Wenn die Zahlung der Rundfunkgebühr nicht ganz so weh tut

Es liegt mir fern, für irgendein Unternehmen Werbung zu machen, auch nicht für eine öffentlich-rechtliche Medienanstalt. Doch fragte man mich nach meinem Lieblings-Radiosender, so lautete meine Antwort: WDR 2. Jedenfalls hier zu Hause und dort, wo seine Wellen das Radiogerät erreichen (jetzt kommen Sie mir bitte nicht mit Internet-Radio). In Frankreich hingegen ist es eindeutig Radio Nostalgie, da stört mich nicht mal die Werbung, weil ich das Geplapper nicht verstehe und es außerdem irgendwie zum Urlaub dazu gehört.

WDR 1 mochte ich auch, vor allem wegen Musiksendungen wie der „Flipp-Zeit“, und empfand seine zwanghafte Verjüngung zu 1Live in den Neunzigern als Verschlechterung. Mittlerweile ertrage ich 1Live fast gar nicht mehr, vor allem dann nicht, wenn sie witzig sein wollen („Lukas’ Tagebuch“ – Gähn…) und die Stellen, an denen der gequälte Hörer den Witz bemerken soll, mit einem überflüssigen Geräusch markieren; das gilt allerdings auch für andere Sender, insbesondere SWR 3, der sich hier im Rheinland aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen allgemein großer Beliebtheit erfreut.

Zurück zu WDR 2. Er war schon in meiner geraume Zeit zurückliegenden Jugend Begleiter meiner einst liebsten Freizeitbeschäftigung, dem Basteln an der Modelleisenbahn auf dem Dachboden. Als Medium diente ein uraltes, riesengroßes Röhrenradio, das ich von irgendwem „geerbt“ hatte und das nach dem Einschalten immer knapp eine Minute brauchte, bis was zu hören war. Höhepunkt meiner Woche war die Sendung „Unterhaltung am Wochenende“ samstags ab vier, eine Mischung aus Humor (heute heißt das wohl Comedy) und Musik; Krone dieses Höhepunkts wiederum war die „Kleine Dachkammermusik“ mit Hermann Hoffmann, Otto de Vries, Pankratius Schräuble, Herrn Schlotterbeck und vielen anderen, alle gesprochen von Hermann Hoffmann daselbst. Kennt heute vermutlich kaum noch einer.

Stunden verbrachte ich vor dem Radio, wenn „Mal Sandocks Hitparade“ oder die „Schlagerrallye“ mit Wolfgang Roth lief, die Aufnahmetaste des Kassettenrekorders im Anschlag, für die Generation mp3 heute kaum vorstellbar.

Was ich an WDR 2 immer sehr schätzte und bis heute schätze, war und ist die Musikauswahl, eine Mischung aus alten Sachen der Achtziger („meine“ Zeit) bis hin zu Aktuellem, wobei ich bei den meisten alten die Titel und Interpreten spontan nennen könnte, was mir bei den aktuellen nur selten gelingt. Doch kein Licht ohne Schatten – im Repertoire von WDR 2 halten sich einige Songs, teilweise über viele Jahre, die ich nicht mehr hören kann und will. Hier meine persönliche Anti-Hitparade, völlig subjektiv und unvollständig:

1 – Huey Lewis And The News: Hip To Be Square

2 – Mr. Mister: Kyrie

3 – Des’ree: Life

4 – Sunrise Avenue: You can never be ready (grauenvoll!)

5 – Revolverheld: Lass uns gehen

6 – Michael Bublé: It’s A Beautiful Day

7 – Of Monsters And Men: Little Talks

8 – James Blunt: Postcards

9 – Bruno Mars: Locked Out Of Heaven

10 – The Goo Goo Dolls: Give a little bit (völlig überflüssige Kopie des ansonsten schönen Supertramp-Hits)

11 – AnnenMayKantereit – Oft gefragt (ganz neu, ganz schlimm)

Listete ich hingegen alle Songs auf, über die ich mich jedes Mal freue, wenn sie gespielt werden, fiele die Reihe wesentlich länger aus. Daher erspare ich Ihnen das. Manchmal werde ich sogar angenehm überrascht, wie vor ein paar Jahren, als sie für mehrere Wochen das großartige Lied A New South Wales von The Alarm im Programm hatten; bis dahin war ich der festen Überzeugung, der einzige Mensch zu sein, der das überhaupt kennt. Das sind dann diese Momente, in denen die Zahlung der Rundfunkgebühr nicht ganz so weh tut.

(Apropos Zahlung: Dieser Aufsatz ist fünf Euro wert.)

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