Woche 18: Wenn beim ersten Pastis das Lächeln zurückkehrt

Montag: Zu den Dingen, die wohl niemals enden werden, gehört meine Furcht vor nächtlichen Gewittern. Auf stürmische Nacht folgte ein lahmer, ereignisarmer Tag. Das Produktivste, was ich heute leistete, waren zwei Flecken, die ich während des Mittagessens per soßengetränkter Nudeln auf mein Hemd kleckerte.

Dienstag: Der wohl paradoxeste Feiertag ist der 1. Mai, muss man doch ausgerechnet am „Tag der Arbeit“ nicht ins Büro; indes liegt es mir fern, dieses zu beklagen. Laut bekanntem Volkslied schlagen ab heute die Bäume aus. Passend dazu steht im aktuellen SPIEGEL: »… das Verhältnis der Deutschen zur Farbe Grün ist ein besonders intensives. Zurzeit äußert es sich darin, dass man Bücher kauft, in denen Bäume ein geheimes Leben führen. Und diese Bücher womöglich bei Amazon bestellt, woraufhin Bäume ihr geheimes Leben früher beenden müssen, weil Amazon Logistikhallen unfassbaren Ausmaßes braucht …«

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Apropos Rodung: Nachfolgende Bilder aus einer Werbeanzeige auf Instagram lassen mich fassungslos aufschreien: WARUM?

 

Verstehe einer die Jungen Männer von heute: Sie lassen sich die absurdesten Rauschebärte wachsen, bei deren Anblick Räuber Hotzenplotz, der Almöhi und Wolfgang Thierse vor Neid ergrünen würden, doch unterhalb der Halskrause wird jedes Häärchen entfernt.

Mittwoch: Dienstreise nach Frickenhausen am Main. Während der Zugfahrt las ich im Kundenmagazin der Bahn die Kolumne eines gewissen Thilo Mischke, der unter der Überschrift „Mein neuer Nachbar“ jeden Monat darüber schreibt, wie er Fahrgäste im Zug belästigt, indem er ihnen ein Gespräch aufzwingt. Träfe er dazu eines Tages auf mich, fiele die nächste Kolumne aufgrund meiner naturgegeben-ostwestfälischen Abneigung gegen Unterhaltungen mit fremden Menschen sehr knapp aus. Aus demselben Grund war ich auch sehr froh darüber, in Würzburg trotz knappem Übergang den Busanschluss erreicht zu haben, anstatt ein Taxi nehmen zu müssen. Die Busfahrt führte durch malerische fränkische Orte, deren Namen ich noch nie hörte und sogleich wieder vergaß.

Donnerstag: Im Bad des Hotelzimmers stand dieses an der Wand:

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Mit vom Vergang der Jahre etwas ausgeblichenem Enthusiasmus möchte ich den Satz mal umformulieren: Ich stehe morgens auf, und der Tag verhöhnt mich.

Verhöhnt dürften sich auch die Fahrgäste dieses Omnibusses fühlen, den ich am Würzburger Hauptbahnhof sah:

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Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen, plädiere ich für den Boykott aller Produkte, deren Werbeanzeigen großflächig die Sicht durch Bahn- und Busfenster verhindern.

Freitag: „Was meint zum Beispiel Officer?“, fragt Frau Dr. Walburga F.-G. in ihrem Leserbrief an den General-Anzeiger, mit welchem sie den häufigen und unnötigen Gebrauch von Anglizismen beklagt. Finde den Fehler.

Samstag: Ich liebe den Moment, wenn nach zwölfstündiger Autofahrt mit vielen Staus, einem Beinahezusammenstoß und unerwartetem Öldurst des Motors beim ersten Pastis das Lächeln ins Gesicht zurückkehrt.

Lächeln dürften auch zahlreiche Kinder im niederländischen Utrecht, nachdem die dortige Staatsanwaltschaft festgestellt hat, dass Cowboy-und-Indianer-Spiele rassismusunverdächtig und somit straffrei zu betreiben sind.

Sonntag: Ausflug zur Weinmesse „Rhône Éclat“ in Orange. Das angekündigte Regenwetter mit Gewitter gestaltete sich angenehm sonnig und warm. Ich bleibe dabei: Tätowierte Waden sehen scheiße aus. Immer und bei jedem.

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