Woche 30: Wenn es warm ist

Montag: Gut geschlafen von gestern 23:00 bis heute 6:30 Uhr. Das sind siebeneinhalb Stunden Schlaf, somit fast so lang wie ein normaler Arbeitstag. Warum nur muss sich ein Arbeitstag so viel länger hinziehen als eine in sanften Träumen durchschlummerte Nacht?

Die erste Hälfte des Tages verbrachte ich mit ziemlich sinnlosem Kästchenausfüllen, was für einen Montag gleichwohl die angenehmere Tätigkeit ist gegenüber der von Halbwissen und Unlust getrübten Überarbeitung einer Prozessbeschreibung.

Dienstag: Skype-Konferenz. Die Einladende kommt sieben Minuten zu spät und fragt: „Wer ist denn schon alles da?“

„Das Projekt läuft im grünen Fahrwasser“, sagt der Projektleiter und freut sich selbst über die Formulierung. Sofort stellen sich Bilder algenbedeckter, übel riechender Tümpel ein.

Mittwoch: Es ist warm. Sehr warm. Und es soll noch wärmer werden. Ich mag es, wenn es warm ist. Und ich beneide Leute, die dann so ins Werk gehen können:

Donnerstag: Ja, es ist heiß.

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Am kühlsten ist es zurzeit übrigens im Büro, wo die werksinterne Temperaturregelung bestens funktioniert. Das kann natürlich kein hinreichender Grund sein, sich dort länger aufzuhalten als unbedingt nötig.

Freitag: Abends beim Aperol im Garten. Der Liebste: „Kuck mal, die Hortensien sind von der Hitze auch schon ganz ausgeblichen.“ – Ich: „Ja, tatsächlich!“ – Er: „Nicht die, das sind Weiße!“ Ornithologie ist nicht so meins.

Samstag: Gunild Lohmann schreibt im General-Anzeiger über Narzissten:

Was fehlt in diesem unserem egomanen Zeitalter, sind die stillen Wasser. Die sind nämlich tief. Und spiegelglatt. Und an jedem stillen Teich könnte ein Trump, Johnson oder Bohlen sich selbst anschmachten, bis er sich in eine Narzisse verwandelt. Wir hätten blühende Landschaften.

Abends aßen wir im Außenbereich eines griechischen Restaurants in der Fußgängerzone. Am Nachbartisch eine französische Familie mit zwei Jungs von etwa sechs bis acht Jahren. Während der Wartezeiten spielten die beiden auf der Straße vor dem Restaurant: Der eine balancierte einen Plastikteller auf einer Stange, so wie man das früher öfter im Fernsehen sah, der andere schleuderte mit einem Seil einen sich nach innen verjüngenden runden Gegenstand in die Luft und fing ihn mit dem Seil wieder auf. Ihr Essen verzehrten sie ohne Geplärre oder Streit, auch aßen sie ohne elterliche Ermahnung ihre Teller leer. Danach widmeten sie sich wieder dem Spiel auf der Straße. Warum ich das notiere: Nicht ein einziges Mal schauten sie, weder Eltern noch die Jungs, auf ein Datengerät. Vielleicht hatten sie gar keins.

Sonntag: Die Hitzewelle ist erstmal abgeebbt.

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Entdeckt im Kundenmagazin der Lufthansa:

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„Hochwasserhose“ steht wohl auch bald in einem Lexikon der aussterbenden Wörter.

Hier lesenswerte Gedanken zum Thema Urlaub.

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