Woche 35: Tragik und Komik liegen manchmal nahe beieinander

Montag: Laut Papst sollen Eltern homosexueller Kinder ihre Brut in psychiatrische Behandlung geben. Hat wohl etwas zu viel am Weihrauch geschnuppert, der Gute.

Dienstag: Am Morgen stand in der Stadtbahnhaltestelle Heussallee die Rolltreppe zwischen Bahnsteig- und Zwischenebene still. Obwohl sie dadurch immer noch einen Aufstieg ermöglichte, benutzen alle die direkt daneben liegende, in Stein gemeißelte Treppe; selbst diejenigen, die zunächst, abgelenkt von Müdigkeit oder Datengerät, den Stillstand nicht bemerkten und, wie jeden Morgen, auf die Rolltreppe zugingen, machten im letzten Moment einen Schlenker nach links auf ihre steinerne Schwester. Aus unerfindlichen Gründen meiden Menschen eine stehende Rolltreppe wie der Papst die Gaysauna oder ich die Sportstätte, als ginge von ihr eine Gefahr aus, oder als gehörte es sich einfach nicht, sie zu benutzen.

„Ihre Meinung ist richtungsweisend“, steht auf den Plakaten zur diesjährigen Mitarbeiterbefragung. Lassen wir mal offen, in welche Richtung meine Meinung das Unternehmenswohl weisen würde.

„Schlafen im Büro ist sinnvoll“, steht in der Zeitung. Dem stimme ich zu und versichere, dass eine entsprechende Ruhemöglichkeit nach dem Mittagessen meine Meinung rolltreppenartig nach oben bewegen würde. Dabei sollten zwei bis drei Stündchen täglich ausreichen.

Mittwoch: „Bitte geben Sie mir einen Ping, wenn Sie noch Anmerken dazu haben.“ – „Go for it“ – „Es wäre sehr hilfreich, wenn Sie mir im Vorfeld Ihre Erwartungshaltung dazu kommunizieren könnten.“ Es sind immer wieder Sätze wie diese, welche das Lesen geschäftlicher Mails zu einem literarischen Erlebnis erheben.

Donnerstag: „Alle Sky Konferenzen der UEFA Champions League jetzt bei Telekom Sport mit Sky Sport Kompakt!“, preist man mir per Kurznachricht an. Eher würde ich mir einen kotbeschmierten, rostigen Blecheimer über den Kopf stülpen und stundenlang mit einem hölzernen Kochlöffel dagegen schlagen.

Tragik und Komik liegen manchmal nahe beieinander:

(General-Anzeiger Bonn)

Freitag: Sebastian ist ein wirklich schöner Name, nach meinem unmaßgeblichen Dafürhalten einer der schönsten überhaupt, allemal schöner als Max-Luca, Elias, Justin oder Ben. Menschen, deren Eltern bei der Namensauswahl sich dahingehend entschieden, sind zu beneiden und ihren Erzeugern zu lebenslangem Dank verpflichtet. Insofern ist mir unbegreiflich, wie es Menschen einfallen kann, diesen Namen auf ein hingerotztes „Basti“ zu verkürzen, sei es in der Anrede oder gar in der Selbstbezeichnung. Was geht in ihnen vor, warum tun sie das? Nämliches gilt auch für den auf einen „Flo“ reduzierten Florian.

Samstag: Wahre Schönheit kann nichts entstellen, auch nicht eine ins Bild gerückte Tragetasche eines Einkaufszentrums (oder Mall, wie man heute unter dem Zwang zweifelhafter Modernität auch dazu sagt). Dem jungen Mann möchte man sagen: „Jetzt hast du so viel Geld für die Frisur ausgegeben. Warum hast du dir keine schöne machen lassen?“

KW35 - 1 (1)

Übrigens: Wer glaubt, bei Vergleichen schlecht abzuschneiden, vergleicht sich vielleicht mit den Falschen.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Männer sich nicht die Achseln rasieren sollten.

Sonntag: Vertreibung aus dem Paradies? Kenne ich. Erlebe ich täglich in dem Moment, da ich das Bett verlassen muss. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Vertreibung um 6:30 oder erst um 11 Uhr erfolgt.