Je apprendre francaise

In der sechsten Klasse stand ich vor der Wahl, welche zweite Fremdsprache ich erlernen wollte. Gut, von wollen konnte keine Rede sein, man musste sich damals entscheiden zwischen Latein und Französisch, Pest oder Cholera. Die grundsätzliche Nutzlosigkeit des Lateinischen für den Hausgebrauch war mir durchaus bewusst, doch war es wohl die Begeisterung für Asterix, die mich meine Entscheidung schließlich treffen ließ. Französisch hingegen mochte ich damals überhaupt nicht, was möglicherweise auf die in meiner Jugend noch aktive Mireille Matthieu zurückzuführen war (an Louis de Funes kann es dagegen nicht gelegen haben, die Filme waren ja synchronisiert), jedenfalls befand ich diese Sprache für keinesfalls lernenswert. So mühte ich mich denn bis zu meinem Abitur durch lateinische Texte, Cäsar, Deklinationen und ähnliches mit dem Ziel des Großen Latinums. Was ich dabei nicht gelernt habe: mich auf Lateinisch zu verständigen, wozu auch und mit wem, mein Verhältnis zur katholischen Kirche war schon damals nicht von Innigkeit geprägt, aber das ist ein anderes Thema, hatten wir hier, glaube ich, schon.

Französisch. (Nein, ich begebe mich jetzt nicht hinunter in die Niederungen des bekannten humoristischen Flachwurzlers, der auf „… nur mit der Sprache hapert es“ endet, obwohl es mich, das gebe ich zu, kurz in den Fingern gejuckt hat. Auch könnte ich jetzt schreiben, dass ich erst durch Cadinot-Filme wieder mit dem französischen in Berührung kam; auch das würde an dieser Stelle zu weit führen, zumal die Sprache dort nun wirklich die geringste Rolle spielt.) Seit nunmehr vier Jahren fahren wir regelmäßig im Urlaub in die Provence, a) weil es dort schön ist, b) weil es dort guten Wein gibt und c) weil unsere Nachbarn dort ein Haus haben, das sie uns für ein recht geringes Entgelt überlassen. Ja, es ist wirklich wunderschön dort. Noch schöner wäre es, wenn ich mich dort verständigen könnte. Die späte Rache einer verfehlten Mittelstufen-Entscheidung. Gut, ich bin durchaus in der Lage, ein Baguette zu kaufen oder ein Bier zu bestellen, womit die wichtigsten Überlebensfunktionen halbwegs gesichert sind; schwieriger wird es da schon bei der Speisekarte im Restaurant, die zumeist konsequent in französisch gehalten ist, verständlicherweise oder eben gerade nicht. Ganz schlimm wird es, wenn ein Eingeborener versucht, verbal mit mir zu kommunizieren. Die Folgen sind Schweißausbruch und von blödem Grinsen begleitetes Schulterzucken.

Das geht so nicht weiter!

Da es nicht unwahrscheinlich ist, dass wir unseren Urlaub wieder in der Provence verbringen werden, habe ich beschlossen, in meiner Jugend sträflich versäumtes nun nachzuholen. Dazu habe ich mir gleich nach dem letzten Urlaub ein Lehrbuch mit zwei CD’s von Langenscheidt gekauft mit der festen Absicht, es nicht nur auf meinem Schreibtisch liegen zu haben, bevor es irgendwann verschämt im Bücherregal verschwindet, sondern es zu nutzen, konsequent, täglich mindestens eine halbe Stunde. Und das mache ich auch. Meistens. Also nicht täglich, meine ich, aber doch mit einer Regelmäßigkeit, die das wöchentliche deutlich überschreitet.

Und das ist verdammt schwer!

Das mit der Lerndisziplin ist das eine, schlimmer ist es, das gelesene im Kopf zu behalten, ob es nun Vokabeln sind oder Konjugationen, Zahlen, Wochentage… und dazu diese Aussprache, diese Nase-zu-Vokale und verschluckten Konsonanten! Dass ich mal gerade im dritten Kapitel angekommen bin und mich noch weit entfernt davon fühle, einen halbwegs verständlichen Satz zu sprechen, ist nicht gerade ermutigend, aber aller Anfang ist schwer, so sagt man doch. Noch viel weiter bin ich davon entfernt, einen von einem anderen gesprochenen Satz zu verstehen, die Wörter zu erkennen: alles ist so schnell und klingt so ähnlich. Ja, ich fühle mich wie ein Grundschüler, der gerade behutsam an das Alphabet herangeführt wird.

Aber da bleibe ich jetzt dran, schließlich will ich im nächsten Frankreichurlaub auch mal was sagen/verstehen, außerdem hier demnächst meine Artikel in sauberstem Französisch veröffentlichen!

6 Gedanken zu “Je apprendre francaise

  1. Olálá! Na dann mal viel Spaß!

    Ich habe mich ja immer ein wenig gegen die französische Sprache gewehrt: Das liegt an fiesen Lehrern und einem, sagen wir mal, riesigen Idioten von Austauschpartner in der 7. Klasse.

    Da meine Herzensdame allerdings halbe Französin ist, juckt es mich schon wieder ein wenig die Sprache doch noch mal richtig zu lernen. Wenn man mich lässt, kann ich mich verständigen. Aber ich muss sehr lange nachdenken und Worte suchen. Da habe ich bei Madame keine Chance auch nur ein Wort rauszubekommen.

    Gefällt mir

  2. Uff, eine so schöne Sprache und doch so schwer. Habe auch erst vor etwas über einem Jahr damit angefangen und mich für die Variante VHS entschieden. Hat mir gefallen und mittlerweile geht es ganz ggut. Also: dran bleiben!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s