Woche 6/2024: Voller Einsatz

Montag: Der Wochenstart war ganz passabel, Einzelheiten sind bei Bedarf hier nachzulesen.

Dienstag: Vergangene Nacht bin ich im Traum gestorben, jedenfalls nehme ich das an. Wegen einer plötzlichen Schwäche nahm ich in einem Sessel Platz und schloss die Augen. Was dann passierte, ist schwer zu beschreiben, soweit ich mich erinnere, kamen grelles Licht und eine Rutschbahnfahrt darin vor. Indes fand ich mich anschließend nicht im Jenseits wieder, sondern im vertrauten Bett. Das war zunächst irritierend, auf jeden Fall interessant.

Zurück im Leben, fuhr ich heute ausnahmsweise mit der Bahn zum Büro statt dienstagsüblich zu Fuß zu gehen, weil ein unzeitiger Besprechungstermin bereits um acht in der Frühe meine Teilnahme erforderte, was den knapp einstündigen Fußmarsch aufgrund festgelegter familiär-organisatorischer Abläufe unmöglich machte; als konsequenter Heimbüroverweigerer muss man Opfer bringen. Der Termin lief ganz gut, trotz Morgenstunde war ich schon in das Lage, zu denken und das Gedachte in ganzen Sätzen zu auszudrücken.

„Das ist alles work in progress“ und „Wir sind in der Timeline unterwegs“ notierte ich in einer anderen Besprechung, an mehr erinnere ich mich nicht.

Nachmittags ging ich zu Fuß nach Hause, deshalb nahm ich die zahlreichen Läufer auf dem Radweg nebenan nur zur Kenntnis, jedoch nicht daran Anstoß. Ich würde mich nicht mehr wundern über eine Verkehrsmeldung, dass auf der Autobahn 59 zwischen den Anschlussstellen Bonn Nord und Pützchen zu äußerster Vorsicht geraten wird wegen Joggern auf der Fahrbahn. Radfahrer auf Autobahnen sind ja mittlerweile nichts Außergewöhnliches mehr.

Mittwoch: Heute vor siebzig Jahren wurde ein Kindlein geboren, das in den Achtzigern unter anderem als Bestandteil eines als Modern Talking bekannten Paares akustische Umweltverschmutzung betrieb und noch heute von zweifelhaften Journalisten als „Poptitan“ bezeichnet wird. Herzlichen Glückwunsch. (Dass seine Initialen DB lauten, ist vermutlich Zufall, wobei auch er nicht ganz frei von Störungen und Ausfällen ist.)

Gelesen und bestätigend genickt – Frau Anje über Sport:

Wenn jemand Spaß daran hat, sich auf Skiern eine Schneepiste runterzustürzen oder mit hängender Zunge hinter einem Ball herzurennen, mag er das gerne tun, warum ich diesen Leuten aber dann dabei zuschauen sollte, das wird mir für immer ein noch größeres Rätsel bleiben als die Frage, warum es überhaupt so viele Leute gibt, die solche Dinge tun.

https://anjesagt.blogger.de/stories/2878387/

Donnerstag: Weiberfastnacht, der Karneval strebt seinem Höhepunkt entgegen. Deswegen habe auch ich mir Urlaub genommen bis einschließlich Rosenmontag, sicher ist sicher.

Zur Einstimmung frühstückten wir auswärts, erstmals im Restaurant der großen Warenhauskette, deren Bonner Filiale wohl zurzeit nicht im Bestand gefährdet ist. Das war sehr gut, werde ich mir merken für künftige Inseltage.

Ab Mittag zogen wir mit der Karnevalsgesellschaft, von Regen begleitet, in den Einsatz gegen Griesgram und Muckertum, fünf Auftritte waren zu bewältigen. Auch das war gut, gegen Nachmittag hörte es auf zu regnen. Nach dem letzten Auftritt zogen Teile der Truppe weiter in die Gastronomie. Aus Kapazitäts- und Sicherheitsgründen traten wir den Rückzug an.

Freitag: Der letzte Auftritt der Session erfolgte nachmittags bei der Damensitzung in einer Sportschule. Es war ein würdiger Abschluss, wenn man darüber hinwegsieht, dass die Existenz einer solchen Einrichtung ziemlich absurd ist. Also nicht die Damensitzung, sondern die Sportschule, siehe auch den Eintrag von Mittwoch.

Abends schaute ich erstmals nach vielen Jahren „Mainz bleibt Mainz“ im Fernsehen. Dort sagte ein Redner: „Lauchsuppe ohne L ist auch Suppe.“ Ich mag Witze, die nur gesprochen funktionieren, geschrieben dagegen wirkungslos bleiben. Wie auch dieser: „Der Schwule lässt die Arbeit ruhn / und freut sich auf den Afternoon.“ (Ich darf das.)

Samstag: „Das ganze Leben ist ein Aber“ sagte der Geliebte am Morgen, womit er vermutlich recht hat, so richtig zufrieden ist man ja selten. Wobei der Tag recht zufriedenstellend verlief mit Vorbereitungen für den Zoch in Godesberg morgen: Die letzten Kamelle wurden auf den Wagen geladen, anschließend das erfolgreiche Laden mit Kölsch, Musik und Bockwurst angemessen gefeiert.

Sonntag: (Aus zeitlichen Gründen musste dieser Eintrag bereits am Samstag verfasst werden, deshalb Futur zwei.)

Wir werden mit der Karnevalsgesellschaft den Rathaussturm in Godesberg unterstützt, anschließend am Godesberger Zoch teilgenommen haben, bei hoffentlich trockenem Wetter.

Im Anschluss an den Zoch vereinsinterne Party in dem Teil der Stadthalle, der nicht einsturzgefährdet ist, voraussichtlich auch nicht nach der Party. Nach Heimkehr am späten Abend wird der Kölschfüllgrad einen einigermaßen sinnvollen Blogabschluss nicht mehr zugelassen haben.

So wird es gewesen sein. Änderungen und Ergänzungen werden in der kommenden Woche nachgereicht.

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Ich wünsche Ihnen eine angenehme Woche, wenn Sie es mögen mit Alaaf, Helau, Rubbeldiekatz, Scheißdiewandan oder was man sich in Ihrer Region sonst bei diesem Anlass üblicherweise zuruft. Wenn Sie mit alledem gar nichts anfangen können, haben Sie mein volles Verständnis. Trösten Sie sich: Am Aschermittwoch ist es bekanntlich erstmal wieder vorbei.

Woche 1: Leeres Geschwätz

kw1 - 1

Montag: Wenn am Morgen, oder eher: Mittag nach einer alkoholschwangeren Nacht das Portemonnaie nicht am üblichen Platz liegt und sich auch nicht in der Jackentasche befindet, kann dies schreckauslösend sein. Zum Glück fand es sich bald in einer Hosentasche ein, also alles in Ordnung, oder alles gut, um eine beliebte Massenfloskel zu gebrauchen. Ansonsten ist das einzig Sinnvolle, das man an einem Neujahrstag tun kann, gar nichts.

Dienstag: In seiner Neujahrsansprache beklagte der Papst zu viel „leeres Geschwätz“ in der Welt. Na da könnten er und seine Leute ja mal mit gutem Beispiel vorangehen. – Ich maße mir nicht an, jedes Gespräch, bei dem ich nicht mitreden kann, vorgenannter Kategorie zuzuordnen. Ein solches Thema ist die Fachsimpelei unter Elektrorauchern beziehungsweise -dampfern, wenn sie sich über die Vorzüge ihrer Geräte austauschen und, nach Mundstücktausch, gar zum gegenseitigen Probedampfen einladen, während ich mit meiner herkömmlichen Zigarette daneben stehe und staunend nur zuhören kann. Zitat einer Dampfmaschinenbesitzerin: „Das ist mein abendlicher Genussverdampfer“.

Mittwoch: Meinen Glückwunsch zum Namenstag an alle Damen mit dem wohl nicht sehr häufigen Namen Genovefa. Auch der Name Burglind war mir bislang nicht geläufig. Seit heute, da das gleichnamige Sturmtief uns heftigst einen blies, genießt er indes zweifelhafte Prominenz.

Donnerstag: Bleiben wir beim Wetter. Während uns nach Abzug der stürmischen Dame eine frühlingshafte Milde umspielt, versinken Teile der USA im Schnee. Ihr Präsident sieht darin den Beweis erbracht, dass die Erderwärmung nur die verrückte Idee irgendwelcher amerikafeindlicher Spinner ist, weil es für ihn keinen Unterschied zwischen Wetter und Klima gibt. So wie es mir nahezu unmöglich ist, die beiden WDR-Wetterfrösche Sven Plöger und Karsten Schwanke auseinander zu halten. Möglicherweise ist es gar derselbe.

Freitag: Im Zusammenhang mit Managergehältern ist immer wieder ‚verdienen‘ zu lesen. Das erscheint mir unangemessen. Können wir uns auf ‚bekommen‘ einigen?

Samstag: Manchmal liegt das größte momentane Glück in einer Bockwurst mit Kartoffelsalat. Dagegen erscheint mir die mit knapp 23,5 Millionen Stellen größte bislang entdeckte Primzahl, über welche die Zeitung heute berichtet, bedeutungslos.

Sonntag: „Wenn man nicht unter Druck steht und die Zeit fließen lassen kann, ist der Kater oft interessanter als der Rausch.“ (Max Goldt)