#BlogWochen2025 – Was uns antreibt

Dieses Blog wird im November achtzehn Jahre alt, dann dürfte es, wenn das für Blogs vorgesehen wäre, ein Kraftfahrzeug steuern, hochprozentigen Alkohol kaufen, Filme bei Youporn anschauen und an Wahlen teilnehmen. Andere Blogs sind noch älter, etwa dieses, das und jenes, die schon seit zwanzig bzw. fünfundzwanzig Jahre bestehen, hierzu meine Gratulation. Aus diesem Anlass haben die drei Blogherren zu den #BlogWochen2025 aufgerufen. Bis November sind die Blogger der Welt eingeladen, ihre Gedanken zu verschiedenen Themen aufzuschreiben, näheres dazu ist hier zu finden. Blogparaden grundsätzlich zugeneigt beteilige ich mich gerne daran, wenn auch nicht bei allen Themen, zu vielen fällt mir nichts ein außer einem virtuellen Schulterzucken.

Das Thema zum 1. Mai lautete: „Warum bloggen wir eigentlich immer noch?!“ Da ich aus urlaubsterminlichen Gründen nicht dazu kam, fasse ich meinen Aufsatz zusammen mit dem Thema zum 8. Mai, also heute, das lautet: „Blogger:innen und ihre Motivation – Was uns antreibt“. Ohnehin lässt sich beides meines Erachtens nur schwerlich trennen. Soviel der Vorrede. Zur Sache nun:

Meine Neigung, Dinge aufzuschreiben, begann im Alter von achtzehn Jahren, als ich, inspiriert durch Ephraim Kishon, kurze Texte zu alltäglichen Themen verfasste, zunächst handschriftlich, dann mit mechanischer Schreibmaschine abgetippt. Die Idee war, eines fernen Tages daraus ein Buch zu machen. Dieses Vorhaben verflüchtigte sich bald wieder wie überhaupt das regelmäßige Schreiben von Texten – mit achtzehn war ich noch etwas flatterhaft und hatte anderes im Kopf wie den Führerschein machen, erste Liebeswirren, Feten, die nahende Abiturprüfung und Gedanken über die berufliche Zukunft. Meine ganz persönlichen, nicht zur Veröffentlichung geeigneten Gedanken notierte ich mehr oder weniger regelmäßig ins Tagebuch, bis heute, das ist ein anderes Thema.

Sachen ins Internet zu schreiben begann ich mit dem Aufkommen von Twitter, das ich sehr liebte und zu dem sich eine gewisse Sucht nach Sternchen, Gefolge und Erwähnungen entwickelte. Auch an mehreren Twitter-Treffen, so richtig in echt, nahm ich teil. Es war sehr interessant, Leute, denen ich folgte, manche etwas bewunderte, in echt zu treffen. Die meisten waren sehr angenehm und witzig, mindestens einer mit mehreren Tausend Followern ein arrogantes Arschloch, ich nenne keinen Namen. So genau erinnere ich mich auch nicht mehr daran, irgendwas mit Gesäßbehaarung. Zeitweise versuchte ich es auch mit Facebook, wurde damit jedoch nicht richtig warm und kündigte den Anschluss wieder. Auch Twitter habe ich verlassen, lange bevor Elon M. es kaputt gemacht hat. Ich bin jetzt bei Bluesky, schaue aber nur sehr selten da rein.

Über Twitter wurde ich auf Blogs aufmerksam. Das wollte ich auch ausprobieren, daher meldete ich mich bei blog.de an und begann mit dem Bloggen. Zunächst unregelmäßig, manchmal wochenlang gar nichts. Auf diese Weise setzte ich fort, was ich mit achtzehn begonnen und bald wieder eingestellt hatte, wobei einige Aufsätze entstanden, die ich, bei aller Bescheidenheit, auch heute noch ganz gut finde. Da blog.de vor zehn Jahren geschlossen wurde, zog ich um zu WordPress, wo ich mich seitdem sehr wohl fühle, auch wenn die Jetpack-App für das iPad immer wieder geändert wird und ich mich jedes Mal wieder zurechtfinden muss.

Regelmäßigkeit beim Bloggen kam auf ab 2013 mit dem Beitritt bei den Bonner Ironbloggern. Dort verpflichtet man sich, mindestens einmal die Woche was zu bloggen. Wenn das nicht gelingt, zahlt man fünf Euro in eine Gemeinschaftskasse ein, deren Bestand bei ausreichender Höhe gemeinsam versoffen in geselliger Runde verbraucht wird. Ich war bei mehreren Treffen dabei, auch da war es, wie zuvor bei den Twitter-Treffen, stets interessant, Leute persönlich kennen zu lernen, von denen man sonst nur liest. Ich selbst musste nie einzahlen, was für meine eiserne Blogdisziplin spricht. Leider ist es still geworden um die Ironblogger, nur noch wenige sind dabei. Ein Treffen gab es schon lange nicht mehr.

2016 begann ich mit den Wochenrückblicken, die jeweils am Montagmorgen veröffentlicht werden. Seitdem hat sich dieses Format im Blog durchgesetzt, längere Texte zu bestimmten Themen (wie diesen) schreibe ich dagegen nur noch selten. Das ist etwas schade.

Zur den Ausgangsfragen, warum ich immer noch blogge, was mich antreibt, könnte ich es mir einfach machen: aus Spaß am Schreiben. Es bereitet mir große Freude, alltägliche Beobachtungen und Wahrnehmungen aufzugreifen und in Sätze zu packen, Formulierungen zu finden, manchmal etwas gedrechselt, einzelne Wörter zweckzuentfremden oder neu zu konstruieren. Nebenbei entsteht dadurch eine Chronik meines Lebens, jedenfalls mit den Dingen, die sich zur Veröffentlichung eignen; alles andere wird weiterhin ins Tagebuch geschrieben.

Gewiss, dazu bräuchte es kein Blog (ich bin übrigens Anhänger der Auffassung, es heißt „das“ und nicht „der Blog“, aber jeder wie er mag; ich bin auch kein großer Freund des Genderns, Innen und alle anderen mögen sich bitte mit angesprochen fühlen), das könnte ich auch in ein Notizbuch oder Textverarbeitungsprogramm schreiben. Was das Bloggen besonders macht, ist die Interaktion mit Lesern und anderen Bloggern, sei es durch Gefallenssternchen, freundliche Kommentare oder gar persönliche Treffen. Das ist es auch, was ich gerne intensivieren würde: den persönlichen Austausch mit anderen Bloggernden, sei es durch gemeinsame Blogprojekte oder persönliche Treffen.

Immerhin, aus dem Buch ist dann nach fast vierzig Jahren doch noch was geworden.

3 Gedanken zu “#BlogWochen2025 – Was uns antreibt

  1. Avatar von Unbekannt Anonymous Mai 8, 2025 / 16:39

    Spontan kam mir der Gedanke „ob es sinnvoll wäre, in Berlin die Ironblogger wiederzubeleben?“ In Bonn ja vielleicht auch.

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  2. Avatar von southpark southpark Mai 8, 2025 / 16:40

    Spontan kam mir der Gedanke „wäre es ein guter Zeitpunkt, die Ironblogger in Berlin wiederzubeleben?“ Vielleicht ja auch am Rhein.

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