Dumme Frage

Liebe heterosexuelle Mitmenschen, seit einiger Zeit ermöglicht ihr uns Schwulen ein recht angenehmes Leben, jedenfalls in einem halbwegs zivilisierten Land wie unserem: Weder steinigt ihr uns, noch schlagt ihr uns gleich den Schädel ein; unser Begehren bringt uns nicht mehr in den Knast, wir dürfen so etwas ähnliches wie heiraten, mittlerweile sogar mit Steuervergünstigung. Und Außenminister werden. Obwohl wir in den Augen der katholischen Kirche, der CSU und einiger anderer unmaßgeblicher Randgruppen krank, wenigstens aber bedauernswerte Verirrte sind. Das alles hat lange gedauert und war längst überfällig, deshalb erwartet bitte keinen übermäßigen Dank von uns.

Wir kommen also ganz gut miteinander klar. Noch besser kämen wir klar, stelltet ihr uns nicht immer wieder diese eine, selten dämliche Frage:
„Wer ist denn bei euch die Frau?“
Merkt ihr eigentlich gar nicht, wie bescheuert das ist? Schaut mal in den Duden, dort steht vermutlich (ich habe für euch nicht extra nachgeschaut): homo = gleich, hetero = anders. Merkt ihr was? Ein kluger Mensch schrieb mal, ich glaube bei Twitter, sinngemäß folgendes: „Lasst ihr euch beim Chinesen auch Stäbchen bringen und fragt dann, welches die Gabel ist?“

Was genau begehrt ihr eigentlich zu wissen mit dieser Frage: wer bei uns den Abwasch macht, kocht, den Kindern, wenn wir welche haben, morgens die Butterbrote schmiert, das Klo putzt? Gegenfrage: wer macht das denn bei euch? Ach die Frau? Und das findet ihr normal?

Ach so, jetzt verstehe ich, darum geht es euch gar nicht. Ihr wollt also wissen, wie das bei uns im Bett so läuft, warum fragt ihr das nicht gleich. Wisst ihr was? Das geht euch einen Scheiß an. Aber ich verrate es euch trotzdem, bin ja gar nicht so. Also: wir haben einen Penis und einen Anus, jeder von uns. Und glaubt mir, darauf könnt ihr euren Arsch verwetten: beide Rollen machen saumäßig viel Spaß. Tja, da sind wir euch gegenüber mal im Vorteil, das müsst ihr zugeben!

Kein Netz

Wir haben Urlaub, ich erwähnte es schon. Das Smartphone meldet „Kein Netz“, es hat auch Urlaub. Im Café mit dem WLAN hat man nur unregelmäßig Netzzugang, und auch das Tablet meldet selten mehr als zwei Balken und 3G (jetzt gerade zum Beispiel). Kein Netz, das heißt: kein Twitter, kein Facebook, keine E-Mails, keine SMS, und vor allem keine Anrufe. Unerreichbarkeit, ein Zustand, der heutzutage bei vielen Menschen Panikattacken auslöst.

Nicht bei mir, ich gehöre noch zu einer Generation, die ohne Internet und Smartphone aufgewachsen und in der Lage ist, sich offline zu beschäftigen. Zum Beispiel mit abwaschen. Zu Hause, in des Alltages Hektik, zähle ich die Geschirrspülmaschine zu den wichtigsten Haushaltsgeräten, noch vor Fernseher und elektrischer Zahnbürste. Hier in unserem Ferienhaus fehlen alle drei, das heißt, sie fehlen nicht, sie sind einfach nicht da. Und ich stelle fest, das Abspülen mit der Hand bereitet mir Freude, es hat etwas nahezu meditatives. Und am Ende sehe ich das Ergebnis meiner Mühen vor mir, kann stolz auf saubere Gläser, Tassen, Teller und Bestecke blicken, ein Gefühl, welches der Büroalltag nur selten bietet, es sei denn, man misst einer erstellten PowerPoint-Präsentation die gleiche Bedeutung bei wie sauberen Weingläsern.

Ähnlich befriedigend ist die eigene Herstellung von Marmelade. An einem Regentag in unserem letzten Urlaub saßen wir am Küchentisch, entfernten das Grün von etwa zehn Kilo Erdbeeren, die wir kleinschnippelten, unter Zugabe von ähnlich viel Zucker in einem großen Kupfertopf kochten und anschließend in Gläser abfüllten. Somit verfügten wir über fünfundzwanzig Gläser köstlicher Erbeermarmelade, in etwa unser Bedarf für die nächsten zehn Jahre.

Na und? Ist doch besser, als irgendeinen Nachmittags-Reality-Dreck auf RTL anzuschauen und gleichzeitig zu verfolgen, was unsere Facebook-„Freunde“ treiben. Übrigens ist hier gerade Kirschen- und Aprikosensaison. Gefällt mir!