Privatsache

Als kürzlich ein ehemaliger Fußballnationalprofi öffentlich bekannt gab, er sei mehr dem eigenen Geschlecht zugetan, gab es – neben reichlich Lob und Anerkennung – auch Stimmen, die da fragten: Wen interessiert das, warum muss er das rausposaunen? Das ist doch Privatsache!

Gegenfrage: Warum muss ich in einem Zeitungsartikel über den Eintritt eines ehemaligen BDI-Präsidenten in eine zweifelhafte Partei völlig zusammenhanglos lesen, er sei „in zweiter Ehe verheirateter Vater“? Warum enden so viele Reportagen und Berichte über Personen, die irgendwas mehr oder weniger bedeutendes getan oder gesagt haben, mit dem Satz „A. ist verheiratet und hat drei Kinder“? Wen interessiert das? Das ist doch Privatsache!

Aber wenn schon Privatangelegenheiten ohne Grund oder erkennbaren Zusammenhang vom Licht der Öffentlichkeit angestrahlt werden müssen, warum dann immer nur dieser Familienstandskram und nicht zur Abwechslung mal andere, ähnlich interessante Fakten? Hier einige Vorschläge:
„A. hat blaue / grüne / graue / braune Augen“ oder „ein Glas- / Hühnerauge.“
„… der bekennende Raucher / Nichtraucher B. …“
„C. rasiert sich / rasiert sich nicht die Schamhaare.“
„Der Kronzeuge D. kann nicht singen.“
„Die Rechtsanwältin E. kann nicht klagen.“
„Der Kirchenkritiker F. bevorzugt rote Götterspeise.“
„Der begeisterte Porschefahrer G. hat einen enorm großen Penis.“
„Der bekennende Heterosexuelle H. mag Analsex, passiv.“

Das interessiert keinen? Ach…

3 Gedanken zu “Privatsache

  1. Deine Argumentation ist nicht von der Hand zu weisen.
    Wie jemand sexuell gepolt ist, ist ebenso seine Privatsache wie seine Augenfarbe u.s.w.

    Dennoch kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass du mit deinen Beiträgen ebendiesen Hype unfreiwillig befeuerst, den du zu bekämpfen wünschst.
    Ich mag mit dieser Einschätzung falsch liegen.

    Du möchtest erreichen, dass Homosexualität ebenso als gesellschaftliche Normalität anerkannt wird wie die Tatsache, ob jemand z.B. Bartträger ist. Dennoch scheint dir selbst das Thema so sehr auf den Nägeln zu brennen , dass du dich dazu immer wieder zu Wort meldest.

    Aber wenn nicht einmal für dich selbst das Thema normal scheint … wie kannst du dann von deinen Lesern das Gegenteil erwarten?

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  2. Ich kann dir nur zustimmen. Ich finde auch, dass es für das berufliche Tun einer Person völlig irrelevant ist, ob er ein Hühnerauge und 3 Kinder hat, ob er sich rasiert oder seine Frau schlägt. Das mag ihn alles als Person irgendwo auszeichnen, ist aber vollkommen egal, wenn es darum geht, ob er z.B. ein guter Minister ist. Dann sollte man grün, gelb oder rosa sein, an das fliegende Spaghettimonster glauben und Sex mit seiner Gummipuppe Rita haben dürfen. Hauptsache man macht seinen Job gut.

    Leider sind viele Leute doch lieber die Schaulustigen und zerreißen sich über andere das Maul. Befeuert durch Medien, die zu faul sind, sich mit dem eigentlich Thema zu beschäftigen und daher lieber im Privatleben rumwühlen. Ist ja auch einfacher.

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