Wahnsinn in der Welt

Vorbemerkung:

Wir schreiben 2020, das Jahr, das wohl untrennbar mit der weltweiten Corona-Pandemie in die Geschichte eingehen wird, wobei wir gerade mittendrin sind und niemand weiß, wie es ausgeht. Unsere Spezies, die sich in maßloser Selbstüberschätzung „Homo Sapiens“ nennt, ist wahnsinnig; nicht erst jetzt, sie war es immer schon: Sie führt(e) Kriege, zerstört(e) die Umwelt und unterdrückt(e) andere. Dazu bedarf es keiner Pandemien – sie verstärken nur die eine oder andere Facette etwas.

Ich habe mir vorgenommen, hier eine Chronik des menschlichen Wahnsinns in der Welt zu erstellen, selbstverständlich eine rein subjektive Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Ziel ist es, Ereignisse und Begebenheiten zu dokumentieren, die den menschlichen Irrsinn belegen. Das können große, im wahrsten Sinne weltbewegende menschgemachte Katastrophen sein wie Kriege, aber auch regionale, lokale Störfälle. Diese Chronik wird laufend fortgeschrieben, solange es mir möglich ist oder ich Lust dazu habe. Sicher ist: Der Wahnsinn wird erst enden, wenn es der Menschheit gelungen ist, sich selbst zu eliminieren. Vielleicht dauert das gar nicht mehr so lange, wer weiß.

Zunächst eine Bestandsaufnahme, erstellt am Samstag, 15. August 2020:

  • In Syrien, Jemen, Afghanistan, Libyen, der Ostukraine, Mali und einigen weiteren Ländern herrscht seit Jahren Krieg, wobei jeweils kaum zu durchschauen ist, wer warum gegen wen kämpft. Für die jeweilige Bevölkerung bedeutet das unvorstellbares Leid, und jetzt komme mir bitte niemand, am meisten leiden die Kinder. Nein, es betrifft alle.
  • Seit 2016 werden die USA von einem Wahnsinnigen als Präsidenten regiert, vom Volk demokratisch gewählt. Im November sind die nächsten Wahlen, und seine Wiederwahl ist keineswegs auszuschließen, zumal der Gegenkandidat 77 Jahre als ist. – Weitere Länder, die zurzeit von Wahnsinnigen beherrscht werden: Brasilien, Venezuela, Türkei, Russland, Großbritannien, Nordkorea, Polen (indirekt), Ungarn.
  • China ist gerade dabei, sich Hongkong einzuverleiben. Angehörige der Demokratiebewegung und alle, die es wagen, an der chinesischen Führung und ihrem Vorgehen Kritik zu üben, werden verhaftet.
  • In Weißrussland, das neuerdings Belarus genannt wird, werden Proteste gegen den angeblichen 80-Prozent-Wahlsieg des amtierenden Langzeitpräsidenten Lukaschenko von der Polizei mit großer Brutalität niedergeknüppelt.
  • Im Hafen von Beirut sind Anfang des Monats etwa 3.000 Tonnen Ammoniumnitrat explodiert, die dort seit geraumer Zeit in einer Halle lagerten und für die sich niemand verantwortlich fühlte. Aufgrund der heftigen Druckwelle sind große Teile der Stadt zerstört, mit zahlreichen Toten und Verletzten. Die politische Führung Libanons, in Korruption und Eigeninteressen verstrickt, unternimmt gar nichts und lässt die Menschen im Stich. Dagegen gibt es zurzeit heftige Proteste.
  • Trotz Klimawandel sind wir dazu verdammt, zu reisen, zu konsumieren, zu wachsen und uns zu vermehren. Wir können nicht anders („Warum ich? Sollen doch erstmal die anderen verzichten“) und werden uns selbst sehenden Auges langsam aber sicher ausrotten. Man liest oft, das Klima oder gar die Erde seien in Gefahr. Das ist Quatsch. Der Erde und dem Klima ist das alles vollkommen egal. In Gefahr, Lebensgefahr ist einzige und allein unsere Spezies. Und natürliche all die, die wir nebenbei mit ausrotten.
    img_0886
  • Geiz ist geil – Lebensmittel dürfen nicht viel kosten, vor allem Fleisch muss jederzeit günstig verfügbar sein. Deshalb werden Schweine, Rinder, Hühner und Puten unter unvorstellbar qualvollen Bedingungen gehalten und massenhaft getötet. Für ihr – und somit letztlich unser – Futter werden riesige Flächen tropischen Regenwalds abgeholzt.
  • Nicht nur in den USA, aber da besonders, werden Menschen täglich diskriminiert, weil sie eine dunkle Hautfarbe haben. Überhaupt werden Menschen überall diskriminiert, weil sie in irgendeiner Weise von der Mehrheit abweichen.
  • Menschen werden bedroht und im Netz beschimpft, wenn sie eine von der Mehrheit abweichende Meinung äußern.
  • Die Macht der Katholischen Kirche und überhaupt der Religionen in der Welt ist riesig. Noch immer werden Menschen bedroht, verletzt und getötet, weil sie nicht oder anders an einen Gott oder den „falschen“ glauben.
  • Konzernvorstände bekommen (nein, sie verdienen nicht) jährliche Gehälter von mehreren Millionen Euro, nach ihrem Ausscheiden werden sie mit üppigen Altersversorgungen ausgestattet. Die Menschen in den Unternehmen, die die eigentliche Arbeit machen und somit das Geld verdienen, bekommen oft nur den Mindestlohn, manchmal noch weniger.
  • Auch Profi-Fußballer erhalten mehrere Millionen Euro jährlich, weil sie dem jeweiligen Verein als Werbeträger gute Einnahmen bringen. Hinzu kommen die oft ans Verbrecherische grenzenden Machenschaften der großen Fußballverbände wie FIFA oder UEFA und ihrer Funktionäre. Ähnliches gilt für das Internationale Olympische Komitee.
  • Amazon strebt eine Art Weltherrschaft an, sein Einfluss auf den Handel ist riesig. Jeff Bezos, Gründer und Chef, ist der reichste Mensch der Welt. Dennoch ist es für die meisten Menschen selbstverständlich, alles nur dort zu bestellen. Weil es so bequem ist.
  • Jedes Jahr werden in Deutschland mehr SUV zugelassen.
  • Ebenso steigen die deutschen Rüstungsexporte jährlich, auch in Länder, die an den oben genannten Kriegen beteiligt sind.
  • In Stuttgart wird seit Jahren an einem unterirdischen Hauptbahnhof gebaut, der, wenn er mal fertig werden sollte, weder betriebssicher noch von der Kapazität her ausreichend ist. Immerhin – der Berliner Flughafen soll in diesem Jahr mit mehrjähriger Verspätung in Betrieb gehen. Wir werden sehen.
  • Ähnliches wie in Stuttgart gilt für die Bonner Beethovenhalle, die seit Jahren saniert wird, obwohl Post, Telekom und Postbank der Stadt eine neue Konzerthalle finanziert hätten. Die Fertigstellung, anfangs geplant für Ende 2018, ist nicht absehbar, frühestens 2024. Die ursprünglich veranschlagten Baukosten von 62 Millionen Euro sind, Stand Dezember 2019, auf mindestens 134 Millionen Euro gestiegen.
  • Bleiben wir in Bonn: Die Oper kostet die Stadt jährlich 30 Millionen Euro, nur für den laufenden Betrieb, damit sich ein eher geringer Teil der Bevölkerung für günstige Eintrittspreise dem Kulturgenuss hingeben kann. Nun steht die Sanierung der Oper an, auch ein Neubau wird erwogen. Das dürfte dann ein ähnliches Debakel werden wie bei der Beethovenhalle. Immerhin kommen dadurch voraussichtlich keine Menschen zu Schaden.
  • In Berlin, Stuttgart und anderen Städten demonstrieren tausende ohne An- und Abstand und Schutzmasken gegen die aktuellen Einschränkungen zur Eindämmung der Covid19-Pandemie. Andere fliegen ohne Notwendigkeit trotz steigender Infektionszahlen und entsprechender Einstufung als Risikogebiet nach Spanien und in andere Länder. Die Kosten für die anschließenden Tests trägt die Allgemeinheit.
  • Immer mehr Menschen glauben allen Ernstes, irgendwelche Eliten – wer auch immer das sein soll – quälten in unterirdischen Verließen Kinder und zapften ihnen Blut ab, um daraus eine Art Lebenselixier zu gewinnen. Mittlerweile hat sich daraus die „QAnan“-Bewegung formiert, die zu einer ernsten Gefahr für die Demokratie werden könnte.

Soweit die Bestandsaufnahme für heute, spontan aufgeschrieben. Sicher ließe sich noch einiges ergänzen.

KW33 - 1 (4)

***

Die Chronik ab August 2020

18. August 2020: In Berlin rammt ein offenbar Irrer auf der Stadtautobahn 100 mit seinem Wagen mehrere Fahrzeuge, vor allem Motorräder, dabei werden sechs Menschen teilweise schwer verletzt. Man vermutet islamistische Beweggründe.

21. August 2020: Bund und Länder können sich nicht auf eine Straßenverkehrsordnung einigen. Die letzte musste zurückgenommen werden, offiziell wegen eines Formfehlers, weil der Verweis auf die rechtliche Grundlage fehlte. Nun wäre es einfach, den Verweis zu ergänzen und sie erneut in Kraft zu setzen. Doch das will Bundes-Verkehrsminister Scheuer nicht. Vielmehr möchte er die letzte Fassung – vermutlich nach Einflüsterungen von Automobil-Lobbyisten – entschärfen, weil ihm die darin enthaltenen Strafen für Geschwindigkeitsübertretungen, insbesondere Fahrverbote, nun plötzlich zu weit gehen. Das ist bemerkenswert, zumal die Regelungen aus seinem „Haus“ kamen.

24. August 2020: Der „Islamische Staat“ ist wieder aktiv. Bei einem Anschlag auf eine Gaspipeline bei Damaskus wurde die Stromversorgung in Syrien zeitweise unterbrochen.

27. August 2020: Die erwarteten Kosten für die Sanierung der Bonner Beethovenhalle steigen nach neuen Erkenntnissen des Städtischen Gebäudemanagements auf 160 Millionen Euro. Aber da geht noch was bis zur Fertigstellung in voraussichtlich vier Jahren.

28. August 2020: Laut Andreas Scheuer, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, soll die Computerspiele-Branche aus Bundesmitteln mir jährlich fünfzig Millionen Euro gefördert werden, damit Deutschland „als Standort für Games-Entwicklung international wettbewerbsfähig“ wird. Wer zahlt dafür nicht gerne seine Steuern.

29. August 2020: In Berlin demonstrierten wieder Tausende gegen die geltenden Pandemie-Schutzmaßnahmen. „Demnächst werden wir alle versklavt“, so eine Teilnehmerin gegenüber einem hingehaltenen ZDF-Mikrofon, angesichts „drohender“ Impfungen. Zunächst war die Demonstration von den Behörden verboten worden, dann gerichtlich zugelassen, schließlich wurde sie wegen Missachtung der Abstandsregeln von der Polizei aufgelöst. Abends durchbrachen Rechtsradikale die Absperrungen zum Reichstag, wo sie anschließend mit ihren Flaggen posierten.

Dazu passend diese Karikatur vom vergangenen Montag im Bonner General-Anzeiger:

Es ist übrigens bemerkenswert und wohl ein Novum, dass auf derselben Veranstaltung sowohl Regenbogen- als auch Reichsflaggen geschwenkt werden.

2. September 2020 – Wie die Berliner Charité bestätigte, wurde der bekannte russische Regierungskritiker Alexej Nawalny mit einem Nervenkampfstoff vergiftet, bevor er auf einem Flug zusammenbrach. Kurz darauf wurde er – mit Duldung Putins – zur Behandlung nach Berlin gebracht. Die Bundesregierung fordert Russland auf, die Hintergründe zu ermitteln und offenzulegen. Die russische Regierung weist alle Vorwürfe von sich und verlangt nach „Beweisen“.

16. September 2020 – Bei der Polizei in Nordrhein-Westfalen wurde eine rechtsextreme Chatgruppe entdeckt, an der nach ersten Erkenntnissen mindestens 29 Beamte beteiligt sind. Über WhatsApp wurden offenbar jahrelang Hitler-Bilder und andere Rechtsextremitäten ausgetauscht. NRW-Innenminister Reul zeigt sich schockiert, er nennt es „eine Schande für die Polizei“ und verspricht Aufklärung. Wir werden sehen. Hatte nicht erst kürzlich Bundesinnenminister Seehofer eine Studie zu Rassis- und Rechtsextremismus bei der Polizei abgelehnt, weil er davon ausging, dass es dort keinen gibt?