Tschick – eine persönliche Nachlese

Im Urlaub hat man Zeit, jedenfalls ich, sonst wäre es für mich kein Urlaub – Zeit zum Lesen. So habe ich „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf zu Ende gelesen, nachdem ich es vor ein paar Wochen begonnen hatte, immer nur morgens in der Straßenbahn auf dem Weg zur Arbeit und abends wieder zurück.

Ich mag Herrndorfs Art zu schreiben, schon „In Plüschgewittern“ begeisterte mich. Nun also Tschick, der verkürzte Name eines der beiden Helden, ein russischer Achtklässler; „Tschichatschow“ kann sich schließlich keiner merken, geschweige denn, es aussprechen.

Der andere Held – und Ich-Erzähler des Romans – ist Maik, nach eigenem Empfinden der größte Langweiler in seiner Klasse, von niemandem beachtet, vor allem nicht von Tatjana, die er anschmachtet, und die alle zu ihrer großen Geburtstagsfeier ins Haus am See einlädt – fast alle, außer Maik, Tschick und ein paar andere Außenseiter. (Maik ist übrigens meine Lieblingsfigur des Buches, so ein bisschen finde ich mich hier und da in ihm wieder.)

Maik und Tschick freunden sich an, und zu Beginn der Sommerferien kommt Tschick auf die Idee, mit einem gestohlenen (bzw. „geliehenen“) Lada in die Walachei zu fahren, wo Verwandtschaft wohnt. Nach anfänglichen Bedenken wittert Maik die Chance, endlich aus seinem Langweilertum auszubrechen, und so steigt er in den Lada ein.

Obwohl keiner von beiden weiß, wo die Walachei liegt, fahren sie erstmal los, aus Berlin hinaus Richtung Süden, durch das oberlausitzer Braunkohlerevier und andere rätselhafte Gegenden; sie begegnen skurrilen Personen, wie der merkwürdigen Familie in einem kleinen Dorf, die ganz viel weiß, nur nicht, wo der Supermarkt ist; der verlotterten Isa von der Müllhalde; dem Schützen Horst Fricke, der die beiden fast über den Haufen schießt; und der Sprachtherapeutin mit der Physiognomie eines Flusspferdes, die Tschick versehentlich einen Feuerlöscher auf den Fuß fallen lässt, so dass Maik von da an den Lada fahren muss.

Unterwegs erzählt Tschick Maik, dass er schwul ist, was jedoch auf den Verlauf der Geschichte – erfreulicherweise – keinen Einfluss hat.

Ein Unfall mit einem Schweinelaster beendet das Abenteuer schließlich, Tschick kommt in ein Heim, Maik kommt mit Arbeitsstunden davon, ansonsten läuft für ihn alles wie gewohnt weiter, bis auf den Hauch eines gewissen Heldentums, der auch Tatjana nicht entgeht.

Das Buch endet im elterlichen Swimmingpool, zusammen mit Maiks besoffener Mutter und einigen Möbelstücken – mit den letzten Worten:

„Weil, man kann zwar nicht ewig die Luft anhalten. Aber doch ziemlich lange.“

Ein wunderbares Buch, sehr zu empfehlen!

Tschick

Ein Gedanke zu “Tschick – eine persönliche Nachlese

  1. Oh man ich dachte Maik würde es einfach nur interpretieren -.- und wie kann er denn schwul sein ?! Vielleicht kommt das Maik nur so vor weil er von seinem schwulen Onkel erzählt hat, und nur weil man sich noch nicht für Mädchen interresiert heißt es doch nicht das man gleich schwul st ;O Ich hoffe das ist so, macht mich grad voll stinkich ! Aber ich finde dsa Buch auch echt toll.!

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