stelle…“ als Füllfloskel
35.) „Und äh…“ als Satzeinleitung, vor allem, wenn danach sekundenlang nichts mehr kommt
36.) „Dafür nicht“ als Antwort auf Danke
37.) „sexy“ in geschäftlichen und somit völlig unerotischen Zusammenhängen, typische Marketingfloskel“
38.) „Die Kuh vom Eis holen“ (eine Kollegin sagte letzte Woche: „Die Crux vom Eis“. Herrlich!)
39.) „Ins offene Messer laufen“
40.) „Im Tal der Tränen“
41.) „Da müssen wir Geld in die Hand nehmen“
42.) „Das Projekt auf die Straße bringen“
42a) „Die PS auf die Straße bringen“
43.) „Auf Augenhöhe diskutieren“
44.) „Erdrutschartiger Sieg“
45.) „Ein Schluck aus der Pulle“
46.) „Geld in die Kassen spülen“
47.) „Lohnenswert“ – dieselbe Wortfamilie wie „das einzigste“
48.) „Yummie“ – heißt wohl so viel wie lecker, was bei genauer Betrachtung nicht viel besser ist.
49.) „Zeitfenster“
50.) „Otto Normalverbraucher“
51.) „Spaß beiseite“
52.) „Da bin ich leidenschaftslos“ und
53.) „Da bin ich schmerzfrei“
54.) „wtf“ = „What the fuck“. Gerne auf Twitter genutzt, ebenso wie
55.) „#fail“ – ja, mangelhaft!
56.) „Nennen Sie mal eine Hausnummer“ an Stelle von „was kostet das“. Einzig passende Antwort: „19b, Hinterhaus“.
57.) „Das ist mit mir nicht zu machen.“
58.) „Wir müssen jetzt unsere Hausaufgaben machen.“
59.) „Ich mache mal den Vorsitz“ – beliebter Scherz, wenn nur noch ein Platz an der Stirnseite frei ist
60.) „… bis der Arzt kommt“
61.) „Da krieg‘ isch so’n Hals!“
62.) „Das haben wir ihnen ins Stammbuch geschrieben.“
63.) „Das stimmen wir bilateral ab.“
64.) „eine undurchsichtige Gemengelage“
65.) „[beliebiges Substantiv] wird bei uns groß geschrieben.“ Nicht nur bei euch.
66.) „Roundabout“ klingt ungefähr scheiße.
67.) „Er/sie erfindet sich immer wieder neu.“
68.) „Das meint“ – meint „das bedeutet“ zu bedeuten, tut es aber nicht.
69.) „Ich speichere mal aus“ – klingt nach mentalem Stuhlgang.
70.) „Wer hat da den Hut auf?“
71.) „Ich sehe das mehr durch die […]-Brille.“
72.) „Das ist kein Showstopper.“ – nein, eher verbales Brechmittel.
73.) „Da werden Pflöcke gesetzt“
74.) „Das werfen wir denen (= andere Abteilung etc.) über den Zaun“
75.) „Wir könne hier nicht auf der grünen Wiese planen“
76.) „Das ist Brot und Butter“ – mir vergeht dabei der Appetit.
77.) „Wer sind hier die Player?“ – geht spielen.
78.) „Das haben wir im Scope.“
79.) „Lach doch mal!“
80.) „Topic overflow“ – was mag es bedeuten? Für Hinweise wäre ich dankbar.
81.) „Wir müssen die Anforderung aufbohren.“
82.) „Wir müssen hier ja nicht das Rad neu erfinden.“
83.) „Ich schicke Ihnen mal einen Draft.“
84.) „Wir müssen darauf achten, dass das absolut wasserdicht ist“. – Hauptsache ihr seid ganz dicht…
85.) „Da können wir Honig saugen.“
86.) „nullachtfuffzehn“
87.) „Wenn wir dieses Fass jetzt aufmachen…“
88.) „Das ist kein Hexenwerk“
89.) „Umgekehrt wird ein Schuh draus.“
90.) „Haben wir dafür schon das Go?“ – Geht mir weg!
91.) „Da bekommen wir ein Thema.“
92.) „Ich forwarde Ihnen das mal eben.“
93.) „Da sehe ich uns im Lead.“
94.) „Der Prozess wird noch nicht gelebt.“
95.) „Da muss ich mich erst mal aufschlauen.“
96.) „Das ist so 1990 [oder sonstiges beliebiges Jahr]“
97.) „Wir sind not amused“ – in der Tat wenig amüsant
98.) „Wie ist das gesettet?“
99.) „Leg dich wieder hin“ am Ende eines Telefonats – ein Klassiker
100.) „Wir brauchen da eine gute Storyline.“
101.) „Ein absolutes No Go!“ – geht wirklich nicht.
102.) „Ein absolutes Must Have!“ – also ich muss das nicht haben.
103.) „Das ist doch eher ein Nice To Have.“ – s. Nr. 102
104.) „Wir sollten dazu eine kurze TelKo machen.“
105.) „Wir sind hier doch nicht bei Wünsch dir was!“
106.) „Kannst du mich dazu kurz briefen / debriefen?“
107.) „Sind Sie morgen früh im Office?“
108.) „O-Saft“, „A-Saft“
109.) „Das ist kein Dealbreaker“. Klingt trotzdem zum kotzen.
110.) „Darauf haben wir uns committed.“
111.) „Sie können mich jederzeit anrufen.“ Ebenso verlogen wie
112.) „Für Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.“
113.) „Wir sollten das nicht mit der Gießkanne verteilen.“
114.) „Das ist alles in trockenen Tüchern.“ Neulich auch gehört: „… in grünen Tüchern.“
115.) „Wir können da noch Synergien heben.“
116.) „Wir sollten das zeitnah erledigen.“
117.) „Wir sollen uns nächste Woche noch mal zusammentelefonieren.“
118.) „Wir phonen morgen.“ Oder „fonen“? Der Duden kennt beides (noch) nicht.
119.) „Mailen Sie mir einfach einen Zweizeiler.“
120.) „Ich schick Ihnen das mal kommentarlos zu.“
121.) „Da müssen wir wohl eine Sonderlocke drehen.“
122.) „Wir müssen das proaktiv kommunizieren.“
123.) „Nachhaltige Maßnahmen“
124.) „Wir müssen das frühzeitig eskalieren“
125.) „Tschö mit Ö“ – wie blöd!
126.) „Ganzheitliche Betrachtung“
127.) „Sounding Board“ – Ja, hat irgendwas mit viel überflüssigem Geräusch zu tun.
128.) „Das ist nicht in Stein gemeißelt“
129.) „Haben wir das auf der Agenda?“
130.) „an“ anstelle von „mit“, häufig in scheinbar gehobener Gastronomie. Beispiel: „Currywurst an Pommes“
131.) „Forecast“
132.) „Den Ball zuspielen“
133.) „Ich mache da noch ’ne QS drüber“
134.) „Handlungsfelder erkennen“
135.) „zum gegenwärtigen Zeitpunkt“ – achtsilbiges Wortschaumgebäck für „jetzt“ (1 Silbe)
136.) „zu keiner Zeit“ – viersilbiges Wortschaumgebäck für „nie“
137.) „auf Kante genäht“
138.) „exorbitant“
139.) „Was sind unsere lessons learned?“
140.) „Pros & Cons“
141.) „Da ist noch Spielraum nach oben“ – höfliche Umschreibung von „ziemlich scheiße gelaufen“
142.) „einen Workaround definieren“
143.) „erstmal die Füße stillhalten“
144.) „Das System läuft performant.“
145.) „Das wären ein neues Feature“
146.) „Trouble shooting“
147.) „Die Timeline ist sportlich.“
148.) „Das müssen wir noch mal festklopfen.“
149.) „Das ist keine Rocket Science.“
150.) „Sonst fällt uns das auf die Füße.“
151.) „Das ist ein ganz normaler Vorgang.“ – Umschreibung für: „Wir wissen, dass wir Mist gebaut haben, können das aber nicht zugeben.“
152.) „Das ist eine Blaupause.“
153.) „Nicht, dass daraus ein Flächenbrand entsteht.“
154.) „Da haben wir ein Gap.“
155.) „An welcher Stelle ist das Bottleneck?“
156.) „Das habe ich schon eingetütet.“
157.) „Das machen wir on the fly“.
158.) „Das habe ich schon angetriggert.“
159.) „Kann man das später umswitchen?“
160.) „Wir werden das ergebnisoffen diskutieren.“ – uns von unserer Meinung jedoch nicht abbringen lassen.
161.) „Lösungsorientierter Ansatz“ – ja was denn sonst?
162.) „Walkthrough“
163.) „Ich habe heute einen harten Anschlag.“ – eher einen Knall.
164.) „Wir wollen kein Fingerpointing betreiben.“ Doch, genau darum geht es meistens, um nichts anderes!
165.) „Was macht das mit dir?“ – Es kotzt mich an.
166.) „Wir müssen das von allen Seiten beleuchten.“
167.) „Da müssen wir noch mal gegentreten.“
168.) „Guter Hinweis!“ – Kurzform für „Sie sind wohl ein ganz schlauer, was?“
169.) „Wir fahren hier auf Sicht.“ – heißt: Wir haben keine Ahnung, was wir hier tun.
170.) „Das lief völlig geräuschlos.“
171.) „Können wir das umshiften?“
172.) „Das haben wir uns auf die Fahne geschrieben.“
173.) „Ich habe das in den Stiel gestoßen.“ – klingt irgendwie unzüchtig bis schmerzhaft.
174.) „Wann ist das Kick-Off?“
175.) „Das machen wir hands on.“
176.) „Was sind die quick wins?“
177.) „Das ist so Mainstream“
178.) „Das ist so old school“
179.) „Was sind dabei die painpoints?“ – das tut weh.
180.) „Das Projekt ist ongoing.“
181.) „Wie sind wir da gestafft?“
182.) „Operation am offenen Herzen“
183.) „Wir müssen die Kuh zum fliegen bringen“ – eher eine Fehlfloskel, aber witzige Vorstellung
184.) „Ehrlicherweise“ – also war alles bisherige gelogen oder was?
185.) „Das ist nicht skalierter“
186.) „No show“ – bleibt mir weg damit
187.) „Townhall Meeting“
188.) „Welchen Ampelstatus hat das Projekt?“
189.) „genau“ als Füllwort / Satzüberleitung ohne vorangegangene Frage
190.) „Ich habe das auf dem Radar.“ – klingt nach geistigem Blindflug
191.) „… und Co“ statt „und so weiter“
192.) „Einen Tod müssen wir sterben“
193.) „Das ist ’ne Menge Holz“
194.) „Da müssen wir ziemlich dicke Bretter bohren“ – ja, die vor dem Kopf zuerst.
195.) „Wir haben den nächsten Meilenstein erreicht“
196.) „Ich nehme das mal mit.“
197.) „Sie müssen das ganz neu denken!“
198.) „Schaun mer mal“ – in keiner Weise kaiserlich
199.) „Passt schon“
200.) „Eine rote Linie ist überschritten“
201.) „Wie man auf neudeutsch sagt“ – darauf folgt garantiert kein deutsches Wort.
202.) „Wir groß ist das Delta?“
203.) „Das quantifizieren wir per Augenintegral“
Neu:
204.) „Da haben wir kein Issue.“
205.) „Ich habe morgen noch einen Slot frei.“
206.) „Der Drops ist gelutscht.“
207.) „Das ist work in progress.“
208.) „Können Sie mich morgen kurz anteasern?“
209.) „Da müssen Sie Ihre volle Leistung abrufen!“
210.) „Können wir uns da mal synchronisieren?“
211.) „Haken dran.“
212.) „So viel wie nötig, so wenig wie möglich.“
213.) „Diese Lösung ist convenienter.“
214.) „Das ist hier der Enabler.“
215.) „Alles gut?“
216.) „aka“, auch bekannt als ‚alias‘
217.) „Der Prozess ist etwas sonderlockig.“
218.) „Ist das all over gelevelt.“
219.) „Wann ist die Deadline?“
220.) „Unsere Mitarbeiter sind unser Aushängeschild.“
221.) „All Hands Meeting“
222.) „Dieses Internet(z)“
223.) „Was ist da unser Zeithorizont?“
224.) „Wie händeln wir das?“
225.) „Du bekommst da noch Input von mir.“

Wie immer gilt: die Liste wird ongoing upgedatet, über weiteren Input würde ich mich sehr freuen.

Blinde Gewalt

Ich bin ein von Natur aus friedliebender Mensch, durch und durch Pazifist, jede Art von Gewaltanwendung, erst recht militärischer Art, lehne ich ab. Daher ist die Abschaffung der Wehrpflicht ausdrücklich zu loben, jener antiquierten Befugnis des Staates, junge Männer für sechs bis achtzehn Monate dazu zu zwingen, ihre Hirnfunktionen weitgehend herunterzufahren, auf dass sie lernen, eine Waffe gegen Kollegen anderer Nationen zu erheben. Dass wir uns immer noch eine Bundeswehr leisten, empfinde ich als zutiefst absurd, stattdessen könnten wir viel Geld wesentlich sinnvoller ausgeben, zum Beispiel für beheizte Bürgersteige, Busse und Straßenbahnen ohne mit Reklame zugeklebte Fenster oder Freibier. Aber nein, nun sollen die Soldaten und -innen – mittlerweile dürfen ja auch Frauen mitspielen, warum auch nicht – nach Ansicht der beliebten Leyendarstellerin und einiger anderer mehr oder weniger maßgeblicher Personen noch mehr Fernreisen in fremde Länder machen. ‚Engagement‘ heißt das dann, klingt doch das K-Wort so unerfreulich.

Szenenwechsel.

An einem Samstag kurz vor Weihnachten vor zwei Jahren fuhren wir, der Liebste und ich, ins französische Metz zur Erledigung notwendiger Einkäufe. Als wir zu unserem Parkplatz zurück kehrten, fanden wir ihn leer vor. Jedoch hatte sich nicht kriminelle Energie unseres Fahrzeuges bemächtigt, sondern der staatlichen Ordnung dienende Hand. Wir hatten nämlich, und das sahen wir erst jetzt, auf einem Behindertenparkplatz geparkt, unschwer auch für das ungeübte Auge erkennbar durch eine entsprechende Bodenmarkierung und zusätzlich ein großes Schild mit einem Symbol, welches zu interpretieren man keinerlei französischer Sprachkenntnisse bedurfte. Gegen ein erstaunlich geringes Entgelt konnten wir unser Auto schließlich in graulich dämmernder Vorstadt entgegennehmen, einerseits froh, den Sammelplatz noch in letzter Minute erreicht zu haben, der Parkplatzwächter schloss gerade das Tor ab und hatte Feierabend (was ihm, nachdem er das Tor wieder geöffnet hatte, noch mal zwanzig Euro Trinkgeld einbrachte), andererseits wütend, nicht auf die Staatsgewalt, welche nur getan hatte, was jeder normal denkende Bürger erwartete und wofür er Steuern zahlte, sondern über unsere eigene, durch nichts zu entschuldigende Blindheit.

Szenenwechsel.

Am vergangenen Donnerstag parkte des Abends ein Auto vor unserer Einfahrt, also nicht so ein bisschen mit dem Heck, wie sonst schon mal, sondern so richtig, mitten davor. Nach empörtem Anruf bei der Staatsmacht schickte diese etwa zwei Stunden später zwei Mitarbeiter des Ordnungsamtes, welche zwar ein Zettelchen unter den Scheibenwischer klemmten, sich jedoch außer Stande sahen, den Wagen abschleppen zu lassen, es sei denn, jemand hätte in dringender Angelegenheit rausfahren müssen, was glaubhaft zu machen jedoch schwer fiel, denn unser Wagen war ja bereits draußen und sollte – im Gegenteil – rein.

Das sind diese Momente, in denen mir Worte einfallen, die einen mittelalterlichen Fäkalienkutscher errötend aufhorchen ließen, Momente übler Gewaltfantasien: Der von Blind- und unfassbarer Blödheit besessene Fahrer des Wagens empfängt, nackt an das Tor unserer Einfahrt gekettet, von jedem Bewohner unserer Hausgemeinschaft einen kräftigen Tritt in den Arsch, seine heiseren Schreie verhallen in der Nacht, derweil der Feuerschein seines brennenden Fahrzeugs die Szene flackernd beleuchtet.

Liebes Internet…

… wir müssen reden. Wie ich las, schrieb dir ein türkischer Blogger einen bewegenden Abschiedsbrief, weil Freund Erdogan sein Gesetz durchgesetzt hat, mit dem er dich an die Kette legen will. Das ist ohne wenn und aber inakzeptabel. Also Erdogans Erlass, nicht der Blogbrief. Nun will ich auf die türkischen Zensurbestrebungen gar nicht weiter eingehen, das haben andere, die das viel besser können, längst getan. Aber die Idee, dir einen Brief zu schreiben, gefällt mir.

Ich war schon reich an Jahren, über dreißig, als du per fiependem Modem in meine Stube und mein Leben tratest, vielleicht ist unser Verhältnis deshalb stets etwas distanziert geblieben. Dabei war auch ich beeindruckt von den Möglichkeiten, die sich mit dir plötzlich auftaten, von der Routenplanung über nicht ganz jugendfreie Naturbilder und -filme bis hin zur Kontaktaufnahme zu bekannten oder fremden Menschen, sei es zum Schwätzen, zum Austausch über bestimmte Themen oder von Körperflüssigkeiten.

Du hast uns Menschen heute fest im Griff – wir gehen für dich auf die Straße, siehe Türkei, und mit dir sowieso, den Blick stets auf unser Modag* gesenkt. Demnächst nicht mal mehr das, weil wir diese modisch zweifelhafte Google-Brille tragen, irgendwann auch das nicht mehr, dann tragen alle einen kleinen Chip im Kopf. Und wir empören uns weiterhin über die NSA und ähnliche große Brüder, derweil wir jeden unserer unbedeutenden Fürze auf Facebook ‚posten‘ (wie ich dieses Wort hasse…)

Weißt du was, liebes Internet? Nimm es mir nicht übel, aber du nervst. Denn das alles gibst du mir ja nicht umsonst, sondern frisst dafür etwas sehr kostbares: meine Zeit. Wie viele Stunden habe ich schon damit verbracht, Profile auf Paarungsportalen zu studieren, rein interessehalber, versteht sich („Spinner und Faker könne sich das Anschreiben sparen“), dumme oder unverschämte Kommentare unter Forumsbeiträgen zu lesen, mich im Linkgestrüpp diverser Blogartikel zu verheddern, unverlangt zugeschickte Youtube-Filmchen anzuschauen, obwohl sie mich nicht interessierten, meine Twitter-Timeline nachzulesen und mir selbst halbwitzige Textchen auszudenken; Facebook indes kann ich hier nichts vorwerfen: das finde ich seit jeher so langweilig, dass ich es dort für gewöhnlich keine zwei Minuten lang aushalte.

Es reicht. Ich will das nicht mehr. Na ja, so ganz ohne dich geht es nicht, dazu bin auch ich schon zu abhängig von dir, und du hast ja auch ohne Zweifel deine guten, nützlichen Seiten. So erhalte ich die Tageszeitung über dich, was der Welt einen kleinen Berg Altpapier erspart; wenn ich was wissen will, frage ich Wikipedia oder Google; und so einige liebgewonnene Blogs möchte ich nicht mehr missen. Aber es muss auch wieder ohne dich gehen, wenigstens stundenweise, vielleicht auch mal ein paar Tage. Das heißt: alle Benachrichtigungen auf dem iPhone deaktivieren und es weglegen, oder einfach mal ausschalten. Und dann: mit dem Liebsten einen Film im Fernsehen schauen, ein Buch lesen, einen Spaziergang machen, ohne zwischendurch immer wieder auf dieses Ding zu schauen. Oder einen Blogtext schreiben. Davon kann und möchte ich auch nicht ablassen.

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*Mobiles Datenendgerät