Woche 25: Eine äußerst angenehme Form des Tuns

Montag: Aufzugfahrt des Grauens. In der gut gefüllten Kabine telefoniert eine Frau lautstark auf Englisch, ein junger Mann verschlingt ein Brötchen. Fehlte nur noch, dass jemand über seine Erektions- oder Verdauungsstörungen berichtet.

Wie die Frau in der Fernsehreklame: „Über meine Darmprobleme spreche ich nur ungern“, sagt sie. Was sie nicht davon abhält, anschließend mit großer Freude ins Detail zu gehen und ein notlinderndes Mittel zu preisen, dessen Name mir sogleich wieder entfallen ist.

Wie die Tagesschau anschließend verkündet, ist die Zahl der Atomsprengköpfe im vergangenen Jahr auf vierzehntausend gesunken. Somit kann sich die Menschheit nur noch vierzehn mal auslöschen. (Das ist natürlich nur so dahin geschrieben, es entzieht sich meiner Kenntnis, wie viele Sprengköpfe man für einmal benötigt. Vierzehntausend dürften aber wohl locker einige Auslöschungen ermöglichen.)

Hier ein schöner Film über eine mittlerweile vergessene Epoche der Elektromobilität auf Schienen:

Dienstag: Aufgrund einer technischen Störung ist die Klingelanlage in unserem Haus ausgefallen. Schwiege zudem auch noch das Telefon, wären wir dem Paradies ein Stück näher.

Mittwoch: Die Vertreibung aus dem Paradies erfolgte kurzfristig durch Reparatur der Klingelanlage.

„Reden hilft immer“, sagt der Kollege in einer Besprechung. Mein goldenes Schweigen bedeutet in diesem Falle nicht Zustimmung.

„Introvertierte lächeln weniger, sie sind nach innen gerichtet und laden die Außenwelt daher mit ihrem Gesichtsausdruck nicht zu Reaktionen ein. Das geschieht unbewusst und heißt nicht, dass sie weniger glücklich sind“, lese ich hier. Das gefällt mir sehr, weil es grundsätzlich auch für Menschen aus Ostwestfalen gilt. Mit einer Einschränkung: Montags stimmen mein Gesichtsausdruck und inneres Empfinden weitgehend überein.

Gespräch der Lieblingsmenschen am Abend: „Ich bin drahtig!“ – „Ja, Maschendraht.“

Donnerstag: Dieselben Menschen während einer Fronleichnam-Wanderung durch das Siebengebirge: „Diese Raupen mit den Haaren, wenn man die anfasst, dann …“ – „Du meinst den Eichenprozessionsspinner.“ – „Ja genau, diese Kirchenraupen.“

Trotz längerem Aufenthalt anschließend auf dem Weinfest oberhalb von Rhöndorf verlief der Tag weitgehend in Harmonie und ohne größere Ausfälle, getrübt nur durch zwei kurze Regenschauer und ein Gewitter in sicherer Entfernung.

Freitag: Donald Trump hat per Twitter den Krieg mit Iran vorläufig abgesagt, weil der zu erwartende Verlust von hundertfünfzig Soldaten schwerer wiegt als eine abgeschossene Drohne. Ein Versehen, oder ist er womöglich besonnener, als wir bislang annahmen? (Bitte denken Sie sich hier ein scherzauflösendes Gelächter.)

Samstag: Erstmals höre ich im Radio das skandalumtoste Lied von Sarah Connor, in welchem ein gewisser Vincent besungen wird, dem der Gedanke an Mädchen keine freudige Spezialdurchblutung auslöst. Darum so viel Geschrei? Das Lied ist nicht schlecht gemacht, wird nur von den üblichen, leider immer lauter werdenden Moralfanatikern schlecht geredet.

Sonntag: Den ersten Urlaubstag am gewohnten wie geliebten Ort mit süßem Nichtstun verbracht, wobei vor dem Haus sitzend zu lesen, während im Hintergrund der Straßenbrunnen und Radio Nostalgi umeinander plätschern, ja auch eine gewisse, äußerst angenehme Form des Tuns ist.

Unter anderem las ich einen SPIEGEL-Artikel über Strafen für weggeworfenen Kleinstmüll in Mannheim: „Für Zigarettenstummel, Pappbecher, Essensreste und Verpackungen werden 75 Euro Bußgeld fällig, für Kaugummis, Farbdosen, Styropor oder Hundekot sogar 100 Euro.“ Sind Sie je einer achtlos in die Fußgängerzone geworfenen Farbdose begegnet? Gleichwohl erscheinen 100 Euro dafür angemessen.