Über Glück und einen Umzug

Das zehnte Wort des wunderbaren Blogprojekts *.txt lautet “Glück”. Wie jedes Mal bemühte ich die Suchfunktion meines bescheidenen Blogs und siehe da, zu diesem Thema schrieb ich schon einiges, zum Beispiel hierhierhier und dorten. Somit hätte ich es mir – als grundfauler Mensch – wieder sehr einfach machen können. Mache ich aber nicht, ist es doch ein sehr dankbarer Begriff, der ganze Bibliotheken zu füllen vermag, schließlich ist das Steben nach Glück eine der grundmenschlichsten Eigenschaften.

Am Dienstag bespielsweise hatte ich das unzweifelhafte Vergnügen, der Auftaktveranstaltung zu einem neuen Projekt beizuwohnen. Dieses Tritt-aus-Treffen, Verzeihung: Kick Off Meeting begann wie üblich mit einer Vorstellungsrunde. Und siehe da: acht von fünfzehn Teilnehmern nannten nicht nur ihren Namen und ihre Funktion, sondern sie hielten es auch für angebracht, ihre Freude darüber zum Ausdruck zu bringen, an diesem wegweisenden Projekt teilnehmen zu dürfen. Ob sie es wirklich so meinten, wage ich nicht zu bezweifeln, dennoch vermute ich, wäre dieses Treffen anstatt im Besprechungsraum eines hochmodernen Bürogebäudes in einer Holzhütte abgehalten worden, hätten man kein Wort mehr verstanden, weil das Knacken der sich biegenden Balken alles andere übertönt hätte. Vielleicht ist das aber auch eine Form von Glück, welche mir, dem selbst eine ausgiebige Daarmentleerung bei guter Lektüre wesentlich glückstiftender erscheint, bislang verborgen blieb. Ich war übrigens als letzter dran, auf die Glücksformel verzichtete ich aus Zeitgründen.

Weniger glücklich war ich über die Nachricht, die ich Mittwoch Morgen, noch vor dem Kaffee, von Blog.de erhielt. Dort teilte man mir mit, dass Blog.de Mitte Dezember geschlossen wird und ich mir für mein Blog eine neue Bleibe suchen möge. So ähnlich muss es sich anfühlen, wenn man die Kündigung für seine Wohnung erhält, weil das Haus abgerissen werden soll. Es war eine schöne Wohnung, seit 2007 wohnte ich nun darin. Sicher keine Luxusherberge mit hohen Stuckdecken, Flügeltür zum Salon, großer Terrasse und unverbaubarem Blick auf den Rhein, aber doch eine, in der ich mich über die Jahre gut eingerichtet und wohlgefühlt habe. Gut, die Wände und Fensterrahmen müssten mal gestrichen werden, das Bad renoviert, das eine oder andere Möbelstück ausgetauscht werden, auch an den Bildern hat man sich mit der Zeit sattgesehen, aber alles in allem hätte ich hier gerne noch einige Jahre gewohnt.

Doch sind die Leute von Blog.de keine schlechten Menschen, die ihre Mieter im Regen stehen lassen. So vermitteln Sie WordPress als neuen Vermieter, der mich gerne aufnimmt, auch bieten sie einen Umzugsservice an. Im Gegensatz zum wahren Leben, wo ein Umzug eine aufgrund des angespannten Wohnungsmarks im Köln-Bonner Raum lange Suche und viel Glück (da ist es wieder) voraussetzt, und der wahlweise den Verlust einiger Freunde oder die saftige Rechnung eines Umzugsunternehmens nach sich zieht, funktionierte dieser Umzug mit ein paar Klicks; selbst mir, in Internetdingen eher unbewandert, gelang er problemlos.

Nun sitze ich also in meiner neuen Wohnung, Neubau, Parkett, Balkon; die Kartons sind noch nicht alle ausgepackt und die Bilder nicht aufgehängt, aber das mache ich nach und nach. Auch wird es noch einige Zeit dauern, bis ich nachts im Halbschlaf das Klo finde, ohne irgendwo gegen zu rennen. Aber doch – ich fühle mich schon recht wohl hier.

2 Gedanken zu “Über Glück und einen Umzug

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