Woche 29: Überwiegend angenehm in gewohnter Geschäftigkeit

Liebe Leserinnen und Leser, hier der Rückblick auf die wichtigsten Ereig- und Erkenntnisse der Woche vom 13. bis 19. Juli 2020.

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Montag: „Abstand ist angesagt“, steht auf einem Plakat des Landes NRW. Für Teile von Mallorca galt am vergangenen Wochenende indes eher: „Anstand ist abgesagt“.

Der erste Arbeitstag nach dem Urlaub enthielt zwei weitgehend entbehrliche halbstündige Besprechungen und einen mittäglichen Spaziergang durch die Rheinauen, ansonsten keine nennenswerten Imponderabilien. Was verlangt man von einem Montag dem 13. mehr.

Dienstag: Treffen sich zwei EU-Beamte. (Warum beginnen Witze eigentlich immer mit dieser sprachlich äußerst fragwürdigen Einleitung? Warum sagt man nicht „Ein Mann kam zum Arzt“ statt „Kommt ein Mann zum Arzt und sagt »Herr Doktor, Herr Doktor …« [Einschub: Kein Mensch geht zum Arzt und sagt »Herr Doktor, Herr Doktor«] – Egal, das soll jetzt nicht Gegenstand der Betrachtung sein, also weiter im Text.) Sagt der eine: „Mir ist so langweilig.“ Darauf der andere: „Mir auch. Los, lass uns die Mindesthaltbarkeit von Mineralwasser regeln.“ – „Au ja!“

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Mittwoch: Der Tag verlief überwiegend angenehm in gewohnter Geschäftigkeit ohne notierenswerte Ereignisse. Allenfalls wäre zu beklagen gewesen, dass laut Zeitung die Ausfuhr von Kriegswaffen aus Deutschland gestiegen ist, doch möchte ich mich nicht ständig wiederholen.

Abends war leichtes Theatergrummeln zu vernehmen, weil der Liebste zuvor ein wenig Nachbarschaftspflege betrieben hatte. (Nein, keine sexuelle Belustigung.)

Donnerstag: Kennen Sie das, wenn Sie einen Satz oder Begriff hören, den Sie anschließend ständig leise vor sich hin flüstern und dabei jedes Mal kichern müssen? So erging es mir heute, als ich von der „Spielvereinigung Pittenhart e.V.“ Kenntnis erhielt. Was mag dort gespielt werden? Man möchte Mäuschen spielen.

Nicht gespielt sondern echt die Maus bei uns im Haus. Erstmals gesichtet haben wir sie vor einer Woche abends auf unserem Balkon, wie auch immer sie dorthin gelangt ist, sie scheint über beachtliche Kletterkünste zu verfügen. Daraufhin besorgte der Liebste eine Mausefalle – nicht so ein brutales Modell mit Drahtbügel, der mit Federkraft dem armen Tier das Genick bricht, sondern eine für Mausverhältnisse geräumige, fellschonende, durchsichtige Plastikröhre, die sie in Gewahrsam nimmt, auf dass wir sie anschließend unversehrt fern des Hauses in die Freiheit entlassen könnten. Entweder mag sie keinen Käse, keine Nusscreme noch Körner, oder sie ist sehr klug; jedenfalls blieb die Röhre bislang mausmäßig unbetreten, daher nahmen wir schon an, sie hätte den Balkon wieder verlassen. Irrtum: Heute sah der Liebste sie durch das Schlafzimmer huschen, mit wenig Bereitschaft zur Gefangennahme. Das kommt davon, wenn die Balkontür ständig geöffnet ist, aber auf mich hört ja keiner. Nun steht die Falle also im Schlafzimmer. Immerhin geht von ihr keine Unfallgefahr für Zehen aus.

Nachtrag: Am späteren Abend durchquerte die Maus die Küche und verschwand zunächst hinter dem Kühlschrank. Kurz darauf verließ sie durch die geöffnete Balkontür freiwillig die Wohnung. Sicher ist: Sie wird wiederkommen, wenn die Tür das nächste Mal offen steht. Also sehr bald.

Freitag: Als ich morgens als zweiter in die Küche kam, war die Balkontür schon wieder weit geöffnet. Ich erwäge, der Maus im Wohnzimmer eine Ecke einzurichten, mit Futterstelle und Grasfläche, falls sie dauerhaft bei uns wohnen möchte. Vielleicht bringt sie noch ein paar Freunde mit.

Häufigster Satz in Skype-Besprechungen: „……………………. Sorry, ich war noch gemutet.“

Ansonsten gehört: „Wenn man sich mit anderen unterhält, denkt man, das ist so ne Art Psychologie, aber dann verstehen die das und geben einem recht.“

Samstag: „Tsundoku“ ist ein japanisches Wort, es bedeutet, ein frisch gekauftes Buch zu den anderen ungelesenen zu legen. Solches zu tun war mir heute vergönnt, nachdem ich in der Buchhandlung meines Vertrauens nicht ein Buch erstanden habe, sondern vier.

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Sonntag: Das seit März in großen Mengen gekaufte Toilettenpapier geht mit Ablauf dieser Woche zu neige, ab Montag müssen die Deutschen wieder nachkaufen. Das wollen Marktforscher laut Sonntagszeitung herausgefunden haben.

Während des Spaziergangs begegnete mir ein Mädchen auf einem Einrad. Für mich, der ich nicht mal in der Lage bin, freihändig Fahrrad zu fahren, immer noch eines der größten Rätsel. Warum funktioniert das, und wie ist es Menschen möglich, das zu erlernen? Und wer hat sich das ausgedacht? Das erscheint mir wesentlich interessanter als die Klopapierbestände in deutschen Haushalten.

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Ich wünsche Ihnen eine angenehme neue Woche mit ausreichend Toilettenpapier und auch sonst ohne nennenswerte Mängel!