Woche 5: Eine Bahnreise und ein Brückenschaden

Montag: Fünf ist Trümpf – heute vor fünfundzwanzig Jahren führte die Deutsche Bundespost die fünfstellige Postleitzahl ein. Der von manchen zuvor befürchtete Untergang der westlichen Zivilisation ist bislang nicht eingetreten, jedenfalls nicht aufgrund der Postleitzahl (von Vorgenannten aufgrund ihrer pessimistischer Erwartungen auch gerne als „Postleidzahl“ bezeichnet). Dass hingegen nicht aller guten Dinge drei sind, zeigt ein Fall aus Pinneberg: Die dortige Kreisverwaltung gestattete kürzlich zum Zwecke der Familienzusammenführung der Zweitfrau eines syrischen Flüchtlings die Einreise nach Deutschland. Skandal. Die sozialen Hetzwerke schäumen vor Empörung, ein Kommentator des Bonner General-Anzeigers sieht den Vorfall auf einer Qualitätsstufe mit Rauschgiftschmuggel. Polygamie in Deutschland, das geht gar nicht. – Warum eigentlich nicht? Wenn schon Ehe für alle, dann richtig!

Dienstag: Eine Bahnreise von Bonn nach Dresden dauert alles in allem ungefähr doppelt so lange wie der Flug, ist jedoch mindestens zehnmal schöner.

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Mittwoch: „Edition Team / No. 25-01-Reg. Brand – Follow the unique route.“ Was auf Hemden von Camp David halt so draufsteht.

Donnerstag: Notiz an mich: Ein Hase ist kein Kater, und umgekehrt. (Das müssen Sie jetzt nicht verstehen.)

Freitag: An die menschliche Fehleinschätzung, es für angemessen zu halten, sich während einer längeren Zugfahrt der Schuhe zu entledigen, sind wir hinreichend gewöhnt. Für mich neu war bis heute, dass es Menschen gibt, die dergleichen auch in Besprechungen tun, was meiner zugegebenermaßen unmaßgeblichen Ansicht nach nicht einmal durch den Freitagnachmittag zu rechtfertigen ist.

Samstag: Offenbar verlor in der Nacht jemand eine weiße Kommode auf dem Gehweg gegenüber dem Nachbarhaus. Ich bin nun gespannt, ob sich jemand ihrer erbarmt oder ob sich bald weiterer Hausrat hinzugesellt.

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In gehobener Gastronomie wurde ich abends Zeuge gepflegter Konversation am Nebentisch: „Wenn ich weiter so viel saufe, habe ich noch acht Jahre zu leben.“ – „Das ist viel.“

Sonntag: Natürlich freue auch ich mich über Glückwunschbekundungen am Geburtstag. Aber das ist doch kein Grund, vor elf Uhr das Telefon schellen zu lassen! Ansonsten verbrachte ich aufgrund eines Brückeneinsturzes mehrere Stunden in einer zahnärztlichen Notfallpraxis, was mich an ein Gedicht von Heinz Erhardt erinnerte: „Die alten Zähne wurden schlecht / und man begann, sie auszureißen / Die neuen kamen gerade recht / um mit ihnen ins Gras zu beißen.“