Der CEO ist not amused

Die Lage ist ernst: Die Zahlen sind nicht zufriedenstellend. Das EBIT bleibt trotz wachsender Absätze hinter den Erwartungen zurück. Die Kosten explodieren. Die Märkte sind nervös. Der Wettbewerb schläft nicht. Der Aktienkurs enttäuscht die Stakeholder. Die Qualität sinkt. Wir müssen sparen, koste es, was es wolle. Der CEO ist not amused, so ist zu hören. Früher war das ein Privileg der Queen, etwa wenn ihr Enkel mal wieder über die Stränge schlug – heute wird das auch dem Manager zugestanden. Was nur wenig verwundert: C[beliebiger Buchstabe]O’s vor allem in großen Unternehmen wähnen sich unfehlbar, so wie der Papst, die Queen allemal, nahezu göttergleich. Deshalb wagt auch niemand, ihnen zu widersprechen, gar Kritik zu üben an ihren über jeden Zweifel erhabenen Entscheidungen – das käme einer Gotteslästerung gleich mit unabsehbaren Folgen für den Skeptiker. Dabei sind sie außerhalb ihres Unternehmens so bedeutend wie Monopoly-Geld an der Supermarktkasse.

Die C[X]O’s breiten sich aus wie die Schweinepest, für jeden Scheiß gibt es mittlerweile einen ‚Chief Wasweißich Officer‘. Wofür ich durchaus Verständnis aufbringe, „Bereichsleiter“ klingt dagegen bürokratisch-blutleer. Nur Vice Presidents gibt es noch mehr, nachdem zu recht erkannt wurde, dass „Abteilungsleiter“ so sexy klingt wie ein verstaubter Aktenordner. Aus nachvollziehbaren Gründen ist noch nicht ausreichend erforscht, wie viele junge Führungskräfte, die es geschafft haben, von einer namhaften Unternehmensberatung als Vice President in ein Unternehmen zu wechseln, welches von ebendieser Unternehmensberatung durchzogen ist wie ein gegen jedes Mittel resistenter Schimmelpilz, abends ob dieses Titels auf ihre Visitenkarte onanieren. Karrierewichser.

Ein Titel ist Schmuck und Imponierinstrument wie Pfauenfedern und Hirschgeweih: Hausmeister heißen heute Facility Manager. Wer denkt da noch an den knurrigen Typen, der uns damals zu Schulzeiten graublau bekittelt in den Pausen Milch verkaufte und ansonsten mit der ihm gegebenen Unfreundlichkeit begegnete. Warum auch nicht, sein Gehalt war ihm sicher, Kundenzufriedenheitsbefragungen gab es nicht, zumal der ‚interne Kunde‘ noch gar nicht erfunden war. In welch strahlendem Licht erscheint dagegen der Facility Manager: Statt murrend mit wehendem Kittel durch die Flure zu ziehen, wo defekte Leuchtstoffröhren ihrem Austausch entgegen flackern, sitzt er vor einer Wand voller Bildschirme, jeder widerrechtlich fallengelassene Kaffee-zum-Gehen-Becher, jede an unzulässiger Stelle entzündete Zigarette erzeugt einen blinkenden Punkt auf einem Monitor; heiser haucht er „Zugriff in Sektor 23B“ in ein Mikrofon, kurz darauf knüppelt eine Gruppe glatzköpfiger, dunkel bekleideter Herren mit Übergewicht und einem spiraligen Kopfhörerkabel am Hinterkopf auf den bedauernswerten Deliquenten ein.

Ja, VW hat Scheiße gebaut. Doch bin ich mir sicher, nicht nur VW. Und nicht nur Hersteller von Kraftfahrzeugen. VW hat einfach nur Pech gehabt, erwischt worden zu sein.

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