Ich kann nicht tanzen

Montagmorgen, kurz nach dem Aufstehen. Regen klatscht gegen das Badfenster, die Laune noch trüber als das Wetter. Mancher würde auch sagen: Da ist stimmungstechnisch noch viel Luft nach oben. Doch so wie geeignete Kleidung uns schlechtem Wetter zu trotzen hilft, gibt es etwas, das mir regelmäßig ein Grinsen ins Gesicht zaubert, egal wie mies meine Stimmung auch gerade ist: das Radio, wenn es I Can’t Dance von Genesis spielt. So wie heute früh beim Zähneputzen. Das hängt mit dem dazugehörigen Video zusammen, welches ich natürlich nicht sehen kann, wenn sie es spielen, aber allein die Vorstellung einer bestimmten Szene genügt, um meine Mundwinkel merklich zu heben (falls ich nicht gerade die Zähne putze). Dabei ist es nicht das Video an sich – wenngleich es zweifellos den WITZIG-Stempel verdient -, sondern eine Begebenheit, die schon dreiundzwanzig Jahre zurück liegt.

Es begab sich im Frühherbst 1992 – ich studierte an der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung im südhessischen Dieburg. Nach einer Klausur beschlossen meine Kommilitonen H und R, auf ein Bier in unsere Lieblingskneipe zu gehen, komm mit, sagten sie. Zunächst zierte ich mich, da ich mich in Anbetracht der nicht mehr fernen Laufbahnprüfung lieber in meine Gemächer zurückziehen wollte, um etwas zu ruhen und anschließend zu lernen. Doch mussten die beiden keine größere Mühe der Überzeugung anwenden, mich zu motivieren; eins, maximal zwei Bier konnten ja nicht schaden, danach konnte ich immer noch ruhen und, wenn es denn unbedingt sein musste, lernen.

Am frühen Nachmittag war die Kneipe zwar schon geöffnet, aber noch leer an Gästen. Bis auf uns drei. Das erste Bier war schnell getrunken, das zweite auch, das dritte… bald war es egal, die Stimmung stieg mit jedem weiteren Getränk. Dann spielten sie dieses Lied, das zu der Zeit gerade aktuell war. Und plötzlich standen H, R und ich hintereinander, marschierten beim Refrain wie die Herren Collins / Rutherford / Banks im Schritt des Taktes mit wechselweise vorgeschobenen Händen durch die glücklicherweise immer noch menschenleere Gaststätte.

icantdance

Sie sehen mich voller Verständnis, wenn Ihnen diese Zeilen nicht die geringste Gemütsregung entlocken, außer vielleicht einem Gähnen; vermutlich ist es nur witzig, wenn man selbst dabei war. Nun, ich war dabei, und darum muss ich immer wieder darüber grinsen, selbst am trüben Montagmorgen. Übrigens – noch heute kann ich in unbeobachteten Momenten dem Drang nicht widerstehen, in der beschriebenen Weise den Raum zu durchschreiten, wenn sie dieses Lied spielen. Aber das bleibt bitte unter uns.

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