Baustelle

„Meine Nase passt Ihnen nicht? Meine Füße sollten Sie erstmal sehen!“ – so leitete ich Ende 2010 ein Klagelied über meine schlimmsten Problemzonen, die Füße, ein. War es damals noch vor allem ein optisches Problem, schlimm genug gerade im Sommer, so drückt mittlerweile im wahrsten Sinne des Wortes der Schuh; vor allem bei neuem Schuhwerk scheuern sich die spitz hervorstehenden Ballen schmerzvoll daran. Nun will ich Sie nicht länger mit anatomischen Anomalien belästigen, jedenfalls habe ich vor einigen Wochen beschlossen, das Problem operativ beheben zu lassen, oder besser die Probleme, es sind ja zwei Füße.

Trotz meines hohen Alters bestand bislang noch nie die Notwendigkeit eines Krankenhausaufenthalts, und die Behauptung, das dauerte mich, wäre eine Lüge. Nun muss ich, ich habe es so gewollt. Heute vormittag ging es los mit den notwendigen Voruntersuchungen: Blutabnahme, EKG, Befragungen zu Erkrankungen, Allergien (keine) und Alkohol (ähem, etwas), und jede Menge Unterschriften unter Formulare, Merkblätter und Belehrungen, wobei sich die Unterschrift unter das Anästhesie-Formular ein wenig anfühlte wie unter das eigene Todesurteil. Aber sie müssen halt darauf hinweisen, ja ja, ich weiß, kommt auch nur in ganz seltenen Fällen vor…

Wohlan, das Täschchen ist gepackt, die Säge hoffentlich geschärft, morgen früh geht es los mit dem rechten Fuß. Drücken Sie mir die Großen Zehen!

Problemzonen

Meine Nase passt Ihnen nicht? Meine Füße sollten Sie erstmal sehen! Ja, ich habe ein gestörtes Verhältnis zu Füßen, insbesondere zu meinen eigenen. Das hat weniger olfaktorische Gründe – die Schweißfüßigkeit habe ich glücklicherweise schon vor Jahren überwunden -, die Ursache ist vielmehr in ihrer Physiognomie zu finden. Schuld ist Oma.

Meine Großmutter mütterlicherseits war eine richtige Bilderbuch-Oma: das graue Haar am Hinterkopf zu einem Dutt gebunden, bekleidet zumeist mit einem Küchenkittel, ostpreußischer Akzent und immer liebenswürdig und freundlich zu uns Kindern. Ich liebte meine Oma.

Oma hatte nur einen Makel: schrecklich krumme Füße, dergestalt, dass sich der große Zeh stark nach innen, in Richtung der anderen Zehen bog und an der Innenseite jedes Fußes ein riesig-hässlicher Fußballen spitz hervorstand. Die medizinische Fachwelt hat auch einen Fachausdruck dafür: Hallux Valgus. Klingt irgendwie freundlich, fast lustig; Hallux Valgus könnte zum Beispiel auch eine Figur aus der Augsburger Puppenkiste heißen. Ich glaube, Oma machte sich nichts daraus, sie war keine Frau, die sich an solchen äußerlichen Unzulänglichkeiten gestört hätte.

Soweit, so gut. Leider hat Oma ihren Hallux Valgus an zahlreiche Nachkommen weiter vererbt; einige meiner Tanten, Cousins, Cousinen, mein Bruder und leider auch ich können unsere verwandtschaftlichen Beziehungen allein über unsere Füße problemlos glaubhaft machen.

Nun will ich nicht klagen, ich habe insofern Glück, als dass bei mir – im Gegensatz zu einigen Verwandten – keine schmerzhaften Beschwerden mit den Krummzinken einhergehen, auch sonst haben sie mir bislang keine messbaren Nachteile beschert. Sieht nur total scheiße aus, wer es nicht glaubt, siehe hier (Abbildung ähnlich).

Drei Anläufe habe ich bereits unternommen, diesen Makel beseitigen zu lassen, wozu leider eine Operation erforderlich ist, und davon rieten mir die Ärzte jedes Mal ab, mangels Beschwerden. Keine Beschwerden? Wenn die wüssten, wie ich leide, im Schwimmbad, in der Sauna, am Strand, oder wenn ich irgendwo zu Besuch bin und es heißt: bitte Schuhe aus.

So, nun kennen Sie meine Problemzonen. Ich werde niemals im Sommer unbeschwert mit Flip Flops durch die Stadt laufen können. Allerdings würde ich das auch nicht tun, wenn ich statt meiner Charakterfüße ganz normale hätte wie Sie und andere. Insofern habe ich Oma nichts vorzuwerfen.