Abgeschrieben: Ueber 7 Meere musst du gehn.

In dem sehr lesenswerten Blog von areus ist ein wunderbarer Text über das Erinnern zu finden. Und er hat mir erlaubt, diesen Text auch meiner mehr oder weniger geneigten Leserschaft nahe zu bringen, wofür ich ihm sehr danke! – Lesen Sie selbst:

Weißt du noch wie’s früher war?
Ich erinnere mich an früher, damals, als Steppke, wie ich aufm Dorf aufgewachsen bin. Da konnte das Älter werden gar nicht schnell genug gehen. Die Freiheit, in Form von Führerschein und Auto, war lang ersehnt. War man doch an die Bescheidenheit eines 2000 Seelen Ost-Dorfes gebunden. Im Nachhinein eine unvorstellbare Qual, kennt man erst die Möglichkeiten, die Großstädte bieten. Was wussten wir denn schon von Lifestyle, Partys und Kultur?
Unser Nachtleben bestand einzig und allein darin, dem Nachbarhund beim Kläffen zu zuhören. Dieser Töle und den Besoffenen, die gelegentlich torkelnd über das unebene Kopfsteinpflaster liefen, auf dem Heimweg von der Kneipe, ihre Parolen los ließen.
Aber! schlimm fand ich es damals nicht. Man wollte unabhängig sein, aber vermisst hat man nichts so richtig. Was sollte man denn vermissen? Etwas, das man nicht kennt?

Und so verging Jahr um Jahr, die Freiheit wurde zur Selbstverständlichkeit und aus dem Dorf eine „mittel“(auf die Einwohnerzahl bezogen)-prächtige Großstadt.

Nun lebe ich fast 10 Jahre hier, einer unter Fünfhunderttausend (in Zahlen 500.000). Und es braucht nur einen Abend, eine Melancholie, eine Überlegung um sich alles ein wenig durch den Kopf gehen zu lassen.

Meine Güte, was hab ich alles erlebt, was hab ich alles gemacht. So ein Abriss der Zeit und man fragt sich, wieso es damals nicht schnell genug gehen konnte, sollte es doch jetzt oftmals viel langsamer verlaufen, das Leben.

Erschreckend, was in der Welt so vor sich geht. Und wir? Wir trotten meist vor uns hin, versuchen die wenige freie Zeit zu genießen, die Tage und Stunden mit Freunden zu verbringen und trotzdem immer eine Minute für uns allein zu haben. Eine Minute zum Nachdenken, zum Luft holen, zum Aufatmen. Solch eine Minute, wie ich sie heute Abend habe. Eine Minute, in der ich 10 Jahre Nürnberg Revue passieren lasse.
So viele Gedanken und Erinnerungen. Erinnerungen an Kollegen, an traurige, schlimme, aber auch gute und lustige Momente. Erinnerungen an Erlebnisse, an Farben, an Zahlen und Töne. Würde man es extern speichern wollen, die Datenmenge wäre gigantisch, aber sicher wäre es ein durchaus sinnvolles Unterfangen.

Wisst ihr eigentlich noch, wo ihr am 11. September 2001 ward? In diesem Moment, als das erste Mal durch die Nachrichten ging was vorgefallen war?
Stand vielleicht jemand von euch in diesem Mega-Stau Weihnachten 2001, auf der A9, Richtung Berlin? 21 Stunden für 300km.
Der „Tag des Mauerbaus“ im Jahr 2002, unvergesslich!
Und dann erst 2005, als die Welt für mich gänzlich aus den Fugen geriet und dennoch überall Schultern waren und Hände, die sich zum Halten anboten. Über eine Hand und die dazugehörige Schulter bin ich ganz besonders glücklich. Ja, das Jahr war in jeglicher Hinsicht nicht einfach.

In all den Jahren hab ich beruflich so einiges gemacht. Ich war Kfz-Mechaniker, Servicetechniker, hab eine Zeit lang eine Werkstatt geleitet, habe als Rettungssanitäter gearbeitet, habe Klamotten verkauft, Leichen seziert und letztlich meine Umschulung zum Gestalter gemacht. Mir wurde nie langweilig, wie man sieht.

10 Jahre in Nürnberg, 10 Jahre voll Höhen und Tiefen. Das Jahr 2011 wird den vergangenen Jahren in nichts nachstehen, dessen bin ich mir sicher.
Auch in diesem Jahr stehen große Entscheidungen an, die weitläufige Konsequenzen mit sich ziehen werden.

Ich denke besser nicht daran. Ich denke an mich, als ich ein Steppke war, in kurzen Hosen durchs Dorf radelte, mit Freunden auf den Äckern Mäuse fing, Futtermais aß, Buden baute, in der Ziegelei baden war, als ich noch Samstag zur Schule ging und im Winter der Schnee meterhoch lag. Ich denke an die langen Winter-Samstage, die gemütlichen, an den roten Thermobehälter, mit dem wir im Sommer immer Eis geholt haben, ich denke an so viele, viele Kleinigkeiten.

Die meisten Erinnerungen überdauern die Zeit, bleibt nur zu hoffen, dass unsere natürliche Festplatte nicht irgendwann, irgendwie crasht.

Ich wünsche euch ausreichend Minuten im Leben, in denen ihr EUCH am Wichtigsten seid!
Minuten zum Entspannen, zum Alleinsein. Denn seid gewiss, es sind mehr als 7 Meere, die wir irgendwie durchschwimmen, überqueren oder teilen müssen.

Quelle: http://areus.wordpress.com/2011/03/28/uber-7-meere-musst-du-gehn/

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