Liste der Nicht-Vorsätze für das neue Jahr

Jetzt ist wieder die Zeit der berühmten guten Vorsätze für das neue Jahr. Wir kennen das: Am Jahresende stellen wir eine Liste auf mit den Dingen, die wir im neuen Jahr besser, öfter, weniger, gar nicht mehr oder überhaupt endlich machen wollen. Würden wir uns diese Liste am darauf folgenden Jahresende erneut vornehmen, stellten wir fest, dass wir nichts, aber auch gar nichts von alledem in die Tat umgesetzt haben. Und weil das so ist, haben wir die Liste spätestens Ende Februar vergessen.

Ich dagegen habe eine Liste aufgestellt mit den Dingen, die ich 2010 n i c h t angehen, umsetzen, erreichen oder ändern will. Das Erfolgserlebnis am Jahresende ist garantiert. Hier also die Liste:

1. weniger / nicht mehr rauchen
2. weniger Alkohol
3. weniger „ÖPNV“
4. die Steuererklärung spätestens im April fertig haben
5. frühzeitig Gedanken über Geburtstags- und Weihnachtsgeschenke machen
6. weniger twittern, mehr bloggen
7. mehr Schreibdisziplin, mit meinem Buchdings ein wesentliches Stück weiter kommen
8. Eltern, alte Freunde und Bekannte öfter sehen
9. erwachsen werden
10. mehr lesen, weniger im Netz rumhängen und Pornos kucken
11. regelmäßiger laufen
12. mein Gayromeo-Profil löschen
13. Gleichgültigkeit gegenüber Followerzahl und Sternchen
14. mal k e i n Urlaub auf Gran Canaria
15. Französisch lernen
16. mehr fernsehen, um endlich mitreden zu können (Tatort, Bauer sucht Frau, Deutschland such den Dings…)
17. öfter (oder überhaupt wieder) ins Kino gehen
18. halbjährlich zum Zahnarzt gehen
19. ein Facebook-Profil einrichten
20. Juli / Silbermond / Wir sind Helden, oder wie auch immer die sich gerade nennen, mögen

Liste der nervigsten Alltagserscheinungen

Es folgt eine – zugegebenermaßen sehr subjektive und keinesfalls abschließende – Liste der alltäglichen Dinge, die mich einfach nur nerven:

1. Laubbläser. Zum Glück vorwiegend nur im Herbst
2. Handy-Klingeltöne. In der NEON stand mal: Sie sind wie Fürze. Jeder glaubt, der eigene sei nicht so schlimm.
3. Rappelnde Trolleykoffer. Nicht ganz so schlimm wie Laubbläser, dafür ganzjährig.
4. Media-Markt-Werbung. Eine echte Penetration im negativsten Sinne.
5. Mario Barth. Zum Brüllen komisch.
6. Die Kombination aus beidem. Kaum zu steigern, nicht mal durch
7. KöPi-Reklame mit Till Schweiger. Zum Glück schweigt er mittlerweile hierzu.
8. Xavier Naidoo. Das Jammern hat einen Namen.
9. Jan Delay. Das Knarren hat einen Namen.
10. Leute, die im Aufzug witzig sein wollen.
11. Schräbbelnde Geräusche aus den Handys jugendlicher Inhaber. Sie halten es für Musik.
12. Glasscherben überall am Sonntagmorgen. Dem Dosenpfand sei Dank.
13. Silvesterkracher. Außer an Silvester.

(Wird fortgeschrieben. Hinweise und Vorschläge werden gerne entgegen genommen.)

Ich müsste mal wieder was schreiben…

Vor einiger Zeit ließ ich mich hier über meine Freude am Schreiben auf der einen und über meine saumäßige Schreibdisziplin auf der anderen Seite aus. Was hat sich seitdem geändert? Nichts. Jedenfalls nichts in Richtung einer erkennbaren Verbesserung. Obwohl, ich schreibe seit einigen Monaten sehr regelmäßig und relativ viel: kurze Texte, nicht länger als 140 Zeichen, die sogar eine gewisse Leserschaft finden und von dieser zuweilen mit einem gelben Sternchen bedacht werden, Sie wissen was ich meine.

Auch einen längeren Text habe ich (seit über einem Jahr, insofern relativiert sich der Begriff „länger“ etwas) in Arbeit, ich weiß noch nicht, was daraus werden soll, ein Roman, eine Kurzgeschichte vielleicht. Das Problem ist (normalerweise hasse ich diese Phrase als Einleitung eines Satzes, in diesem Falle trifft sie jedoch den Nagel ins Auge): Ich schreibe nicht weiter daran, jedenfalls nicht regelmäßig. Dabei mangelt es nicht an Zeit und auch nicht an Ideen. Ich schreibe einfach nicht, warum auch immer. Nehmen wir einen typischen Sonntag, der eigentlich ideale Tag für schriftliche Betätigung. Erstmal ausschlafen, das ist ja klar. Dann ein ausgedehntes Frühstück mit meinem Partner, das ist uns heilig. Keine Ahnung, warum die diese Sonntagszeitung immer so umfangreich machen. Im Kulturteil lese ich über erfolgreiche Buchneuerscheinungen und die Schilderung eines normalen Arbeitstages des Autors. Schlechtes Gewissen packt mich und der feste Entschluss, mich später an den Schreibtisch zu setzen. Nach dem Frühstück verlagere ich mich in meinen bequemen Lieblingssessel am Fenster, wo ich die Zeitung zu Ende lese, anschließend blättere ich noch etwas in den Zeitschriften, die ich endlich mal lesen sollte, zumal die nächste Ausgabe bald kommt.

Das Wetter ist schön, wir beschließen, einen Spaziergang zu machen; danach, von der Wirkung frischer Luft getrieben, werde ich meiner kreativen Tätigkeit nachgehen. Der Weg führt uns am Biergarten vorbei. Wollen wir kurz auf eins…? Klar wollen wir. Kaum sitzen wir am Tisch unter hohen schattigen Kastanien, kommen Freunde von uns dazu, zufällig, nur auf ein Bier. Dabei bleibt es natürlich nicht, es ist so gemütlich, das Bier schmeckt. Als wir am frühen Nachmittag nach Hause kommen, lege ich mich hin, ein Stündchen nur. Als ich die Augen wieder aufschlage, schlägt die Kirchturmuhr sechs. Ich fühle mich noch etwas matt, zwinge mich aber vom Sofa. Einen Kaffee, eine Zigarette, dann an die Arbeit.

Während ich den Rechner starte, schauen mich ungeöffnete Post und zu tätigende Überweisungen anklagend an, die sich im Laufe der Woche auf dem Schreibtisch angesammelt haben. Deren Erledigung geht natürlich vor, erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Nachdem alles geöffnet, abgeheftet und überwiesen ist, öffne ich nun endlich die Datei meines Textes, der nun schon so lange seiner Vollendung harrt. Die erste halbe Stunde ist eine Qual. Ich lese das bereits geschriebene, ändere, ergänze oder streiche vielleicht das eine oder andere Wort oder einen ganzen Satz. Dann nähere ich mich dem vorläufigen Ende meines Textes, also der Stelle, an der es weiter gehen müsste. Ich habe lange nicht mehr meine Twitter-Timeline nachgelesen, nur ganz kurz. Zwei Tweets verlangen nach einer Antwort meinerseits, was ich umgehend voller Witz und Charme erledige.

Zurück zum Text. Also, wo war ich stehen geblieben. Der Satz, der jetzt geschrieben werden will, ist mit Abstand der schwerste. Er muss das vor längerer Zeit geschriebene verbinden mit dem noch zu schreibenden. Ein Blick auf die Uhr: ich muss meine Eltern anrufen, sonntags um diese Zeit rufe ich sie immer an, die warten sicher schon. Danach wird mir der Satz wie von selbst aus der Feder fließen, weil ich denn den Kopf etwas freier habe nach Erledigung familiärer Pflichten. – Keiner da, sind wohl unterwegs. Dann eben nicht. Gut, zum Text also. Ich beginne den problematischen Satz, kette mühsam Wort an Wort, bringe ihn zu Ende, Punkt. Nein, das geht nicht, er passt zum übrigen Text wie eine weiße Hand, die man einem Dunkelhäutigen transplantiert hat, weil gerade keine andere zur Hand, also ich meine, verfügbar war. Das Bild ist witzig, daraus kann man einen guten Tweet machen, der mir Sternchen, RT´s und Neufolger bringen wird, also wieder bei Twitter rein, wo ich neben der Platzierung des witzigen Tweets kurz die Timeline überfliege (33 Neueingänge, davon vier Antworten auf meine Tweets, denen ich gewohnt elegant entgegne).

Ich lösche den soeben geschriebenen Satz, der so gar nicht passen wollte und beginne einen neuen, wobei ich im Schreiben merke, ja, der fügt sich harmonisch an, davon noch zwei, drei weitere und der Schreibfluss würde mich erfassen. – Telefon. Meine Mutter. Detailreich erzählt sie mir die mehr oder weniger bedeutenden Ereignisse ihrer zurück liegenden Woche, ich ihr meine, wenn auch vielleicht nicht ganz so bis in alle Einzelheiten (manches müssen Mütter ja auch nicht wissen). Eine knappe halbe Stunde später, nachdem alles wesentliche ausgetauscht ist, widme ich mich wieder der Schrift. Der Satz steht wie eine Eins, perfekt, nun also der nächste, der mich dem Traum schriftstellerischen Ruhmes näher bringen wird. Mein Held betritt eine Kneipe. Ich habe Durst. Genauer: Kaffeedurst. Koffein wird die kreativen Gedanken erblühen lassen. Der Weg zur Kaffeemaschine führt mich an meinen Zigaretten vorbei. Gute Idee, lange nicht geraucht. Genüsslich stoße ich die bläulichen Wolken durch die Balkontür nach draußen, während der Kaffee duftend durchläuft.

In der Tat gehen mir die folgenden Sätze wesentlich besser von der Hand, der Text wächst, ich fühle mit meinem Helden, ich komme gut voran. Die Uhr leider auch. Nachdem ich den Satz zu Ende gebracht habe, muss ich aufhören, unaufschiebbare Einladung zum Essen, wir sind sowieso schon spät dran. Morgen; morgen werde ich an dieser Stelle nahtlos anknüpfen, das nehme ich mir fest vor. Wenn nicht… siehe oben.

Treue – eine Frage der Definition

Ich mag heterosexuelle Menschen. Ganz ehrlich, ich begegne ihnen ohne Vorbehalte, und irgendetwas wird sich die Natur ja dabei gedacht haben, dass es so viele von ihnen gibt. Sie müssen niemals die dämliche Frage „Und wer ist bei euch die Frau?“ beantworten, also jedenfalls in den meisten Fällen nicht, und alles ist bestens geregelt: sie zieht die Brut auf, er schaut Fußball. Das war schon immer so und wird voraussichtlich auch immer so sein. So weit, so gut. Und mit ebendieser Beständigkeit wird sich auch das für mich größte Rätsel des Heterodaseins, wenn nicht der menschlichen Existenz überhaupt behaupten.
Treue.
Was genau ist Treue? So viel ist klar: es reimt sich auf Reue. Und das ist das Problem: Wenn das Weibchen einem anderen Männchen als dem seinen auf den knackigen Hintern schaut, wenn das Männchen von den weiblichen Formen seiner Kollegin fasziniert ist, wenn es gar zu Berührungen kommt, bis hin zum Knutschen und zur Kopulation, dann wird es schwierig. Schlechtes Gewissen, Beichte, Krise, das Ende. Sie nennen es Affäre, Ausrutscher, Betrug. Zahlreiche Romane, Filme und Fernsehserien gäbe es nicht ohne diese Problematik.

Ich stehe ratlos davor und frage: Hä?

Leute, entspannt euch, es ist doch nur die temporäre Befriedigung eines uns von der Natur auferlegten Triebes, ein bisschen Marktwertanalyse, Selbstbestätigung, vielleicht ein wenig fummeln, maximal Austausch von Körperflüssigkeiten, ein bisschen hin und her, bis das schöne Gefühl kommt. Und deswegen wollt ihr euch gleich trennen? Mal ehrlich, ich liebe Entenbrust mit Orangensoße, aber deswegen muss ich die doch nicht jeden Tag haben, ab und zu ist doch eine Currywurst, ein Schnitzel Wiener Art oder gar ein Menü aus dem Restaurant mit dem güldenen M auch mal ein Genuss, oder etwa nicht?

Ich schweife ab. Treue. Ja, ich liebe meinen Partner über alles, er ist die Nummer eins, er ist der, der zu mir gehört, und umgekehrt. Aber man trifft uns auch ohne den anderen an. In der Stadt, in der Kneipe, in der Sauna, im Darkroom. Und ja, es kommt dort durchaus zu Übergriffen, Berührungen, Austausch von Körperflüssigkeiten. Das schöne daran ist: Ich darf das, und er auch, ganz ohne Heimlichtuerei und schlechtes Gewissen. Treue ist, wenn ich danach abends mit IHM einschlafe und am nächsten Morgen wieder mit IHM aufwache.

Ich bin treu, schon seit vielen Jahren.

Gezwitscher

Am Anfang war das Wort
Ich gebe es zu: ich bin twittersüchtig. Das fing ganz harmlos an (so wie jede Sucht zumeist harmlos anfängt): Ich las irgendwann von diesem „Mikroblogdienst“ in der Welt Kompakt, die mir mein Arbeitgeber freundlicherweise kostenlos zur Verfügung stellt. Zunächst dachte ich: Aha, wieder so eine Online-Community (welch grausiges Wort, aber das ist wohl eines von denen, für die es keine angemessene deutsche Entsprechung gibt), nicht weiter interessant für mich. Mitglied bin ich in einigen: StayFriends, Wer-kennt-wen, NEON, XING, in welchen ich mehr eine digitale Karteileiche denn ein aktives Mitglied bin, und Gayromeo, wo ich dann schon etwas aktiver bin, aber das ist eine andere Geschichte, zu der ich mich später mal an dieser Stelle äußern will. Mit facebook habe ich mich noch nicht befasst, und wie es aussieht, wird es in absehbarer Zeit auch nicht dazu kommen. Nun also Twitter. Mein Interesse erwachte, als Welt Kompakt anfing, täglich auf der Titelseite die „Tweets des Tages“ abzudrucken. Und die fand ich teilweise richtig gut, witzig, oft sehr lebensnah, und – kurz. Mein eigenes Profil war recht schnell eingerichtet, es konnte los gehen. So ganz hatte ich das Prinzip zu Anfang nicht verstanden. Gut, ich konnte also kurze Texte absetzen, die dann vielleicht irgendwer lesen würde, oder auch nicht. Auch ich konnte die Texte anderer lesen, jede Menge sogar, die meisten davon in Englisch oder in irgendwelchen asiatischen Schriftzeichen.

Verfolgungswahn
Wenig später lernte ich dann das mit den Followern: Wenn mir ein Textchen zusagte (was in der riesigen Flut die Nadel im Heuhaufen war), konnte ich dem Verfasser folgen, und konnte fortan lesen, was er von sich gab. Anfangs hatte ich leichte Hemmungen, jemandem zu folgen, war es doch irgendwie so, als klingelte ich bei einem wildfremden Menschen an der Tür, setzte mich in sein Wohnzimmer und lauschte seinen Gesprächen. Nach Überwindung meiner virtuellen Schüchternheit folgte ich schließlich doch einigen, und siehe da, meine – noch sehr überschaubare – Timeline wies plötzlich lesenswerte Beiträge auf. Nun begann die Jagd nach weiteren interessanten Twitteraten, die meine Timeline schmücken sollten. Diese fand ich zumeist beim Gefolge und den Verfolgten der von mir gefolgten (ich hoffe, Sie können mir folgen), und bald folgte ich also einer zweistelligen Zahl von Twitteraten.

Bald hatte auch ich einige Follower, jeder neu hinzu gekommene – außer Britney vielleicht – erfüllte mich mit Stolz (woran sich bis heute nichts geändert hat), immerhin gab es also Leute, die meine schriftlichen Absonderungen in gewisser Weise interessant fanden. Das hat wohl was mit dem Streben nach Aufmerksamkeit zu tun, welches jedem Menschen innewohnt. Die logische Folge: es müssen mehr werden, mehr Follower, mehr Aufmerksamkeit, Ruhm, Ehre… typisches Suchtverhalten eben. Dabei ist das bei sachlicher Betrachtung Unfug: In meiner Timeline tauchen ja nur diejenigen auf, denen ich folge, die Anzahl meiner Follower ist dagegen erstmal völlig unerheblich. Erstmal. Aber es fühlt sich schon unterschiedlich an, ob das, was ich jetzt schreibe, zehn, hundert oder (vielleicht irgendwann mal) tausend Leute lesen.

Während ich diese Zeilen schreibe, habe ich 254 Follower und folge meinerseits 245 anderen. Das ist zwar nicht wenig, verglichen mit der Twitterprominenz aber geradezu lächerlich wenig. Rational nicht zu erklären: Idealerweise folgt man einer überschaubaren Anzahl, weil man sonst seiner Timeline nicht mehr Herr wird, wenn man längere Zeit nicht gelesen hat (dazu komme ich später noch) und hat gleichzeitig eine nach oben unbegrenzte Anzahl Follower (wegen der Sucht nach Aufmerksamkeit, siehe oben). Die Followerzahl ist das zentrale Element des Twitteratendaseins: je mehr desto besser. Gleichzeitig für mich auch das größte Rätsel. Nicht wenige haben Follower in vier- und sogar fünfstelliger Anzahl, und wenn ich mir die Tweets mancher Großtwitteraten durchlese, frage ich mich: warum? Gut, bei vielen von ihnen ist es klar, ihre Tweets sind einfach gut, witzig, mit intelligenten Wortspielen, ja, aber andere? Warum folgen denen so viele, oder anders gefragt, was ist an deren Tweets so viel besser als an anderen? Ich habe bereits die Verfolgung mehrerer Großtwitteraten wieder beendet (z. B. Herr L.), weil sie meine Timeline zwar füllten, aber nicht bereicherten. Und doch, ich gebe es zu, empfinde ich es geradezu als einen Ritterschlag, wenn plötzlich einer von ihnen zu meinen Followern zählt, ob sie nun in meinen Augen gut sind oder nicht.

Followerfriday!
Der Feiertag des Twitteraten ist der Freitag. Am sogenannten Followerfriday empfiehlt man mit dem Zusatz „#Followfriday“ oder kurz „#FF“ (ja ich weiß, in anderen Kreisen hat FF eine gänzlich andere Bedeutung, die wohl nicht unbedingt von jedermann als empfehlenswert empfunden wird) Twitteraten, die man a) für besonders lesenswert hält oder b) bei denen man sich erhofft, dass sie einen zurückempfehlen und sie somit die eigene Followerzahl zu steigern helfen. Somit sollte man, wenn man die Variante b) anstrebt, Großtwitteraten empfehlen. Die haben zwar genug Follower und somit die Empfehlung eines Kleintwitteraten wie mir überhaupt nicht nötig, aber wenn sie denn wunschgemäß reagieren würden, hätte das eine entsprechende Werbewirkung auf den Empfehlenden. Ja, wenn sie denn würden. Tun sie aber nicht. Niemals. Doch, einmal wurde ich tatsächlich von einem (von mir nicht nur deswegen sehr geschätzten) Großtwitteraten empfohlen, die Wirkung war wirklich eindrucksvoll: innerhalb von einer Stunde kamen über 30 Neufölglinge dazu, sichtlich stolz sank ich abends ins Bett. Seitdem warte ich Freitag für Freitag vergeblich auf eine Wiederholung. Aufgrund dieser vergeblichen Erwartung hat der Followerfriday für mich etwas von der Ziehung der Lottozahlen: zwei bis drei Empfehlungen ernte ich an guten Tagen, aber die bleiben zumeist folgenlos.

Ich selbst empfehle übrigens nur noch Kleintwitteraten wie mich, die in meinen Augen eine Steigerung ihrer Followerzahl verdienen. Leider werden sich durch meine Empfehlung auch ihre Followerzahlen nicht nennenswert erhöhen. Daher erwäge ich, mich künftig überhaupt nicht mehr am Followerfriday zu beteiligen.

Zeitfresser Timeline
Die Timeline ist das Zentralorgan des Gezwitschers: Hier ist in chronologischer Reihenfolge nachzulesen, was die von mir verfolgten im Laufe des Tages und der Nacht zwitschern. Hinzu kommen meine eigenen verbalen Ergüsse. Nun bin ich – und das ist das Problem – stets bestrebt, auf dem Laufenden zu sein, nichts zu verpassen. Nicht auszudenken, einen guten Tweet eines meiner Lieblingstwitterer zu verpassen! Das dumme ist, die schreiben alle, Tag und Nacht, unentwegt, die Timeline verlängert sich minütlich, was zur Folge hat, dass ich, wenn ich nichts verpassen will, alles nachlesen muss. Wenn ich mal ein paar Stunden oder gar Tage nicht gelesen habe (eine schmerzliche Erfahrung für den Twittersüchtigen ist ja, dass man eben nicht permanent dabei sein kann, es gibt dummerweise ein Leben außerhalb von Twitter), dann dauert das entsprechend lange. Deshalb sollte man, ich deutete es oben bereits an, nicht zu vielen folgen, da man es sonst nicht mehr schafft, alles nachzulesen: in der Zeit, in der man liest, kommt die doppelte Menge an Tweets neu hinzu, eine nicht zu bewältigende Aufgabe, unendliches Lesen, ohne essen, trinken, kacken gehen. Das heißt, letzteres kann man dank iPhone ganz gut miteinander kombinieren. Stichwort iPhone: ein Segen oder ein Fluch für den Twittersüchtigen, wie man´s nimmt. Dank Tweetie kann ich immer und überall dabei sein, an der Bahnhaltestelle, in Besprechungen, im Darkroom, auf dem Klo, einfach überall, wo es ein Netz gibt.

Die Zahl meiner Verfolgten hat im Moment fast die ideale Größe: ich schaffe es morgens vor der Arbeit, die Tweets der Nacht aufzuarbeiten und muss dafür nur etwa eine halbe Stunde früher aufstehen als vorher, als es Twitter für mich noch nicht gab, ein akzeptabler Preis, wenn ich dafür auf dem Laufenden bleibe, finde ich. Ganz schlimm, wenn man während eines Auslandsurlaubs wegen der hohen Roaminggebühren wochenlang netzabstinent ist, dann braucht man nach dem Urlaub nochmals mehrere Tage zusätzlich, um die Timeline aufzuarbeiten, die zurvor mühsam erworbene Erholung ist dahin.

Mehr Verfolgungen meinerseits darf es somit nicht geben; für jeden Neuverfolgten muss leider ein anderer gehen. Besser zwei oder drei. Aber das bringe ich nicht übers Herz (es sei denn, deren Tweets belasten die Timeline mehr als dass sie sie schmücken, siehe oben). Mit dem entfolgen ist das ja auch so eine Sache. Wie gesagt, ich habe, von Ausnahmen abgesehen, Hemmungen, andere zu entfolgen, vor allem dann, wenn sie zu meinem eigenen Gefolge gehören, etwas in mir findet das unhöflich, so als ob man sich jemandem mitten im Gespräch abwendet. Aber manchmal muss es einfach sein, ich kann nicht wegen Twitter noch früher aufstehen. Im übrigen, da mache ich mir nichts vor, ist es den entfolgten vermutlich völlig egal, im Zweifelsfall merken sie es gar nicht. Weiterhin entfolge ich ungern Twittereraten, die in etwa so wenige Follower wie ich oder noch weniger haben, wir Mikrotwitterer müssen da zusammenhalten, finde ich, auch wenn es die Timeline künstlich aufbläht.

Ich folge grundsätzlich nur Twitteraten, deren Tweets mir aufgrund ihrer Witzigkeit, Wortspiele, ihres Unterhaltungswertes oder Informationsgehaltes gefallen. Wichtig dabei ist mir, dass sie was eigenständiges (ob es wirklich was eigenes ist, sei mal dahin gestellt, auch dazu komme ich noch) zwitschern; andere hingegen, deren Tweets stets mit „RT“ beginnen, aus Replies bestehen oder die ausschließlich auf irgendwelche Links verweisen, haben bei mir wenig Chancen. Auch ist es kein Nachteil, wenn die Tweets in orthographisch korrektem Deutsch verfasst sind. Gut, bei den „RT´s“ und Replies drücke ich ein Auge zu, wenn sie sich auf einen Tweet von mir beziehen…

Maximal 140 Zeichen…
…ergeben einen Tweet. Ja, was schreibt man? Also so, dass es für andere in irgendeiner Hinsicht unterhaltsam ist? Keineswegs sollte man die von Twitter vorgegebene Frage „What are you doing?“ zu wörtlich nehmen. Niemanden interessiert es, dass ich vielleicht gerade Blumen gieße oder auf dem Klo sitze, was aber viele (und zugegebenermaßen manchmal auch mich) nicht davon abhält, genau solche Tweets zu verfassen. Ich persönlich mag am liebsten witzig-intelligente Wortspiele, einige meiner Verfolgten haben das perfekt drauf. Meine eignen Tweets entstehen zumeist durch plötzliche Eingebung oder es sind Sätze und Situationen, die ich irgendwo aufgeschnappt habe. Manchmal denke ich auch etwas länger darüber nach, z. B. wenn ich auf ein Wort stoße, bei dem ich denke: Daraus könnte man was machen. Ja, seit ich twittere, nehme ich meine Umgebung ganz anders wahr, immer auf der Suche nach dem perfekten Tweet, der mir Ruhm, Ehre und Neufollower in vierstelliger Anzahl bringt.

Eine Frage beschäftigt mich seit längerem: Ist nicht irgendwann der Zeitpunkt erreicht, an dem alles von irgendwem schon einmal geschrieben wurde? Wo man sich einen lustigen Tweet ausdenkt, anschließend aber des Abschreibens bezichtigt wird? Mir selbst ist das schon passiert: Nachdem ich ein Textchen verfasst hatte, bekam ich von einem aus meinem Gefolge umgehend eine Beschwerde mit Hinweis auf einen etwas älteren Tweet von ihm mit ähnlichem Inhalt. Andererseits: ist das so schlimm? (Auch dieser Text hier ist vermutlich in ähnlicher Form in tausenden von Blogs zu lesen.)

Stars und Sternchen
In der Grundschule gab es anfangs Sternchen statt Noten, wenn man seine Hausaufgaben ordentlich gemacht hatte. Bei Twitter gibt´s auch Sternchen, für gute Tweets, und zwar gelbe. Im Twitter-Fachjargon heißt das „faven“: ich fave, du favst, er/sie es favt, ich habe gefavt, wir werden gefavt haben und so weiter. Auch etwas, dessen Tragweite mir anfangs nicht in vollem Umfang bewusst war. Dass ich selbst Sternchen geben konnte für Tweets, die mir besonders gefallen, und dass diese dann unter meinen „Favorites“ gespeichert sind, war klar. Nicht klar war mir jedoch, wie wichtig es ist, selbst viele Sternchen für seine Tweets zu bekommen, zumal man auf Twitter.com ja auch gar nicht erkennen kann, wie häufig die eigenen Tweets gefavt wurden und von wem, auch das ist wichtig. Dafür gibt es favstar.fm. Und siehe da, plötzlich konnte ich nachschauen, wie viele Sternchen mir mein Gefolge für welche meiner Tweets geschenkt hat. Ich war überrascht: zum einen über die unerwartet hohe Anzahl, viel mehr jedoch darüber, welche Tweets für sternchenwürdig befunden worden sind, vor allem aber, welche nicht: manch ein spontan hingeschriebener mittelmäßiger Text erstrahlt im Sternenfunkeln, während andere, die ich persönlich nahe an der Grenze zur Genialität sehe, in der Dunkelheit der Nichtbeachtung verschwinden. Vielleicht habe ich diese auch nur zur falschen Zeit geschrieben und sollte sie noch mal bringen in der Hoffnung, dass es keiner merkt. Auch eine interessante Frage: Wie alt muss ein Tweet sein, damit das funktioniert? Ich werde es ausprobieren. favstar: auch so eine Sucht zur Sucht. Mehmals täglich juckt es mich in den Fingern, nachzuschauen, ob frische Sternchen eingetroffen sind, in etwa vergleichbar mit dem beifallheischenden Blick in die Runde, ob jemand grinst, wenn man etwas vermeintlich witziges gesagt hat. Ich arbeite daran, es in den Griff zu bekommen. Ziel ist es, künftig nur noch einmal am Tag nachzuschauen. Mein Therapeut meint, ich mache Fortschritte.

Der kleine Bruder des Sternchens ist der „RT“. Auch wenn ich, wie ich obern bereits erwähnte, Tweets, die mit „RT“ beginnen, meistens überlese, erfreut es mich doch sehr, wenn ich dann und wann ein Textchen von mir mit einem „RT“ versehen wieder lese.

Die Krönung meiner Twitteratenkarriere sehe ich darin, eines fernen Tages einen meiner Tweets auf der Titelseite der Welt Kompakt unter den „Tweets des Tages“ wieder zu finden. Jeden Morgen mein erster Blick in die Zeitung, noch bevor ich meinen Rechner im Büro starte: wieder nicht dabei. Das gemeine ist, es gibt einen (ebenfalls von mir sehr geschätzten) Großtwitterer, der erscheint jede Woche mindestens einmal dort. Warum immer der, warum nie ich? Ich gönne es ihm, und doch nagt es an mir, ich weiß nicht, wie lange ich das noch nervlich durchstehe.

So, das soll reichen. Ich könnte noch weiteres zu diesem Thema schreiben, habe aber keine Zeit mehr, muss noch meine Timeline abarbeiten.

Ach so, für den eher unwahrscheinlichen Fall, dass sich jemand für mein Gezwitscher interessieren sollte: Twitter.com/PlanC_

3. Aktualisierung: Liste der nervigsten Redewendungen und Floskeln

1.) „Okay…“ mit anhebender Stimmmodulation auf der zweiten Silbe. Mein absoluter Spitzenreiter.
2.) „Gesundheit!“ Verdammt, lasst mich doch einfach in Ruhe niesen!
3.) „Geht das zusammen oder getrennt?“
4.) „nicht wirklich“
5.) „Wir müssen die Leute mit ins Boot holen“
6.) „Wir müssen die Leute abholen“
7.) „Da bin ich ganz bei dir/Ihnen“
8.) Ganz neu und ganz schlimm: „Da bin ich fine mit“ (oder „fein“?)
9.) „Gerne!“ als Antwort auf „Danke“
10.) der Klassiker: „Mahlzeit!“
11.) „Da sind wir gut unterwegs“
12.) „Da sind wir gut aufgestellt“
13.) „Kein Thema!“
14.) „Herausforderung“ statt einfach „Problem“…
15.) „Hallo…??“ statt „Hä?“ (was zugegebenermaßen auch nicht schöner ist)
16.) „Ich freue mich auf…“ im Zusammenhang mit geschäftlichen Terminen/Angelegenheiten/was auch immer. Das glaubt ihr doch selbst nicht!
17.) „So was von (beliebiges Adjektiv)
18.) „Ich sag mal…“
19.) „Na Urlauber…?“ am ersten Tag nach dem Urlaub. Als wenn es nicht so schon schlimm genug wäre, wieder arbeiten zu müssen!
20.) „Das geht g a r nicht!“ Wirklich nicht.
21.) „Wie (beliebiges Adjektiv, zumeist jedoch ‚geil‘) ist d a s denn??“
22.) „Am Ende des Tages…“
23.) „Das macht Sinn“
24.) „Super-GAU“, genau so unsinnig wie „das einzigste“
25.) „Quantensprung“. Ich nehme an, 95% derjenigen, die das Wort benutzen, kennen dessen eigentliche Bedeutung nicht.
26.) „mit Migrationshintergrund“ trieft nur so vor politischer Korrektheit.
27.) „Du, damit habe ich kein Problem.“ Da schwingt stets genau das Gegenteil mit.
Neu:
28.) „wünsche … gehabt zu haben!“
29.) „Wer mich kennt, weiß, dass ich (blablabla)…“ Gerne von Vorständen und ähnlich „wichtigen“ Personen genutzt
30.) „Da müssen wir jetzt Gas geben“
31.) „Das habe ich auf dem Schirm“
32.) „spannend“ im Zusammenhang mit irgendwelchen halbwichtigen geschäftlichen Angelegenheiten
33.) „Ich bin im Moment lost“
34.) „An der Stelle…“ als Füllfloskel
35.) „Und äh…“ als Satzeinleitung, vor allem, wenn danach sekundenlang nichts mehr kommt

Die Liste wird laufend fortgeschrieben. Ergänzende Hinweise nehme ich gerne entgegen.

Gesundheit!

Mit Entsetzen habe ich erfahren, dass es laut dem neuesten Knigge wieder angezeigt ist, dem Niesen eines Mitmenschen mit einem herzlichen „Gesundheit!“ zu begegnen, nachdem es jahrelang verpönt war, wenn auch nur theoretisch. Warum nur theoretisch? Nun, mir sind selten Menschen begegnet, denen es nicht innerhalb von Sekundenbruchteilen nach dem Nieser eines anwesenden geradezu zwanghaft, gleichsam fremdgesteuert entfuhr, ob das nun in Knigges Sinne war oder nicht. Der absurde Automatismus, der diesem Ausruf innewohnt, wird besonders deutlich bei einer Nieserserie, vielleicht zwei- oder dreimal hintereinander im Abstand weniger Sekunden: Dann entsteht schon mal ein Dialog wie „Hatschi“ – „Gesundheit“, „Hatschi“ – „Gesundheit“, „Hatschi“ – „Gesundheit“ und so weiter. (Anmerkung: „Hatschi“ ist natürlich ein reines Kunstwort. Selten habe ich jemanden dieses Wort anlässlich eines Niesers nutzen gehört, vielmehr entfährt dem Niesenden ja ein mehr oder weniger krachender Schnaublaut, der mit den Buchstaben dieser Tastatur nur sehr unvollkommen wiedergegeben kann, so etwas wie „hgrmfsch“, oft noch ergänzt um ein beifallheischendes „Uaaa“ oder „Huiuiui“. Andere wiederum beherrschen die Kunst, den Nieser nahezu lautlos zu erzeugen, sie leiten ihn irgendwie nach innen um, wie auch immer die das machen und wohin auch immer die Luft sich entlädt, wir wollen das hier nicht vertiefen.)

Nun soll es also wieder salonfähig sein, ja schlimmer, es wird geradezu erwartet, so wie man jemandem einen „Guten Morgen“, „Guten Abend“ oder eine „Gute Nacht“ wünscht, je nach Tageszeit, versteht sich. Ich bin verzweifelt! Aber ich mache das nicht mit. So, wie ich bislang anscheinend der einzige mir bekannte kniggekonforme Nichtgesundheitsager war, werde ich dann eben jetzt zum nichtkniggekonformen. Wer ist schon Knigge. Ich lasse mir von den geistigen Nachfahren diese Freiherrn eine solch überflüssige Floskel nicht aufzwingen.

Schlimmer noch als die Erwartung an mich, dieses Wort zu gegebenem Anlass abzusondern, sind die Ausrufe desselben von anderen, wenn mich die Nase reizt. Aber diesem Ungemach begegne ich auf sehr einfache Weise: ich niese nur noch, wenn ich alleine bin. Sobald jemand auch nur in Hörweite ist, niese ich nicht. Das geht! Der Niesreiz kündigt sich ja in der Regel einige Sekunden vorher an. Dann halte ich die Luft an und spreche innerlich (wirklich nur innerlich, das ist wichtig, um nicht für geistesgestört gehalten zu werden, jedenfalls nicht deswegen): „Ich werde jetzt niesen, eins, zwei, haaa…“ und nichts passiert. So wie der Niesreiz kam, geht er wieder, geräusch- und vor allem kommentarlos. Das funktioniert fast immer.

Wenn es sich dann doch mal gar nicht vermeiden lässt und das Unvermeidliche eintritt, gibt es zwei Möglichkeiten. Die erste wurde von Knigge daselbst empfohlen: Direkt im Anschluss an den Nasendonner fügt man ein „Entschuldigung“ an und nimmt damit, noch bevor sie es aussprechen können, den Gesundheitsagern den Wind aus den Segeln. Die zweite finde ich persönlich origineller: Statt des erwarteten „Danke“ ein unschuldiges „Bitte?“ entgegnen. Das verwirrt den Gegner zunächst, wird ihn aber langfristig an der Sinnhaftigkeit seines Ausrufes zweifeln lassen.

Warum rufen Menschen eigentlich „Gesundheit“, wenn jemandem ein Nasensturm entfährt? Die Entstehung dieser (Un-)Sitte soll auf die Zeiten der Pest und Tuberkulose zurück gehen, wo man allerdings sich selbst meinte, wenn man einem niesenden das Wort zurief. Das mag verständlich erscheinen in Zeiten, wo es nichts geeignetes von Ratiopharm & Co gab. Aber warum um alles in der Welt hat sich dieser Unfug bis in unsrige Tage halten können? Zumal es ja grundsätzlich erstmal nicht schlimm ist, wenn man niest, dem muss ja nicht gleich eine todbringende ansteckende Krankheit zugrunde liegen, vielleicht hat sich ja auch nur ein kleines Insekt verirrt, welches aber wohl nur in den seltensten Fällen Adressat des gerufenen sein wird. Warum also ruft man es nicht auch, wenn jemand hustet, den Arm in Gips trägt oder den Anschein einer Geistesstörung erweckt? Wir können nur froh darüber sein, denn gerade aufgrund des letztgenannten Beispieles wäre zu erwarten, dass vor lauter „Gesundheit!“-Rufen keine halbwegs flüssige Kommunikation mehr zustande käme. Man stelle sich auch einmal die mögliche Geräuschkulisse auf einem Krankenhausflur vor.

Unbestritten ist die Gesundheit elementarer Bestandteil des allgemeinen Lebensglücks. Dennoch hilft es nichts, sie ständig an- oder auszurufen. In diesem Sinne: Wohlsein!