Nicht-Vorsätze für 2016

Jahreswechsel – in diesen Tagen erstellen wieder viele Menschen eine Liste mit Dingen, die sie im neuen Jahr besser, öfter, weniger, gar nicht mehr oder überhaupt endlich machen wollen. Läsen sie diese Liste nach zwölf Monate erneut, stellten sie fest, dass sie nichts, aber auch gar nichts von alledem in die Tat umgesetzt haben. Zu ihrem Glück werden sie die Liste jedoch spätestens Ende Februar vergessen haben. (Endlich mal ein Satz in Futur 2.)

Ich dagegen erstelle traditionell jahresendlich eine Liste mit Dingen, die ich im neuen Jahr nicht angehen, umsetzen, erreichen oder ändern will. Das Erfolgserlebnis am Jahresende ist garantiert. 2016 werde ich nicht:

Alte Freundschaften pflegen. So gerne ich es würde – ich schaffe es einfach nicht.

Mit dem Bestseller vorankommen.

In der Fastenzeit fasten. Sonst auch nicht.

Das Rauchen aufgeben.

Keinen Sonntag mehr mit Kater aufwachen.

Vegetarier oder gar Veganer werden.

Sushi essen.

Den neuen Starwars-Film ankucken.

Englische Liedtexte verstehen.

Kaugummi kauen.

Die Begeisterung für die Fußball-EM teilen.

Mir freiwillig ein Fußballspiel anschauen.

„Wir“ sagen, wenn die deutsche Nationalmannschaft gemeint ist.

Verständnis für jede Form von Ideologie oder Fanatismus aufbringen.

Einen vielbeachteten Tweet oder Blogtext schreiben.

Die Liste ist natürlich nicht abschließend, zum Beispiel habe ich auch nicht vor, nach Marathon zu laufen, mir einen albernen Dutt zu binden oder ein Ohr abzuschneiden. Aber man weiß ja nie… In diesem Sinne: Vielen Dank an alle, die mein Zeugs ab und zu lesen; Ihnen allen ein gutes neues Jahr!

Wissen die, dass Weihnachten ist?

Ende 1984 sang die Band Aid, von Bob Geldorf als Hilfsprojekt für Afrika initiiert, das großartige Lied „Do they Know it’s Christmas“. Sie setzte sich aus damaligen Größen der Popmusik zusammen, wobei der besondere Reiz zum einen darin lag, dass jede Liedzeile von einem anderen Star gesungen wurde, zum anderen in den ebenfalls großartigen, von den Künstlern repräsentierten Frisuren der mittleren Achtzigerjahre. Unter anderem sangen Paul Young, Boy George, George Michael, Simon Le Bon (von Duran Duran), Sting (The Police), Bono (U2); Phil Collins, ebenfalls noch mit einer Frisur, wenn auch nicht so wallend wie die der Vorgenannten, trommelte dazu.

Das Lied wurde fortan wochenlang in allen Radiosendern rauf- und runtergespielt, und völlig zu recht hört man es noch heute zur Weihnachtszeit in der Originalversion von 1984 im Radio, ebenso wie „Last Christmas“ von George Michael und „The Power of Love“ von Frankie Goes To Hollywood, die ungefährt zur gleichen Zeit erschienen.

Mehrfach wurde „Do they Know it’s Christmas“ neu aufgelegt, wiederum mit aktuellen Stars des jeweiligen Erscheinungsjahres. Aber wie das meistens so ist mit Kopien – sie bleiben um Längen hinter dem Original zurück, erscheinen gegenüber der 1984er-Version wie seichtes Geplätscher. Auch die Frisuren vermögen nicht mehr zu beeindrucken. Daher meine Bitte an alle, die sich dazu berufen fühlen, eine weitere Version zu produzieren: lasst es, es kann nur schief gehen! (Eine diese These belegende despektierliche Bemerkung zum Weihnachtsalbum von Helene Fischer verkneife ich mir hier aus Gründen des Familienfriedens.)

Vorstehende Zeilen geben natürlich nur meinen persönlichen Geschmack wieder. Aber dies ist mein Blog, hier darf ich meinen und schmecken, was ich will. Wem das nicht passt, der kann sich ja gerne bei Facebook ausheulen.

Frohe Weihnachten!

Verbale Hohlraumversiegelung – 13. Fortschreibung

Sprache entwickelt sich laufend weiter – nicht immer zum Guten, wie die nachfolgende Liste zeigt. Seit der letzten Aktualisierung sind wieder einige neue und nicht ganz so neue Phrasen aus Aufzug, Büro, Besprechungen, Telefonkonferenzen und dem täglichen Wahnsinn in mein leidgeprüftes Ohr gedrungen. Die Neuzugänge finden Sie ab der laufenden Nummer 305.

***

1.) „Okay…“ mit anhebender Stimmmodulation auf der zweiten Silbe. Mein absoluter Spitzenreiter.

1a) „Okodoki“ – die kleine, nicht minder schlimme Schwester von 1.)

2.) „Gesundheit!“ Verdammt, lasst mich doch einfach in Ruhe niesen!

3.) „Geht das zusammen oder getrennt?“

4.) „nicht wirklich“

5.) „Wir müssen die Leute mit ins Boot holen“

6.) „Wir müssen die Leute abholen“

7.) „Da bin ich ganz bei dir/Ihnen“

8.) „Da bin ich fine mit“ (oder „fein“?)

9.) „Gerne!“ als Antwort auf „Danke“

10.) „Mahlzeit!“ – der Klassiker.

11.) „Da sind wir gut unterwegs“

12.) „Da sind wir gut aufgestellt“

13.) „Kein Thema!“

14.) „Herausforderung“, auch wenn es ein scheiß Problem ist.

15.) „Halloo…??“ mit Empörung vorgebracht, statt „Wie bitte?“

16.) „Ich freue mich auf…“ im Zusammenhang mit geschäftlichen Terminen/Angelegenheiten/was auch immer. Das glaubt ihr doch selbst nicht!

17.) „Das ist so was von [beliebiges Adjektiv]“

18.) „Ich sag mal…“

19.) „Na Urlauber…?“ am ersten Tag nach dem Urlaub. Als wenn es nicht so schon schlimm genug wäre, wieder arbeiten zu müssen!

20.) „Das geht g a r nicht!“ Wirklich nicht.

21.) „Wie [beliebiges Adjektiv, zumeist jedoch ‚geil‘] ist d a s denn??“

22.) „Am Ende des Tages…“

23.) „Das macht Sinn“

24.) „Super-GAU“, genau so unsinnig wie „das einzigste“

25.) „Quantensprung“. Ich nehme an, 95% derjenigen, die das Wort benutzen, kennen dessen eigentliche Bedeutung nicht.

26.) „mit Migrationshintergrund“ trieft nur so vor politischer Korrektheit.

27.) „Du, damit habe ich kein Problem.“ („Aber bleib mir weg damit!“)

28.) „wünsche … gehabt zu haben!“

29.) „Wer mich kennt, weiß, dass ich [blablabla]…“ Gerne von Vorständen und ähnlich „wichtigen“ Personen genutzt

30.) „Da müssen wir jetzt Gas geben“

31.) „Das habe ich auf dem Schirm“

32.) „spannend“ im Zusammenhang mit irgendwelchen halbwichtigen geschäftlichen Angelegenheiten

33.) „Ich bin im Moment lost“

34.) „An der Stelle…“ als Füllfloskel

35.) „Und äh…“ als Satzeinleitung, vor allem, wenn danach sekundenlang nichts mehr kommt

36.) „Dafür nicht“ als Antwort auf Danke

37.) „sexy“ in geschäftlichen und somit völlig unerotischen Zusammenhängen

38.) „Wir müssen die Kuh vom Eis holen“ (Auch schon gehört: “die Crux vom Eis“)

39.) „Ins offene Messer laufen“

40.) „Im Tal der Tränen“

41.) „Da müssen wir Geld in die Hand nehmen“

42.) „Das Projekt auf die Straße bringen“

42a) „Die PS auf die Straße bringen“

43.) „Auf Augenhöhe diskutieren“

44.) „Erdrutschartiger Sieg“ – Journalistenquatsch, ebenso wie

45.) „Ein Schluck aus der Pulle“ und

46.) „Geld in die Kassen spülen“.

47.) „Lohnenswert“ – dieselbe Wortfamilie wie „das einzigste“

48.) „Yummie“ – heißt wohl so viel wie lecker, was bei genauer Betrachtung nicht viel besser ist.

49.) „Zeitfenster“ – bitte geschlossen halten, es zieht.

50.) „Otto Normalverbraucher“, der Schwager von Max Mustermann.

51.) „Spaß beiseite“ – wer das sagt, hat wohl auch sonst nicht viel Freude.

52.) „Da bin ich leidenschaftslos“ und

53.) „Da bin ich schmerzfrei“ – mir tut es verdammt weh.

54.) „wtf“ = „What the fuck“. Gerne auf Twitter genutzt, ebenso wie

55.) „#fail“ – ja, mangelhaft!

56.) „Nennen Sie mal eine Hausnummer.“ Bitte: 19b, Hinterhaus.

57.) „Das ist mit mir nicht zu machen.“ Politikersülze.

58.) „Wir müssen jetzt unsere Hausaufgaben machen.“

59.) „Ich mache mal den Vorsitz“ – beliebter Scherz, wenn nur noch ein Platz an der Stirnseite frei ist

60.) „… bis der Arzt kommt“

61.) „Da krieg‘ isch so’n Hals!“

62.) „Das haben wir ihnen ins Stammbuch geschrieben.“

63.) „Das stimmen wir bilateral ab.“

64.) „eine undurchsichtige Gemengelage“

65.) „[beliebiges Substantiv] wird bei uns groß geschrieben.“ Nicht nur bei euch.

66.) „Roundabout“ klingt ungefähr scheiße.

67.) „Er/sie erfindet sich immer wieder neu.“ Beliebte Feuilletonfloskel.

68.) „Das meint“ – meint „das bedeutet“ zu bedeuten, tut es aber nicht.

69.) „Ich speichere mal aus“ – klingt nach mentalem Stuhlgang.

70.) „Wer hat da den Hut auf?“

71.) „Ich sehe das mehr durch die […]-Brille.“

72.) „Das ist kein Showstopper.“

73.) „Da werden Pflöcke gesetzt.“

74.) „Das werfen wir denen (= andere Abteilung etc.) über den Zaun.“

75.) „Wir könne hier nicht auf der grünen Wiese planen.“

76.) „Das ist Brot und Butter“ – mir vergeht dabei der Appetit.

77.) „Wer sind hier die Player?“ – geht spielen.

78.) „Das haben wir im Scope.“

79.) „Lach doch mal!“ – eher zum Heulen.

80.) „Topic overflow“ – was mag es bedeuten? Für Hinweise wäre ich dankbar.

81.) „Wir müssen die Anforderung aufbohren.“

82.) „Wir müssen hier ja nicht das Rad neu erfinden.“

83.) „Ich schicke Ihnen mal einen Draft.“

84.) „Das absolut wasserdicht sein“. – Hauptsache, ihr seid ganz dicht.

85.) „Da können wir Honig saugen.“

86.) „nullachtfuffzehn“

87.) „Wenn wir dieses Fass jetzt aufmachen…“ – dann Prost Mahlzeit.

88.) „Das ist kein Hexenwerk“ – was für den Phrasenscheiterhaufen.

89.) „Umgekehrt wird ein Schuh draus.“ – Sonst ist es ein Huhcs??

90.) „Haben wir dafür schon das Go?“ – Geht mir weg!

91.) „Da bekommen wir ein Thema.“

92.) „Ich forwarde Ihnen das mal eben.“

93.) „Da sehe ich uns im Lead.“

94.) „Der Prozess wird noch nicht gelebt.“

95.) „Da muss ich mich erst mal aufschlauen.“

96.) „Das ist so 1990 [oder sonstiges beliebiges Jahr]“

97.) „Wir sind not amused“ – in der Tat wenig amüsant

98.) „Wie ist das gesettet?“

99.) „Leg dich wieder hin“ am Ende eines Telefonats – ein Klassiker

100.) „Wir brauchen da eine gute Storyline.“

101.) „Ein absolutes No Go!“ – geht wirklich nicht.

102.) „Ein absolutes Must Have!“ – also ich muss das nicht haben.

103.) „Das ist doch eher ein Nice To Have.“ – s. Nr. 102

104.) „Wir sollten dazu eine kurze TelKo machen.“

105.) „Wir sind hier doch nicht bei Wünsch dir was!“

106.) „Kannst du mich dazu kurz briefen / debriefen?“

107.) „Sind Sie morgen früh im Office?“

108.) „O-Saft“, „A-Saft“ – was für A-Löcher.

109.) „Das ist kein Dealbreaker“. Klingt trotzdem zum Kotzen.

110.) „Darauf haben wir uns committed.“

111.) „Sie können mich jederzeit anrufen.“ Ebenso verlogen wie

112.) „Für Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.“

113.) „Wir sollten das nicht mit der Gießkanne verteilen.“

114.) „Das ist alles in trockenen Tüchern.“ Auch gehört: „in grünen Tüchern“

115.) „Wir können da noch Synergien heben.“

116.) „Wir sollten das zeitnah erledigen.“

117.) „Wir sollten uns nächste Woche noch mal zusammentelefonieren.“

118.) „Wir phonen morgen.“ Oder „fonen“? Der Duden kennt beides (noch) nicht.

119.) „Mailen Sie mir einfach einen Zweizeiler.“

120.) „Ich schick Ihnen das mal kommentarlos zu.“

121.) „Da müssen wir wohl eine Sonderlocke drehen.“

122.) „Wir müssen das proaktiv kommunizieren.“

123.) „Nachhaltige Maßnahmen“

124.) „Wir müssen das frühzeitig eskalieren“

125.) „Tschö mit Ö“ – wie blöd!

126.) „Ganzheitliche Betrachtung“

127.) „Sounding Board“ – Ja, hat irgendwas mit viel überflüssigem Geräusch zu tun.

128.) „Das ist nicht in Stein gemeißelt“

129.) „Haben wir das auf der Agenda?“

130.) „an“ anstelle von „mit“, häufig in scheinbar gehobener Gastronomie. Beispiel: „Currywurst an Pommes“

131.) „Erstellen Sie einen Forecast.“

132.) „Den Ball zuspielen“

133.) „Ich mache da noch ’ne QS drüber“

134.) „Handlungsfelder erkennen“

135.) „zum gegenwärtigen Zeitpunkt“ – achtsilbiges Wortschaumgebäck für „jetzt“ (1 Silbe)

136.) „zu keiner Zeit“ – viersilbiges Wortschaumgebäck für „nie“

137.) „Der Plan ist auf Kante genäht“

138.) „exorbitant“

139.) „Was sind unsere lessons learned?“

140.) „Pros & Cons“

141.) „Da ist noch Spielraum / Luft nach oben“ – höfliche Umschreibung von „ziemlich scheiße gelaufen“

142.) „einen Workaround definieren“

143.) „erst mal die Füße stillhalten“

144.) „Das System läuft performant.“

145.) „Das wären ein neues Feature“

146.) „Trouble shooting“

147.) „Die Timeline ist sportlich.“

148.) „Das müssen wir noch mal festklopfen.“

149.) „Das ist keine Rocket Science.“

150.) „Sonst fällt uns das auf die Füße.“

151.) „Das ist ein ganz normaler Vorgang.“ – Umschreibung für: „Wir wissen, dass wir Mist gebaut haben, können das aber nicht zugeben.“

152.) „Das ist eine Blaupause.“ Nur im Suff zu ertragen.

153.) „Nicht, dass daraus ein Flächenbrand entsteht.“

154.) „Da haben wir ein Gap.“

155.) „An welcher Stelle ist das Bottleneck?“

156.) „Das habe ich schon eingetütet.“

157.) „Das machen wir on the fly“.

158.) „Das habe ich schon angetriggert.“

159.) „Kann man das später umswitchen?“

160.) „Wir werden das ergebnisoffen diskutieren.“ – uns von unserer Meinung jedoch nicht abbringen lassen.

161.) „Lösungsorientierter Ansatz“ – ja was denn sonst?

162.) „Walkthrough“

163.) „Ich habe heute einen harten Anschlag.“ – eher einen Knall.

164.) „Wir wollen kein Fingerpointing betreiben.“ Doch, genau darum geht es, um nichts anderes!

165.) „Was macht das mit dir?“ – Es kotzt mich an.

166.) „Wir müssen das von allen Seiten beleuchten.“

167.) „Da müssen wir noch mal gegentreten.“

168.) „Guter Hinweis!“ – Kurzform für „Sie sind wohl ein ganz Schlauer, was?“

169.) „Wir fahren hier auf Sicht.“ – heißt: Wir haben keine Ahnung, was wir hier tun.

170.) „Das lief völlig geräuschlos.“

171.) „Können wir das umshiften?“

172.) „Das haben wir uns auf die Fahne geschrieben.“

173.) „Ich habe das in den Stiel gestoßen.“ – klingt unzüchtig bis schmerzhaft.

174.) „Wann ist das Kick-Off?“

175.) „Das machen wir hands on.“

176.) „Was sind die quick wins?“

177.) „Das ist so Mainstream“

178.) „Das ist so old school“

179.) „Was sind dabei die Painpoints?“ – das tut weh.

180.) „Das Projekt ist ongoing.“

181.) „Wie sind wir da gestafft?“

182.) „Operation am offenen Herzen“

183.) „Wir müssen die Kuh zum Fliegen bringen“ – eher eine Fehlfloskel, aber witzige Vorstellung

184.) „Ehrlicherweise“ – also war alles Bisherige gelogen?

185.) „Das ist nicht skalierbar.“

186.) „No show“ – bleibt mir weg damit

187.) „Townhall Meeting“ – aufgeblähter Begriff für Informationsveranstaltung

188.) „Welchen Ampelstatus hat das Projekt?“

189.) „genau“ als Füllwort / Satzüberleitung ohne vorangegangene Frage

190.) „Ich habe das auf dem Radar.“ – klingt nach geistigem Blindflug

191.) „… und Co.“ statt „und so weiter“

192.) „Einen Tod müssen wir sterben“ – aber vorher viel Mist anhören.

193.) „Das ist ’ne Menge Holz“

194.) „Da müssen wir ziemlich dicke Bretter bohren“ – ja, die vor dem Kopf zuerst.

195.) „Wir haben den nächsten Meilenstein erreicht“

196.) „Ich nehme das mal mit.“

197.) „Sie müssen das ganz neu denken!“

198.) „Schaun mer mal“ – in keiner Weise kaiserlich

199.) „Passt schon“ – ich hatte mehr erwartet.

200.) „Eine rote Linie ist überschritten“

201.) „Wie man auf Neudeutsch sagt“ – darauf folgt garantiert kein deutsches Wort.

202.) „Wir groß ist das Delta?“

203.) „Das quantifizieren wir per Augenintegral“

204.) „Da haben wir kein Issue.“

205.) „Ich habe morgen noch einen Slot frei.“

206.) „Der Drops ist gelutscht.“

207.) „Das ist work in progress.“

208.) „Können Sie mich morgen kurz anteasern?“

209.) „Da müssen Sie Ihre volle Leistung abrufen!“

210.) „Können wir uns da mal synchronisieren?“

211.) „Haken dran.“

212.) „So viel wie nötig, so wenig wie möglich.“

213.) „Diese Lösung ist convenienter.“

214.) „Das ist hier der Enabler.“

215.) „Alles gut?“ – nein, gar nicht gut.

216.) „aka“, auch bekannt als ‚alias‘

217.) „Der Prozess ist etwas sonderlockig.“

218.) „Ist das all over gelevelt?“

219.) „Wann ist die Deadline?“

220.) „Unsere Mitarbeiter sind unser Aushängeschild.“ Deshalb stehen sie im Regen.

221.) „All Hands Meeting“

222.) „Dieses Internet(z)“

223.) „Was ist da unser Zeithorizont?“

224.) „Wie händeln wir das?“

225.) „Du bekommst da noch Input von mir.“

226.) „Wir müssen das endlich durch die Tür bringen“. Macht sie am besten hinter euch zu.

227.) „Das klären wir im Vorfeld.“

228.) „Gibt es dafür ein Benchmark?“

229.) „Ich erstelle dazu einen One Pager.“

230.) „Hier die Meeting Minutes zu unserem Gespräch.“

231.) „Verzeihung, Freudsche Fehlleistung.“

232.) „Das ist state of the art.“

233.) „Wir sollten dazu einen Proofe of Concept durchführen.“

234.) „Wir fliegen da voll unter dem Radar.“

235.) „Haben Sie das schon angestoßen?“

236.) „quasi“ – an sich nicht schlimm, doch zunehmend eine echte Epidemie.

237.) „sozusagen“ – siehe Nr. 236

238.) „Da muss ich jetzt mal zwischengrätschen.“

239.) „Notfalls brauchen wir dafür erstmal eine händische Lösung.“

240.) „Ich bin da ambivalent.“

241.) „Jetzt gehts ans Eingemachte.“

242.) „Wir sollten das schon mal vorschattieren.“

243.) „Was sind unsere findings daraus?“

244.) „Machen Sie mal einen Aufschlag.“ Da möchte man direkt zuschlagen.

245.) „Das Argument kaufe ich.“ Bitte sehr, macht einsfünfundneunzig.

246.) „Shit happens.“ Auch wird viel Scheiß geredet.

247.) „Rüchtüüüg…“ – richtig blöd.

248.) „Reichsbedenkenträger können wir nicht gebrauchen.“ Leute, die dieses Wort absondern, noch weniger.

249.) „Das Thema können wir abbinden.“

250.) „Stillstand bedeutet Rückschritt.“

251.) „Never ever!“ möchte ich das hören.

252.) „Machen Sie da mal ein Preisschild dran.“

253.) „Last (but) not least“ – ein Klassiker, leider wird es dadurch nicht besser, genau so wie

254.) „nichtsdestotrotz“ – kotz.

255.) „in Schlagdistanz“ – oh ja gerne, komm her!

256.) „Die Lösung ist quick and dirty.“

257.) „Bitte halten Sie mich im loop.“ Im WAS??

258.) „fyi“ – ihr seid ja sooo cool.

259.) „Ich kriege da keinen Anpack dran.“

260.) „Ich stelle das (an andere Abteilung o.ä.) durch.“ Und ich drehe durch.

261.) „schlagmichtot“ (statt „was weiß ich“). Wie gerne würde ich!

262.) „Chapeau!“ Genau so überflüssig wie

263.) „Da gehen wir d’accord“

264.) „Ja nee…“ – was nun, ja oder nein?

265.) „Das ist der Urschleim.“ Ekelig.

266.) „Die Sache fliegt.“ Siehe auch Nr. 183

267.) „Das wird kein Kindergeburtstag.“ Eher Kindergarten.

268.) „Wir brauchen belastbare Zahlen.“

269.) „Wir nehmen Ihr Anliegen sehr ernst.“ Floskel für „Sie nerven!“

270.) „Das Ende der Fahnenstange ist erreicht.“

271.) „Das sehe ich noch nicht.“ Aber wir müssen es leider hören.

272.) „Fit wie ein Turnschuh“ – Unfug, siehe hier.

273.) „Auf Wiederschauen.“ Was soll das sein?

274.) „Das ist immer eine feste Bank.“ – nicht sehr vertrauenserweckend.

275.) „sprich“ im Sinne von „das heißt“

276.) „irgendwie“ – der Bruder von „quasi“ (Nr. 236) und „sozusagen“ (Nr. 237)

277.) „Ich adressiere das.“ Siehe auch Nr. 260.

278.) „Das würde ich sofort unterschreiben.“

279.) „Das ist ganz großes Kino.“ Nur der Film ist leider scheiße.

280.) „Das Thema sehe ich bei Ihnen verortet.“

281.) „Nach dem Prinzip ‚slide the elephant‘“

282.) „Geben Sie mir bitte bis Mittwoch ein Feedback.“

283.) „Das habe ich noch auf dem Zettel.“

284.) „Ich lade Sie dazu ein…“ …und wagen Sie es besser nicht, dieser Einladung nicht zu folgen!

285.) „Check!“ – das neue(?) „Okay“

286.) „Das haben wir in der Pipeline.“ Da kriege ich ein Rohr.

287.) „Das ist suboptimal gelaufen.“

288.) „Wir bewegen uns hier auf einem schmalen Grat.“

289.) „Wir müssen die Leute besser einbinden.“

290.) „Ich sage das mal off the records.“ – Halt besser einfach die Klappe.

291.) „Ich bin gerade in einem Call.“

292.) „Können Sie das bitte mal vercharten?“

293.) „Das müssen wir noch verschriftlichen.“

294.) „Sorry, kurze Biopause.“ Ja, verpiss dich.

295.) „Ich habe das mal gehighlightet.“ Nicht sehr helle.

296.) „Kannst du das noch mal challengen?“ Eine echte Herausforderung für das Ohr.

297.) „Happy Call“ – macht nicht sehr fröhlich.

298.) „Wir gehen davon aus, dass…“ … wir es absolut nicht wissen.

299.) „In der IT-Welt…“

300.) „Storyboard“

301.) „Was sind die next steps?“

302.) „Die betreiben sherry picking.“

303.) „Breakout Session“

304.) „Hallo @all!“

Neu:

305.) „Der Kunde ist sehr eskalativ.“

306.) „Danke für die Frage!“ – Mist, erwischt… (s. auch Nr. 168)

307.) „Das ist kostenmäßig nicht darstellbar.“ – nicht mal in Power Point?

308.) „Das ist gehakt!“ – Ich glaube es hackt…

309.) „Da müssen wir noch mal ein Rad drehen.“ – Ihr meint wohl eher „am“.

310.) „Das ist eine zukunftsfähige Lösung.“

311.) „Prima, Ballerina!“ – genau so dämlich wie

312.) „…nach Adam Riese und Eva Zwerg“

313.) „Das entspricht nicht unserer Erwartungshaltung.“

314.) „Das ist am Ende nicht domptierbar.“

315.) „Das bleibt bitte closed shop.“

316.) „Unsere Leute müssen dafür brennen!“ – Und sich dann bitte nicht wundern, wenn sie verheizt wurden.

317.) „Wir müssen da der first mover sein.“

318.) „fyi“ – weißte bescheid.

319.) „tbd“ – müsste sich mal einer drum kümmern.

320.) „Dazu müssen wir noch eine Abstimmung fahren.“

321.) „Kollege P ist da im Film.“ – Ich auch. Im falschen.

322.) „…aber hey!“

323.) „Qualität hat seinen Preis.“ – wessen denn?

Das war es für dieses Mal. Aber hey, wenn Sie weitere Floskeln auf dem Schirm haben, teilen Sie mir diese bitte asap mit. Vielen Dank.

Machs gut, Papa!

Lieber Papa,

ich schreibe dir hier, obwohl ich mir sicher bin, dass du mein Blog nie gelesen hast, wahrscheinlich nicht einmal wusstest, was ein Blog überhaupt ist. Aber vielleicht kommt das ja jetzt bei dir an. Letzte Nacht endete für dich der Kampf, den du nicht gewinnen konntest.

Es begann vor fast zehn Jahren. Erst wusstest du nicht, wie du SMS-Nachrichten von deinem Mobiltelefon löschst, wie du den DVD-Spieler in Gang setzt, obwohl du früher einen technischen Beruf hattest, auch später im Ruhestand noch Nähmaschinen für Nachbarinnen und Bekannte repariertest. Auch körperlich bautest du etwas ab, konntest keine langen Strecken mehr laufen. „Papa wird langsam alt“, dachten wir uns.

Später, als du dir nicht mehr alleine die Schuhe anziehen konntest, mich manchmal nach meinem Namen fragtest, Sätze sagtest, die keinen Sinn ergaben, nicht mehr verstandest, was wir sagten, war klar, dass etwas von dir Besitz ergriffen hatte, das dich langsam auflöste, gegen das du keine Chance hattest, und das am Ende auch Mamas Kräfte überstieg.

Das ist nun vorbei. Ich bin mir sicher, dort, wo du jetzt bist, geht es dir gut. Und wer weiß, vielleicht sehen wir uns dort wieder, irgendwann.

Bis dahin: machs gut!

Dein Sohn

Tomatensaft trinkende Autoschleicher

Vor einiger Zeit las ich den Anfang eines Zeitungsinterviews, wobei ich mich weder erinnere, in welcher Zeitung, noch, wer befragt wurde und über was – vielleicht ein Buchautor, Musiker, Politiker, wahrscheinlich jedoch kein Sportler, jedenfalls fiele mir kein Grund ein, freiwillig ein Interview mit einem wandelnden Werbeträger zu lesen, nicht einmal den Anfang. Im Gegensatz zu den meisten Mitmenschen, vielleicht aufgrund eines genetischen Defekts, fehlt mir jedes Verständnis dafür, dass Sport in den Medien die gleiche Aufmerksamkeit zuteil wird wie Politik, Wirtschaft, Kultur, Klatsch und Tratsch, vor allem Fußball und Formel eins; die Nachrichtensendung heute leistet sich gar einen eigenen Sprecher nur für Sport, jeden Tag. Warum nur? Als wenn der andere Sprecher dieses belanglose Zeug nicht auch noch eben mit vorlesen könnte!

Das einzige von dem Interview erinnerte ist die Antwort auf die Frage, welche Menschen der Befragte nicht möge, nämlich langsam fahrende Autofahrer und Leute, die nur im Flugzeug Tomatensaft trinken. Mein erster Gedanke, als ich das las: Was für ein Arschloch! Es gibt sicher viele Gründe, bestimmten Menschengruppen abgeneigt zu sein, zum Beispiel Neonazis, IS-Terroristen, Evangelikalen Christen, Zeugen Jehovas, Telefonwerbern, Investmentbankern, Schlagersänger(inne)n. Oder Rasern und Dränglern. Sie alle bringen durch ihr Tun Leid oder wenigstens Störung in die Welt.

Gewiss, einen Schleicher vor sich zu haben, der vielleicht etwas sucht und sich nicht auskennt, ist für die meisten Autofahrer eine Zumutung, namentlich für diejenigen, die sich selbst für die besten Wagenlenker halten, obwohl sie Tempo fünfzig in geschlossenen Ortschaften für einen lächerlichen, nicht ernstzunehmenden Vorschlag halten, die Geschwindigkeitskontrollen und Strafzettel wegen Parkens in Halteverboten als fiese Abzocke empfinden und die laut „Genau!“ schreien, wenn die großbuchstabige Zeitung mal wieder das Bild von der „Melkkuh der Nation“ bemüht.

Was aber ist einem Gelegenheitstomatensafttrinker zur Last zu legen? Doch maximal, dass er in elftauschend Metern Höhe dem Dauertomatensafttrinker die letzte Dose weggeschnappt hat und sich zweiterer deshalb mit dem aus einer anderen Frucht Erpressten zufrieden geben muss. Ob so etwas in der Praxis vorkommt, entzieht sich meiner Kenntnis, ich trinke niemals Tomatensaft, weder in der Luft noch am Boden.

Ich mag solche Leute nicht. Daher brach ich die weitere Lektüre des Interviews ab.

Fröhliche Weihnachten geht anders

Je älter ich werde – und mittlerweile lasten einige der Jahre auf dem krummen Buckel -, desto weniger Lust habe ich auf Weihnachten. Das beginnt schon mit dem Ursprung dieses Festes. Wenngleich ich vor einer Vielzahl von Jahren getauft und einige später konfirmiert wurde, so gelingt es mir heute beim besten Willen nicht mehr, an die Geschichte mit der schwangeren Jungfrau zu glauben. Deshalb, und nicht nur deshalb kündigte ich vor ein paar Jahren der Institution, die uns Jahr für Jahr diese Geschichte glaubhaft machen will, die Mitgliedschaft.

Doch ginge es nur darum, wäre es mir ziemlich egal, sollen die Christen doch ihr Fest feiern, wenn sie möchten. Gegen Karnevalisten und Fußballfans habe ich ja auch nichts. Gut: gegen Fußballfans manchmal schon. Auch möchte ich Sie nicht mit dem bekannten Klagelied über den weihnachtlichen Konsumterror langweilen. Nur so viel: Wenn ich mir  e i n s  zu Weihnachten wünsche, dann ein Ende der Wünsch- und Schenkpflicht. Jedenfalls für mich selbst, nicht etwa generell, schon gar nicht für Kinder. Große Teile der Weltwirtschaft brächen weg, ginge mein Wunsch in Erfüllung, einschließlich meines eigenen Arbeitsplatzes. Indes: Es bereitet mir jedes Jahr erhebliche Mühe, für meine Lieben ein passendes Geschenk zu finden. Und auf die Frage „Was wünschst du dir?“ fällt mir schon lange keine Antwort mehr ein, außer der vorstehenden, aber das versteht leider niemand in meinem Umfeld.

Was ich auch nicht beklage, sind Begleiterscheinungen wie Lichterketten, Weihnachtsmärkte und -sterne sowie Marzipan, Lebkuchen und Dominosteine ab August. Niemand wird gezwungen, dort hinzugehen beziehungsweise das Zeugs zu kaufen. Als Marzipanmöger bin ich stets einer der ersten, die weihnachtliches Naschwerk in ihr Einkaufskörbchen legen, und ein bis maximal drei alkoholischen Warmgetränken im Kreise lieber Menschen bin ich nicht abgeneigt.

Es gibt jedoch eins, das mich alljährlich so richtig stresst, und jetzt wird es ernst; hasste ich die Redewendung „Spaß beiseite“ nicht aus tiefstem Herzen, platzierte ich sie jetzt und hier: die Familie. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch – Ich liebe meine Eltern und mag die Verwandten, komme bestens mit ihnen aus, nie gab es ernste Konflikte und Krisen; das gilt in gleicher Weise für die Schwiegerfamilie, die ich sehr schätze. Wäre da nicht die Verpflichtung, Weihnachten mit ihnen zu verbringen. Weil es Tradition ist. Weil es erwartet wird. Immerhin: den Heiligabend verbringen wir schon seit Jahren in aller Gemütlichkeit hier zu Hause, ohne dass die familiären Bande ernsten Schaden genommen hätten – nachmittags „Drei Nüsse für Aschenbrödel“, abends gut essen mit gutem Wein, ganz in Ruhe zu zweit oder dritt, danach zum Nachbarn hoch auf ein, zwei Glas, dann ins Bett.

Doch am ersten Weihnachtstag geht es dann los: Noch leicht bekatert mit Millionen anderen auf die Autobahn, erst zur Schwiegerfamilie, essen, trinken, Bescherung; dann, am zweiten Weihnachtstag, zu meinen Eltern, wieder essen, anschließend zurück auf die Autobahn, erst am Abend zurück, völlig erschöpft. Fröhliche Weihnachten geht anders.

Und jetzt wird es heikel, denn mich plagt mein Gewissen. Denn wir haben beschlossen, dieses Jahr hier zu bleiben, die Tage in Ruhe zu dritt mit dem lieben Freund zu verbringen. Es fühlt sich noch falsch an. Aber dieses Jahr versuchen wir es einfach mal. Und plötzlich freue ich mich wieder auf Weihnachten, jedenfalls ein bisschen. Zum ersten Mal seit Jahren.

Gedanken zur Wiedergeburt

Gestern war Totensonntag, der Tag an dem der Weihnachtsmarkt geschlossen bleibt, auf dass Glühwein und Eierpunsch die Menschen nicht davon ablenken, der Endlichkeit allen menschlichen Strebens zu gedenken. Als nur noch rudimentär religiöser Mensch hege ich gewisse Zweifel an der Verheißung des ewigen Lebens, was bei meinem Lebenswandel vermutlich ohnehin nur einen längeren Aufenthalt in einem großen Kessel voller siedendem Öl bedeutete. Insofern erscheint es mir nicht völlig unwahrscheinlich, dass nach dem letzten Atemzug für immer die Lichter erlöschen; den Rest erledigen Würmer und Mikroben oder das Krematorium – Asche zu Asche, Staub zu Staub.

Sollte es mir jedoch vergönnt sein, nach meinem hoffentlich noch fernen Ableben erneut das Licht der Welt zu erblicken, so wüsste ich schon, als was ich es mir wünschte, wobei ich nicht weiß, ob man sich das aussuchen kann. Vielleicht kann man sich ja auf einem himmlischen Amt in eine Liste der freien Stellen auf Erden eintragen, vielleicht wird man auch einfach zugeteilt. So etwas erzählen sie einem ja nicht im Religions- oder Konfirmandenunterricht. Nein, nicht als Millionär, Pop- oder Pornostar, oder als majestetisch über Berg und Tal dahingleitender Adler. Mir genügte ein Dasein als Schwarzer Kellerpilz. Dieser lebt als dunkler Schimmelbelag in den Gewölben alter Weinkeller, wo er von den Winzern sehr geschätzt und keineswegs bekämpft wird, da er einen positiven Einfluss auf das Raumklima und dadurch das Entstehen edler Tropfen nimmt. Ich bräuchte nicht ins Büro zu fahren, mich nicht um sexuelle oder sonstige Abenteuer bemühen, stattdessen klebte ich still an meiner Kellerdecke und ernährte mich von den alkoholischen Ausdünstungen der Fässer. Gut, vom oben erwähnten Licht der Welt sähe ich nicht viel, doch das erscheint mir akzeptabel.

Ab und zu lauschte ich den Worten des Winzers, wenn er Besuchern etwas von Bouquet, Abgang und Aromen von dunklen Früchten und modrigem Leder erzählt, während sie ihm mit zustimmendem Nicken andächtig lauschen. Oder er sagt Sätze wie diesen:
„Für diesen Tropfen wünscht man sich einen Hals wie eine Giraffe, mit einer Wendeltreppe darinnen mit ausgetretenen Stufen, so dass sich Pfützen darin bilden.“

Ja, so ein Leben könnte mir gefallen. Und bis es so weit ist, genieße ich den Wein ganz profan aus einem Glas, beziehungsweise den Glühwein aus einem kitschigen Becher.