Woche 20: Irgendwas mit Alkohol

Montag: Der Tag begann mit einer Radiomeldung über fünf Wasserbüffel, die auf der Autobahn drei bei Leverkusen unterwegs waren. Vermutlich fordern Nabu und Peta bald die dauerhafte Sperrung des Autobahnabschnitts, um die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung nicht zu stören. Wo wir gerade bei absurden Nachrichten sind: Irgendein höheres Tier eines großen Kirchenkonzerns sieht in Religionen „nicht Ursache von Krieg, sondern Motor des Friedens“, wie er laut Zeitung auf dem Katholikentag in Münster verkündete.

Ansonsten bildete die Umwölkung meines Büros ganz gut meinen inneren Gemütszustand am Vormittag ab.

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Dienstag: Morgens stieg am Hauptbahnhof wieder ein sehr spezieller Fahrgast in die Sechsundsechzig ein. Wegen eines offensichtlichen Verdrahtungsfehlers, vielleicht einer Form des Tourette-Syndroms, schreit er stets los, als hinge sein Leben und das aller anderen Fahrgäste davon ab, wenn die Bahn nach seinem Zustieg nicht augenblicklich losfährt: „Nun fahr doch endlich ab!“, dazu üble Beschimpfungen gegen den Fahrer.  Natürlich ist das nichts, worüber zu erheitern es sich geziemt. Dennoch kann ich dann ein Zucken der Mundwinkel nicht ganz vermeiden, und glaube es auch bei anderen Fahrgästen zu vernehmen.

Ein anderer komischer Vogel saß heute mit mir in einem Seminar. Obwohl der Generation Displayboy längst entwachsen, beschäftigte er sich fast während der gesamten Dauer der Veranstaltung mit seinem Tablet. Ich weiß nicht, was mich mehr irritierte: sein Verhalten oder das Ausbleiben mahnender Worte durch die Seminarleitung.

Weisheit des Tages: „Ein Hamsterrad sieht nur von innen aus wie eine Karriereleiter.“

Mittwoch: Fahrschüler benötigen heute immer länger bis zur Führerscheinreife, sagt das Radio am Morgen. Als eine Ursache wurde die zunehmende Unfähigkeit erkannt, die Umgebung korrekt wahrzunehmen und Situationen richtig einzuschätzen. Wer hätte das gedacht.

Donnerstag: Warum fahren Männer bis etwa Mitte dreißig eigentlich so gerne aufrecht stehend Rad, auch in flachster Ebene, anstatt vom Sattel Gebrauch zu machen? Was haben die davon?

Freitag: „Endspurt“ rufen sich die Kollegen im Aufzug zu, gleichsam das „Mahlzeit“ zum Wochenende. Dessen ungeachtet lege ich den Hinweis des Facility Managements, dass das Bürogebäude am Samstag gesperrt ist, in der Schublade „unnützes Wissen“ ab. Ähnlich unnütz erscheint mir der Kunstpreis in Höhe von 1.968 Euro, den der Kunstverein Ahlen für ein vergoldetes Schamhaar eines gewissen Rainer Langhans verliehen hat.

Samstag: „Die Royalen gehen mir royal am Arsch vorbei“, sagt am Vormittag die zu erratende Prominente im Radio. Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

Sonntag: Auch in religiösen Fragen mit nicht allzu großen Kenntnissen gesegnete Menschen wissen üblicherweise, dass Jesus der christlichen Legende nach zu Weihnachten geboren und zu Ostern erst getötet wurde, dann auferstanden ist. Doch was war nochmal zu Pfingsten passiert? Irgendwas mit wirrem Gerede, nachdem der heilige Geist in ein paar bedauernswerte Menschen gefahren war. Also irgendwas mit Alkohol. Vielleicht liegen die pfingsbezogenen Unkenntnisse auch darin begründet, dass dieses Ereignis nicht durch Tannenbäume, Marzipan, Glühwein, opulentes Essen, Geschenke-Irrsinn, Hasen und Eier gestützt wird. Apropos Eier: Aus gegebenem Anlass, welchen näher zu erläutern ich Ihnen erspare, lege ich Wert auf die Feststellung, dass ich keinen Eizahn habe!

„Kultur bedeutet heute, dass man zwar, statt Bücher zu lesen, seine Zeit auf Facebook verbringt, aber dafür weiß, welcher Wein zur Dorade passt.“ (Thomas Glavinic in der FAS)