Woche 38: Whitney Houston würde sich im Grabe umdrehen

Montag: Werte Frau Lavinia, fast hätten Sie mich überzeugt, „diese einmalige Gelegenheit“ wahrzunehmen, doch auch, wenn es Sie schrecklich betroffen macht: Die Anführungszeichen ließen mich im letzten Moment zweifeln und von der Aussicht auf ein schillerndes Leben Abstand nehmen.

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Ich bin mir sicher, die Entscheidung war richtig.

Im Zusammenhang mit der Automesse las ich zum ersten Mal das Wort „Host“ als männliches Gegenstück zur bekannten Hostess. Das sind so Dinge, über die man sich vorher nie Gedanken gemacht hat. Oder haben Sie sich schon einmal gefragt, für was „Kaninchen“ die Verniedlichungsform ist?

Dienstag: Mein Telekommunikationsanbieter schreibt:

Eher ginge ich in die Hölle.

Mittwoch: Verflucht sei der Synonymzwang im Journalismus. Aus einem Zeitungsartikel in der Neuen Westfälischen: »Auch in Paderborn […] Für die Domstadt müsse deshalb wohl eine Lösung „gestrickt werden“. Der City-Manager hofft, in den kommenden Wochen ein Modell für die Paderstadt präsentieren zu können.«

Bei der Einfahrt mit der Bahn in Köln sehe ich mehrere Meter ungrafittierter Lärmschutzwand. So etwas sieht man ja seltener als eine Sternschnuppe, gerade in unserer lichtdurchfluteten Welt. Darf ich mir jetzt was wünschen?

Donnerstag: „Es ist auch in der Comedy nicht alles erlaubt, was nicht explizit verboten wurde“, schreibt ausgerechnet Hans Witzmann in einem Leserbrief an den General-Anzeiger.

Eines meiner Lieblingsärgernisse ist hier ganz vorzüglich auf den Punkt gebracht:

„Zum anderen brausen gefühlt jeden Tag noch mehr getunte Superbrummer um die Blöcke, Sportwagen der allerhöchsten Leistungs- und Tuningklasse, die ihren Sprit laut schlürfend in Tempo-30-Zonen vergurgeln. Die sorgen hauptsächlich für Geräusch, und dieser Sound wabert dann so durch die Straßen und die Bebilderung erfolgt durch die SUVs, in der Kombination ergibt das so eine Endzeit-Ausstrahlung, kurz bevor die Autos verschwinden, kurz vor dem Untergang, muss alles, alles noch einmal gezeigt und vorgeführt werden.“

Besonders bedanke ich mich für das Wort „vergurgeln“.

Freitag: Manchmal lohnt es, den Blick von Bildschirm oder Display zu lösen und nach oben zu schauen. Da war heute ganz schön was los.

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Samstag: Nachdem das Kimapäckchen gepackt und abgeschickt ist, widmet sich der Gesetzgeber laut Zeitungsbericht weiteren bedeutenden Themen. Unter anderem berät man eine Senkung der Tamponsteuer, die Bestrafung unbefugten Fotografierens unter Damenröcke sowie ein Verbot von Terrorwerbung, wobei mit letzterem die Werbung für Terror gemeint ist und nicht der Terror, der von Werbung ausgeht. Der bleibt selbstverständlich weiterhin erlaubt.

„Hosen laufen komischerweise immer am Bund ein, nie in der Länge.“ Vom Leben versteht er was, der Geliebte.

Abends waren wir nach längerem mal wieder im Kino, Downton Abbey, sehr sehenswert, jedenfalls wenn man die Serie kennt und mag. Zitat Lady Voilet, Dowager Countess of Grantham: „Ich streite nicht, ich erkläre.“ Muss ich mir merken.

Sonntag: Ein warmer Spätsommertag, der die Singstar-Krähe von gegenüber veranlasst, bei geöffnetem Fenster die Siedlung zu beschallen. Whitney Houston würde sich im Grabe umdrehen.

Nicht „Sing mit“, sondern „Denk mit“, so könnte der Titel einer Broschüre lauten, die Heranwachsende zum kritischen Hinterfragen anhalten möchte, wenn ihnen jemand beispielsweise ein „schillerndes Leben“ in Aussicht stellt, oder eines Rätselmagazins für Senioren. Warum allerdings ausgerechnet die Reinigungsmittelserie einer Drogeriekette so heißt, will mir auch bei intensivem Mit- und Nachdenken nicht einleuchten.

3 Gedanken zu “Woche 38: Whitney Houston würde sich im Grabe umdrehen

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