Im Hamsterrad

Forscher der Universität Leiden (Niederlande) haben festgestellt, dass Tiere grundsätzlich Freude an der Bewegung im Laufrad haben, nicht nur der Goldhamster in Käfighaltung, der mangels Auslaufs gerne ein paar Schritte in der nach ihm benannten Vorrichtung macht, vornehmlich nachts, und damit die Menschen in seiner näheren Umgebung an den Rand des Wahnsinns treibt; auch wild lebende Tiere wie Mäuse, Frösche und gar Schnecken nehmen die Gelegenheit zur körperlichen Betätigung gerne an, selbst wenn sie nicht durch Futter angelockt wurden. Bislang ist unklar, warum sie das tun.

Doch nicht nur Hund, Katze, Maus, auch Menschen laufen, ohne eine nennenswerte Entfernung zu überwinden. Bevorzugt tun sie dies in Räumen, die außen mit Begriffen wie „Fitness“, „Power“, „Training“, „Studio“ und ähnlichen beschriftet sind. Nach einiger Zeit verlassen sie dann das Laufband und widmen sich anderen Geräten, deren einziger Zweck darin besteht, durch mannigfache mechanische Vorrichtungen Gewichte zu heben und senken. Ein Auslöser für das augenscheinlich nicht zweckgerichtete Tun ist nach bisherigen Erkenntnissen die Zahlung eines monatlichen Entgelts, wohl gemerkt von Seiten des Laufenden. Übertragen auf das Tierreich wäre das so, als brächte die Spitzmaus einige Wurzeln mit zum Laufrad. Dieses irrationale Verhalten stellt die Forschung bislang vor ein Rätsel, indes bestätigt es die seit langem bestehende Vermutung, dass die menschliche Spezies komisch ist.

Projektende mit Frauentausch

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Es ist immer wieder zutiefst befriedigend, ein Projekt zum Abschluss gebracht zu haben. Nach der erfolgreichen Operation meines rechten Fußes im letzten Jahr verbrachte ich das vergangene Wochenende wieder im St.-Petrus-Krankenhaus zu Bonn, um auch den linken in vorzeigbare Form bringen zu lassen. Auch dieses Mal ging alles glatt und ich blieb weitgehend vor Schmerzen verschont.

Im Gegensatz zum letzten Jahr blieb mir der Luxus eines Einzelzimmers versagt und ich war krankenkassenkonform in einem Doppelzimmer untergebracht, was ich zugegebenermaßen zunächst doof fand, heißt das doch, mehrere Tage und vor allem Nächte auf engem Raum mit einem wildfremden Menschen zu verbringen, Bad und Klo zu teilen; vielleicht schnarcht der, labert mich ungefragt mit seiner Kranken- und Lebensgeschichte voll oder weist sonstige unangenehme Eigenschaften auf; vielleicht will er fernsehen, wenn ich schlafen möchte oder umgekehrt, vielleicht telefoniert er ständig und bekommt laufend Besuch, während ich meine Ruhe haben will.

So war es dann auch – und auch nicht. Ja, mein Bettnachbar schnarchte wie eine außer Kontrolle geratene Sägemühle, er sprach bereits morgens um sechs mit mir, was ich ihm bald mit einem freundlichen Hinweis auf meine Abneigung gegen verbale Kommunikation vor neun Uhr abgewöhnte, manchmal telefonierte er und zweimal kam seine Frau zu Besuch. Und das war ausgesprochen angenehm: Nachdem ich am zweiten Tag meine angeborene ostwestfälische Distanziertheit überwunden hatte, unterhielten wir uns bestens, erfuhren viel voneinander, entdeckten einige Gemeinsamkeiten (auf die im einzelnen einzugehen ich mir und Ihnen hier erspare), bald duzten wir uns, tauschten Adressen aus und werden in Verbindung bleiben. Die Tage vergingen schnell, und für die Nächte bekam ich Ohropax.

Zwei Dinge habe ich während dieses Krankenhausaufenthaltes gelernt: 1. Es kann sehr bereichernd sein, sich auf einen fremden Menschen einzulassen und sich mit ihm auszutauschen, und 2. „Frauentausch“ ist eine völlig bescheuerte Serie, dennoch sollte man sie einmal gesehen haben.

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich dank Arbeitsunfähigkeit bei sommerlichen Verhältnissen auf dem Balkon, den operierten Fuß gemäß ärztlicher Weisung hochgelegt. Es könnte schlimmer sein.

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Wenn weiße Wagen wühlen

Mit Einbruch der Dunkelheit tauchen sie auf, schleichen durch die engen Straßen der Altstadt – weiße Lieferwagen mit zwielichtigen Insassen und auswärtigem Kennzeichen. Gleich bleicher Honigbienen bewegen sie sich von Haufen zu Haufen, auf der Suche nach brauchbarem, verkäuflichem, Metall die bevorzugte Beute. Darum seien Fahrräder an diesem Abend besonders gut verschlossen, Tische und Stühle der Außengastronomie rechtzeitig herein geholt; Menschen mit eisernem Willen oder Nerven wie Drahtseilen sollten die Altstadt meiden, wollen sie sich nicht jäh in einem der weißen Wagen wiederfinden.

Was einst der gelbe Wagen brachte, holt nun der weiße wieder ab. Was tagsüber sorgsam am Straßenrande gestapelt, ist bald zerwühlt, geplündert, großflächig gestreut, ein Bild blinder Brutalität; schwefeliger Dunst in der Luft, in der Ferne heisere Schreie, Hundebellen. Bis am Morgen der orange Wagen kommt und die gewohnte Ordnung wieder herstellt. Zurück bleiben Kühlschränke, Fernseher und Farbeimer, die niemandem mehr gehören.

Alle drei Monate wieder. Die genauen Termine finden Sie in Ihrem Abfallkalender.

Provence die erste – ein paar Urlaubsbilder

Die vergangene Woche verbrachten wir mal wieder in der Postkartenidylle der Provence, der Region des besonders blauen Himmels und Herkunft wunderbarer Weine. Hier ein paar Eindrücke – voila:

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Schon im letzten Jahr hatten wir einen Ausflug ins Bergdorf Brantes versucht, doch hielt uns dort ein schweres Gewitter mit Hagel direkt über uns davon ab, das Auto zu verlassen. Am Sonntag (27. April) hatten wir mehr Glück:

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Am Donnerstag wanderten wir ab und bis Baumes-de-Venise „einmal um den Berg“:

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Keine Wanderung ohne Pique nique:

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Katzenbilder? Kann ich auch:

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Eier gegen die Staatsgewalt

Nachdem Thomas de Maizière das Drohnendebakel durch Amtsübergabe an Frau von der Leyen überwunden hat, droht ihm neues Ungemach im Zusammenhang mit der Beschaffung eines Großgerätes zur Durchsetzung staatlicher Gewalt: des Wasserwerfers „WaWe 10“. Nach einem von Beamten der Thüringer Bereitschaftspolizei testweise durchgeführten Bewurf mit demonstrationsüblichen Gegenständen wie Eiern, Tennisbällen und halb gefüllten Plastikflaschen wies das Fahrzeug Beschädigungen auf, welche seine Eignung für den Einsatz gegen Wutbürger fraglich erscheinen lassen. Ein solches Schadensbild sei nicht nachvollziehbar, so ein Ministeriumssprecher. Der Innenminister selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Der Hersteller zeigte sich von den Testergebnissen indes unbeeindruckt: „Die Bundesrepublik Deutschland hat einen Wasserwerfer bestellt und keinen Panzerwagen. In der Bedienungsanleitung weisen wir extra darauf hin, den WaWe 10 möglichst nicht bei Hagel über acht Millimeter Korngröße einzusetzen, um lange Freude an dem Gerät zu haben“, betonte die Sprecherin des Unternehmens.

Das Bundesinnenministerium hat inzwischen reagiert und in enger Zusammenarbeit mit dem Justizministerium eine neue Verordnung über zulässige Wurfgegenstände bei Demonstrationen erarbeitet. Steine und steinähnliche Gegenstände, etwa Kaffeepötte – gefüllt wie ungefüllt – oder Glasaschenbecher sind gänzlich verboten. Die ursprüngliche Absicht, auch Eier zu ächten, scheiterte am erbitterten Widerstand des Verbandes Deutscher Legehennenhalter; diese (also die Eier) müssen nun zuvor gekocht und gepellt sein. Statt Tennisbällen sind nur noch Tischtennisbälle zulässig, und Plastikflaschen müssen vor dem Wurf vollständig geleert werden. Gegenstände aus gekämmter Baumwolle, Schaumkunststoff (Polystyrol) und Knetgummi wurden nach umfangreichen Tests durch das Bundesamt für Materialprüfung als unbedenklich eingestuft, wenn sie ein Volumen von achthundertzehn Kubikzentimetern nicht überschreiten.

Der Vorfall gab Anlass zu Überlegungen, ob der Einsatz von Wasserwerfern überhaupt noch zeitgemäß sei, auch im Hinblick auf die Ereignisse in Stuttgart 2010. Stattdessen wird Ersatz durch besonders leistungsstarke Laubbläser erwogen. „Wir können hier auf jahrzehntelange Erfahrungen zurück greifen“, sagte ein Ministeriumssprecher, „mit dem Produzieren heißer Luft kennen wir uns schließlich aus.“ Doch wird mit erheblichem Widerstand der Polizeigewerkschaft gerechnet: Bei ersten Tests trugen die Beamten trotz dreifachem Hörschutz erhebliche Gehörschäden davon. Auch ist fraglich, ob der Einsatz von Laubbläsern dem Gebot der Verhältnismäßigkeit entspricht und nicht einen Verstoß gegen das Haager Abkommen und die Genfer Konventionen darstellt.