Woche 47: Auf der Jagd nach Besinnung

Montag: Gewiss, man macht sich nicht über anderer Leute Namen lustig. Aber während mancher Vorstellungsrunde denke ich: Der hatte bestimmt keine unbeschwerte Kindheit.

Dienstag: Während Waschbären im Raum Kassel als Plage gelten und deshalb zum Abschuss freigegeben sind, wurde laut Zeitungsbericht in München einem jungen Exemplar ein Herzschrittmacher eingebaut. Als nächstes dann vielleicht ein Marder mit künstlichem Hüftgelenk, eine Ratte mit Zahnersatz oder (Achtung, Wortspiel:) eine Taube mit Hörgerät?

Mittwoch: Eine neue Unsitte bürokommunikativen Umgangs greift um sich: Vor einem Anruf per Skype beim Anzurufenden anfragen, ob er Zeit für ein Telefongespräch habe. Ruft mich doch einfach an, dann wisst ihr es!

Donnerstag: Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit und von nur wenigen Gratulationsbekundungen behelligt feiert das beliebte Blog „Alltägliches + Ausgedachtes“ heute sein zehnjähriges Bestehen.

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Freitag: Schwarzer Freitag des Marketingterrors. Die Reklameschreier in Funk und Fernsehen übertreffen sich nochmals gegenseitig in ihrer künstlichen Aufgeregtheit, und Millionen Konsumsklaven freuen sich, Dinge zu kaufen, die sie nicht benötigen.

Samstag: Weihnachtsmarkt – eine große Ansammlung von Menschen auf der Jagd nach Besinnung.

Sonntag: „Gewiss, diese Person verkörpert das Nicht-ganz-Dichte in der Politik auf wunderbarste Weise“ – Klaus Boldt, Chefredakteur der BILANZ über Donald Trump. (Ich lege Wert auf die Klarstellung, kein regelmäßiger Leser dieser Kapitalismus-Illustrierten zu sein, vielmehr handelt es sich bei vorgenanntem Zitat um eine zufällige, gleichwohl schöne Fundsache.)

Fundsache: Über obdachlose Schnecken

Beginnen möchte ich meine heutigen Ausführungen mit etwas Lyrik:

Sekundäre Geschlechtsmerkmale
Das erste Schamhaar wuchs mit Stolz,

herbeigesehnt vom Knaben.
Heut‘ steht als Mann er früh heut‘ im Bad,
den Beutel blankzuschaben.

Nicht zum ersten Mal* beklage ich das zweifelhafte Verlangen junger Männer, jeder Form von Körperbehaarung mit Klinge, Wachs, Flamme oder gar operativem Eingriff zu Leibe zu rücken. Eher zufällig stieß ich vor kurzem auf einen wunderbaren Aufsatz ** von Paul Kranz über diese Unsitte, welchen ich Ihnen hier gerne zur Kenntnis geben möchte.

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Dem ist nichts mehr hinzuzufügen, außer dem Ausdruck der Hoffnung auf ein Ende dieser Mode.


* zum Beispiel hier und hier

** und zwar in Centaur, dem Kundenmagazin des Drogereristen Rossmann