Nix darf man!

Vorbemerkung: Den nachfolgenden Text schrieb ich bereits am 16. Juli. Aufgrund der aktuellen Meldung, dass die Grünen nun einen wöchentlichen ‚Veggie Day‘ in Kantinen staatlich verordnen wollen, ist es an der Zeit, ihn unters Volk zu bringen.

***

Spätestens seit Moses mit einigen Steintafeln im Gepäck von seiner Bergtour zurück kam, ist das menschliche Dasein von Verboten bestimmt. Viele davon leuchten unmittelbar ein: anderen grundlos den Schädel einzuschlagen gilt als eher unhöflich, und besoffen Autofahren und Kopulieren auf offener Straße sind in weiten gesellschaftlichen Kreisen überwiegend unerwünscht, zu recht. Auch an die gelben Schilder, die etwa das Betreten von Rasenflächen oder Baustellen oder laufende Motoren in geschlossenen Räumen verbieten, haben wir uns in Deutschland schon lange gewöhnt, irgendwie gehören sie dazu, Eltern haften für ihre Kinder.

Dann gibt es zahlreiche Verbote, deren Sinn nicht unmittelbar einleuchtet, und das werden täglich mehr. Die katholische Kirche verbietet Kondome und Sex vor dem ersten Kind (hierzu läuft in Österreich eine staatlich geförderte Kampagne mit „Känguru Keuschi“, keine Satire!* ), die EU verbietet Glühbirnen, und die Grünen sind gegen Getränkedosen, Raucherkneipen, Heizpilze, ja sogar Motorroller, warum auch immer, und neuerdings auch gegen das Recht auf die tägliche Currywurst in der Kantine.

Kann ich die vatikanischen Verbote noch mit einem Schulterzucken als päpstliche Püpse abtun und einfach ignorieren, so sehe ich die staatliche (und keineswegs nur grüne) Reglementierung unseres Alltags mit wachsender Sorge und frage mich: was verbieten sie uns als nächstes? Volksmusik? Bier? Wein? Schokolade? Kaffee? Tee? Cola? Facebook? Sonnenbaden? Freibäder? RTL? Mainzelmännchen? Fußball? Popcorn? Party? Porno? Porsche? Karneval? Urlaubsreisen über 300 Kilometer? Für all dieses ließen sich sicher gute Gründe finden, alles nur zu unserem besten.

Ich hätte auch noch ein paar Vorschläge: Laubbläser, Sprechen in Bahnen, Bussen und Aufzügen vor neun Uhr morgens, vor zehn Uhr aufstehen, Radiowerbung für Möbelhäuser, Müsli und Radiowerbung, Kirchenglocken, Tragen von Flip-Flops in der Öffentlichkeit, Lady-Gaga-Handytöne, seinen Kindern Namen wie „Jimmy Blue“ geben, „Verzögerungen im Betriebsablauf“ bei der Bahn, Mitführen von Fahrrädern in der Straßenbahn, Abspielen von Jan Delay in öffentlichen Radiosendern, „Gesundheit“ rufen, wenn einer niest, sowie den Gebrauch des Wortes „Mahlzeit“.

Ach ja, das wichtigste: unsinnige Verbote gehören als erstes verboten. Und die Grünen? Nun gut, so weit will ich nicht gehen.

—–

* Nachtrag: Hier irrt der Schreiber, es handelt sich sehr wohl um eine Satire: http://www.heise.de/tp/artikel/39/39537/1.html
Aber zugetraut hätte ich es ihnen!

3 Gedanken zu “Nix darf man!

  1. Der Witz ist ja: ich habe bis jetzt nirgendwo gelesen, wie die Grünen ihr „Fleischverbot“ umsetzen wollen. Ich bezweifle, dass man das gesetzlich durchpeitschen kann, sondern nur auf dem „Subventionsweg“. Abgesehen davon, glaube ich auch, dass ein verordneter Veggietag nichts bringt, allein schon, weil ich vlt. nicht jeden Tag X in der Woche vegetarisch essen möchte. Dass ein hoher Fleischkonsum aber Gammelfleisch auf der einen Seite und ökologische Probleme auf der anderen Seite verursacht und man diese Problematik angehen sollte, sehe ich aber genauso. Und zum Thema Aktualität dieser Grünen-Forderung sei nur gesagt: http://www.stefan-niggemeier.de/blog/veggie-day-wie-man-aus-alten-fleischabfaellen-der-bild-zeitung-nachrichten-macht/

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