Woche 29: Rolltreppen und andere Herausforderungen

Montag: Die Kombination aus Rolltreppen und Menschen ist immer wieder ein Quell komischer Szenen. Wie heute auf dem Heimweg: In der Stadtbahnhaltestelle Heussallee gibt es „einspurige“ Rolltreppen, die sowohl rauf als auch runter rollen, also nicht eine für jede Richtung, wie man es von Karstadt kennt. Das heißt, wenn niemand hoch- oder runterrollen will, steht die Treppe still, wird zur stillen Treppe, oder Standtreppe, oder einfach zur Treppe. Erst wenn sie jemand betritt, rollt sie los, derweil am anderen Ende eine Leuchtanzeige zum Warten anhält. Hat der Nutzer sein Ziel erreicht und kommt keiner nach, der die Treppe in nämlicher Richtung nutzen will, rollt sie noch eine gewisse Zeit weiter, ehe sie wieder im Stillstand verharrt. Erst dann kann sie in der anderen Richtung genutzt werden, ich hoffe, Sie können mir folgen. Heute nun beobachtete ich drei augenscheinlich nicht sonderlich gehbehinderte Menschen mit Rollkoffern von überschaubarer Größe, die vom Bahnsteig nach oben wollten. Aber ach, die Treppe rollte gerade herab, auch mehrere Versuche, sie durch Bitten, Beschimpfen oder Betreten der Kontaktschwelle anzuhalten, liefen zunächst ins Leere. Endlich hielt sie an und beförderte die Leute anschließend nach oben. Das ganze dauerte ein Mehrfaches dessen, als wenn sie einfach die direkt daneben liegende Steintreppe benutzt hätten, trotz der Koffer. Menschen sind komisch, immer wieder.

Von Frosch gibt es jetzt sensitives Duschgel. Laut Duden also von übersteigerter Feinfühligkeit, überempfindlich. Brauche ich nicht, überempfindlich bin ich selbst.

Dienstag: Herr Levin schreibt über das Schreiben:

„… denn das erste Werk ist aus der Rückschau immer peinlich und schlimm.“ – „… und schließlich die vielen, denen irgendwo unterwegs die Luft ausgeht mit drölf versandeten Romananfängen in der Schublade.“

Das kommt mir alles sehr bekannt vor. Dennoch: Irgendwann wird mein Bestseller erscheinen.

Mittwoch: Gehört in einer Besprechung: „Ich habe ja öfter schon heureka gerufen, und dann ist trotzdem wieder ein Panzer über mich drüber gefahren.“

Gehört im Aufzug: „Der ist aber auch ein bisschen sportlich unterwegs “

Donnerstag: Nun also AKK. Natürlich ist es einfach und häufig auch gerechtfertigt, auf Politiker zu schimpfen. Aber wie lange wird es noch gute und fähige Leute geben, die diesen harten Job auf sich nehmen, anstatt lieber Werbung zu machen für Hundefutter oder Mittel gegen nächtlichen Harndrang? Zu Risiken und Nebenwirkungen schauen Sie nach Großbritannien, Italien oder in die USA. (Wobei ich nicht behaupte, AKK für gut und fähig zu halten.)

Freitag: „Mama, bekomme ich einen Keks?“ – „Wo isst man denn um diese Zeit schon Kekse?“ – „Na hier.“ So zitiert WDR 2 am Morgen einen per Facebook zugegangenen Mutter-Kind-Dialog. Goldig. Infos die brauche, und für die Rundfunkgebühren zu entrichten als süße Pflicht, ja als pures Vergnügen erscheint.

Samstag: „Wir bieten Herausforderungen“, steht in einer Stellenanzeige. Vermutlich würde ich mich dort nicht bewerben.

Eine Herausforderung der menschlichen Vernunft stellt die aktuelle Anzeige für ein SUV dar:

„Von null auf 100 km/h in 3,7 Sekunden. … Ein kurzer Druck auf den roten Startknopf und Gänsehaut-Feeling stellt sich ein. … hat die Power unter der markanten Motorhaube, von der jeder Autofan träumt. 522 kW (710 PS) Leistung … Das eindrucksvolle Ergebnis sind ein faszinierendes Fahrerlebnis und einer der atemberaubendsten Sprints, die man in einem SUV erleben kann … Kein Wunder, dass der Fahrer … die allermeisten Verkehrsteilnehmer überwiegend im Rückspiegel sieht. … Nappaleder-Sportsitze, die so geformt sind, dass sie Fahrer und Passagiere selbst bei schnellen Kurvenmanövern sicher in Position halten können. … vierflutige Auspuffanlage … Ein SUV, das sich sehen lassen kann und das man fühlen und hören muss.“

Das mit dem hören müssen ist wohl traurige Wahrheit, wenn so ein Autoposeräffchen in der Stadt die vierflutige Auspuffanlage einem überdimensionierten Knallfurz gleich aufbrausen lässt, um sogleich wieder abzubremsen, weil die zehn Meter vor ihm liegende Ampel rot zeigt. Irgendwie scheinen die bei Jeep die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt zu haben.

Sonntag: Manchmal wüsste ich zu gerne die dahinter stehende Geschichte.

KW29 - 1