Abgeschrieben: Über Trolle

Der Bonner General-Anzeiger brachte heute auf Seite 1 einen wunderbaren Artikel über Internet-Trolle. Besonders schön ist der letzte Absatz.

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Trolle im Netz: Psychopathen und Sadisten

Von Delphine Sachsenröder

Der Troll von heute tapert nicht durch den Märchenwald, sondern treibt sein Unwesen im Internet. Längst haben übellaunige Computerfreaks den zotteligen Fabelwesen den Rang abgelaufen. Online-Trolle provozieren im Schatten der Anonymität mit Vorliebe Streit in Internet-Foren und nutzen Kommentar-Funktionen, um ihre giftigen Beiträge abzusondern. Sie freuen sich besonders, wenn ihnen arglose Nutzer auf den Leim gehen und ernsthaft antworten. Kurzum: Die Trolle sind wie schon im Märchen ein Ärgernis für die friedfertige Mehrheit der Menschen.

Kein Wunder, dass Forscher an kanadischen Universitäten jetzt herausgefunden haben, dass bei Internet-Trollen düstere Persönlichkeitsmerkmale besonders weit verbreitet sind. Unter den Trollen befänden sich überdurchschnittlich viele Sadisten, Narzissten und Psychopathen. Den Online-Störenfrieden fehle Empathie, so das Ergebnis einer Befragung von rund 1250 Internetnutzern. Sie ergötzten sich daran, Menschen im Netz zu manipulieren und ihnen zu schaden. Knapp sechs Prozent der Befragten gaben an, im Internet zu „trollen“. Vor allem unter den Computerfreaks, die besonders viel Zeit vor dem Bildschirm verbringen, fänden sich viele der Netz-Nervensägen mit sadistischer Ader. Gruselig.

Es bleibt die Frage, welchen Internet-Unsitten die Forscher sich als nächstes widmen könnten. Schließlich bietet die Online-Welt zahlreiche psychologisch auffällige Phänomene: Wer leitet seinen Freunden Kettenbriefe weiter? Ist eine Krankheit schuld daran, wenn Menschen über Facebook detailliert über ihren Fernsehabend oder das Mittagessen berichten? Welche Störung führt dazu, der Umwelt ungefragt seinen Punktestand bei seltsamen Online-Spielen mitzuteilen?