Eine Autobiografie muss Sinn „machen“.

Notiert am 17.September 2015 in urlaublichen Gefilden

Ein verregneter Vormittag sowie WLAN, das neuerdings aus der Nachbarschaft in die Küche unseres Ferienhauses funkt, ermöglichen mir, auch hier in der fernen Provence die heimische Tageszeitung zu lesen, und zwar in einer Ausführlichkeit, welche ich mir daheim aufgrund zahlreicher anderer alltäglicher Verrichtungen nur selten gönne. So lese ich sogar den Artikel auf der letzten Seite: Magarethe Schreinemakers hat ihre Autobiografie veröffentlicht. Aha, nach Dieter Bohlen und Boris Becker nun also auch Margarethe Schreinemakers.

So weit ich mich erinnere, war die Dame in den Neunzigern mit einer gewissen Popularität gesegnet, Talkshow oder sowas. In Erinnerung blieb mir ihre leicht quengelige Stimme, und sie war, glaube ich, kurz mit Jürgen von der Lippe liiert. Auch einen Skandal glaube ich in den hinteren, verstaubten Windungen meines Kleinhirnes auszumachen, eine Steuergeschichte oder so was, ich weiß es nicht mehr. Vielleicht war es auch eine andere Dame, oder Klaus Zumwinkel. Nein, das war später. Viel mehr ist mir von ihr nicht gegenwärtig. Freilich könnte ich das ganz schnell im Netz recherchieren, aber dazu interessiert es mich nicht genug. Wie viel Lebenszeit mag verschwendet werden, weil Menschen völlig Belangloses im Netz nachschauen, nicht weil es interessant wäre, sondern so einfach ist?

Gleichwohl reicht Frau Schreinemakers’ Werk (im weitesten Sinne Kulturschaffenden wird ja oft ein Werk zugeschrieben, für das sie dann gegen Ende der zweiten Lebenshälfte gepriesen werden) offenbar aus für eine Autobiografie, welche herauszubringen einem Verlag gewinnbringend erscheint, und für einen Zeitungsartikel darüber. Und ab jetzt auch einen Blogeintrag.

Der Artikel endet übrigens so: „Da ist ganz viel Margarethe drin“, fasst sie zusammen. „Alles andere hätte auch keinen Sinn gemacht.“ – Fast höre ich sie quengeln. Ich werde mir das Buch wohl nicht kaufen.

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