Woche 7/2026: Pillepalle, Trallala, Blabla, Alaaf

Montag: Als morgens um kurz vor sechs der Wecker zum ersten Mal piepte, war mein erster Gedanke: Das wird heute nix. Nicht, dass ich größeres Ungemach für den Tag erwartete, doch spürte ich eine umfangreiche intrinsische Unlust, sah mich schon montagsmüde im Büro sitzen, wo mich die Aufgaben von der Liste vorwurfsvoll anschauten, ohne das erforderliche Interesse in mir zu wecken, sie anzugehen.

So schlimm war es dann aber nicht. Aus dem Bett kam ich ganz gut, obwohl ich wegen geänderter Abläufe aufgrund eines Gerichtstermins, zu dem der Liebste als Zeuge geladen war, eine halbe Stunde früher raus musste. Die Radfahrt durch kühle Luft versorgte mich mit Frische, die erwartete Müdigkeit blieb bis zum Nachmittag weitgehend aus und es gelang, Anstehendes zu bearbeiten, mehr kann man nicht erwarten.

Das Mittagessen fand in größerer Runde statt, was ich zumeist meide, weil ab vier Personen regelmäßig mehrere gleichzeitige Gespräche entstehen, gerne auch über Kreuz, was mich zunehmend anstrengt. (Schrieb ich das schon mal? Jetzt, da es hier steht, kommt es mir bekannt vor. Egal.) Heute ging es aber. Auch war ich dieses Mal nicht wie sonst der letzte, der aufgegessen hatte. Es gab übrigens Bockwurst mit Kartoffelsalat, woanders gibt es das traditionell am Heiligabend. Ich mag diese „einfachen“ Gerichte, es sollte sie öfter geben, auch wenn die Kartoffeln etwas sehr al dente waren.

„Das ist kein No-Brainer“ hörte ich in einer Besprechung und musste die Bedeutung nachschlagen. Laut Duden eine „einfache Angelegenheit, über die nicht lange nachgedacht werden muss; Problem, das sich ohne große gedankliche Mühe lösen lässt“. Also ein pseudomodernes Wort für Pillepalle.

Dienstag: Die Resonanz auf den letzten Wochenrückblick hier im Blog ist auffallend gering. Das ist nicht schlimm und vermutlich völlig gerechtfertigt.

Das Regenband, das morgens über die Stadt zog, fand nur in der Wetter-App statt bis auf wenige Tropfen, für die es sich kaum lohnte, den Schirm aufzuspannen, der sich mal wieder als Regenverhinderungsschirm bewährte.

Weg ins Werk zur blauen Stunde

Zum Mittagessen (heute Lasagne von völlig matschiger Konsistenz, die formlos auf dem Teller auseinanderfloss und optisch an bereits Gegessenes erinnerte, immerhin geschmacklich zufriedenstellend) traf ich mich spontan mit der Kollegin. Da wir beide nicht mehr die Jüngsten sind, sprachen wir unter anderem über altersbedingte Hörschwäche. Keine Stunde später bekam ich per Mail Werbung für Hörgeräte auf mein Telefon, das während der Unterhaltung im Büro gelegen hatte. Manchmal ist es etwas unheimlich.

Auf dem Rückweg nahm ich am Rheinufer eine weitere, von rot-weißen Sperrbaken (oder wie die Dinger heißen, siehe unten) umrahmte Kleinbaustelle wahr. Ich weiß nicht, ob sie wirklich neu ist oder ob ich sie einfach bislang nicht wahrgenommen hatte, jedenfalls habe ich den Eindruck, die Baustellen, große wie kleine, werden ständig mehr, nie wird eine fertig. Auch das wird langsam etwas unheimlich, wobei es mir fernliegt, daraus eine Verschwörung oder ähnlich finstere Pläne abzuleiten.

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Bei Rückkehr lag eine Postkarte von M. aus Duisburg im Briefkasten, über die ich mich wie immer freute; nicht nur über die Karte an sich, sondern auch, dass sie mit einer Schreibmaschine erstellt war, so etwas bekommt man kaum noch zu sehen. Erst in der vergangenen Woche hatte ich den letzten Brief an M. eingeworfen, bereits heute traf die Antwort ein. Damit er nicht wieder wochenlang warten muss, antwortete ich direkt mit einer Postkarte, die morgen auf die Reise geht. Besser ist das, wer weiß, wann ich nach den Tollen Tagen sonst dazu gekommen wäre. (Lieber M., lass uns danach die Frequenz gerne wieder etwas verringern, wir wollen uns ja keinen Stress machen. Augenzwinkersmeili.)

Mittwoch: Heute war der letzte Arbeitstag dieser Woche, morgen ist Weiberfastnacht (nicht Altweiberfastnacht oder -fasching, wie es unter anderem im Apple-Kalender steht), dann begleitet unsere Gesellschaft das Godesberger Prinzenpaar auf mehrere Sitzungen, da ist dann keine Zeit für profanen Bürokram. Leider kann ich dadurch nicht zur werksinternen Karnevalsparty gehen, die üblicherweise ziemlich rauschend wird, aber man kann nicht überall sein. Freitag stehen zwar bislang keine karnevalistischen Pflichten an, dennoch ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dann ein arbeitsfreier Tag sehr gelegen kommt.

Dem Anlass entsprechend hat der Geliebte die Küchenlampen mit Luftschlangen dekoriert, wie ich morgens sofort sah. Das erwähne ich extra, weil es mir schon mehrfach gelang, heimische Schönsteh-Gegenstände (rheinisch: Stehrömsche) nicht oder erst mit Verspätung wahrzunehmen, etwa frische Blumen auf der Küchentheke. Einmal bemerkte ich einen Weihnachtsbaum erst nach gut einer Woche. Es war kein besonders großer, eher ein Bäumchen, aber mit Schmuck und Lichtern auch bei Sehschwäche nicht zu übersehen. Da war vielleicht was los, als ich sagte: „Oh, wir haben einen Weihnachtsbaum.“

Für abends hatte die Bonner Ehrengarde in ihrem Zeughaus zum Reevkocheesse (für Außerrheinische: Reibekuchen-/Kartoffelpufferessen) eingeladen. Damit die Bratlinge nicht trocken verputzt werden mussten, gab es Musik und Getränk dazu.

Donnerstag: Da wir die Veranstaltung nicht allzu spät wieder verlassen hatten, wirkte sie am Morgen nicht nach. Abgesehen von diesem Karnevalsmaus-Lied, das sich als hartnäckiger Ohrwurm festsetzte.

Der Bus mit dem Prinzenpaar, der unsere Truppe aufsammeln und zu den Auftritten des Tages fahren sollte, traf mit einer Dreiviertelstunde Verspätung am Treffpunkt ein, das weitere Programm des Tages verzögerte sich entsprechend. Dadurch entfielen die sonst üblichen Wartezeiten vor den Auftritten, stattdessen ging es raus aus dem Bus, rauf auf die Bühne, Trallala, Blabla, Alaaf, runter von der Bühne, in den Bus, weiter. Der vorletzte Auftritt in Muffendorf wies gewisse Längen auf, weil die Godesia verstärkten Redebedarf hatte; Füße und Trommel wurden zunehmend schwerer. Beim letzten Auftritt, der unter beengten Verhältnissen im Zeughaus einer Nord-Godesberger Gesellschaft stattfand, versuchte ein Spinner, mir im Spiel die Trommelstöcke abzunehmen, lass mich mal, ich kann das auch. Nicht mit mir, niemand greift mir beim Spielen in die Trommelstöcke, auch dann nicht, wenn derjenige sich der Godesberger Karnevalsprominenz zugehörig fühlt. Das wäre ja noch schöner.

Effekt der verspätungsbedingt engen Taktung: Ich kam tagsüber kaum dazu, was zu trinken. Das holten wir beim anschließenden Ausklang in unserem Zeughaus gründlich nach. Als wir danach wieder zu Hause waren, fühlte ich mich übermenscht und ich war froh, als die Uniform wieder auf dem Bügel hing. Das Lied von der Karnevalsmaus hörte ich während des ganzen Tages nur zweimal, das fand ich erstaunlich, aber nicht schlimm.

Aus der Zeitung: „Was man zum neuen Quantencomputer in Garching wissen muss“ ist ein Artikel überschrieben. Ohne den Artikel gelesen zu haben bin ich mir sehr sicher, ich muss darüber gar nichts wissen.

Laut einem anderen Artikel wurde in den USA eine smarte Unterhose entwickelt, mit der sich die Furzfrequenz (das Wort steht so in der Zeitung) messen lässt. Damit soll erforscht werden, wie häufig den Menschen Darmwinde entfahren. Ob dabei auch Erkenntnisse über das jeweilige Aroma gewonnen werden, geht aus dem Artikel nicht hervor. Ziel ist es, die Ergebnisse in einem Pupsatlas darzustellen, wer auch immer den braucht. Ohne allzu sehr familiäre Interna preiszugeben, könnte der einen tiefroten Punkt am Rande der Inneren Nordstadt von Bonn enthalten.

Freitag: Apropos Luftverschmutzung: Der amerikanische Präsident erklärt Treibhausgase für ungefährlich. Wenn er demnächst, als logische Konsequenz, per Dekret den Klimawandel beendet, hat die Menschheit ein Problem weniger. Manches kann man nur noch mit einem Schulterzucken zur Kenntnis nehmen.

Vielleicht lag es am Freitag, dem dreizehnten, vielleicht ist es auch die natürliche Tektonik einer Beziehung. Aus hier nicht näher darzulegenden Gründen wünschte ich mir heute wieder ein Teinihaus nur für mich. Da das kurzfristig nicht zur Verfügung stand, unternahm ich zum Zwecke der Alleinzeit eine spontane Kleinwanderung über den Venusberg. Da es zu regnen begann und die Wege teils matschig waren, beendete ich die Tour in Dottendorf und fuhr mit der Straßenbahn zurück. Hinter mir in der Bahn telefonierte ein Mädchen. Was sie sagte war ohne Belang, es ging wohl um den gestrigen Abend. Nur wie sie sprach, wie sie die letzte Silbe jedes Satzes lang zog, so wie es junge Frauen häufig tun, ging mir etwas auf den Geist.

Abends half ich, Kamelle auf einen Wagen für den Zoch am Sonntag zu laden, was einige Stunden dauerte: Waren auseinander sortieren, Kartons auf den Wagen wuchten, die Süßigkeiten in Säcke packen, Kartons zerkleinern und entsorgen. Welch ein Aufwand, nur um das Zeug am Sonntag wieder herunter zu werfen.

Samstag: Der Tag begann mit einem ausführlichen Frühstück in einem Restaurant in der Innenstadt. Zur Feier des Tages mit Prosecco, auch wenn es nichts konkretes zu feiern gab außer einem freien Samstag ohne Termine und Pflichten.

Danach unternahm ich einen Spaziergang an den Rhein, dessen Pegel gegenüber den letzten Wochen deutlich gestiegen ist. Größere Gegenstände trieben darin gen Köln, ein Ast oder Baumstamm, und etwas, das wie ein Fass aussah. Währenddessen fielen einzelne Schneeflocken, zu wenige, um eine Schneedecke zu bilden, vielleicht war es dafür auch nicht kalt genug. Wobei es sich bei Windgebläse aus Richtung Norden deutlich kühler anfühlte als in den letzten Tagen. In der Nordstadt treiben erste grüne Blättchen an Sträuchern, während eine Straße weiter noch ein Weihnachtsmann mit Strickleiter an einer Fassade hängt. Vielleicht wurde er vergessen, vielleicht lassen sie ihn bewusst hängen, warum auch nicht: ein paarmal schlafen, schon werden bald wieder die Weihnachtsmarkthütten in der Innenstadt aufgebaut, das Lichterkettenwettrüsten beginnt und die Menschen überlegen, was sie verschenken sollen.

Gelesen beim Kiezschreiber und für gut befunden:

Gott würfelt nicht, hat Einstein einmal gesagt. Das stimmt nicht. Auch die Götter lieben das Glücksspiel als kurzweiligen Zeitvertreib. Aber sie spielen nicht um Münzgeld oder Jetons, sie spielen um ihre Schöpfungen, um ganze Planeten. Vor über tausend Jahren hat Gott die Erde im Spiel verloren. Seither herrscht ein fremder Gott über uns und er findet seinen Gefallen an grausamen Prüfungen. Erst hat er uns geblendet, als er uns zu Beginn des Mittelalters das gesamte Wissen des Altertums genommen hat. Er schickte uns Seuchen und Kriege, später gab er uns sinnlose Erfindungen, die uns von der Natur entfernten und entfremdeten. Heute sind die klügsten Köpfe unter uns ohne Hoffnung, der Rest vegetiert mit sinnlosem Zeitvertreib seinem Ende entgegen. 

Sonntag: Aus zeitlichen Gründen muss dieser Eintrag bereits am Samstag geschrieben werden, daher in Futur zwei.

Morgens werden wir in Uniform und warmer Unterwäsche nach Bad Godesberg gefahren sein, um gegen Mittag beim Godesberger Zoch mitzulaufen/-fahren, bei Kälte und mit etwas Glück immerhin trockenem Wetter, vielleicht sogar Sonnenschein, jedenfalls stellt die Wetter-App den in Aussicht. Nach etwa vier Stunden wird unser Corps durchgefroren wieder an der Stadthalle eingetroffen sein, um sich und die überstandene Frostung zu feiern. Alles Weitere wird kommende Woche nachgereicht, falls der Chronist nicht erfroren sein wird.

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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, kommen Sie gut durch die Woche. Falls Sie ebenfalls Karneval feiern, treiben Sie es nicht zu dolle. Wenn Sie in karnevalistischer Hinsicht eher zu den Fadfindern zählen und stattdessen denken: Was soll der Quatsch?, haben Sie mein volles Verständnis. Vor zwölf Jahren dachte ich auch noch so. Und am Aschermittwoch ist bekanntlich alles vorbei.

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