#Twoeln

Durch Zufall erfuhr ich vor einigen Wochen von „#Twoeln“, einem Twitter-Treffen, zu dem eine gewisse Zoover GmbH nach Köln geladen hatte; wer oder was Zoover ist, weiß ich nicht und es ist mir auch ziemlich egal, gebe ich zu. Die Twitter-Treffen, bei denen ich bislang war, waren immer sehr nett, ob in Bonn, Wiesbaden, Oberhausen oder Berlin, jedes Mal lernte ich Leute persönlich kennen, die mir von ihren Tweets her schon ziemlich vertraut waren. Also fuhr ich hin, zumal Köln ja nahe ist.

Twoeln also. Ich kann nicht behaupten, dass ich nicht gewarnt worden wäre. Die Tatsache, dass ich von der veröffentlichten Teilnehmerliste niemanden kannte, hätte mich misstrauisch machen können. Hat sie aber nicht. Die Menschenmeute vor dem Kölner Hauptbahnhof war nicht zu übersehen, zumal ein hochgehaltenes „#Twoeln“-Schild eindeutig den Weg (bzw. Platz) wies. So befand ich mich inmitten einer etwa 150-köpfigen Menschenmasse mit komischen Frisuren, von denen ich niemanden kannte und die allesamt – rein theoretisch, versteht sich – meine Kinder hätten sein können. Schnell machte ich einen Zoover-Menschen aus, bei dem man sich wohl melden musste/sollte/konnte/wasauchimmer, nannte meinen Namen:
„PlanC_“
„Deinen richtigen…“
„Carsten…“,
wurde auf einer Liste abgehakt, mehr passierte erstmal nicht. Eine knappe Stunde lang nicht. Vielleicht lag es an meiner angeborenen ostwestfälischen Zurückhaltung, vielleicht hatte es auch andere Gründe, dass ich mit niemandem ins Gespräch kam, vielleicht auch nicht kommen wollte, jedenfalls beschlich mich zum ersten Mal dieses Was-mache-ich-hier-eigentlich-Gefühl, Sie kennen das vielleicht.

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Kurz vor drei kam dann Bewegung in die Menge, dem #Twoeln-Schild folgend bewegte man sich zur Domtreppe, Gruppenfoto. Dann folgte der unvermeidliche Flashmob (dem ich nur als Zuschauer beiwohnte): wieder runter von der Treppe auf den Bahnhofsvorplatz, auf den ersten Pfiff aus einer Trillerpfeife hin in der gerade vollzogenen Bewegung erstarren, auf den zweiten Pfiff hin wieder bewegen. Witzig. Jedenfalls mögen das die Teilnehmer so empfunden haben, ansonsten hat es niemanden interessiert.

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Dann der Hauptprogrammpunkt: Gaffel-Brauhaus. Für die ersten 120 angemeldeten war ein Raum im Untergeschoss reserviert, alle anderen durften oben bleiben. Ich hatte die Nummer 128, Pech, oder Glück, oder egal. Hier offenbarte sich dann eine gewisse organisatorische Panne: Personen unter 16 Jahren dürfen das Brauhaus ohne ihre Erziehungsberechtigten nicht betreten, was erst jetzt bekannt wurde und gewissen Unmut auslöste. Somit hätte ich vermutlich nachrücken können ins Untergeschoss, was mir zu dem Zeitpunkt aber schon ziemlich egal war. Ich ging kurz hinein, also in den öffentlichen Bereich, sozusagen, mit der Idee, wenigstens, wo ich schon mal da war, ein bis zwei Kölner Bier zu verzehren und was zu essen; die Idee, interessante Kontakte zu knüpfen, hatte ich zu dem Zeitpunkt schon verworfen. Vielleicht vorschnell, wer weiß. Wie es der Zufall will, traf ich meinen Kollegen Gerd M., der mit einigen Freunden auf Brauhaus-Tour war und der vermutlich keinen blassen Schimmer hat, wer oder was Twitter ist.
Er: „Was machst du denn hier?“
Ich: „Ich treffe mich hier mit einigen Leuten.“
Er: „Von deinem Chor?“
Ich: (stammelnd) „Nein, äh, Internet, äh, muss mal sehen wo sie sind, viel Spaß noch…“ – Abgang Carsten K.
Und wieder die Frage: „Was mache ich hier eigentlich?“

Diese Frage beantwortete ich umgehend, indem ich das Lokal verließ, rüber zum Bahnhof ging und zurück nach Bonn fuhr, mit dem sicheren Gefühl – sicher tue ich der Veranstaltung mit dieser Annahme unrecht – für mich genau die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Noch im Zug kontaktierte ich meine Lieblingskollegin S. und wir trafen uns in unserem Lieblingsbiergarten, zumal heute der erste Biergartenwettertag war.

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Fazit: Es ist nicht meine Absicht, die Twoeln-Veranstaltung schlecht zu reden, und ich bin mir sicher, die 120 im Untergeschoss hatten sehr viel Spaß. Aber ich gehörte nicht zur Zielgruppe. Und ich muss nicht alles mitmachen, wo ein „#“ vor- und das blaue „t“ draufsteht. Auch eine Erkenntnis, und nicht die schlechteste.

2 Gedanken zu “#Twoeln

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