Eine Woche in Avignon oder: Aus meinem Leben als Unternehmergattin

Die vergangene Woche verbrachten wir in Avignon, zuvörderst zum Besuch der Weinmesse découvertes en Vallée du Rhône, aber auch das touristische Programm kam nicht zu kurz, schließlich kann man nicht ununterbrochen Wein saufen. Als Unterkunft hatte uns der Liebste ein kleines Appartement mitten in der Stadt gebucht, von wo aus die Erprobungsstätten fußläufig gut zu erreichen waren, im Falle einer Weinmesse ein ja nicht ganz unwesentlicher Aspekt.
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Nach unserer Ankunft am frühen Samstagnachmittag trotzten wir der Müdigkeit von der langen Fahrt und ließen uns von der Sonne und den für uns ungewohnt milden Temperaturen nach draußen locken zum ersten Glas Bier, nach welchem wir wunderbar ruhten.

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Sonntag besuchten wir zunächst den Ort Fontaine de Vaucluse, wo die gleichnamige Quelle des Flüsschens Sorgue deutlich mehr sprudelte, als wir es aus den Sommermonaten kannten, und die Fluten das Tal mit beeindruckendem Rauschen erfüllten. Ansonsten war nicht viel los, die meisten Touristenneppbuden geschlossen.

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Danach fuhren wir nach Caromb. Da die örtliche Weinhandlung zwar trotz Sonntag geöffnet, wegen der vom Franzosen stets konsequent eingehaltenen Mittagspause jedoch noch etwa eine halbe Stunde geschlossen war, gingen wir zunächst durch den Ort, wo auch nicht viel los war.

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Über Malaucène, wo wir unser Nachmittagsgetränk zu uns nahmen, fuhren wir zurück nach Avignon.

Montag machten wir einen Ausflug durch das Vaucluse über Gigondas, Vinsobres, Nyons und Beaume de Venise. Die gewohnten üppigen Farben der Provence wirkten noch recht blass, doch hat auch diese Jahreszeit hier durchaus ihren Reiz, sehen Sie selbst:

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Dienstag wurde es dann ernst: Die Geschäfte, das heißt die Weinmesse erforderten unsere Anwesenheit im Ort Tain d’Hermitage, etwa 150 Kilometer nördlich von Avignon gelegen, somit leider nicht fußläufig zu erreichen. Aber was nimmt man nicht alles auf sich für einen guten Tropfen… Zur Akkreditierung erhielten wir einen kleinen roten Umhängebeutel, eine Codekarte und ein Weinglas, hiermit waren wir berechtigt, die Hallen der Messe zu betreten und zu probieren, so viel wie wir wollten und – nur theoretisch natürlich – konnten. Der Profi trinkt den probierten Wein übrigens nicht, sondern kaut mit sprudelndem Geräusch darauf herum, um ihn anschließend kunstvoll in scharfem Strahl in bereit stehende Spuckbehälter zu speien, verständlich, sonst käme er nicht weit. So auch der Liebste, zum einen weil er als monsieur importateur der Profi ist, zum anderen, weil er den Wagen wieder heile zurück nach Avignon lenken musste. Mir indes kam in meiner Eigenschaft als Importeursgattin eine eher repräsentativ-dekorative Funktion zu, daher ignorierte ich die Profispucknäpfe. War aber kein Problem, man ist ja im Training.

Nach dem Mittagsbüffet suchten wir die Edel-Schokoladenmanufaktur Valrhona auf, wo es reichlich Möglichkeit der Verkostung gab und welche wir mit gefülltem Magen, knapp drei Kilo Naschwerk und leicht erwärmter Kreditkarte wieder verließen. Danach fuhren wir noch auf den Berg, der diesem Weinanbaugebiet seinen Namen verleiht und von wo aus man einen schönen Blick auf Ort und Rhone hat.

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Mittwoch und Donnerstag fand die Messe dann in Avignon im Papstpalast, im Rathaus und dem Petit Louvre statt. Dort waren die Weine der südlichen Cote du Rhône zu verkosten, welche mir mehr zusagen als die aus Hermitage, zudem sind sie preislich wesentlich günstiger. Mittwoch begann dann leider auch der Mistral, welcher in heftigen Böen durch die Straßen blies, aber auch einen strahlend blauen Himmel über der Provence leuchten ließ.

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Abends waren wir eingeladen – warum, wissen wir selbst nicht so genau – zu einer exklusiven Veranstaltung, bei der es neben edlen Weinen aus Châteauneuf du Pape auch ein verzicktes Büffet gab, unter anderem mit geklammerten Schinkenhäppchen, und das alles für lau.

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Freitag stand die letzte geschäftliche Fahrt an, sie führte nach Châteauneuf du Pape. Ansonsten ließen wir den Tag und den Abend ruhig angehen. Auch der Mistral hatte sich wieder beruhigt.

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Samstag fuhren wir mit einem Auto voller Weinkartons, Trüffel und sonstigen französischen Spezereien zurück nach Bonn, außerdem brachten wir den Frühling mit, nichts zu danken, gern geschehen.

Übrigens: Es macht sich ungerechtfertigter Vorverurteilung schuldig, wer behauptet, der Franzose kommuniziere ausschließlich in seiner eigenen Sprache und lehne jede andere Form der Verständigung kategorisch ab.

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