Schöner träumen

Neulich las ich einen interessanten Artikel über so genannte Klarträume. Das sind Träume, in denen das erlebte während des nächtlichen Hirnfegens nicht als gegeben oder real hingenommen wird, so absurd es im Nachhinein auch erscheint, vielmehr ist dem Träumenden sein Träumen bewusst, ja schöner noch: angeblich kann er sogar aktiv in das Geschehen eingreifen, die Handlung ganz nach seinen Wünschen beeinflussen. Ist das nicht phantastisch? Stellen Sie sich folgende Situationen vor:

Sie sitzen in einer nicht endenden, total langweiligen Besprechung, man diskutiert über die Präsentation an der Wand, ein wahres Monster in Power Point. Jetzt kommen Sie: ein Gedanke, schon läuft „Die nackte Kanone“, wo eben noch Diagramme und Zahlenkolonnen langweilten, oder ein Porno vielleicht, nur Ihr Geschmack entscheidet.

Sie gehen guter Dinge die Straße entlang, da sehen Sie von weitem Ihren Kollegen Hannes entgegenkommen, der Sie gleich gnadenlos zulabern wird über sein dämliches Projekt, außerdem hat er üblen Mundgeruch und pikst ständig mit dem Zeigefinger gegen Ihre Brust, wenn er mit Ihnen spricht. Er hat Sie längst gesehen und winkt schon, Sie können ihm nicht ausweichen, zwischen Ihnen und ihm kein Busch und kein Hauseingang am Straßenrand, nur zwei hohe Mauern. Nun Ihr Einsatz: Sie heben die linke Augenbraue, es öffnet sich eine Klappe, ein Löwe springt heraus, stürzt sich auf Hannes und verspeist ihn mit Haut, Haaren, Piksefinger und Mundgeruch, derweil eine unsichtbare Zirkuskapelle „Salto Mortale“ spielt.

Sie stehen in einem Fußballtor, haben nicht den blassesten Schimmer, wie es dazu kommen konnte, aber das spielt jetzt keine Rolle: Ihre Mannschaft liegt am Boden, einige weinen bereits, der gegnerische Stürmer rast auf Sie zu, Sie können bereits des Wutes Glanz in seinen Augen sehen, Dampfwölkchen blasen aus seinen Nüstern, während drumherum zigtausende johlen, Fangesänge und Trompeten dröhnen, Kameras auf Sie gerichtet. Er holt aus zum finalen Schuss – Sie sagen das Zauberwort, vielleicht „Meisenknödelpresse“ oder „Qwertzu“, zu lang sollte es in diesem Fall nicht sein, dann werfen Sie sich instinktiv zur Seite, um von dem nahenden Geschoss nicht zerfetzt zu werden. Einen knappen Meter vor der Torlinie verwandelt sich der Ball in einen grün-pinken Pinguin, der mit seinen Stummelflügelchen flattert und über das Tor hinweg fliegt, hinaus aus dem Stadion, bis er als kleiner Punkt am Himmel hinter dem Stadionrand verschwindet.

Die Möglichkeiten sind unbegrenzt, jedenfalls bis zum Wecker: man kann nackt und ohne Raumschiff zum Saturn fliegen, sich eine Güterzug-Ellok kaufen und in den Vorgarten stellen oder damit zur Arbeit fahren, oder Sex haben mit wem man will, sogar mit Josef Ratzinger oder Angela Merkel, oder beiden gleichzeitig, je nach Neigung und Vorlieben.

Aber wie macht man das, klarträumen? Man muss es trainieren. Jeder hat wohl diese mitunter seltsamen Traumszenen, die sich regelmäßig wiederholen: Die einen fliegen freihändig über Stadt, Land und Fluss, andere stehen nackt in einem vollen Aufzug, wieder andere werden von blutrünstigen Bestien verfolgt, was wohl die Klassiker sind; jeder hat da seine eigenen nächtlichen Erlebnisse. Wenn Sie sich also in einer solchen Situation befinden, ist die Wahrscheinlichkeit groß, zu träumen. Die Kunst liegt nun darin, dies zu erkennen, ohne aufzuwachen. Dann kann es losgehen: Wie ein Zauberer können Sie nach Herzenslust die Dinge um sich herum beherrschen und verändern.

Also: Wenn Sie das nächste Mal in der Hamburger Elbphilharmonie einem Konzert lauschen, scheuen Sie sich nicht, eine spontane Programmänderung herbeizuführen, Madonna statt Mozart etwa.

Wenn Sie das nächste Mal ohne Hose durch die Fußgängerzone laufen, zwingen Sie Ihre Mitmenschen, sich ebenfalls ihrer Kleidung zu entledigen. Sollte sich der gewünschte Effekt nicht in einer angemessenen Zeit einstellen, wachen Sie besser auf. Gelingt auch das nicht, zwicken Sie sich kräftig in den Unterarm. Sollten Sie einen deutlichen Schmerz spüren, ziehen Sie sich dezent ins nächste Bekleidungsgeschäft zurück und lassen Sie künftig beim Ankleiden größere Sorgfalt walten.

4 Gedanken zu “Schöner träumen

  1. Ich trainiere das schon länger, es klappt immer öfter, im Traum zu realisieren das ich träume.
    Eine gute Art, zu trainieren ist: Sich mehrmals am Tag (wach) bewusst die eigenen Hände angucken. Sind diese völlig normal ist man wach. Wenn dieses zur Angewohnheit geworden ist und man´s im Traum auch macht sind die Hände anders. Und dann weiß man, man träumt.

    Der Tip ist von Castaneda und der hat ihn von Indianern.

    Aber so ALLES kann man dann im Traum auch nicht, auf jeden Fall nicht anfangs. Ich kann, wenn´s klappt, zwar ins Geschehen eingreifen aber fliegen hat bis jetzt noch nicht hingehauen.

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  2. Einfach irgendwie anders als normal. Das ist auch nur so ne Hilfe, sich im wachen Zustand anzugewöhnen immer zwischendurch klarzustellen, ob man auch echt wach ist. Wenn das so zur Angewohnheit geworden ist, das man´s ständig macht, macht man´s im Traum auch.
    Aber es lohnt sich echt. Luzides Träumen ist besser als Drogen. Und ich weiß, wovon ich rede.;)

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