
Es stand in eines Flusses Au,
ein stolzer Riesenbärenklau.
Die Dauer, bis
man ihn ausriss,
die wusste er nicht so genau.

Es stand in eines Flusses Au,
ein stolzer Riesenbärenklau.
Die Dauer, bis
man ihn ausriss,
die wusste er nicht so genau.
Montag: Ich weiß nicht, woran es liegt, jedenfalls empfinde ich eine tiefe Abneigung dagegen, mir unaufgefordert auf WhatsApp zugesandte Filmchen anzusehen.
Dienstag: „Sag mal, würdest du mich eigentlich auch heiraten?“ – Die süßeste Frage der Woche erreichte mich heute beiläufig per Telefon.
Mittwoch: Links gehen, rechts stehen. Es ist schön, in einem Land zu leben, wo alles so wunderbar geregelt ist. – Die Sanierung der Beethovenhalle wird wieder teurer.
Donnerstag: Seit einigen Tagen sitzt morgens, wenn ich zum Tagwerk aufbreche, auf der Treppe am Ende unserer Straße ein mittelalter, etwas schwermütig, jedoch nicht ungepflegt wirkender Mann und trinkt Bier. Da ich seinen Namen nicht weiß und bislang kein Verlangen spürte, ihn danach zu fragen, nenne ich ihn bis auf weiteres den Treppentrinker.
Freitag: Ja ich will! (Mein ausdrücklicher Dank gilt dem Deutschen Bundestag, und es ist mir völlig schnuppe, welche wahltaktischen Erwägungen zu der kurzfristigen Abstimmung geführt haben. Hauptsache, ich darf den Kerl endlichen richtig heiraten.) Uwe Schummer, CDU-Abgeordneter in NRW, bringt es auf den Punkt: „Außerdem wird keine Ehe zwischen Mann und Frau gefährdet, weil zwei Frauen oder zwei Männer in der Nachbarschaft zusammenleben.“
Samstag: Tour de France. Die erste Etappe führte heute von Bonn nach Malaucène, Ankunft kurz nach halb sieben. Die zweite Etappe schloss sich eine Stunde später an: von der Rue des Trois Visages über die Bar Le Casino in die weltbeste Pizzeria und zurück.
Sonntag: Der Mistral lutscht die Wolken rund.
Reisen heißt auch Vermissen. Was ich hier indes nicht vermisse, sind Fernseher und Geschirrspüler.
Ich war noch niemals in New York,
und das möcht‘ ich nicht ändern.
Viel eher zieht es mich nach Bork-
um statt nach fernen Ländern.
Was sollte ich in Afrika,
zu sehen wildes Tier?
Dann lieber Gran Canaria,
da gibt es Kölner Bier.
In der Provence halt ich’s gut aus,
im Allgäu und der Rhön.
Das ist zu weit nicht von zu Haus,
zudem ist es dort schön.
Am liebsten bin ich hier am Rhein,
den mag ich wirklich leiden.
auf dem Balkon, beim Gläschen Wein,
vor allem: bei euch beiden.
Montag: Wir wollen „ein überlegenes Kundenerlebnis liefern“, lese ich in einer internen Mitteilung am Morgen. Was bitte schön soll das sein? Ist das jetzt gut oder schlecht für den Kunden?
Dienstag: Die Deutsche Presseagentur besticht durch Berichterstattung auf höchstem Niveau.

Mittwoch: Passend zum Tag des Schlafes bin ich wunschlos müde. – Derweil lässt das Leyenministerium folgendes verlauten: „Vor dem Hintergrund der an den demokratischen Freiheitswerten ausgerichteten Konzeption der Inneren Führung und des dieser Konzeption zugrunde liegenden Leitbildes des mündigen Staatsbürgers in Uniform ist Werner Mölders nicht sinnstiftend für die Bundeswehr und daher auch nicht traditionswürdig“. Schöner hätte es Loriot auch nicht formulieren können.
Donnerstag: Jedes Mal, wenn die Kollegin „Das geht mir auf den Sack“ sagt, befallen mich verstörende Phantasien. – Beginn des Nordakkord-Chorfestivals in Köln. Ein Mitsänger trägt ein ärmelloses kariertes Hemd mit angenähter Kapuze. Schwuler ist schwerlich denkbar.
Freitag: Beim Nordakkord-Festival ist wirklich an alles gedacht.

Samstag: Eine von mir während der nächtlichen Rückfahrt aus Köln in der Bahn durchgeführte Studie legt den Schluss nahe, dass etwa achtzig Prozent der betrunkenen Hetenmännchen, die das Wort „schwul“ aktiv in ihrem Wortschatz führen, einer gleichgeschlechtlich-sexuellen Erfahrung nicht abgeneigt sind, dies jedoch niemals zugeben würden.
Sonntag: „Ich denke nicht viel. Also, ich denke schon viel, aber meist weiß ich nicht, was, weil meine intellektuellen Ressourcen zu neunzig Prozent von einer mysteriösen, hierarchisch über meinem banalen Allerweltsbewusstsein stehenden Instanz beansprucht werden, die irgendwo tief in mir lebt, wohin das Ich, das diese Sätze schreibt, nie reisen will, weil es nie wieder den Weg zurückfinden würde. Und wenn doch, hätte alles, was wir sehen können, für dieses Ich seinen Sinn verloren.“ (Thomas Glavinic in der F.A.S.)

„Verzeihung, könnten Sie mir bitte kurz das Wasser reichen?“
„Das weiß ich nicht.“
„Was soll das heißen, Sie wissen es nicht?“
„Vielleicht sind Sie ja ein unerreichter Experte auf Ihrem Gebiet, ein wahrer Lehrmeister, dem niemand das Wasser reichen kann, vermutlich nicht einmal das Badesalz.“
„Badesalz? Experte? Was reden Sie da …“
„Wenn ich mir Sie so anschaue – ich nehme an Sie sind eine Koryphäe der Seewasseraquaristik, oder Tiefseeforschung, vielleicht aber auch …“
„Hören Sie, ich habe einen anstrengenden Tag hinter mir, bin platt wie eine Flunder, flundernplatt, wenn Sie so wollen, und ich möchte nur etwas Wasser …“
„Was ich so will, ist hier unerheblich, Sie sind doch der Fischexperte.“
„Ich flehe Sie an: WASSER!“
„Glauben Sie bitte nicht, dass Ihr Doktortitel auf einem abwegigen Gebiet Sie dazu berechtigt, hier herumzubrüllen.“
***
Vorstehende, zugegebenermaßen etwas alberne Zeilen sind mein Beitrag für die abc-Etüden dieser Woche.