Am Montag war ich in Dresden:
Mittwoch fuhr ich aus der Tiefgarage der Deutschen Welle zu Bonn:
Abends aß ich Schichtnougat:
Heute entdeckte ich zwei (mir) neue Werke des Künstlers 1zwo3: In der Theaterstraße…
… und im Annagraben:
Und Sie so?

so lautete einst der Werbeslogan der Deutschen Bundespost, damals, als Telefonzellen noch gelb und Briefträger blau waren, also ihre Dienstkleidung. Internet und E-Mail waren unbekannt, wer etwas schriftlich mitzuteilen hatte, schickte einen Brief. Das ist lange her.
Kürzlich verkündete die Deutsche Post AG, zum 1. Januar das Briefporto zu erhöhen. Die Resonanz darauf war eher verhalten. Natürlich wetterten einige wenige los, vermutlich diejenigen, die auch die Polizei und das Luftfahrtbundesamt anrufen, um sich über den Lärm schreiender Kraniche zu beschweren, wenn sie in den Süden fliegen; die meisten nahmen es jedoch mit einem Achselzucken zur Kenntnis, was nicht verwundert, denn kaum einer schreibt heute noch Briefe.
Das ist schade. Mit dem Schreiben von persönlichen Briefen, oder besser gesagt dem Nicht-mehr-schreiben, geht ein Stück Kultur verloren. Waren es doch häufig Briefwechsel, vielleicht nach Jahren durch Zufall auf einem Dachboden wiedergefunden, die Einblick gewährten in das Leben vergangener Zeiten, geschriebene Geschichte. Was wird hingegen von uns bleiben, wenn wir mal nicht mehr sind – Tweets, Facebook-Chroniken, Blogeinträge? Wer macht sich dann noch die Mühe, die zu lesen, und warum sollte es jemand tun?
Es ist lange her, dass ich einen persönlichen Brief erhalten habe, mit der Hand geschrieben, auf edlem Briefpapier oder kariertem Ringbuchpapier. Auch habe ich selbst lange keinen mehr geschrieben, mal abgesehen von Urlaubs- oder Geburtstagskarten mit ein paar schlanken Zeilen. Dabei hat mir das als Kind immer Spaß gemacht: erst den Brief schreiben, dann in den Umschlag stecken, Briefmarke drauf und in den nächsten Briefkasten einwerfen. Mit Spannung dann auf den Postboten warten, der Tage oder Wochen später die Antwort brachte. Wahrscheinlich ist genau das mit ein Grund für den Niedergang des Briefes: Wir können nicht mehr warten, werten es schon als ungehörig, wenn die Antwort auf eine E-Mail nicht innerhalb einer Stunde eingeht.
Vermutlich haben wir es verlernt, Briefe zu schreiben. Man muss sich Zeit nehmen, Sorgfalt walten lassen, ein falsch geschriebenes Wort lässt sich nicht einfach wieder löschen, ein Satz nicht mal eben per Ausschneiden und Einsetzen verschieben, und Durchstreichungen in Briefen sind unschön, schlimmstenfalls fängt man noch mal neu an. Stattdessen heute Whats-App-Nachrichten und E-Mails, alles klein geschrieben, gespickt mit Rechtschreib- und Kommafehlern (was in erster Linie bedeutet: jedes Komma fehlt) und Smileys. Aber Rechtschreibung spielt eh keine große Rolle mehr, Grundschüler lernen sie nicht mehr richtig, bekommen ein Sternchen (oder was auch immer man heute bekommt), wenn sie Geschlächts Verkeer oder algoholvergifftunk in ihr Aufsatzheft geschrieben haben. Vermutlich bin ich aber auch einfach zu altmodisch.
Wie wäre es, wenn wir die Kultur des Briefeschreibens wieder aufleben lassen würden, jedenfalls ein bisschen? Bitte verstehen Sie mich nicht falsch und halten Sie mich nicht für rückwärtsgewandt, ich habe nicht vor, auf elektronische Kommunikation zu verzichten, dafür bin auch ich zu sehr daran gewöhnt. Aber ab und zu mal einen richtigen, klassischen Brief schreiben und erhalten, wäre das nicht schön? Ich bin auch bereit, den Anfang zu machen, Briefmarken habe ich noch im Haus. Wenn ich Ihnen also schreiben soll, teilen Sie mir einfach Ihren Namen und Postanschrift mit an briefkarsten@gmx.com. Schön wären auch ein paar Stichworte, welchem Thema sich die Korrespondenz widmen soll. Ich würde mich freuen!
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Hinweis: Der vorstehende Text wurde nicht durch die Deutsche Post AG gesponsert.
Es ist halb sechs in der Frühe, grimmige Kälte und Dunkelheit liegen über den hunderten Menschen, die frierend vor dem großen Gebäude ausharren, darauf wartend, dass es endlich seine Türen öffnet, hinter denen sich all die Dinge befinden, welche diese Menschen schon so lange entbehren, nach denen es sie schmerzhaft verlangt.
Endlich, um sechs, schließt ein Mitarbeiter in rotem Hemd die Tür auf, die Meute dringt hinein wie die schäumende Wasserflut nach dem Dammbruch, stürzt sich auf die feilgebotenen Waren, jeder rafft, was er zu greifen bekommt, ehe ihm ein anderer zuvor kommt, bald kommt es zu Rempeleien, Handgemengen, heiseren Schreien und langen Schlangen vor den Kassen.
Gotha, im November 1983 nach Ankündigung einer neuen Lieferung Orangen? Bielefeld im erbarmungslosen Winter 1947? Nein, Bonn am vergangenen Donnerstag: Eine große, bekannte Elektomarkt-Kette eröffnet hier ihre Filiale. Gleich einem Blattschneiderameisenvolk schleppen sie die eroberten Schnäppchen zum Eröffnungspreis aus dem schmucken neuen Gebäude am Friedensplatz: Fernseher, Kaffeeautomaten, Mikrowellengeräte, Rasierapparate, DVD-Editionen, Wäschetrockner, Kühlschränke, Reisedefibrillatoren, Lichtbogenöfen und andere Geräte, die einen Stecker, einen Akku oder ein Batteriefach haben.
Sogar der Herr Oberbürgermeister gibt sich die Ehre und weist in seinem Grußwort darauf hin, dass mit der Eröffnung dieses hohen Hauses nun auch für die Bundesstadt Bonn die schwere Last der Entbehrung und trübe Finsternis für alle Zeiten ein Ende habe, und es ward Licht.
Ich selbst lag am Donnerstag um halb sechs noch im Bett, zumal unser Haushalt mit Küchen-, Reinigungs- und Unterhaltungselektogeräten weitgehend vollständig ausgestattet ist. Auch sonst sehe ich zurzeit keine dringende Notwendigkeit, mir den neuen Elektromarkt von innen anzusehen. Noch nicht. Ich bin doch nicht blöd.
In diesen Tagen und Wochen scheint sich alles um das Thema Glück zu drehen: Die Deutsche Post kartografiert das Glück in ihrem Glücksatlas, wonach die zufriedensten Menschen in Schleswig-Holstein leben, die unglücklichsten in Brandenburg; wir Rheinländer sind mit Platz zwölf auch nicht gerade auf Rosen gebettet, woran man wiederum erkennt, dass der Karneval völlig überbewertet wird.
Und die ARD fragte in einer Themenwoche die Menschen, was für sie Glück bedeute. Nicht verwunderlich – so unterschiedlich wie wir Menschen sind, so unterschiedlich waren die Antworten, die etwa Singen, Sport, Kinderlachen, Kunstgenuss und Musik als Glücksgenerator nannten, ein jeder hat da wohl seine eigenen Glücklichmacher.
Wer mag, kann die Fragen der ARD für sich beantworten (und gerne hier als Kommentar hinterlassen):
– Was bedeutet für Sie „Glück“?
– Bei welcher Gelegenheit waren Sie das letzte Mal glücklich?
– Wann ist Ihnen ein „großes Glück“ begegnet, und wie hat dieses Ereignis Ihr weiteres Leben geprägt?
– Haben Sie einen Trick, um sich einen Glücksmoment zu verschaffen?
Auch ich hatte heute einen Glücksmoment. Dieser bestand aus einem schlichten Spaziergang, der mich durch die Bonner Altstadt an den Rhein und durch die Nordstadt zurück nach Hause führte, wo mich bereits ein Stück Kuchen und eine Tasse Tee erwarteten. Das besondere daran: es war der erste Spaziergang nach meiner Fußoperation, daher noch langsam und etwas humpelig. Aber vielleicht war es gerade diese erzwungene Langsamkeit, die meinen Blick für einige schöne Dinge links und rechts des Weges geschärft hat. Auch das Novembergrau vermochte mein Glücksempfinden nicht zu trüben. Sehen Sie selbst:













In diesem Sinne – was Sie auch gerade
tun oder vorhaben: Ich wünsche Ihnen Glück!