Vom tun und lassen lassen

Im Urlaub kann man tun und lassen, was man will. Also natürlich nicht alles, aber immerhin doch etwas mehr als im Dasein alltäglicher Drangsal. So stieße es beispielsweise auch zu arbeitsfreien Zeiten verständlicherweise auf mitmenschliche Irritation, setzte ich mich nackt ins Straßencafé, Gedichte von Eugen Roth zitierend, wohingegen niemand Anstoß daran nähme, starrte ich von morgens bis abends die gegenüberliegende Wand an, schweigend.

Für mich ist vor allem die Möglichkeit des Lassens ein wesentlicher Faktor der Urlaubsfreude. So verzichte ich sowohl auf die Rasur als auch die gelunterstützte Frisurfindung morgens, auch muss ich nicht täglich ein frisches Oberhemd anziehen. Dennoch fühle ich mich nicht verwahrlost. Drei- bis Mehrtagesbärte sind ohnehin wieder im Kommen, auch kann man ein Hemd durchaus drei und mehr Tage nacheinander tragen, ohne dass es allzu streng riecht, eine ansonsten einigermaßen reinliche Lebensführung vorausgesetzt; bei Unterwäsche rate ich hingegen davon ab, es sei denn, Sie möchten wirklich mal ganz Ihre Ruhe haben fernab jeglicher zwischenmenschlicher Interaktion.

Ja, der Mensch sollte mehr Mut zum Lassen haben. Merke: Man kann das eine lassen, ohne das andere zu tun.