Weltuntergang

Wie aus Mayakreisen verlautet, wird am 21. Dezember dieses Jahres die Welt untergehen. Gewiss, bislang hat sich die Welt über derartige Ankündigungen hinweggesetzt und sich einfach weiter gedreht, etwa am 31. Dezember 999 (Papst Silvester zwo), 1. Februar 1524 (diverse Astronomen), 22. April 1959 (Sekte der Davidaner), 31. Dezember 1999 (Joseph Kibweteere); auch diverse Ankündigungen der allseits beliebten Zeugen Jehovas konnten unserer Erde bislang wenig anhaben.

Kleinere Weltuntergänge mit nur marginalen Auswirkungen auf das Gesamtgefüge hat es bis in die jüngste Vergangenheit immer wieder gegeben, zum Beispiel der Abstieg des 1. FC Köln in die zweite Bundesliga (Anm. d. Verf.: Ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas mal schreiben würde), für Thomas Gottschalk nach Absetzen seiner Talkshow in der ARD, und für die FDP, die an ihrem Untergang gerade fleißig arbeitet, wobei nicht klar ist, ob sie es noch vor dem 21. Dezember schafft.

Auch für mich ereigneten sich schon Teil-Weltuntergänge, etwa als die Band Oasis ihre Auflösung bekannt gab, was sich im Nachhinein jedoch als halb so schlimm erwies, da sie kurz darauf wieder auferstand, gleich doppelt in Form von Beady Eye und High Flying Birds, beide klingen wie einst Oasis, alles ist wieder gut, ALDI Nord und ALDI Süd des Britpop, wenn man so will.

Ich bin mir sicher: Dieses Mal klappt es, am 21. Dezember gehen die Lichter aus, und wir sind live dabei. Was genau dann passieren wird, ist unklar, darauf kommt es auch nicht an; Hauptsache, es passiert. Ich sehe das positiv, so ein Gesamt-Weltuntergang hat durchaus Vorteile.

Nehmen wir das Sterben an sich. Irgendwann müssen wir es alle, dennoch ist der Tod für alle Beteiligten stets mit gewissen Unannehmlichkeiten verbunden, zum einen für den Gestorbenen (gerne wird auch vom „Verstorbenen“ gesprochen; was soll das sein? Man kann sich verfahren oder verschreiben, aber versterben, wie soll das gehen? „Oh, da habe ich mich wohl verstorben, entschuldigen Sie bitte…“), zum anderen noch viel mehr für die Hinterbliebenen, die nicht nur den Verlust eines geliebten Menschen verkraften, sondern auch die fachgerechte Entsorgung seiner sterblichen Überreste sicherstellen müssen. Wie angenehm ist es da doch, wenn wir alle auf einen Schlag ausgelöscht werden, ein gewaltiger Knall und alle sind weg, niemand muss trauern, niemand hat die Lauferei und die hohen Kosten einer Leichenentsorgung zu tragen.

Ich habe bereits alle Vorkehrungen getroffen. Der Job ist gekündigt, mein Erspartes müsste bei nur leicht gesenktem Lebensstandard bis zum 11. Oktober reichen, für den Rest nehme ich einen Kredit auf, Zinssatz egal.

Ich habe einen genauen Plan erstellt, in welcher Reihenfolge der Weinkeller leergetrunken wird. Die Vorräte würden zwar mindestens noch für drei Jahre reichen, aber man muss Opfer bringen, schließlich wäre es schade um jeden Tropfen, der umkommt.

Unangenehmen Verpflichtungen wie Verwandtschaftsbesuche habe ich auf das kommende Jahr verschoben, auch auf die Anfrage meines Freundes Karl, ob ich ihm im Februar beim Umzug helfen könne, habe ich freudig zugesagt.

Selbstverständlich fahre ich über Silvester gerne mit drei befreundeten Pärchen und ihren gar reizenden Kindern nach Oberstorf, zumal meine bisherigen Ausreden von Jahr zu Jahr dünner wurden, und wenn meine Kollegin Christine im April auf die Malediven fliegt, hüte ich gerne ihre Katzen, ist doch selbstverständlich.

Bislang hat noch niemand Verdacht geschöpft ob meiner Zusagen zu Dingen, die ich bislang mied wie der Feingeist das Dschungelcamp, dafür sind mein Ansehen und meine Beliebtheit in letzter Zeit stark gestiegen, ich werde gefragt, gelobt und gepriesen.

Morgen bei der Landtagswahl werde ich die FDP wählen, nur um einmal zu spüren, wie sich das anfühlt.

Sie benötigen hunderttausend Euro, jemanden, der mit Ihrem Hund Gassi geht, einen Sklaven, oder einfach nur jemanden, den sie morgens schon in der Bahn vollquatschen können? Ich stehe gerne zur Verfügung, ab dem 22. Dezember. Anfragen werden schnell und unbürokratisch wohlwollend geprüft.

Und wenn die Welt doch nicht untergeht? Na wer wird denn gleich mit dem schlimmsten rechnen…

5 Gedanken zu “Weltuntergang

  1. Da sprichst du ein wahres Wort gelassen aus. Mit so einem „Endknall“ wären sämtliche Probleme der Menschheit schlagartig gelöst. Einfach deshalb, weil es die Menschheit anschließend nicht mehr gäbe. 😉

    Ja, mehr noch: Wäre die Aussicht auf ein nahendes Weltende nicht DIE Gelegenheit, nochmal alles in die Tat umzusetzen, worauf man eh schon immer Bock hatte, was man sich aber aus verständlicher Angst vor Konsequenzen und Repressalien nie getraut hat …? Ich befürchte sogar, meine diesbezüglichen Bedürfnisse wären im Vergleich zu denen vieler meiner geschätzten Mitmenschen noch eher von der harmloseren Sorte. Ja, manche Damen würden vielleicht sogar soweit gehen, ihren aktuellen Diätplan über den Haufen zu werfen und ein ganzes Glas Nutella mit dem Löffel zu essen. *Schock!!*

    Also, falls an dieser Maya-Vorhersage wirklich was dran sein sollte, so tun die Regierungen sämtlicher Weltstaaten logischerweise gut daran, dieses Wissen geheim zu halten und alle diesbezüglichen Informationen als Hirngespinste abzutun, um eine Massenpanik zu vermeiden, die eh niemandem hilft. In diesem Fall dürften unsere unentbehrlichen Führungskräfte eh einen Blan B für ihr wertvolles Überleben in der Tasche haben. Gut möglich, dass wir am 20.12. dann eine Ansprache von unserer geschätzten Kanzlerin erhalten, wo sie ihren Wählern von irgendwoher aus dem Weltall noch alles Gute wünscht.

    Aber wahrscheinlich hast du recht.
    Man sollte mit dieser Aussicht auch nicht zu optimistisch umgehen. Am Ende geht der ganze bisherige Mist genauso weiter wie bisher.

    Allerdings wäre ich an deiner Stelle nicht ganz so optimistisch

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  2. Einen kleinen Vorgeschmack darauf, wie die Menschheit auf einen nahenden Weltuntergang reagieren könnte, erhältst du vielleicht, wenn du Samstag Nacht zu fortgeschrittener Stunde in einer Karaokebar einkehrst. Die Leute die sich da auf der Bühne präsentieren, verhalten sich auch so, als gäb’s kein Morgen. Es ist ihnen egal, ob sie singen können oder nicht. Sie singen einfach, und das sogar vor Publikum. Es ist ihnen auch egal, ob da jemand mit ner Webcam im Publikum sitzt und ob ihr Auftritt schon morgen im Internet zu sehen ist. Ich find das super …

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  3. Ich kenne das aus eigener Anschauung. Nur habe ich nicht gesungen (was ich, glaube ich, ganz gut kann), sondern was vorgelesen, es war ein Poetry Slam. Bislang bin ich da jedes Mal grandios durchgefallen, und doch bin ich mir sicher, ich werde es wieder tun, irgendwann.

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  4. Ich versteh gar nicht, warum du durchgefallen bist. Dein obiger Beitrag z.B. erscheint mir durchaus Slam-tauglich. Er ist kurz und knackig, er ist humorvoll und er bringt das Thema auf den Punkt. Gut, bei Poetry-Slam spielt wahrscheinlich auch noch der Vortrag und das Auftreten eine besondere Rolle. Das kann ich natürlich nicht beurteilen.

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