Noch ein Jahresrückblick 2016

Das menschliche Zusammenleben ist begleitet von merkwürdigen Ereignissen, Zufällen und Gelegenheiten. Wer nun glaubt, die Welle der Jahresrückblicke sei überwunden, der sei um etwas Geduld gebeten, einer kommt noch. Die nachfolgenden Meldungen standen 2016 neben Prominentensterben, Präsidentenwahl, Putin, Pokémon und postfaktisch ebenfalls in der Zeitung.

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Januar
Die Stadt Bonn verteilt Strafzettel an Besucher der Neujahrsmesse, die ihren Wagen verbotenerweise neben dem Münster geparkt haben, „ohne Rücksicht auf die Menschen und ihre Gefühle und berechnend“, so ein betroffener Wildparker. Doch lässt die Stadt Barmherzigkeit vor Recht ergehen und verzichtet ausnahmsweise darauf, das Bußgeld in Rechnung zu stellen. Dies wiederum erzürnt andere Bürger, die zu recht fragen, ob Gottesdienstbesucher ein Sonderparkrecht genießen.

Februar
Nach einem Gerichtsbeschluss darf die russisch-orthodoxe Kirche in Nischni Nowgorod von den umgerechnet 5.000 Euro, die sie einer Firma für den Einbau eines neuen Heizkessels schuldet, 3.000 Euro einbehalten. Dafür müsse sie Gott um das Wohlergehen der Firmeninhaber und ihrer Familien bitten. Der Richter dürfte bei den Fürbitten auch nicht ganz leer ausgehen.

März
Die Sanierung der Beethovenhalle wird drei Millionen Euro teurer als geplant. Warum ist das der Zeitung eine Meldung wert? Die Sanierung bleibt im Kostenrahmen – DAS wäre eine Sensation.

In Florida schießt ein Vierjähriger auf seine Mutter, eine bekennende Waffenbefürworterin, die zuvor die Schießkünste ihres Sohnes auf Facebook gelobt hatte. Ob der Vorfall ihre Meinung zu Waffenbesitz beeinflusst hat, ist nicht bekannt.

April
Bleiben wir in Amerika. Mit Gun TV nimmt ein Verkaufssender für Waffen den Sendebetrieb auf. Wenige Tage später erschießt ein Zweijähriger in Milwaukee seine Mutter im Auto. Die geladene Waffe lag im Auto herum.

Der US-Bundesstaat Utah erklärt unterdessen Pornografie zu einer öffentlichen Gesundheitskrise.

Mai
Immer noch Amerika: Eine Dame verklagt Starbucks auf fünf Millionen Dollar Schadensersatz wegen angeblich zu viel Eis im Eiskaffee.

Juni
In Berlin klagt ein Anspruchsbürger gegen das Bezirksamt, weil die Grundschule seiner Tochter kein veganes Mittagessen anbietet. Die Klage wird vom Verwaltungsgericht abgewiesen.

Das nordrhein-westfälische Finanzministerium verteidigt Messebesuche von Mitarbeitern des landeseigenen Spielbankanbieters Westspiel als „zwingende Voraussetzung für einen marktgerechten Auftritt“. Unter anderem reiste eine sechsköpfige Delegation nach Las Vegas, wofür Kosten in Höhe von 17.000 Euro anfielen.

Juli
Eine Welle der Empörung rauscht durch Bonn, nachdem der Eigentümer des Beueler Brückenforums die Absicht kundgetan hat, das Gebäude grau zu streichen. Sogar die Politik beschäftigt sich mit dem Thema.

In Bendorf entgehen zwei Polizisten nur knapp ihrer Enthüllung. Als sie nach einer Beschwerde wegen Ruhestörung bei einer Damen-Geburtstagsfeier eintreffen, werden sie von den begeisterten Damen für Stripper gehalten. Ob Waffen zum Einsatz kommen, wird nicht berichtet.

August
Die Welt hält den Atem an: Nach despektierlichen Kommentaren von Fans über seine neue Freundin löscht der Promi-Kasper Justin Bieber sein Instagram-Konto.

Nachdem die Bundesregierung im Zuge des neuen Konzepts für die zivile Verteidigung die Bevorratung von Lebensmitteln empfohlen hat, kriegt sich die Twittergemeinde tagelang nicht ein in der Äußerung von Witzen über Hamsterkäufe.

September
Das Portal bestatter-preisvergleich.de kürt die schönste deutsche Bestatterin zur „Miss Abschied 2016“, was viele Vertreter der Branche zu Reaktionen veranlasst, die eine gewisse Humorlosigkeit erkennen lassen.

Oktober
Das Landratsamt Hof verbietet einer Dame, die sich Natalie Hot nennt, in ihrem Wohnhaus ihr Gewerbe auszuüben. Frau Hot bot einem zahlenden Publikum vor der Kamera ihren Körper zur Schau, was einige Nachbarn erzürnte. Laut Landratsamt sehe der Bebauungsplan eine gewerbliche Nutzung nicht vor. Eine freiberufliche Tätigkeit könne nicht anerkannt werden, weil „nicht er­kenn­bar ist, dass bei ei­nem Er­otik­chat im We­ge frei­er schöp­fe­ri­scher Ge­stal­tung Ein­drü­cke, Er­leb­nis­se und Er­fah­run­gen der Bau­her­rin durch das Me­di­um ei­ner be­stimm­ten For­men­spra­che zur un­mit­tel­ba­ren An­schau­ung ge­bracht wür­den“.

November
Nach der Übernahme durch Flixbus verschwinden die gelben Postbusse aus dem Straßenbild. Zum zweiten Mal in der deutschen Postgeschichte.

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Dezember
Skandal in England: Die neue Fünf-Pfund-Note enthält tierische Fette, was bei Vegetariern, Veganern und mehreren Religionsgemeinschaften heftige Proteste hervorruft. Die jüdischen Vertreter sehen es indes gelassen: Der neue Geldschein stelle kein Problem dar, so lange man ihn nicht isst.

Underdessen ist das Interesse an Schlüpfern aus dem Besitz von Queen Victoria gering. Trotz „gutem Zustand mit nur kleinen Verfärbungen“ zahlt kein Bieter das geforderte Mindestgebot von 4.000 bis 6.000 Pfund, so das Auktionshaus.

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Ein vorausschauender und sehr lesenswerter Jahresrückblick auf das Jahr 2066 ist in der Dezember-Sonderausgabe des SPIEGEL zu finden:

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